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Kämpfe um Wasser in Syrien – und Verhandlungen ohne den Westen in Kasachstan

Die Feuerpause in Syrien ist brüchig, besonders in einem Tal bei Damaskus toben schwere Gefechte. Mehrere Rebellengruppen weigern sich daher, an Vorgesprächen über einen Friedensplan teilzunehmen.

Christoph Sydow



epa05690773 A Syrian solider assists people in filling their water jerry-cans in Damascus, Syria, 29 December 2016. According to media reports, the capital Damascus has been suffering of water shortage for seven consecutive days. Rebels entrenching in Wadi Barada area in the west of Damascus have cut off water flowing from Ein al Feijeh water spring, the main water supply of Damascus city. al-Nusra Front's militants allegedly contaminated the spring with diesel and poured al-Feijeh water in Barada River. The Syrian government promised that the crisis would be resolved soon.  EPA/YOUSSEF BADAWI

Syrer sammeln sich am 29. Dezember in Damaskus an einer Wasserstelle. Bild: YOUSSEF BADAWI/EPA/KEYSTONE

Ein Artikel von

Spiegel Online

Wenn in Syrien von Barada die Rede war, ging es jahrzehntelang meist um Bier. Die beliebte Marke der staatlichen Brauerei hiess so; benannt nach dem rund 80 Kilometer langen Fluss, der Damaskus durchfliesst und das Umland der Hauptstadt bewässert.

epa05692076 A handout photo made available by Syrian Arab News Agency SANA shows Syrian citizens waiting to exchange their gas cylinders in Damascus, Syria, 29 December 2016 (Issued 30 December 2016). According to media reports the distribution is in accordance with the intensive campaign by the Ministry of Domestic Trade and Consumer Protection and aims to increase the positive intervention and easing the burden on citizens, especially with the approaching holiday season, indicating that distribution today is in four locations in Damascus in 1000 the amount of gas cylinder 250 for each zone at a price of 2650 Syrian pounds (12.50 US dollar) and 1000 water Fund at a price of 650 Syrian pounds (Three US dollars).  EPA/SANA HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Diese Männer in Damaskus hoffen, neues Gas zu bekommen. Bild: EPA/SANA

Wenn heute in Syrien von Barada die Rede ist, geht es um Krieg, das Bier gibt es nicht mehr. Das Wadi Barada (Barada-Tal) ausserhalb der Hauptstadt ist seit Wochen zwischen dem Regime und Aufständischen umkämpft. Zunächst hatten im Dezember Regimegegner das Gebiet erobert. Neben regulären syrischen Truppen versuchen vor allem Einheiten der libanesischen Hisbollah, das Gelände zurückzuerobern.

Zwei Wasserwerke zerstört

Das Tal ist strategisch besonders wichtig, weil der Barada-Fluss die wichtigste Wasserquelle für die Hauptstadt ist. Seit dem 22. Dezember sind nach Angaben der Vereinten Nationen rund vier Millionen Menschen in Damaskus von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten.

An jenem Tag wurden zwei Wasserwerke in dem Tal zerstört. Mindestens eine Pumpstation wurde durch einen Luftangriff des Assad-Regimes schwer beschädigt. Das Regime beschuldigt die Rebellen, sie hätten zuvor Diesel in den Fluss geleitet, um das Trinkwasser für Damaskus zu vergiften.

epa05690769 A Syrian boy holds his jerry-can filled with water in Damascus, Syria, 29 December 2016. According to media reports, the capital Damascus has been suffering of water shortage for seven consecutive days. Rebels entrenching in Wadi Barada area in the west of Damascus have cut off water flowing from Ein al Feijeh water spring, the main water supply of Damascus city. al-Nusra Front's militants allegedly contaminated the spring with diesel and poured al-Feijeh water in Barada River. The Syrian government promised that the crisis would be resolved soon.  EPA/YOUSSEF BADAWI

Glücklich: Dieser Knabe hat einen Behälter voll Wasser ergattert. Bild: YOUSSEF BADAWI/EPA/KEYSTONE

Friedensgespräche in Kasachstan

Die Kämpfe um das Barada-Tal halten seit Tagen an – trotz der seit Freitag geltenden landesweiten Waffenruhe, die Russland und die Türkei ausgehandelt hatten. Mehrere Tausend Menschen sind vor den Gefechten geflüchtet.

Die Regierungen in Moskau und Damaskus rechtfertigen die Luftangriffe und den Artilleriebeschuss auf das Tal damit, dass dort Kämpfer der Terrororganisation Dschabhat Fatah al-Scham auf Seiten der Rebellen kämpfen.

Bild

grafik: spon

Diese Terrormiliz ist von der Feuerpause ausdrücklich ausgenommen. Die Aufständischen und mehrere lokale Nichtregierungsorganisationen im Barada-Tal bestreiten jedoch vehement, dass die Dschabhat Fatah al-Scham dort aktiv ist.

Nach Genf nun Gespräche in Astana

Zwölf syrische Rebellengruppen haben wegen der Verstösse gegen die Waffenruhe Konsequenzen gezogen. Sie wollen alle Vorgespräche über Friedensverhandlungen mit der Regierung einfrieren.

Die Türkei, Iran und Russland hatten vereinbart, dass sich Vertreter des Assad-Regimes und der Opposition ab Mitte Januar in Kasachstans Hauptstadt Astana zu Gesprächen treffen sollten. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Der UNO-Sicherheitsrat unterstützt das geplante Treffen in Astana. Die dortigen Gespräche sollen die Friedensverhandlungen unter UNO-Vermittlung vorbereiten, die ab dem 8. Februar in Genf geplant sind. Die bis dato letzte Gesprächsrunde in der Schweiz wurde im April 2016 ergebnislos beendet.

Aleppo – ein Trümmerfeld

USA und EU ausgeschlossen

Vertreter von Regime und Opposition sassen noch nie gemeinsam an einem an einem Tisch, beide Seiten verhandelten nur indirekt mit Hilfe von UNO-Diplomaten, die zwischen den Delegationen hin und her pendelten.

Die geplanten Gespräche in Kasachstan – einer Diktatur mit engen Beziehungen zu Russland – wären die ersten ohne Beteiligung von Vertretern der USA und der EU. Das ist ein Vorbote für die Präsidentschaft von Donald Trump.

Der künftige US-Präsident hat signalisiert, dass er Kreml-Chef Wladimir Putin in Syrien freie Hand lassen werde. Daher scheint Moskau die Einbindung des Westens auch nicht länger für nötig zu erachten und setzt stattdessen auf Ankara als Verhandlungspartner.

Kein Druck auf Assad

Russian President Vladimir Putin (R) shakes hands with Syrian President Bashar al-Assad during a meeting at the Kremlin in Moscow, Russia, October 20, 2015. Assad flew to Moscow on Tuesday evening to personally thank Putin for his military support, in a surprise visit that underlined how Russia has become a major player in the Middle East. Picture taken October 20, 2015. REUTERS/Alexei Druzhinin/RIA Novosti/Kremlin ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS.

Verbündete: Von Putin wird Bashar al-Assad keinen Druck bekommen. Bild: RIA NOVOSTI/REUTERS

Es ist ein weiterer Versuch, einen politischen Prozess in Gang zu setzen, um dem Krieg in Syrien nach fünf Jahren, hunderttausenden Toten und Millionen Flüchtlingen ein Ende zu bereiten.

Bislang aber hat der syrische Machthaber Baschar al-Assad kein Interesse an einem politischen Prozess gezeigt. Im November 2015 verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 2254. Sie sieht die Bildung einer «glaubwürdigen und integrativen» Regierung unter Einbindung der Opposition binnen sechs Monaten vor, ausserdem einen Fahrplan für eine neue Verfassung und freie Wahlen innerhalb von 18 Monaten.

Russland hat diese Resolution unterstützt, übte aber keinen Druck auf seinen Verbündeten Assad aus, diesen Plan auch umzusetzen. Im Gegenteil: Seit Verabschiedung der UNO-Resolution hat Moskau seine militärische Unterstützung für das syrische Regime weiter intensiviert und mit der vollständigen Eroberung Aleppos Assads Position für zukünftige Verhandlungen gestärkt.

Der Diktator war in einer Position der relativen Schwäche nicht zu Zugeständnissen bereit. Es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass er aus einer Position der Stärke auf seine Gegner zugehen wird.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Saraina 04.01.2017 13:34
    Highlight Highlight Es ist halt einfach viel einfacher, immer wieder darüber zu diskutieren , wer jetzt schuld ist, als für einen Moment zu empfinden was es für die Kinder, Frauen und Männer bedeutet, wenn die Situation "Blackout" über Jahre anhält. Auch in Europa sitzen Flüchtlinge in unbeheizen Industriebrachen und Zelten, ohne Wasserversorgung, ausreichende Nahrung und minimalste sanitäre Versorgung. Mitten im Winter.
  • Beobachter24 03.01.2017 20:02
    Highlight Highlight Wenn die die lieben Freiheitskämpfer der Al-Kaida eine 5-Millionen-Stadt „austrocknen“ will, dann liest sich das einfach nicht so gut. Also nennt man sie nicht beim Namen und spricht stattdessen von einer Behauptung Assads.
    Elegant umschifft!

    Und die Astana-Runde ohne USA, GB, FR, … das schmerzt! … warum man die wohl nicht dabei haben will? Völlig unverständlich, die waren immer so kooperativ.

    Nich zu vergessen der nicht verhandlungsbereite Assad, der will einfach nicht auf die Minimalforderung „Hau ab!“ eingehen. Sturer Hund!

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