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epaselect epa05694105 Relatives and friends mourn at the coffin during the funeral of Ayhan Arik, one of the 39 victims of the gun attack on the Reina, a popular night club in Istanbul near by the Bosphorus river, in Istanbul, Turkey, 01 January 2017. At least 39 people were killed and 65 others were wounded in the attack, local media reported.  EPA/SEDAT SUNA

Grenzenlose Trauer: Hunderte feiern in einem Istanbuler Club friedlich ins Neue Jahr. Doch 2017 ist noch keine zwei Stunden alt, da dringt ein Bewaffneter in den Club ein und schiesst um sich.  Bild: SEDAT SUNA/EPA/KEYSTONE

Attentäter nach Anschlag auf Nachtclub in Istanbul flüchtig



Hunderte feiern in einem Istanbuler Club friedlich ins Neue Jahr. Doch 2017 ist noch keine zwei Stunden alt, da dringt ein Bewaffneter in den Club ein und schiesst um sich. 39 Menschen sterben. Auch Stunden nach dem Angriff ist der Täter noch flüchtig.

Mindestens ein bewaffneter Angreifer drang kurz nach Anbruch des neuen Jahres in den bekannten Club Reina am Bosporusufer ein, erschoss am Eingang einen Polizisten und Zivilisten und richtete dann ein Blutbad unter den Feiernden an. 39 Menschen starben, 65 Menschen wurden nach Regierungsangaben verletzt. Unter den Opfern waren zahlreiche Ausländer.

epa05694602 A video capture shows the gunman entering the Reina nightclub, a popular night club in Istanbul near by the Bosphorus, in Istanbul, Turkey, early 01 January 2017. At least 39 people were killed and 65 others were wounded in the attack, local media reported.  EPA/DHA VIA DEPO POHOTOS TURKEY OUT ;  BEST QUALITY AVAILABLE

Bilder der Überwachungskamera sollen den Angreifer am Eingang des Reina Klubs zeigen.   Bild: EPA/DHA

Fahndung unter Hochdruck

Vom Angreifer oder den Angreifern fehlte nach der Tat jede Spur. Zunächst bekannte sich niemand zu der Bluttat. «Das ist ein Terrorangriff», sagte Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin.

Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die Behörden arbeiteten mit Hochdruck daran, die Identität des Täters festzustellen. Er dementierte Medienberichte, wonach der Angreifer ein Weihnachtsmannkostüm getragen habe. Es könne sein, dass der Angreifer seine Waffe im Club gelassen und sich im Tumult unter die Flüchtenden gemischt habe.

Innenminister Süleyman Soylu sagte, Ermittlungen der Sicherheitskräfte deuteten darauf hin, dass es sich nur um einen Schützen gehandelt habe.

Die Nachrichtenagentur DHA hatte zuvor gemeldet, zwei als Weihnachtsmänner verkleidete Terroristen seien in den Club eingedrungen und hätten das Feuer mit automatischen Waffen eröffnet. Auch eine Augenzeugin sprach von zwei Angreifern.

DHA berichtete weiter, zum Zeitpunkt des Angriffs seien 700 bis 800 Menschen im Club gewesen. Einige seien in den Bosporus gesprungen, um dem Angriff zu entkommen, berichteten Augenzeugen. Sie seien von Polizisten gerettet worden.

epa05694416 People place flowers and candles at a police barrier in front of the Reina night club following a gun attack at the popular night club in Istanbul close to the Bosphorus river, in Istanbul, Turkey, 01 January 2017. At least 39 people were killed and 65 others were wounded in the attack, local media reported.  EPA/DENIZ TOPRAK

Blumen und Kerzen wurden im Verlaufe des Tages vor dem Klub niedergelegt.  Bild: DENIZ TOPRAK/EPA/KEYSTONE

35 Tote identifiziert

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um «die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten». Ziel der Terroristen sei es, «Chaos» zu stiften.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntagabend berichtete, handelt es sich bei den Toten um 25 Männer und 14 Frauen. Von den bisher 35 identifizierten Todesopfern sind demnach 11 türkische Staatsangehörige, die anderen 24 Ausländer verschiedener Nationalitäten.

Medienberichten und Angaben der jeweiligen Regierungen zufolge sind unter den Opfern Menschen aus Saudi-Arabien, Marokko, dem Libanon, Libyen, Tunesien, Frankreich, Israel und Indien.

Schweizerinnen oder Schweizer sind nach bisherigen Erkenntnissen der lokalen Behörden nicht unter den Opfern, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten mitteilte.

International verurteilt

International wurde das Attentat scharf verurteilt. Die US-Regierung sprach von einer Gräueltat ausgerechnet an Silvester, was die Brutalität der Angreifer nur noch unterstreiche. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete in einem Beileidsschreiben an Erdogan das Attentat als «menschenverachtenden und hinterhältigen Anschlag».

Aussenminister Didier Burkhalter drückte nach dem Angriff seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu seine Betroffenheit aus, wie ein Sprecher mitteilte.

Zum Schutz vor Anschlägen waren in der Silvesternacht türkischen Medienberichten zufolge 17'000 Polizisten in Istanbul im Einsatz. Der Chef des angegriffenen Clubs Reina sieht keinen Mangel an Sicherheitsvorkehrungen.

Die türkische Polizei habe schon seit etwa zwei Wochen ihre Präsenz in Ortaköy, wo der angesagte Club liegt, und den umliegenden Vierteln verstärkt, teilte Mehmet Kocarslan mit. Auch auf dem Bosporus habe die Küstenwache alle nötigen Vorkehrungen getroffen.

Anschlag auf Nachtclub in Istanbul

Reihe von Anschlägen

Schon 2016 hatte die Türkei eine ganze Reihe verheerender Anschläge verkraften müssen. Erst vor drei Wochen waren bei einem Doppelanschlag in Istanbul 45 Menschen getötet worden, die meisten davon Polizisten. Dazu hatte sich die TAK bekannt, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die TAK und die PKK greifen vorrangig Sicherheitskräfte an.

Der Zeitung «Hürriyet» zufolge waren am Silvestertag acht Kämpfer der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») in Ankara festgenommen worden, die einen Anschlag in der Nacht geplant haben sollen.

Türkische Truppen sind derzeit in Nordsyrien in heftige Gefechte mit dem «IS» verwickelt. Nach dem türkischen Einmarsch im August hatte «IS»-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi im November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen. (sda/dpa/afp)

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