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An Israeli Air Force F-15 fighter jet flies during an aerial demonstration at a graduation ceremony for Israeli airforce pilots at the Hatzerim air base in southern Israel June 30, 2016. REUTERS/Amir Cohen

Israelischer Kampfjet. Bild: AMIR COHEN/REUTERS

Israel bombardiert Ziele in Syrien – die Sorge vor einer Eskalation wächst

Israel bombardiert Ziele in Syrien, das Assad-Regime feuert Raketen ab: Die Sorge vor einer Eskalation wächst – und Russland ist verärgert.

Christina Hebel und Christoph Sydow



Ein Artikel von

Spiegel Online

Benjamin Netanyahu dachte, er habe sich klar genug ausgedrückt. «Ich sprach mit Präsident Putin ausführlich über die strategische Bedeutung der iranischen Versuche, eine permanente Präsenz in Syrien zu errichten. Ich habe deutlich gemacht, dass das für Israel nicht hinnehmbar ist», sagte der israelische Ministerpräsident nach seinem Gespräch mit Wladimir Putin im Kreml.

Das war am 9. März. Er habe den Eindruck, dass der russische Staatschef seine Botschaft verstanden habe, sagte Netanyahu.

Offenbar nicht: Ziemlich genau eine Woche später hat sich zwischen Israel und Syrien der schwerste militärische Zwischenfall seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs ereignet. Israelische Kampfjets bombardierten mehrere Ziele in Syrien – und erstmals schlug die Armee von Diktator Baschar al-Assad zurück. Regierungstruppen feuerten eine Luftabwehrrakete russischer Bauart vom Typ S-200 ab. Die Rakete hob ab, lange nachdem die israelischen Flugzeuge sich zurückgezogen hatten.

Welche Ziele Israel traf, bleibt offen

Eine israelische Luftabwehrrakete vom Typ Arrow 2 schoss die syrische Rakete ab, weil sie drohte, auf israelischem Gebiet niederzugehen. «Sie verhielt sich wie eine Boden-Boden-Rakete. Wir konnten nicht zulassen, dass sie unsere Städte gefährdet», sagte ein israelischer Militärsprecher. Es war das erste Mal, dass die israelische Armee eine Arrow 2 im Ernstfall zum Einsatz brachte. Die Explosion, als die Arrow 2 die S-200 traf, war in weiten Teilen Israels und des Westjordanlandes zu hören.

Die Vorfälle in der Nacht zum Freitag sind aus mehreren Gründen aussergewöhnlich: Wegen des Einsatzes seiner Luftabwehrrakete sah Israel sich gezwungen, seine Militäroperation in Syrien öffentlich zu machen. Eigentlich ist es Regierungspolitik, keine Stellung dazu zu nehmen, um Freund und Feind im Unklaren zu lassen. Welche Ziele Israel genau traf, lässt die Armee aber offen.

Nach Angaben der syrischen Armee griffen die Israelis Ziele in der Nähe der Wüstenstadt Palmyra an. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite dafür gibt es bislang nicht. Es wäre das erste Mal, dass Israel ein Ziel angreift, das Hunderte Kilometer von seinen Landesgrenzen entfernt liegt. Bislang richteten sich die Luftschläge gegen Einrichtungen und Konvois in Damaskus und Umgebung.

Angriff in der Nähe russischer Soldaten

Wahrscheinlich zielte der Angriff auf den Militärflughafen T4 in der Nähe von Palmyra. Nachdem Israel in den vergangenen Wochen Waffenlieferungen auf dem Militärflughafen Mezze in Damaskus zerstört hatte, könnte Iran auf den Wüsten-Airport ausgewichen sein, um Raketen an die verbündete Hisbollah-Miliz zu liefern – mit dem Hintergedanken, dass Israel diesen Flughafen weit im Landesinneren nicht angreifen würde. Nach Informationen von Ron Ben-Yishai, dem renommiertesten Kriegs- und Militärberichterstatter in Israel, zielte der Angriff auf eine Lieferung von Scud-D-Raketen, die eine Reichweite von 700 Kilometern haben.

Erstmals bestellte Russland nach einem Luftangriff in Syrien den israelischen Botschafter ein. Noch am Freitag wurde Gary Koren im Moskauer Aussenministerium zu den Vorgängen befragt. «Wir haben einen speziellen Verbindungskanal, und wir wollen, dass dieser Kanal effektiver funktioniert und es keine Verwirrung gibt über das, was wer macht», sagte Russlands Vizeaussenminister Michail Bogdanow. Wie das Internetportal «Gazeta.ru» unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen berichtet, hatten Israel und Russland sich eigentlich prinzipiell darauf verständigt, dass die israelische Luftwaffe diejenigen Objekte auf syrischen Territorium vernichten kann, die eine Bedrohung für Israel darstellen.

Offenbar war der Kreml auch deshalb so erzürnt über das israelische Vorgehen, weil in Palmyra russische Soldaten stationiert sind.

Moskau wird künftige Angriffe aus Israel nicht verhindern können

Das Regime in Damaskus sieht sich durch die jüngste Eskalation gestärkt: Der syrische Vergeltungsschlag und die Einberufung des israelischen Botschafters in Russland hätten die «Spielregeln» verändert, sagte der Uno-Botschafter des Assad-Regimes, Baschar al-Dschafari. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte Assad mit den Worten: «Sie (gemeint ist Russland, Anm. d. Redaktion) können eine Rolle spielen, dass Israel in der Zukunft nicht mehr Syrien angreift.»

Doch Moskau wird künftige Angriffe nicht verhindern können. Israels Geheimdienste sehen Syrien mehr und mehr als Aufmarschgebiet für Iran und die Hisbollah. Sie fürchten, dass Teherans Verbündete die Golanhöhen nutzen könnten, um von dort aus in einem künftigen Krieg Raketen auf Israel abzufeuern.

Russland ist derzeit offenbar weder gewillt noch im Stande, die Aufrüstung der Hisbollah in Syrien zu stoppen.

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • thompson 22.03.2017 13:34
    Highlight Highlight Israel ist und bleibt die Lösung für dieses Gebiet
    • Saraina 22.03.2017 20:02
      Highlight Highlight Das musst du jetzt etwas genauer ausführen.
    • thompson 23.03.2017 06:33
      Highlight Highlight Israel ist für viele Juden die einzige Hoffnung... Antisemitismus und auch der Antizonismus machen in Europa vielen Angst.
      Israel ist der einzige Staat wo Juden frei Leben und sich outen können.
      Ich findees immer wieder lustig wie Linke sich den Palis widmen und Israel verurteilen.

      1. Die arabischen Brüder behandeln sie noch schlechter

      2. Es gibt Konflikte wo die Menschen sehr viel mehr leiden. Das haben viele nicht auf dem Schirm. Weil Israel Bashing eimfacher ist.

      3. Israel ist die einzige sichere und demokratische Insel in diesem Gebiet, das schäzen auch viele Araber
    • Saraina 23.03.2017 09:17
      Highlight Highlight Danke für deine Ausführung, Thompson. Das macht Sinn. Sicher haben die arab. Nationen sich gegenüber den pal. Flüchtlingen - und Israel unfähig und unmenschlich gezeigt. Sicher gibt es schlimmere Konflikte. Aber kann das das Ende des Judentums sein? Zu sagen, dass es schlimmeres gibt, und als de facto Besatzungsmacht keinerlei Verantwortung für die Besetzten zu übernehmen? Wieso sich nicht endlich das Westjordanland einverleiben, und zur notwendigen Apartheid stehen? Und wieso jeden Juden, jeden Israeli der den Status quo kritisiert, zum Feind erklären? Auch hier leben Juden übrigens frei...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kii 22.03.2017 09:14
    Highlight Highlight Die syrische Bevölkerung tut mir einfach extrem leid! All diese Stellvertreterkriege in ihrem Land 😔
  • Cpt Halibut 22.03.2017 08:22
    Highlight Highlight Es macht mich einfach nur krank zuschauen zu müssen, wie anscheinend sämtliche Grossmächte auf dem Buckel von Syriens Zivilbevölkerung miteinander Krieg führen.
  • N. Y. P. D. 22.03.2017 07:54
    Highlight Highlight Spiegel online :

    hochkompetent
    umfassende Information
    schnörkellos geschrieben
    guter Journalismus

    Das sind nur einige Attribute, die den Spiegel beschreiben.


    Ich bin mit vielem aus Israel nicht einverstanden. Was aber beeindruckend ist, dass Israel Worten Taten folgen lässt. Sie sind in hohem Masse transparent, was die roten Linien betreffen.

    Beim militärischen Angriff sah man auch, wie hilflos unterlegen Syrien wäre, wenn Israel mal ernst machen würde.
    • Asmodeus 22.03.2017 08:24
      Highlight Highlight In hohem Masse transparent?

      Ich scheine den Teil mit "geheim gehalten" falsch verstanden zu haben.
    • N. Y. P. D. 22.03.2017 08:44
      Highlight Highlight @Asmodeus
      Ja, transparent.
      Benjamin Netanyahu sprach mit Präsident Putin ausführlich über die strategische Bedeutung der iranischen Versuche, eine permanente Präsenz in Syrien zu errichten.
      Netanyahu hatte deutlich gemacht, dass das für Israel nicht hinnehmbar ist.
      Das ist eine transparente Haltung gegenüber Putin.
    • Dong 22.03.2017 08:55
      Highlight Highlight @N.Y.P: Israel ist eine Atommacht, und natürlich könnten sie aus Syrien Kleinholz machen, aber wozu soll das bitteschön gut sein?
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 22.03.2017 07:42
    Highlight Highlight Das ist sehr beunruhigend! Wenn einer anfängt, schlägt der andere zurück, und schon eskaliert es - und beide behaupten, der andere hätte angefangen und sie hätten sich nur verteidigt...

    Aber wie kann Israel befürchten, dass ihre Gegner die Golanhöhen nutzen könnten, um sie anzugreifen? Die Golanhöhen sind seit 1967 unter israelischer Kontrolle und mir wurde erklärt, dort sei alles vermint.
  • gianny1 22.03.2017 07:35
    Highlight Highlight "Russland ist derzeit offenbar weder gewillt noch im Stande, die Aufrüstung der Hisbollah in Syrien zu stoppen".
    Somit ist ja ganz klar, dass Israel die Waffentransporte für die Terroisten der Hissbollah unterbinden muss.
    Alles andere wäre ja Selbstzerstörung!

  • Asmodeus 22.03.2017 07:28
    Highlight Highlight Also Israel führt Krieg gegen den Iran in Syrien?

    Da unten scheint jeder gegen jeden Stellvertreterkriegseln zu dürfen.
  • Skorpion 22.03.2017 07:20
    Highlight Highlight Das arme, unschuldige ISRAEL! ... wann findet es endlich seinen Frieden!? ...
    • gianny1 22.03.2017 07:44
      Highlight Highlight Sobald es nicht mehr von Terroristen bedroht wird! Oder wollen sie ernsthaft behaupten Hissbolah und IS seine keine Terroristen?
    • azoui 22.03.2017 07:52
      Highlight Highlight Ironie Tags vergessen?
    • SemperFi 22.03.2017 08:08
      Highlight Highlight Die ganze Region hätte längstens Frieden verdient.
  • pamayer 22.03.2017 06:29
    Highlight Highlight Ein weiteres Pulverfass...
  • rodolofo 22.03.2017 06:12
    Highlight Highlight Das könnte einen Flächenbrand geben...
    Immerhin bemühen sich alle Militärs in diesem "Pulverfass Naher Osten" abzurüsten, indem sie ihre Waffen gebrauchen, bis alles kaputt ist.
    • lilie 22.03.2017 07:49
      Highlight Highlight @rodolofo: Naja, schön wärs, wenn man einfach einen Deckel drüberstülpen könnte und die Streithähne solange schmoren lassen könnte, bis alle Munition verpulvert ist und alle ausgebrannt und kriegsmüde sind.

      Aber leider werden ja täglich neue Waffen produziert und in das Gebiet geliefert. Russland kann immer neue Soldaten bringen. Israel wirbt unter den Juden in der Diaspora Immigranten und damit auch potenzielle Soldaten an.

      Kriegshandlungen können auf dieser Welt leider über Jahrzehnte aufrechterhalten werden.
    • s_rosenthaler 22.03.2017 09:40
      Highlight Highlight Tja, darum sollen doch alle Mauern bauen, fehlt dann nur noch das Dach drüber und Ruhe ist.
    • s_rosenthaler 22.03.2017 11:18
      Highlight Highlight Löst allerdings das Problem einer Kugel mit begrenzten Ressourcen nicht. Tja, irgendwie beängstigend, dass solch simple Gesetzmässigkeiten in all den politischen Überlegungen keine Berücksichtigung finden und Abgrenzung und Eigeninteressen überwiegen.

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