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Erstmals in der Geschichte Saudi-Arabiens dürfen Frauen in dem islamisch-konservativen Königreich ans Steuer. Zur Feier des Tages haben sich einige Frauen in einen Gokart gesetzt.  Bild: EPA/EPA

Endlich: Frauen dürfen in Saudi-Arabien Auto fahren – auch Gokart

24.06.18, 05:08 24.06.18, 05:48


Saudi-Arabien war das letzte Land, in dem Frauen nicht Auto fahren durften. Viele setzten sich gleich nach Mitternacht ans Steuer. Doch der historische Tag wird von einer Verhaftungswelle überschattet.

Diese Frau erhielt gerade ihren Führerschein.  Bild: AP/AP

Erstmals in der Geschichte Saudi-Arabiens dürfen Frauen in dem islamisch-konservativen Königreich ans Steuer. Um Mitternacht Ortszeit endete am Sonntag (Samstag/23 Uhr MESZ) das Autofahrverbot für Frauen. Die Massnahme sei offiziell in Kraft getreten, meldete der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija. Viele Saudis sehen darin eine historische Zäsur für das Land. Al-Arabija zeigte live, wie sich eine Frau in der Hafenstadt Dammam im Osten des Landes hinter das Steuer setzte und losfuhr. Saudi-Arabien war weltweit des letzte Land, in dem Frauen nicht Auto fahren durften.

Witze über Frauen am Steuer

In der Hauptstadt Riad startete die 30 Jahre alte Wala Abu Nadschm im Wagen ihres Mannes die erste Fahrt im saudischen Verkehr. «Endlich kann ich meine Familie besuchen, ohne meinen Mann fragen zu müssen, ob er mich fährt», freute sie sich. Ihre grösste Sorge sei die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Ende des Fahrverbots. Im Internet kursieren seit Monaten saudische Witze über Frauen am Steuer.

Auch in anderen saudischen Städten fuhren Frauen erstmals los. Allerdings liegt über dem historischen Tag ein Schatten: Ausgerechnet viele der Aktivistinnen, die sich über Jahre für das Ende des Frauenfahrverbots eingesetzt hatten, müssen ihn nach einer Verhaftungswelle in den vergangenen Wochen im Gefängnis erleben.

Eine Automesse für Frauen in Saudi-Arabien

Video: srf

Gesellschaftlicher Wandel

Das Ende des Autofahrverbots für Frauen gehört zu einer Reihe von Reformen, mit denen das saudische Königshaus das Land öffnen möchte. Seit einigen Monaten sind bereits Konzerte erlaubt. Auch Kinos wurden wieder zugelassen. Vorangetrieben werden die Reformen vom 32 Jahre alten Kronprinz Mohammed bin Salman, der als starker Mann und künftiger Herrscher des autokratischen regierten Königreiches gilt. Vor allem unter jungen Saudis geniesst er Ansehen - konservative beobachten die Reformen jedoch skeptisch. Sie stossen sich vor allem an der Aufweichung der strikten Trennung von Männern und Frauen.

In den vergangenen Wochen hatten die Behörden die ersten Führerscheine an Frauen ausgegeben, damit diese direkt am Sonntag starten können. Viele Frauen tauschten nach einem Praxistest zudem ihre ausländischen Führerscheine in saudiarabische Papiere um. In den vergangenen Tagen wurden die Menschen in den grössten Städten des Landes ausserdem mit Veranstaltungen auf das Ereignis eingestimmt. Das Bewusstsein für sicheres Autofahren sollte dabei mit Trainings und Fahrsimulatoren gestärkt werden.

Zum historischen Tag in Haft

Das Ende des Verbots soll den Frauen auch helfen, stärker auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Bisher sind sie oft auf Chauffeure angewiesen. Saudi-Arabien bemüht sich darum, seine hohe Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern und will deswegen die Wirtschaft umbauen.

Viele Frauen befürchten jedoch, dass die Strasse zu einem Ort der Belästigung durch Männer werden könnte. Als Reaktion auf die Sorgen der Frauen hatte die Regierung ein Gesetz beschlossen, das sexuelle Belästigung unter hohe Strafen stellt. Wer sich eines Vergehens schuldig macht, kann mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet bis zu 80'000 Franken bestraft werden.

Der historische Tag wird von einer Verhaftungswelle überschattet. Die Behörden hatten im Mai mehr als ein Dutzend Frauenrechtsaktivisten festgenommen. Mindestens neun von ihnen sind noch immer in Haft. Ihnen wird vorgeworfen, mit «feindlichen» ausländischen Mächten in Kontakt gestanden zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einer «Razzia gegen abweichende Meinungen».

Das harte Vorgehen gegen Aktivisten wird als Warnung der autokratischen Führung gesehen, dass sie das Ausmass der Reformen selbst bestimmen will. Das «Project on Middle East Democracy» schrieb, die Festnahmen seien ein bedrohliches Zeichen, dass Saudi-Arabien die Zivilgesellschaft auslöschen wolle. (sda/dpa/afp)

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Knety 24.06.2018 16:45
    Highlight Immerhin.
    Trotzdem liegt noch ein weiter Weg vor diesem Land.
    3 0 Melden
  • Oh Dae-su 24.06.2018 11:04
    Highlight Schöne Entwicklung. Dann ist Saudi Arabien jetzt also kulturell quasi von der Steinzeit in die Bronzezeit vorgestossen. Mal schauen, ob sie's auch noch irgendwann in die Moderne schaffen.
    1 0 Melden
  • Ale Ice 24.06.2018 09:03
    Highlight Siehe auch Amnesty International: "Ab Sonntag, 24. Juni 2018 dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren. Bittere Ironie: Genau die Aktivistinnen, die sich seit Jahren dafür eingesetzt hatten, wurden verhaftet. Amnesty lanciert deshalb eine weltweite Online-Aktion und fordert ihre sofortige Freilassung."
    https://www.amnesty.ch/de/laender/naher-osten-nordafrika/saudi-arabien/dok/2018/freiheit-fuer-saudische-frauenrechtsaktivistinnen/aktion
    5 0 Melden
    • Stichelei 24.06.2018 22:53
      Highlight Danke, dass du inmitten dieses Jubels über diesen „wahnsinnigen“ Schritt der Saudis die traurigen Fakten in Erinnerung rufst.
      2 0 Melden
  • lilie 24.06.2018 06:19
    Highlight Ein wichtiger Schritt für die Frauen in Saudi-Arabien zu mehr Selbständigkeit und Selbstbestimmung! 👍

    Auch die Möglichkeit, sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit anzeigen zu können, ist zu begrüssen. Ob dies tatsächlich auch in Anspruch genommen und ein Täter auch wirklich abgestraft wird, bleibt abzuwarten.
    63 3 Melden
    • Stichelei 24.06.2018 22:55
      Highlight Ja, bald dürfen sie sich auch ein Fussballspiel im Stadion anschauen. Wahnsinn! *Ironie off*
      Und das mit den Anzeigen wird kaum jemals in die Praxis umgesetzt.
      3 0 Melden

So haben Putin und Infantino den saudischen Kronprinzen «getröstet»

Beim 0:5 im Eröffnungsspiel gegen Russland gab's für Saudi-Arabien aber so gar nichts zu melden. Ihr auffälligster Akteur: Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud, der die Partie auf der Ehrentribüne mit FIFA-Präsident Gianni Infantino und Russlands Präsident Wladimir Putin verfolgte.

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