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Flugzeug-Crash: Flugschreiber gefunden ++ Chapecoense soll Titel erhalten



Flugzeug mit brasilianischem Erstliga-Team abgestürzt

Beim Absturz eines Flugzeugs sind 71 Menschen in Kolumbien gestorben, darunter 19 Profis des brasilianischen Fussballteams Chapecoense. Die Mannschaft sollte in Medellín das Finalhinspiel des Südamerika-Cups gegen Atlético Nacional Medellín bestreiten.

Als mögliche Ursache nannte die kolumbianische Luftfahrtbehörde Treibstoffmangel. Zunächst waren die Behörden von 75 Toten ausgegangen, aber anders als geplant hatten vier Passagiere die Reise nicht angetreten. Sechs Menschen überlebten: drei Spieler, zwei Crewmitglieder und ein Journalist. Die für die Ursachensuche wichtigen Flugschreiber (Blackboxes) konnten geborgen werden.

Das Charterflugzeug vom Typ Avro RJ85 der bolivianischen Gesellschaft Lamia verunglückte in rund 3000 Metern Höhe am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión - im Landeanflug, knapp 40 Kilometer vor Medellín.

Bevor das vierstrahlige Flugzeug gegen 22.00 Uhr (Ortszeit) am Montagabend vom Radar verschwand, meldeten die Piloten technische Probleme. Angehörige versammelten sich am Stadion des Clubs in der Stadt Chapecó in Südbrasilien und warteten verzweifelt auf Nachrichten.

Paulo Cesar, links, und Mario Sergio, brasilianische Fussballspieler bei der AC Bellinzona, aufgenommen am 12. Oktober 1986. (KEYSTONE/Karl Mathis)

Paulo Cesar, links, und Mario Sergio, brasilianische Fussballspieler bei der AC Bellinzona, aufgenommen am 12. Oktober 1986.  Bild: KEYSTONE

Ex-Bellinzona-Spieler Mario Sergio unter den Opfern

Unter den 75 Opfern des Flugzeug-Unglücks in Kolumbien ist auch ein Journalist mit Bezug zum Schweizer Fussball. Der brasilianische Ex-Internationale Mario Sergio spielte in der Saison 1986/87 für die AC Bellinzona. Er arbeitete seit vier Jahren für den TV-Sender Fox Sports.
Mario Sergio sorgte im Herbst 1986 zusammen mit seinem Landsmann Paulo Cesar und dem Franzosen Philippe Fargeon für eine weder vorher noch nachher je erlebte Fussball-Euphorie im Tessin. Für ein paar Monate stürmte die AC Bellinzona als Aufsteiger in der Spitzengruppe der Nationalliga A. (sda)

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Flugzeug mit brasilianischem Fussballteam in Kolumbien abgestürzt. Video: watson.ch

Dreitätige Staatstrauer

Nach Angaben der Behörden soll unter den Toten auch Torwart Danilo sein - er war mit spektakulären Paraden der Held im Halbfinale gegen den Lieblingsclub von Papst Franziskus, San Lorenzo aus Argentinien. Der Finaleinzug war der bislang grösste Erfolg des Vereins. Der brasilianische Präsident Michel Temer ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Der südamerikanische Fussballverband Conmebol sagte das Finale ab. Atlético Nacional schlug vor, den Titel 2016 Chapecoense zuzusprechen. «Es ist ein trauriger Tag für den Fussball», sagte der Präsident des kolumbianischen Vereins, Juan Carlos de la Cuesta.

Nach dem Absturz wollen brasilianische Erstligateams zudem Sonderrechte für den Club durchsetzen. Traditionsclubs wie Corinthians, Meister Palmeiras und der frühere Pelé-Club Santos starteten eine Initiative, die das kostenlose Leihen von Spielern in der Saison 2017 vorsieht, ausserdem soll der Club Chapecoense drei Jahre lang nicht absteigen.

Treibstoffmangel als mögliche Ursache

Ein Grund für den Absturz könnte Treibstoffmangel gewesen sein, sagte der Direktor von Kolumbiens Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra. Widersprüchliche Angaben zu den Opfern verunsicherten die Angehörigen.

Nach einem Linienflug von São Paulo nach Santa Cruz in Bolivien war die Maschine von dort in Richtung Medellín gestartet. In der Maschine waren auch rund 20 Journalisten, die über das Final-Hinspiel berichten wollten. Insgesamt waren 81 Menschen beim Charterflug nach Kolumbien an Bord.

Die Copa Sudamericana ist nach der Copa Libertadores der wichtigste Fussball-Clubwettbewerb in Südamerika und vergleichbar mit der Europa League. Das Erreichen des Finals war der bisher grösste Erfolg des 1973 gegründeten Teams aus der Stadt Chapecó im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina.

Chapecoense war erst 2014 in die erste Liga Brasiliens aufgestiegen. Der Absturz des Flugzeugs löste grosse Anteilnahme in der Fussballszene aus. Trauerschleifen, die das Wappen des Clubs umgeben, wurden auf Twitter veröffentlicht.

Der FC Bayern teilte mit: «Der FCBayern gedenkt der Opfer und Angehörigen des Flugzeugabsturzes in Kolumbien.» Auch der brasilianische Superstar Neymar, Argentiniens Lionel Messi und Englands Wayne Rooney reagierten bestürzt. Messi war nach dem WM-Qualifikationsspiel in Brasilien (0:3) am 11. November noch selbst mit seinen Kollegen mit der Unglücksmaschine geflogen. (sda/dpa)

Atletico Nacionals Antrag

Die Vereinsführung von Atletico Nacional stellte beim südamerikanischen Fussballverband (CONMEBOL) den Antrag, Chapecoense die Trophäe der Copa Sudamericana zu überreichen. Dies als Zeichen der Ehrerweisung und als posthume Hommage an die Opfer des schrecklichen Unglücks, wie der kolumbianische Finalgegner in einer Mitteilung schrieb. «Was uns betrifft, wird Chapecoense für immer der Sieger der Copa Sudamericana 2016 sein.»

epa05644728 Chapecoense's players celebrate after the Copa Sudamericana semifinal second game between Chapecoense and San Lorenzo at the Arena Conda in Chapeco, Brazil, 23 November 2016.  EPA/MARCIO CUNHA

Erst am 23. November qualifizierte sich Chapecoense für den Final der Copa Sudamericana  Bild: EPA/EFE

Der kleine Fussballclub aus Chapeco war erst 2014 in die oberste Liga Brasiliens aufgestiegen. Nun hatte er erstmals den Einzug in das Finale eines grossen Wettbewerbs in Südamerika geschafft.

Der Absturz weckte Erinnerungen an das Flugzeugunglück von München im Jahr 1958, bei dem die Mannschaft von Manchester United auf dem Rückweg von einem Europapokal-Spiel an Bord war. 23 Menschen kamen damals um, darunter acht Spieler des englischen Traditionsvereins. 

Sportteams, die mit dem Flugzeug abstürzten

(pre/feb/dhr/phi/sda/dpa/afp/reu)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Androider 30.11.2016 00:29
    Highlight Highlight Ich habe gelesen, dass PSG angeblich 40 Millionen an den AFC spenden will. Konnte leider keine Quelle ausfindig machen, aber wenn es stimmen sollte, wäre dies mer als nur eine noble Geste.
  • UlrichVoZürich 29.11.2016 21:39
    Highlight Highlight Sehr schöne Geste von Athletic National!
    Obwohl der Titel in so einem Fall wohl keine allzu grosse Rolle mehr spielt, zeigt es, dass Fussball noch immer sehr respektvoll sein kann..

    Mein Beileid an alle Familienmitglieder, Fans und Beteiligten!
  • Spi 29.11.2016 13:51
    Highlight Highlight Also entweder stimmt das Bild 5 der Serie (British Aerospace 146) oder der Text und das Bild von Flightradar24 (Avro RJ85) nicht. Ist noch erstaunlich, dass hier die Meldungen auseinander driften und niemand in der Redaktion das bemerkt.
    • 7immi 29.11.2016 14:17
      Highlight Highlight das flugzeug wurde zuerst von british aerospace entwickelt und von Avro International gebaut. daher die beiden bezeichnungen. British aerospace 145-200, BAe 146-200 und Avro RJ 85 sind also das selbe.
    • Spi 29.11.2016 15:19
      Highlight Highlight Man lernt nie aus - danke für den Update.
    • 7immi 29.11.2016 21:49
      Highlight Highlight 146-200 sollte es bei allen heissen, nicht 145-200. meine breiten finger bitten um vergebung ;)
  • 7immi 29.11.2016 09:29
    Highlight Highlight gemäss elkin ospina, einem bürgermeister aus der region, gab es ein problem mit dem treibstoffsystem. dies ist eigentlich eher unwahrscheinlich bei den avros, da sie vier redundante systeme haben. ausser natürlich man hat gar keinen treibstoff mehr...
    mal schauen was die ermittlungen ergeben. allen hinterbliebenen wünsche ich viel kraft.

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