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Emergency services personnel work at the scene after a plane crash near the Seville airport, in Spain, Saturday, May 9, 2015. A military transport plane crashed near southwestern Seville airport Saturday, killing its crew, Spain's prime minister said. It is unclear if any others were injured. Mariano Rajoy said up to 10 crew members were aboard the brand new Airbus A400M aircraft that was undergoing flight trials at the airport. (AP Photo/Miguel Angel Morenatti)

Absturz in Spanien: Militärtransporter A400M. Bild: Miguel Angel Morenatti/AP/KEYSTONE

Absturz der Airbus A400M: Tiefpunkt eines desaströsen Projekts

Der Absturz der A400M in Spanien ist der tragische Tiefpunkt eines Projekts, das seit Jahren allen Ärger bereitet, die mit ihm zu tun haben. Protokoll eines Katastrophenfliegers.

10.05.15, 07:54 10.05.15, 08:11

Christoph Seidler / Spiegel Online



Ein Artikel von

Sieht man das Ding auf der Landebahn stehen, muss man einfach Respekt haben. Kraftvoll wirkt das graue Flugzeug mit seinen vier scharfkantigen Rotoren. Und kraftvoll sollte der Airbus A400M auch im Einsatz sein: Eine höhere Nutzlast (bis zu 37 Tonnen) und eine grössere Reichweite (selbst bei maximaler Beladung noch 3100 Kilometer) im Vergleich zu bisherigen Transportmaschinen verspricht der Hersteller. Selbst auf improvisierten Graslandebahnen von unter einem Kilometer Länge soll der Transporter operieren können. Doch schon lange vor dem verhängnisvollen Absturz des Testfluges CASA423 am Samstag hat der Airbus A400M niemandem Freude bereitet – dem Hersteller nicht und ebenso wenig den Kunden. 

Augenzeugen-Video nach dem Absturz A400M

YouTube/NewsHD Viral

Ausgetragen wurde der Streit teilweise in aller Öffentlichkeit. Airbus beklagt sich darüber, bei dem Projekt wegen unrealistischer politischer Vorgaben einen Milliardenverlust angehäuft zu haben. «So einen Vertrag wie bei dem A400M unterschreiben wir nie wieder, so viel steht fest», wetterte Konzernchef Tom Enders im vergangenen Herbst. Die Streitkräfte, die das Transportflugzeug nutzen wollen, müssen wiederum mit jahrelangen Verzögerungen und reduzierten Stückzahlen klarkommen. Nur rund ein Dutzend der 174 georderten Maschinen sind bisher ausgeliefert – unter anderem, weil Airbus bei der Entwicklung massive Stabilitätsprobleme am Rumpf des Flugzeugs in den Griff bekommen musste. 

epa04739920 An undated handout picture provided by Airbus shows an A400M plane. An Airbus A400M military cargo plane with seven people on board crashed near the airport of Sevilla, Spain 09 May 2015, the Spanish defense ministry said.    *** Local Caption *** 90047356  EPA/AIRBUS / HANDOUT   EDITORIAL USE ONLY/NO SALES *** Local Caption *** 90047356

Airbus A400M: Massive Stabilitätsprobleme am Rumpf. Bild: EPA/ALEXANDRE DOUMENJOU / AIRBUS HO

Die deutsche Bundeswehr hat derzeit genau einen A400M in ihrem Besitz, seit vergangenem Dezember. Und der bekam bei einer Kontrolle durch Prüfer der Wehrtechnischen Dienststelle der Truppe ein katastrophales Zeugnis. Nach «Spiegel»-Informationen listeten sie in einem Protokoll ganze 875 Mängel auf, darunter auch ausgelaufenes Hydrauliköl am Hauptfahrwerk und an den Reifen sowie fehlende Isolierungen an Elektrokabeln. «Airbus scheint ein ernstes Problem mit seinem Verständnis von Produktqualität zu haben», lautete das drastische Fazit der Sachverständigen nach einem Besuch in der Produktionshalle. Das Flugzeug hat bisher nur eine stark eingeschränkte militärische Zulassung. 

Wie auch die zivilen Airbus-Maschinen werden die Teile für den A400M in mehreren Staaten gebaut. Der Chef der Militärflugzeugsparte, der Spanier Domingo Ureña-Raso, trat im Januar zurück. Aus Sicht des Herstellers waren Probleme bei den Zulieferungen Schuld an den massiven Verzögerungen bei der Auslieferung. Ein europäisches Konsortium verantwortet die Triebwerke. Die Flügel stammen aus Grossbritannien, Rumpf und Laderampe aus Deutschland, Cockpit, Fahrwerk und Flügelkasten aus Frankreich. Dazu kommen weitere Komponenten aus Belgien, der Türkei und Spanien, wo im Werk San Pablo am Flughafen von Sevilla auch die Endfertigung stattfindet. 

Firefighters try to extinguish a fire from an Airbus A400M after it crashed in a field near the Andalusian capital of Seville May 9, 2015.  The Airbus A400M military transport plane crashed outside Seville on Saturday, killing four test crew and prompting Britain and Germany to ground Europe's new troop and cargo carrier.  REUTERS/Bomberos de Sevilla/Handout via Reuters

ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. 
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Absturzstelle bei Sevilla.  Bild: HANDOUT/REUTERS

Hier kam es am Samstag auch zum Crash, als der Flieger nach dem Start zu einer weiten Linkskurve ansetzte, dann aber laut Transponderdaten nur etwa 500 Meter Höhe erreichte. Der Grund für das Unglück, bei dem mehrere Menschen starben, ist bisher noch nicht bekannt. Die Details werden spanische Flugunfallexperten ermitteln. Sicher scheint aber schon jetzt: Der Absturz dürfte das Vertrauen der verantwortlichen Militärs in den A400M noch weiter schwächen. 

Flugkurve der Unglücksmaschine. Screenshot: Flightradar24

Ursprünglich sollte die deutsche Luftwaffe in diesem Jahr weitere fünf Exemplare übernehmen, doch womöglich kommt vorerst keine einzige Maschine hinzu. Die Luftwaffe hat auch sämtliche Testflüge der in Wunstorf stationierten Maschine gestoppt, bis Klarheit über die Absturzursache in Spanien besteht. Dabei hat Deutschland bei Airbus insgesamt 53 der wuchtigen Flieger bestellt. 40 will die deutsche Bundeswehr selbst nutzen – vor allem um die altersschwachen und kleineren «Transall»-Flugzeuge abzulösen. Die anderen 13 Maschinen sollen weiterverkauft werden – wenn sich ein Interessent findet. 

Auch im Fall der Türkei, für die das nun verunglückte Flugzeug gedacht war, gab es Streit zwischen dem Hersteller und der Truppe. Auch hier wurden die ursprünglich geplanten Kontingente nach unten korrigiert. Nachdem der erste A400M für die türkische Luftwaffe seinen Erstflug am 9. August 2013 absolviert hatte, weigerte sich die Regierung zunächst, die Maschine endgültig abzunehmen. Erst vor einem guten Jahr traf dann die erste neue Maschine auf dem Flughafen Kayseri ein, insgesamt verfügt die Türkei derzeit über zwei Modelle. Die abgestürzte Maschine mit der Fertigungsnummer MSN 23 wäre das dritte Exemplar gewesen. 

Zuletzt hatte Airbus erklärt, die Produktionskapazität bei der Endfertigung des A400M erhöhen zu können. Der Fachdienst IHS Jane's hatte berichtet, ab sofort sollten im Schnitt statt 1,25 Flugzeugen pro Monat 2,5 Maschinen die Endfertigung in Sevilla verlassen. Auch dieser Zeitplan dürfte nun Makulatur sein. 

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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