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Streit um Unabhängigkeit: Spanien setzt Katalonien letzte Frist



epa06256737 A couple holds the 'Estelada', Catalonian Independence movement flag, as they walk near the Ciutadella park which surrounds Catalonia's regional assembly in Barcelona, Spain, 10 October 2017. Catalonia's leader Carles Puigdemont is due to address the region's parliament in Barcelona around 18h (local time) and could ask the assembly to vote on a unilateral declaration of independence from Madrid.  EPA/JOSE COELHO

Wie weiter mit Katalonien? Bis Donnerstag soll eine Entscheidung fallen. Bild: EPA/LUSA

Die Katalonien-Krise geht in die Verlängerung: Nach einer für Madrid inakzeptablen Antwort auf ein erstes Ultimatum hat die nach Unabhängigkeit strebende Regionalregierung drei Tage Zeit, um zurückzurudern. Tut sie das nicht, drohen «harte Massnahmen» Madrids.

Die spanische Regierung stellte den Separatisten in Barcelona am Montag ein letztes Ultimatum. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont habe nun bis Donnerstag um 10.00 Uhr die Möglichkeit, die Abspaltungspläne endgültig ad acta zu legen und zur verfassungsmässigen Ordnung zurückzukehren, erklärte die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Saenz de Santamaria in Madrid.

Die Zentralregierung wies einen Brief Puigdemonts zurück, in dem er nur ausweichend auf die mit einem ersten Ultimatum verbundene Frage geantwortet hatte, ob er nun vergangene Woche die Unabhängigkeit erklärt habe oder nicht. Madrid hatte ein klares Ja oder ein Nein gefordert.

Rajoy fordert Klarheit

Catalan regional President Carles Puigdemont signs an independence declaration document after a parliamentary session in Barcelona, Spain, Tuesday, Oct. 10, 2017. Puigdemont says he has a mandate to declare independence for the northeastern region, but proposes waiting

Puigdemont widersetzt sich dem Ultmiatum von Rajoy Bild: AP/AP

Der konservative spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy reagierte enttäuscht. «Ich bedauere, dass Sie sich dazu entschlossen haben, nicht auf die Mahnung vom 11. Oktober zu antworten», schrieb er in einem Brief an Puigdemont. Rajoy äussert im Schreiben die Hoffnung, dass Puigdemont «mit der Klarheit» antwortet, «die alle Bürger fordern».

Falls keine eindeutige Antwort von Puigdemont komme, werde man «davon ausgehen, dass die Unabhängigkeit erklärt worden ist», hatte Innenminister Juan Ignacio Zoido schon am Wochenende gewarnt. Im Fall einer Abspaltungserklärung droht Madrid mit «harten Massnahmen» und der Anwendung von Artikel 155 der spanischen Verfassung.

Dieser ermöglicht unter anderem die Entmachtung der Führung jeder der 17 autonomen Gemeinschaften des EU-Landes, wenn diese die Verfassung missachten. Madrid könnte neben anderen Massnahmen auch das Regionalparlament auflösen und die Kontrolle über die Regionalbehörden übernehmen.

Regierung hält sich bedeckt

Puigdemont betreibe eine Politik der «Verwirrung», indem er sich nicht klar zur Unabhängigkeit der Region äussere, sagte Saenz de Santamaria. Die Politikerin der konservativen Volkspartei (PP) wollte zu den von Madrid erwogenen Massnahmen aber nicht klar Stellung beziehen. Man wolle nichts vorwegnehmen, sagte sie.

Puigdemont habe zunächst die Chance, «die nächsten Schritte zu verhindern». Eine Zuspitzung der Konfrontation sei etwas, «was die radikaleren Sektoren» in Katalonien wünschten.

Katalonien in Aufruhr

«Herr Puigdemont hat noch immer die Möglichkeit, die Lage zu lösen, er muss 'Ja' oder 'Nein' zur Erklärung (der Unabhängigkeit) sagen», betonte Saenz de Santamaria. Jeder Dialog könne nur im Rahmen der Gesetze stattfinden. Für ihre Position habe die Regierung eine breite Unterstützung im Parlament.

Puigdemont wollte zwei Monate

Einen neuen Aufruf Puigdemonts zum Dialog wies die Vize-Regierungschefin zurück. Der katalanische Regierungschef hatte an Rajoy geschrieben: «In den nächsten zwei Monaten wird unser Hauptziel sein, Sie zum Dialog aufzufordern». An den Verhandlungen sollten «internationale, spanische und katalanische Persönlichkeiten» teilnehmen. Saenz de Santamaria entgegnete jedoch, man könne nur innerhalb der Gesetze verhandeln.

Rajoy hatte bereits in den vergangenen Tagen eine internationale Vermittlung abgelehnt. Auch die von den Katalanen ins Spiel gebrachte EU will nicht vermitteln und spricht von einem innerspanischen Konflikt. Die Schweiz hatte grundsätzlich ihre Bereitschaft zur Vermittlung bekundet, aber die Bedingungen für eine Schlichtung als noch nicht gegeben bezeichnet.

Barcelona hatte am 1. Oktober gegen den Willen Madrids und trotz eines Verbots durch das Verfassungsgericht ein «verbindliches Referendum» über die Unabhängigkeit abgehalten. Rund 90 Prozent stimmten für eine Abspaltung von Spanien. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei etwas mehr als 40 Prozent. Am 10. Oktober hatte Puigdemont eine Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, diese aber umgehend wieder ausgesetzt, um Madrid einen Dialog anzubieten.

Keine U-Haft für Polizeichef

Die spanische Staatsanwaltschaft beantragte derweil erfolglos Untersuchungshaft für den katalanischen Polizeichef Josep Lluis Trapero. Das Oberste Gericht wies einen entsprechenden Antrag zurück, entschied aber, dass er für die Zeit der gegen ihn laufenden Ermittlungen wegen aufrührerischen Verhaltens seinen Reisepass abgeben muss.

Catalan regional police chief Josep Luis Trapero, center, arrives at the national court in Madrid, Spain Monday, Oct. 16, 2017. Two senior Catalan regional police force officers and the leaders of two pro-independence associations are in court again, facing possible sedition charges related to the staging of the region's banned Oct. 1 secession referendum. The sedition case is investigating the roles of the four in Sept. 20-21 demonstrations in Barcelona as Spanish police arrested several Catalan officials and raided offices in a crackdown on referendum preparations. (AP Photo/Francisco Seco)

Polizeichef Trapero (mitte). Bild: AP/AP

Trapero soll dafür verantwortlich sein, dass seine Einheiten Polizisten der Madrid unterstehenden Guardia Civil und der Policia Nacional bei Protesten von Separatisten nicht zur Hilfe gekommen waren. Die Bundespolizisten waren zeitweise von Demonstranten eingekesselt worden. Der Polizeichef muss mit bis zu 15 Jahren Gefängnis rechnen. (sda/apa/dpa/reu/afp/efe)

Wahllokal in Katalonien gewaltsam gestürmt

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • dä dingsbums 16.10.2017 19:44
    Highlight Highlight Puigdemont ist in einer Sackgasse, steht auf verlorenem Posten und spielt nur noch auf Zeit.

    Auf der einen Seite stehen seine Freunde der CUP die sofort die Unabhängigkeit wollen und ohne die er keine Mehrheit mehr im Parlament hat.

    Auf der anderen Seite steht Rajoy der auf Basis von einem illegalen Referendum keinen Anlass sieht, irgend etwas zu verhandeln und das geltende Recht auf seiner Seite hat.

    Immerhin hat man alle grösseren Parteien in Spanien dazu gebracht, eine Reform der Verfassung zumindest in Betracht zu ziehen.

    Dafür sind über 500 Unternehmen abgewandert.
  • FrancoL 16.10.2017 11:06
    Highlight Highlight Ich denke es wäre nun an der Zeit dass die beiden Herren zusammensitzen.
    Puigdemont hat seinen Zeitplan so gedehnt, dass Zeit für ein Gespräch platz hat und Rajoy sollte dies nutzen, wenn er denn ernsthaft daran interessiert ist und ich denke dass ein Regierungschef der für ALLE Spanier da sein sollte und ungeachtet der Parteizugehörigkeit seinen Job für ALLE machen sollte, vor allem wenn er einer Minderheitsregierung angehört.
    Auch würde es der spanischen Regierung grundsätzlich möglich sein ein nationales Referendum in Sachen "Abspaltung von Regionen" einzuleiten. Das würde Vieles klären.
    • elalbi 16.10.2017 12:17
      Highlight Highlight Das spanische Parlament hat mehrfach Puigdemont (JxSi u. ERC sind darin vertreten) eingeladen sein Projekt zu erläutern. Gibt es einen besseren Ort als das Parlament um zu debatieren?
      Natürlich ist ein Referendum möglich, aber da bis dato Katalonien zu Sp. gehört, müsste es vor das ganze sp. Volk kommen.
    • FrancoL 16.10.2017 12:59
      Highlight Highlight @elalbi; In Demokratien wo der Premier viel Macht auf sich vereint ist das Parlament nicht der grosse Ansprechpartner, vor allem nicht wenn Rajoy schon klar die Richtung eines Nichteingehens vorgibt.

      Un natürlich gebt es nur eine Referendumsebene und das ist die nationale Ebene, das habe ich bereits mehrfach klar dargelegt.
    • ujay 16.10.2017 14:31
      Highlight Highlight @Franco. Puigdemont hat keinen Plan B. Da kannst du lange der bösen spanischen Regierung alle Schuld zuschieben und um den Brei reden. Nebenbei sind 90% Befürworter von 2,2 Mio Urnengängern 1/3 der Stimmberechtigten Kataloniens. Bei dieser mehr als dubiosen Abstimmung, die die Gegner boykottierten und die, die doch abstimmen wollten, daran gehindert wurden, von einem verbindlichen Votum der Katalanen zu sprechen, braucht eine ziemlich verzerrte Ansicht der Realität. Habs schon mal gesagt : Puigdemont wird kurioserweise als katalonischer Don Quichote in die spanische Geschichte eingehen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • elalbi 16.10.2017 10:16
    Highlight Highlight Ein Witz! Katalonien hat die Republik Katalonien ausgerufen setzt sie aber aus. Auf Zeit spielen? Wäre ich Rajoy würde ich die Renten- u. Staatsangestelltenlöhne aussetzen bis Puigdemont sich für ein Ja od. Nein entscheidet, ausserdem würde ich ihr durch Spanien ermöglichten Zugang zum Geldmarkt blockieren.
    • Evan 16.10.2017 11:50
      Highlight Highlight Das würde ja sicher zur Deeskalation beitragen.....
    • elalbi 16.10.2017 12:09
      Highlight Highlight Es geht nur ihm ein Ja od. Nein zu entlocken. Es kann nicht sein, dass der Mann nicht weiss, ob er ein Regierunchef eines Staates od. einer Reagionalregierung ist.

«Das ist eine Kriegserklärung!» – spanische Beobachter warnen vor «katalanischem Maidan»

Im Katalonien-Konflikt schlägt die Stunde der Wahrheit: Madrid wird mit drastischen Massnahmen gegen die Separatisten vorgehen. Doch Beobachter schlagen Alarm: Das Aufräumen wird kein Kinderspiel. Sogar vor einem «katalanischen Maidan» wird gewarnt.

Der Schlagabtausch um die Unabhängigkeit Kataloniens lässt die Emotionen nach wochenlanger Eskalation auf ungeahnte Temperaturen hochkochen. Als der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy am Freitag vor dem Senat im knapp 600 Kilometer entfernten Madrid um Billigung der Zwangsmassnahmen gegen die aufmüpfige Region bat, klagten separatistische Abgeordnete im Regionalparlament in Barcelona: «Das ist eine Kriegserklärung!» und «Wir steuern auf einen Krieg zu!».

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