International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
An image grab taken from a propaganda video released on March 17, 2014 by the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL)'s al-Furqan Media allegedly shows ISIL fighters raising their weapons as they stand on a vehicle mounted with the trademark Jihadists flag at an undisclosed location in the Anbar province. The jihadist Islamic State of Iraq and the Levant group has spearheaded a major offensive that began on June 9, 2014 and has since overrun all of Iraq's northern Nineveh province. AFP PHOTO / HO / AL-FURQAN MEDIA 
=== RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT

Bild: AL-FURQAN MEDIA

Terror gegen Russland und Frankreich: Die neue Strategie des IS

Die Anschläge von Paris markieren einen Strategiewechsel des IS. Erstmals sollen die Dschihadisten von Syrien aus Attentate im Ausland organisiert haben. Damit wird die Terrororganisation dem Qaida-Netzwerk immer ähnlicher.

17.11.15, 21:15

Jörg Diehl und Christoph Sydow



Ein Artikel von

Erst der Bombenanschlag auf das russische Passagierflugzeug über dem Sinai, dann die Attentate von Paris. Innerhalb von nur zwei Wochen hat die Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) verheerende Anschläge gegen Ziele im Ausland verübt. Insgesamt wurden dabei etwa 350 Menschen getötet.

Die Attentate richteten sich gegen Zivilisten aus Russland und Frankreich. Zwei Länder, die Luftangriffe gegen Stellungen des IS im Irak und in Syrien fliegen.

Nach den Erkenntnissen der Geheimdienste wurden beide Attacken von hochrangigen IS-Kadern in Syrien gesteuert. Im Falle des abgestürzten Airbus deuten abgefangene Gespräche zwischen Dschihadisten in der inoffiziellen IS-Hauptstadt Rakka und dem ägyptischen Ableger der Terrororganisation darauf hin. Der in Syrien abgetauchte belgische Islamist Abdelhamid Abaaoud wiederum gilt als Drahtzieher der Anschläge von Paris. Offenbar bildete er zumindest einige der Selbstmordattentäter in Syrien aus und schickte sie dann für die Attentate zurück nach Europa.

Der IS wird al-Qaida immer ähnlicher

Die zentral gesteuerten Anschläge markieren einen Strategiewechsel: Die Dschihadisten haben damit den Terror erstmals geplant und organisiert in die Länder getragen, die gegen den IS Krieg führen. Besonders die koordinierten Attentate von Paris im Stile einer Kommandoaktion überraschten die europäischen Geheimdienste.

Noch im Spätsommer waren deutsche Sicherheitsbehörden davon ausgegangen, dass der IS seine Priorität in der «Konsolidierung bestehender Einflusssphären» sehe. Damit würden Ressourcen in Syrien und dem Irak gebunden und die «operative Fähigkeit» gemindert, «international Anschläge in westlichen Staaten zu koordinieren». So steht es in einer vertraulichen Analyse des Bundesinnenministeriums.

FILE -- In this file photo released May 14, 2015 by a militant website, which has been verified and is consistent with other AP reporting, a member of the Islamic State group's vice police known as

In Raqqa spricht ein IS-Mitglied zur Bevölkerung
Bild: AP/Militant Website

In der Lesart der Nachrichtendienste und Polizeibehörden konzentrierte sich die Terrormiliz auf den Aufbau eines islamistischen Kalifats. IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi hatte im April 2013 den Kampf gegen das syrische Regime zum obersten Ziel seiner Organisation erklärt, als er mit al-Qaida und dem Bin-Laden-Nachfolger Ayman al-Zawahiri brach.

Vom Inspirator zum Organisator

Anschläge in westlichen Ländern waren damit zwar nicht generell ausgeschlossen, sie wurden aber wie im Fall der Pariser Attentate vom Januar eher begrüsst als beauftragt. Der IS sei bislang eher Inspirator denn Organisator gewesen, schrieb die «Süddeutsche Zeitung».

Damit scheint es nun vorbei zu sein. «Wir müssen uns auf eine neue Lage einstellen», sagt ein hochrangiger Sicherheitsbeamter aus Berlin.

Mittlerweile operiert der IS ähnlich wie al-Qaida zu Beginn des Jahrtausends. Damals verübten Kommandos im Namen der Organisation Anschläge in New York und Washington, Madrid und London. Nach den Attentaten von Paris hat der IS in einem neuen Video bereits die US-Hauptstadt als künftiges Anschlagsziel benannt. Der CIA-Chef sagt, er rechne mit weiteren Anschlägen des IS im Westen.

Und noch etwas ist neu: Zum ersten Mal hat die Miliz Selbstmordattentäter in Europa eingesetzt. Während sich in Syrien und dem Irak bereits Dutzende Freiwillige aus dem Westen in die Luft gejagt haben, darunter zahlreiche Deutsche, war diese perfide Form eines Anschlags in den Heimatländern der Attentäter bislang unbekannt.

Selbstmordattentate sind kaum zu verhindern

Der IS greife in Syrien und dem Irak besonders häufig auf Ausländer zurück, weil «diese Männer hochgradig ideologisch motiviert sind und lokal nicht verankert». So erklärte der Terrorforscher Peter R. Neumann das Phänomen vor einiger Zeit im Interview mit SPIEGEL ONLINE. «Selbstmordattentate sind militärisch sinnvoll. Sie können mit vergleichsweise wenig Aufwand grossen Schaden anrichten und verbreiten zugleich extreme Furcht», sagte Neumann.

Auch die deutschen Sicherheitsbehörden sind überrascht. «Das hat eine ganz neue und besondere Qualität», sagt ein Staatsschützer. «Zum einen weil man eine ungeheure Entschlossenheit und Radikalität dafür braucht. Zum anderen weil solche Anschläge eigentlich nicht mehr zu verhindern sind, wenn die Attentäter erst einmal auf der Strasse sind.»

Abonniere unseren Daily Newsletter

6
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kookaburra 17.11.2015 22:02
    Highlight Zeigt uns doch mal dieses Bekennerschreiben (oder Video) von ISIS! Isis ist schwach, es gibt keinen Beweis! Ich glaube das waren einfach Amokläufer! Frustrierte Franzosen. Ist einfacher für uns alle. Wir machen ISIS nicht! Die Medien machen ISIS!
    11 64 Melden
    • Androider 17.11.2015 22:53
      Highlight Husch husch, den Aluhut aufsetzen und ab ins Bett mit dir ;)
      55 6 Melden
    • Mia_san_mia 17.11.2015 23:15
      Highlight Haha ja das glaubst Du doch selber nicht :-)
      10 0 Melden
    • Angelo C. 18.11.2015 01:46
      Highlight Meine obstehende Meldung wurde offenbar falsch eingerückt, doch nicht weiter schlimm...

      Sie ist dem Köbi zuzuordnen, seiner Verschwörungstheorie und um das gewünschte Bekennerschreiben zu liefern...
      4 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

Nach Salah Abdeslams Festnahme: Die Jagd geht weiter

Die Genugtuung über die Festnahme von Salah Abdeslam währte nur kurz: Wie konnte der Terrorverdächtige nach den Anschlägen von Paris mehr als 120 Tage lang in Brüssel untertauchen - und wer gehört noch zu dem Islamisten-Netzwerk?

In der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek ist es ein bekannter Anblick: Die Strassen sind mit Polizeiautos zugestellt. In der Nähe des Ortes, an dem Salah Abdeslam und weitere Verdächtige am Freitagnachmittag festgenommen wurden, drängen sich Kamerateams aus aller Welt. Geheul von Polizeisirenen, am Nachmittag waren auch Hubschrauber im Einsatz, ein Stadtteil unter Belagerung. In gerade mal sechs Kilometer Entfernung endet gerade der EU-Gipfel mit der Türkei.

Schwer bewaffnete Polizisten …

Artikel lesen