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Foto aus Syrien: Warum eine Vierjährige vor einem Reporter kapitulierte

Ein Journalist fotografiert ein Mädchen in Syrien, es streckt die Hände in die Höhe. Das Bild geht als Tweet um die Welt und bewegt Tausende. Die BBC ist der Geschichte nachgegangen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Auf den ersten Blick sind es nur die Kulleraugen eines kleinen Mädchens, die den Betrachter in den Bann ziehen. Dabei blickt aus den dunklen Augen blanke Angst: Das Foto des türkischen Journalisten Osman Sagirli zeigt ein vierjähriges Kind im syrischen Bürgerkrieg, das die Arme in die Höhe streckt – weil es die Kamera offenbar für eine Waffe hält.

Die Geschichte, der die britische BBC nachgegangen ist, erschüttert: Das Foto nahm Sagirli, der heute im afrikanischen Tansania arbeitet, demnach schon im Jahr 2012 auf. Damals habe er die kleine Hudea im syrischen Flüchtlingslager Atmeh getroffen und aus grösserer Entfernung abgelichtet. Das unbekannte Gerät mit dem länglichen Teleobjektiv habe die Vierjährige jedoch schwer erschreckt – so sehr, dass sie sich ergab.

«Ich bemerkte dann, dass sie in Panik war», sagte Sagirli der BBC. «Normalerweise rennen Kinder weg, verbergen ihr Gesicht oder lächeln, wenn sie einen Fotoapparat sehen», so der Journalist – daher sei die Situation mit Hudea so ungewöhnlich gewesen. Das Foto zeige, wie sehr sich mit Kindern die Schrecken eines Krieges bebildern liessen: «Es sind die Kinder, die Gefühle mit ihrer Unschuld am authentischsten reflektieren.»

Veröffentlicht wurde das drei Jahre alte Bild der BBC zufolge erst im Januar dieses Jahres in der Zeitung «Türkiye», bevor es in den sozialen Netzwerken bekannt wurde: Am vergangenen Dienstag postete die Palästinenserin Nadia Abu Shaban das Bild auf Twitter und löste damit eine Welle der Bestürzung aus.

Binnen einer Woche teilten Twitter-Nutzer Abu Shabans Tweet mehr als 14'000 Mal, auch in anderen Netzwerken verbreitet sich das Foto seither in rasendem Tempo. Die Kommentare der Nutzer spiegeln wider, wie anschaulich das Bild offenbar die Traumatisierung eines ganzen Landes nach vier Jahren Bürgerkrieg illustriert: «Ich weine gerade» und «unfassbar traurig» schreiben einige – oder: «Die Menschheit hat versagt.»

mxw

Der Syrienkrieg und die Flüchtlingsströme



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    Alle Leser-Kommentare
  • Linus Luchs 31.03.2015 17:18
    Highlight Highlight Weit über 200‘000 Menschen starben seit 2011 im syrischen Bürgerkrieg. Rund 2% durch die Rebellen, 3% durch den IS und 95% durch die Armee von Baschar al-Assad. Der Diktator lässt seine Gegner verschwinden, foltern und ermorden, zu Tausenden. Alle Geheimdienste wissen es, die Welt weiss es, aber man lässt ihn gewähren. Putin liefert Assad Waffen, da kann man halt nichts machen. Das ist Realpolitik. Und das Mädchen hat ja gelernt, dass die Kamera nicht schiesst. Gibt es ein Problem?
    • blueberry muffin 31.03.2015 22:39
      Highlight Highlight Und Deutschland lieferte ihm das Giftgas. Wie ironisch Geschichte doch ist.
  • zombie1969 31.03.2015 16:46
    Highlight Highlight Assad ist nur noch ein Schatten seiner selbst und ein Hohn für die Erbschaft seines Vaters. Seine Politik hat das Land zerstört, in dem er es zum Spielball ausländischer Mächte gemacht hat. Er und seine Anhänger sind nur eine Spielpuppe von Teherans Gnaden. Da helfen auch Hohelieder für diesen Massenmörder nichts mehr. Assads letzte Hoffnung ist der Erzfeind aus Amerika, der ihm neues Leben einflössen soll, mittels einer terroristischen Bedrohung, die er, Assad, hat aufbauen lassen mit genau diesem Ziel.
  • Menel 31.03.2015 16:18
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