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epa04963902 (FILE) A file picture dated 12 November 2010 shows a general view of the historic site of the ancient city of Palmyra, central Syria. According to media reports on 05 October 2015, militants of the so-called Islamic State (ISIS or IS) have blown up Palmyra's ancient Arch of Triumph. Few months ago, the jihadist group blew up the 2,000-year-old Temple of Bel, the Baalshamin Temple and some of the famed tower tombs in Palmyra, a UNESCO-listed World Heritage Site. Islamic State extremist militia, which controls large swathes of territory in Syria and Iraq, has been reportedly destroying building sites with no religious meaning, including the Arch of Triumph. Palmyra, some 240km (150 miles) northeast of Damascus, emerged to become a powerful state after the Romans took control, serving as a link between the ancient Orient and Mediterranean countries.  EPA/YOUSSEF BADAWI

Antike Ruinen in Palmyra. Bild: YOUSSEF BADAWI/EPA/KEYSTONE

Einst befreit, bald wieder umkämpft? Der «IS» steht vor Palmyra

Der sogenannte «Islamische Staat» ist in Syrien wieder auf dem Vormarsch: Die Terrormiliz steht vor den Toren der antiken Wüstenstadt Palmyra – auch, weil die russische und syrische Armee gar kein Interesse an der Zerschlagung des «IS» haben.

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Spiegel Online

Andächtig lauschten die russischen Soldaten dem Mariinski-Orchester im Amphitheater von Palmyra. Die Musiker unter Leitung von Dirigent Waleri Gergijew spielten Stücke von Bach und Prokofjew – genau dort wo ein Jahr zuvor die Terroristen des sogenannten «Islamischen Staats» («IS») Dutzende Gefangene getötet hatte. Der Kreml hatte das Orchester, russische Politiker und Journalisten extra einfliegen lassen, um die Rückeroberung von Palmyra zu feiern.

epa05291647 A handout picture made available 06 May 2016 on the official website of the Russian Defence Ministry shows spectators attending the concert of Russian Mariinsky Theater Orchestra, conducted by Valery Gergiev in the Palmyra amphitheater in Palmyra, Tadmur District, Syria, 05 May 2016. The concert titled 'Prayer for Palmyra: Music Revives Ancient Walls' occured after the city was recently recaptured from Islamic State (or ISIS) militants by Syrian government forces backed by Russian troops.  EPA/RUSSIAN DEFENCE MINISTRY PRESS SERVICE / HANDOUT BEST QUALITY AVAILABLE HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Konzert in Palmyra am 6. Mai. Bild: EPA/RUSSIAN DEFENCE MINISTRY

Das war vor sieben Monaten.

Nun steht der «IS» wieder vor den Toren der Wüstenstadt. Von drei Seiten sind Kämpfer der Miliz in den vergangenen Tagen auf Palmyra vorgerückt. Sie haben mehrere Dörfer sowie Öl- und Gasfelder eingenommen. Rund 30 syrische Soldaten wurden bei den Gefechten getötet. Der «IS» veröffentlichte zudem ein Video, das mehrere gefangen genommene Soldaten und Milizionäre der Regierung zeigen soll. Derzeit kämpfen beide Seiten um mehrere strategisch wichtige Hügel, die rund fünf Kilometer von Palmyra entfernt liegen. Anwohner sollen aus der Stadt geflüchtet sein.

Es ist das erste Mal seit Monaten, dass der «IS» in Syrien in die Offensive geht. Bislang hatte die Terrormiliz seit Jahresbeginn nur Gebiete verloren – nicht nur rund um Palmyra, sondern vor allem im Norden Syriens. Trotz dieser Verluste und des fehlenden Nachschubs an Kämpfern aus Europa: Die Terrororganisation ist noch immer eine Gefahr und in der Lage, die geschwächte und ausgezehrte syrische Armee punktuell zu überrollen.

Karte Syriens mit Machtverhältnis von Assad-Regime, Hisbollah, Syrische Rebellen-milizen, Islamischer Staat, YPG und türkischer Armee.

Frontverläufe in Syrien. Grafik: Spiegel Online

In den vergangenen Tagen soll Russland seine Militärberater aus Palmyra abgezogen haben, obwohl der «IS» zeitgleich seinen Vormarsch vorbereitete. Und ohne russische Hilfe sind die Soldaten und Milizionäre des Regimes offenbar kaum imstande, umkämpftes Territorium zu halten.

Die Offensive der Dschihadisten ist ein weiterer Beleg dafür, dass es Wladimir Putin und Baschar al-Assad überhaupt nicht darum geht, den «IS» zu bekämpfen. Während russisches und syrisches Militär Angriff um Angriff auf die Rebellengebiete in Aleppo und Idlib im Norden Syriens fliegen, lassen sie die Terrormiliz gewähren. Strategisch ist es für den Diktator und seine Verbündeten wichtiger, die Aufständischen auszuschalten, weil sie seine Herrschaft herausfordern. Den Kampf gegen den «IS» überlässt er den USA und ihren Verbündeten.

Die Rückeroberung von Palmyra Anfang des Jahres war nur wichtig für die russische Propaganda. Die Aufnahmen vom Klassikkonzert und geretteten Kunstschätzen in der Wüstenstadt sollten von den Angriffen auf Schulen und Krankenhäuser in anderen Gegenden Syriens ablenken.

Damals präsentierte sich Russland als Bewahrer des antiken Erbes in Syrien. Palmyra ist eine der bedeutendsten historischen Stätten im Nahen Osten. Die «IS»-Terroristen hatten während ihrer zehnmonatigen Herrschaft über den Ort mehrere Tempel aus vorislamischer Zeit gesprengt und Khaled Asaad, den Chef-Archäologen von Palmyra, enthauptet.

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    Alle Leser-Kommentare
  • hansdieter 10.12.2016 04:04
    Highlight Highlight IS hat ein direktes Interesse, dass die Rebellen in Aleppo nicht kapitulieren. Denn auch sie wissen, dass Assad nur mit Mühe mehrere Fronten gleichzeitig verteidigen kann. Die Rebellen sind schuld an der humanitären Katastrophe in Aleppo. Die Rebellen kooperieren mit dem IS (beide sunni). Die USA halten sich aus strategischen Überlegungen zurück, denn die Rebellen und der IS(!) kämpfen gegen die Gegner Israels (Achse Assad-Iran).
  • Pasch 09.12.2016 22:39
    Highlight Highlight Schön hat der Spiegel die besten Militärstrategen. Endlich mal eine vernünftige Übersichtskarte... Aber darauf sieht man ja schon von weitem das die Lage ein ganz kleines bisschen verzwickt ist. Und ob es da wirklich ratsam ist bei Palmyra vorzupreschen und gefahr zu laufen sich abschneiden zu lassen...
    Hmm einfach wieder ein Pro-Ami Kommentar... Schade...

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