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Der nächste Schachzug des Kronprinzen – was hinter bin Salmans Aussagen steckt

Mohammed bin Salman ist der Shootingstar im Nahen Osten: Saudi-Arabiens Kronprinz ist brutal – gibt sich aber liberal. Nun hat er Israelis das Recht auf ein eigenes Land zugesprochen. Was steckt dahinter?

04.04.18, 09:05

Dominik Peters



Ein Artikel von

Hollywood rollt den roten Teppich aus – für Mohammed bin Salman, Saudi-Arabiens Kronprinz. Der 32-Jährige wird diese Woche im Rahmen seiner rund zweiwöchigen USA-Reise halt in der Traumfabrik machen. Er will sich dort unter anderem mit Bob Iger treffen, CEO von Walt Disney.

Den roten Teppich kennt er bereits: Mohammed bin Salman (links) Anfang März 2018 in Kairo mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi. Bild: EPA/EGYPTIAN PRESIDENCY

Noch gibt es in der wahhabitischen Monarchie kein richtiges Kino. 35 Jahre lang galt ein Verbot für kommerzielle Filmvorführungen. Der künftige König krempelt das Land aber in Rekordzeit um, will die konservative Gesellschaft per Dekret liberalisieren, unter anderem Frauen das Autofahren erlauben und auch die Kleiderordnung lockern.

Im Westen werden die Reformversuche von MBS, wie Mohammed bin Salman genannt wird, wohlwollend zur Kenntnis genommen. Er weiss, was er sagen und tun muss, damit er und sein sagenhaft reiches Land im rechten Licht stehen.

Nun hat MBS in einem Interview mit dem US-Magazin «The Atlantic» erklärt: «Ich glaube, dass die Palästinenser und die Israelis ein Recht auf ihr eigenes Land haben.» Gleichzeitig plädierte er für ein Friedensabkommen, um Stabilität für alle Seiten sicherzustellen und normale Beziehungen zu unterhalten.

Es ist das erste Mal, dass ein arabischer Herrscher unmissverständlich das Recht der Israelis auf ein eigenes Land klarstellt. Noch dazu der starke Mann von Riad, dessen Land bis heute keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält und der künftig Hüter der heiligen muslimischen Stätten in Mekka und Medina sein wird. Ist er nun also der Traumprinz? So einfach ist es nicht.

Bild: AP/FR170079 AP

MBS – ein Ego-Shooter?

Mohammed bin Salman hat sich in den vergangenen Jahren in Stellung gebracht und dabei gnadenlos Rivalen aus dem Weg geräumt. Das US-Magazin «New Yorker» berichtet in seiner jüngsten Ausgabe, MBS spiele in seiner Freizeit gerne das Computerspiel «Call of Duty», ein Ego-Shooter, bei dem der Spieler in die Rolle eines Soldaten schlüpft und in einem Kriegsszenario seine Gegner töten muss.

Die Weltsicht des Kronprinzen ähnelt dieser fiktiven durchaus. «Wir leben in einer Gegend, die nicht von Mexiko, Kanada, dem Atlantik und dem Pazifik umgeben ist», sagte er dem «Atlantic» mit Blick auf die geografische Lage der USA. Stattdessen porträtierte er sein Land – nicht zu Unrecht – als von Feinden umzingelt:

Bei so vielen Gegnern braucht Mohammed bin Salman Verbündete. In der arabischen Welt sind das vor allem die mächtigen Vereinigten Arabischen Emirate. Daneben aber auch Ägypten und die übrigen Länder des Golf-Kooperationsrates, darunter unter anderem das Sultanat Oman und die Königreiche Bahrain sowie Jordanien.

Palästina-Frage für MBS zweitrangig

Im gegenwärtigen Schattenkrieg, der sich über den gesamten Nahen Osten erstreckt und nicht allein ein Konfessionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten ist, setzt Saudi-Arabien aber auch mehr und mehr auf die Zusammenarbeit mit Israel. Die beiden Länder eint der gemeinsame Feind: Iran.

Unterstützt wird dieses neue Bündnis zudem von der US-Regierung um Donald Trump. Der hat mit seinem Aussenminister Mike Pompeo und dem Nationalen Sicherheitsberater John Bolton zwei ausgewiesene Israel-Freunde und Iran-Gegner an seine Seite geholt. Die Idee Barack Obamas, eine Art «Kalten Frieden» zwischen Iran und Saudi-Arabien zu schaffen, ist längst Geschichte. Mohammed bin Salman dürfte das freuen.

Seine jüngsten Äusserungen zu Israel sind vor diesem Hintergrund weniger ein radikaler Kurswechsel, sondern vielmehr ein pragmatischer Schachzug. MBS ist Realpolitiker. Ihm geht es um den Machterhalt des Hauses Saud und die Eindämmung Irans – das sind die beiden bestimmenden Faktoren für seine Politik.

Der ewige und gegenwärtig wieder aufflammende Nahostkonflikt zwischen Israelis und Palästinenser spielt für ihn eine untergeordnete Rolle. Im Interview mit dem «Atlantic» hat er wenig gesagt, und das, was er dazu gesagt hat, war so vage, dass es vorerst keine Konsequenzen haben wird. Dafür bekommt er viel Aufmerksamkeit. Mohammed bin Salman und seine Berater können PR.

Wie entstand der Konflikt im Nahen Osten?

Video: www.explain-it.ch

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ueli der Knecht 04.04.2018 12:43
    Highlight Das ganze Interview gäbe es hier:
    https://www.theatlantic.com/international/archive/2018/04/mohammed-bin-salman-iran-israel/557036/
    Die Israelis reagierten darauf bisher sehr zurückhaltend. Im gleichen Interview verharmlost MbS schliesslich auch Hitler, der nicht so schlimm gewesen sei wie Ajatollah Chameneï. Zu seinen Beweggründen meinte MbS, er wolle in SA keine Zustände wie im Irak. Erfolgten seine Aussagen nicht freien Herzens, sondern weil er erpresst wird? Angesprochen auf die absolute Monarchie und Körper- und Todesstrafen in seinem Land meinte er lapidar: Wir teilen eure Werte nicht.
    8 1 Melden
  • Wie funktioniert das! 04.04.2018 11:38
    Highlight Hoffentlich wenn er nach Hause geht, ist er nicht abgesetzt worden, sonst heißt es dann in den Medien: "Dr Scheich sitzt im Seich".
    16 5 Melden
  • Luftraum 04.04.2018 10:43
    Highlight Die haben es verstanden, es gibt eine Zeit nach dem Öl.
    16 3 Melden
    • happybeast 04.04.2018 12:12
      Highlight und dass sie mit ihrem Immensen Kapital, im Westen gut Einfluss nehmen können.
      13 0 Melden
  • Patsia 04.04.2018 10:28
    Highlight "Es ist das erste Mal, dass ein arabischer Herrscher unmissverständlich das Recht der Israelis auf ein eigenes Land klarstellt." -> hat nicht Anwar el-Sadat von Ägypten damals Ende 70er Israel dieses Recht schon eingeräumt? Nicht zuletzt auf dieser Basis wurde dann doch der Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern geschlossen, oder habe ich das falsch in Erinnerung?
    60 2 Melden
    • AdiB 04.04.2018 13:14
      Highlight ich denke hier ist ein denkfehler passiert. watson meinte wohl saudi arabischer herrscher. du hast natürlich recht wenn man sich nur auf "arabischer herrscher" anlehnt.
      4 0 Melden
  • Snowy 04.04.2018 10:21
    Highlight Man sollte Nationen (genauso wie Menschen) in erster Linie an ihren Taten messen.

    71 10 Melden
  • Daniel Martinelli 04.04.2018 09:58
    Highlight Man kann ja alles madig reden, aber hier hat mal ein König mächtig grosse Eier und tut was gutes!
    10 33 Melden
  • Trump's verschwiegener Sohn 04.04.2018 09:44
    Highlight Die Palästinenser waren schon immer mehr die nützlichen Idioten vieler arabischer Staaten (allen voran Saudi Arabien) als dass diese sich ernsthaft Sorgen um deren Bedürfnisse machten. Wenn dem jemals so gewesen wäre und alle arabischen Länder hätten ihre gesammte Macht vereint und damit die Welt unter Druck gesetzt, dann gäbe es schon längstens einen Palästinenserstaat. Aber die Araber missbrauchen das Thema nur für andere, versteckte Absichten. Die Palästinser wissen das. Das gelegentlich gezückte Scheckbuch kann nicht darüber hinwegtäuschen.
    47 3 Melden
    • gianny1 04.04.2018 11:57
      Highlight Wer hat den Teilungsplan abgelehnt? Das waren auch die Araber...
      Erst wenn der Hass der Araber auf die Juden aufhört, wird es frieden geben!
      21 15 Melden

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