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USA bekräftigen Drohung gegen Türkei – Trump rät Kurden zu Rückzug



Die USA haben ihre Sanktionsdrohung gegen die Türkei nach deren Einmarsch in Syrien bekräftigt und vor der Flucht gefangener IS-Kämpfer gewarnt. US-Präsident Donald Trump riet den kurdischen Kämpfern dazu, sich aus dem umkämpften Grenzgebiet zur Türkei zurückzuziehen.

epa07916391 US President Donald J. Trump delivers remarks at Values Voter Summit at the Omni Shoreham Hotel in Washington, DC, USA, 12 October 2019. The appearance at the Summit comes as evangelical leaders this week criticized Trump's decision to stand down US forces in northern Syria.  EPA/PETE MAROVICH / POOL

Donald Trump droht der Türkei mit Wirtschaftssanktionen. Bild: EPA

«Ich habe der Türkei klargemacht, dass wir sehr schnelle, starke und harte Wirtschaftssanktionen verhängen, wenn sie ihre Verpflichtungen nicht einhalten», sagte Präsident Donald Trump am Samstagabend (Ortszeit) vor Anhängern in Washington. Zu diesen Verpflichtungen gehöre der «Schutz religiöser Minderheiten und auch die Überwachung von IS-Häftlingen, die wir gefangen haben».

Es sei sehr schwierig, eine Streitmacht zu schlagen, die – anders als die eigenen Einheiten – über eine Luftwaffe verfüge, sagte Trump. Deshalb hoffe er, dass sich die in Nordsyrien agierenden Kurdenmilizen von der Grenze zur Türkei entfernen.

Zehntausende Menschen auf der Flucht

Zum Abzug der US-Truppen aus dem Konfliktgebiet sagte Trump: «Ich glaube nicht, dass unsere Soldaten für die nächsten 50 Jahre dort sein und die Grenze zwischen der Türkei und Syrien bewachen sollten, wenn wir unsere eigenen Grenzen zu Hause nicht bewachen können.» Damit bezog sich der Republikaner auf die zahlreichen illegalen Grenzübertritte an der Südgrenze der Vereinigten Staaten zu Mexiko.

epa07910203 Kurdish families flee their home towns Ras al-Ein due to the Turkish offensive in northern Syria, 10 October 2019. Turkey has launched an offensive targeting Kurdish forces in north-eastern Syria, days after the US withdrew troops from the area.  EPA/STRINGER

Kurdische Familien auf der Flucht. Bild: EPA

Kurz vor Beginn der türkischen Offensive hatte Trump den Abzug von US-Soldaten aus dem Gebiet in Nordostsyrien veranlasst. Kritiker werteten das als Freifahrschein für die türkische Staatsführung, gegen die kurdische YPG-Miliz vorzugehen, gegen die sich die Offensive richtet. Die von der YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) waren im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein wichtiger Verbündeter der USA. Die Türkei sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation.

Seit Beginn der Offensive am Mittwoch sind Zehntausende Menschen aus ihrer Heimat geflohen, darunter auch Christen. Priester Nidal Thomas, katholisch-chaldäischer Vikar in Hassaka im Nordosten Syriens, warnte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»: «Wenn (der türkische Präsident Recep Tayyip) Erdogan nicht aufhört, werden alle verbleibenden Christen fliehen. Wir bitten um Intervention, um diese Tragödie zu verhindern.»

Angst vor Wiedererstarken des IS

Der in Berlin ansässige Vertreter der kurdischen Gebiete, Ibrahim Murad, sagte der Zeitung: «Wir stehen vor einer grossen Katastrophe.» Gegen Luftangriffe könnten kurdische Soldaten «fast nichts tun». Zudem warnte er: «Wir können die weitere Haft der Dschihadisten nicht garantieren», da alle Soldaten an der Grenze gebraucht würden.

Der ehemalige US-Verteidigungsminister und General James Mattis warnte in einem NBC-Interview angesichts der Syrien-Offensive der Türkei vor einem Wiedererstarken des IS. Die Terroristen seien nicht besiegt – und es sei fraglich, ob die Kurden trotz des türkischen Militäreinsatzes in der Lage sein werden, den Kampf gegen den IS aufrechtzuerhalten.

Strassenproteste in Europa

Die Offensive hat schon jetzt zahlreiche Menschen das Leben gekostet. Zu den Toten aufseiten der Kurdenmiliz YPG gibt es dabei stark widersprüchliche Zahlen. Die SDF gaben an, rund zwei Dutzend ihrer Kämpfer seien umgekommen. Dagegen erklärte das türkische Verteidigungsministerium am Samstagabend, mehr als 450 YPG-Kämpfer seien «ausser Gefecht» gesetzt worden. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen zudem mindestens 30 Zivilisten ums Leben.

epa07915196 Kurds living in Sweden protest against the Turkish military operaion in northern Syria, in Stockholm, Sweden, 12 October 2019. Turkey has launched an offensive targeting Kurdish forces in north-eastern Syria, days after the US withdrew troops from the area.  EPA/Fredrik Sandberg  SWEDEN OUT

Demonstranten in Stockholm. Bild: EPA

In mehreren Städten Europas gingen am Samstag aus Protest gegen den türkischen Einmarsch Zehntausende Menschen auf die Strasse. Zu Kundgebungen kam es etwa in Deutschland, Frankreich und auch in mehreren Schweizer Städten. (sda/dpa)

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Türkei startet Offensive gegen Kurden in Syrien

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 13.10.2019 13:01
    Highlight Highlight "... IS-Häftlinge, die wir gefangen haben..."
    Wenigstens sagt er nicht "die ICH gefangen habe".
  • Lokutus 13.10.2019 11:38
    Highlight Highlight Wohin sollen die Bewohner des Grenzgebietes denn ausweichen? In die Normandie? Dieser Trump ist nicht nur charakterlos, sondern auch noch strohdumm — der fragt nicht einmal seine Berater, aber da sind die, die was taugen auch schon abgehauen.
    Der hat Erdogan meiner Meinung nach freie Hand gegen die Kurden versprochen und den einstigen Verbündeten das Messer in den Rücken gestossen.
  • Töfflifahrer 13.10.2019 11:07
    Highlight Highlight Unter Trump haben die USA einmal mehr gezeigt wie es geht Verbündete zu Bescheissen und im selben Moment sich neue Feinde geschaffen zu haben.
    Die USA habe ja bereits aktive Geburtshilfe bei Al-Quaida und dem IS geleistet. Was die Kurden von den USA halten dürfte mittlerweile keiner Erläuterung mehr bedürfen.
    • rodolofo 13.10.2019 13:10
      Highlight Highlight Die syrischen Kurden wären ideale Partner von Europa!
      Aber die Europäer müssen sehr vorsichtig umgehen mit Erdogan und sind auch sonst von internen Streitigkeiten lahmgelegt.
      Bei den USA ist es in gewisser Weise ähnlich.
      Aber Trump stellt sich ganz klar auf die Seite des machtgeilen Sultans, weil er sich von dem mehr Waffengeschäfte und Dollars verspricht, als von den ausgezehrten und vom Krieg gegen den IS entkräfteten Kurden, denen der VERRAT (!!!) durch Trump jetzt massiv zusetzen muss.
      Ich hoffe, dass sich Europa beherzter und tatkräftiger zu Gunsten dieser kurdischen HeldInnen einmischt!
    • Töfflifahrer 13.10.2019 15:00
      Highlight Highlight Leider wird Europa ausser leisen Protesten gar nichts tun. Die EU blockiert sich selbst und ist Handlungsunfähig. Erdogan lässt. sich für die Zurückhaltung von Flüchtlingen teuer bezahlen und hat nun auch noch ein Mittel in der Hand um Europa zu erpressen.
      Solange viele Staaten der EU nur noch Nationalistisch handeln und die EU keine Handhabe dagegen hat, wird sich daran nichts ändern. Die EU ist nur noch ein Freihandelsraum der sich langsam selbst auffrisst.
      Ergo, die EU ist eine Lame duck und Erdogan hat alle Trümpfe.
  • Q anon = B annon 13.10.2019 10:44
    Highlight Highlight Was! Er hat die Kurden-Miliz Verraten und jetzt sagt er denen noch. Verlasse doch auch gleich deine Heimat! Damit die Türken nicht noch Opfer zu beklagen haben. Und Du Kurde, löse dich doch bitte in Luft auf. Den die USA braucht dich nicht mehr und Erdogan ist ja so ein toller Typ. Dem kann ich doch Gebietserweiterung auf Kosten von einem Volk das nicht mal am D-Day dabei war, abschlagen. Okay Türken waren auch nicht dabei! Was Dump Dumper Trump tut ist diese Gegend auf Jahrzehnte Destabilisieren, denn Erdogans Plan Araber im Kurdengebiet anzusiedeln ist eine Zeitbombe!
  • Freebee 13.10.2019 10:18
    Highlight Highlight Die Kurden koenben doch froh sein fuer diese extrem werfvollen Ratschlaege vom weisen Trump: Ihr habt die Drecksarbeit gemacht (obwohl:Die IS kaempfer haben NB die Amis gefangen genommen- vom Flugzeug aus) jetzt sollen sie abtreten und sich zurueckziehen. Mal schauen, ob sie in Zukunft wieder so schnell Allies finden werden...

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