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Das Autofahren ist saudischen Frauen untersagt. Von Gokarts hat niemand gesprochen.
Das Autofahren ist saudischen Frauen untersagt. Von Gokarts hat niemand gesprochen.bild: youtube/  majedalesa

«Ich will keine Untergebene der Männer bleiben» – diese Saudi-Frauen wehren sich

Zweieinhalb Millionen Klicks in weniger als zwei Wochen. – Das Musikvideo «Hwages» verbindet verbotene Ausgelassenheit mit tiefer Frustration und setzt damit ein Statement gegen die Geschlechterungleichheit in Saudi-Arabien. 
06.01.2017, 11:2707.01.2017, 07:21

Frauen in Niqab brettern auf fahrbaren Untersätzen durch die Strassen Riads, sie albern durch den Jahrmarkt, spielen Basketball und ziehen über Männer her.

Das Musikvideo «Hwages» bricht innerhalb von zwei Minuten und 52 Sekunden eine ganze Reihe gesellschaftlicher Tabus und inspiriert tausende junge Frauen zu einer Hashtag-Kampagne auf Twitter, bei der selbst die Ex-Frau des saudischen Prinzen Al-Tawee partizipierte.   

Wer kein Arabisch versteht, dem erscheint das Video unter Regie von Majed Alesa in lustvoller Harmlosigkeit: Warme Farben, ausgelassene Musik und Blicke so bestechend, wie sie nur jemand ausdrücken kann, der sein Leben lang verschleiert durch die Welt gelaufen ist.

Eine Kampfansage in Pastell

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In der Tat ist die Leichtigkeit des Videos aber schwere Kost. Saudische Frauen, die Spass haben, provozieren – sie trotzen den diskriminierenden Verboten, die ihrem Leben jegliche Freiheiten entziehen.

«Mögen alle Männer verschwinden, solange sie uns psychisch krank machen.»
Die deutsche Übersetzung des neckisch gesungenen Chorus von «Hwages»

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Von einem bösen Dschinn (Flaschengeist) seien die Männer besessen, welche der Freiheit von Frauen im Weg stehen. «Das macht uns psychisch krank!», singt die feministische Girl-Group, während sie die Porträts ihrer Vormünder weg kegeln.

Ein Steilpass zum offenen Protest

Männer haben Gott zu gehorchen und die Frauen den Männern – so einfach wie ungerecht lautet die Devise des religiösen Establishments im Land der 1001 Verbote.

Frauenrechte in Saudi-Arabien
Gemäss des WEF-Rankings der Geschlechtergerechtigkeit von 2016 liegt Saudi-Arabien auf dem 141. von 144 Plätzen. Schlechter gestellt seien Frauen bloss in Syrien, Pakistan und Jemen.
Ohne die Zustimmung von Ehemann, Vater, Bruder oder Onkel ist eine saudische Frau nicht berechtigt Dokumente zu unterschreiben. Auf eigene Faust ein Bankkonto zu eröffnen oder eine Arbeitsstelle anzutreten ist ein Ding der Unmöglichkeit. Harmlose Alltagsaktivitäten wie Autofahren, Sport in der Öffentlichkeit oder das Durchblättern einer Modezeitschrift sind verboten.

«Hwages» bedeutet «Befürchtung». – Die unterwürfige Ehrfurcht der Frau gegenüber dem Mann scheint im Video jedoch verloren, viel mehr thematisiert es die männliche Angst vor einem Machtverlust.

Zwischen Tanzeinlagen und Autoscooter-Spass sind denn auch immer wieder missbilligende Blicke zweier Männer zu sehen, die der Frauen-Truppe keinen Spass vergönnen. Zynisch mahnen sie an eine Trump-Karikatur, die wie ein Maskottchen machtgieriger Männlichkeit wirkt. 

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«Hwages» – Saudische Männer haben Schiss
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Der Umbruch hat bereits begonnen

In der letzten Sequenz tanzen die Frauen singend in einer dunklen Disco: «Mein Glück ist wie ein Sturm und meine Geliebten sind wie Blätter.» Im Untergrund bläst der Wind bereits in die gute Richtung, die Frauen zeigen sich glücklich, aber besorgt: «Wer hält meine Blätter fest, wenn der Sturm dann richtig losbricht».

«Unter der Oberfläche tut sich was in Saudi-Arabien. Es ist keine politische Reform, aber es geht in die Richtung einer Liberalisierung.» 
Elham Manea, Politologin an der Universität Zürich, gegenüber «10vor10».

Die jemenitisch-schweizerische Politologin Elham Manea befasst sich intensiv mit Saudi-Arabien. Gegenüber «10vor10» meint sie: «Dieses Video ist ist eine ernstzunehmende Stimme, die eine wichtige soziale Bewegung fordert.» Manea zu Folge braucht das Land jedoch zusätzlich eine politische Reform, denn ohne eine solche «wird Saudi-Arabien auseinander splittern.»

Das Nahostland konnte in den letzen Jahren auch auf positive Entwicklungen zurückblicken. So durften im Dezember 2015 Frauen erstmals am Urnengang der Kommunalwahlen teilnehmen. Zudem zeigen jüngste Zahlen, dass über 50 Prozent der Hochschulabgänger weiblich sind. 

Die Schere zwischen kultureller und juristischer Gesetzeslage bleibt.

«Ich möchte eine vollkommene Bürgerin werden und nicht eine Untergebene der Männer bleiben.»
Eine saudische Frau unter dem arabischen Hashtag #MeinWunschfür2017.twitter

Andere Gesellschaft, ähnliche Probleme – in Nairobi kämpfen Frauen in Minirock gegen sexuelle Übergriffe:

1 / 9
Minirock-Attacke in Nairobi
quelle: ap/ap / ben curtis
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Frauen-Themen, Feminismus, Sexismus, Gesellschaft

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