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Die Türkei kämpft gegen den Lira-Zerfall – die wichtigsten Fragen und Antworten



Die türkische Zentralbank kämpft gegen den freien Fall der Lira. Doch bislang konnte sie den Absturz der Landeswährung, die seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent an Wert verloren hat, nur zeitweise aufhalten. Hinter dem Kursverfall stehen unter anderem Sorgen der Investoren über einen wachsenden Einfluss des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf die Geldpolitik.

Dazu kommen Zweifel, ob die Notenbank es schafft, die aktuell zweistellige Inflationsrate zu senken. Hier einige Fragen zur den bisherigen Schritte der Zentralbank und mögliche weitere Massnahmen:

Wie könnte die Notenbank am meisten Wirkung erzielen?

Die stärkste Waffe sind die Leitzinsen. Um den seit Monaten anhaltenden Kurssturz zu beenden, hat sie dieses Instrument schon mehrmals eingesetzt. So hob sie in einer Krisensitzung im Mai den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld auf 16,5 von zuvor 13,5 Prozent an. Doch die Effekte verpufften rasch.

Tourists count their Turkish liras after exchanging foreign currency at a exchange shop in Istanbul, Monday, Aug. 13, 2018. Turkey's central bank announced a series of measures on Monday to free up cash for banks as the country grapples with a currency crisis sparked by concerns over President Recep Tayyip Erdogan's economic policies and a trade and diplomatic dispute with the United States. (AP Photo/Mucahid Yapici)

Türkische Lira sinkt auf ein Rekordtief. Bild: AP/AP

Im Juni erhöhte sie den Leitzins dann um 1.25 Punkte auf das aktuelle Niveau von 17,75 Prozent. Auch dies beruhigte die Finanzmärkte nur zeitweise. Da zudem die Inflation zwischenzeitlich auf über 15 Prozent gestiegen war, rechneten Ökonomen fest mit einem erneuten Zinsschritt im Juli. Doch Notenbankchef Murat Cetinkaya machte nichts. Die Folge: Der Kurssturz der Lira beschleunigte sich.

Wie vermeidet die Notenbank Liquiditätsengpässe?

Der Währungsverfall setzt den Banken des Landes zu, die dadurch in Liquiditätsengpässe geraten könnten. Um das zu verhindern, lockerte die Notenbank schon mehrmals die Verpflichtungen der Banken für Geldreserven. In der vergangenen Woche senkte sie zum Beispiel eine wichtige Obergrenze für Fremdwährungsreserven. Durch die Herabsetzung verschaffte die Notenbank den Instituten 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlicher Liquidität.

Am Montag lockerte sie zudem die Bestimmungen für Lira- und einige andere Währungsverbindlichkeiten. Zudem sollen zusätzlich zum Dollar auch Euro zur Absicherung der Lira-Reserven genutzt werden können. Durch diese Schritte erhält die Finanzwirtschaft gut zehn Milliarden Dollar an Liquidität. Die Notenbank kündigte darüber hinaus an, den Geldhäusern jedwede benötigte Liquidität bereitzustellen.

Könnten Dollar-Verkäufe helfen?

Die Zentralbank könnte zur Stützung der heimischen Währung auch Dollar verkaufen. Bisher gibt es allerdings an den Devisenmärkten keine Anzeichen dafür. Die Notenbank hat rund 21 Milliarden Dollar an Reserven. Einschliesslich aller verfügbaren Mittel und Regierungskonten sind es ungefähr 100 Milliarden Dollar.

Berat Albayrak, Turkey's Treasury and Finance Minister, talks during a conference in Istanbul, Friday, Aug. 10, 2018, in a bid to ease investor concerns about Turkey's economic policy. Albayrak said the government will safeguard the independence of the central bank and outlined his ministry's new economic policy as the currency plunged, raising questions about the country's financial stability. (AP Photo/Mucahid Yapici)

Berat Albayrak ist Finanzminister und Schwiegersohn von Erdogan. Bild: AP/AP

Die Notenbank hat allerdings wiederholt erklärt, dass für sie direkte Interventionen am Devisenmarkt nicht länger eine politische Option sind. Experten halten die Höhe der Devisenreserven nicht für ausreichend, um eine Wirkung zu erzielen.

Was empfehlen Experten?

Die Notenbank könnte ihre Geldpolitik jetzt weiter straffen, indem sie etwa den Zinskorridor für Tagesgeld verändert. Der wirksamste Schritt wäre nach Einschätzung von Volkswirten aber eine sehr kräftige Zinsanhebung.

Diese müsste aus ihrer Sicht verknüpft werden mit der Botschaft, dass die Notenbank unabhängig handele und ihre Schlüsselsätze noch für lange Zeit auf hohem Niveau belassen werde. Dafür müssten die Währungshüter ihren Leitzins nach Einschätzung von Ökonomen auf deutlich über 20 Prozent anheben. (awp/sda/reu)

Zwei Jahre Ausnahmezustand in der Türkei in Zahlen

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • TY94 13.08.2018 17:42
    Highlight Highlight 😂
    Benutzer Bild
  • Flexon 13.08.2018 16:52
    Highlight Highlight Mein konstruktiver Beitrag: Erdogan, verkauf doch deinen Palast (vielleicht beim Staatsfond Qatar anfragen) und ziehe in in eine 3-Zimmer-Wohnung (ein Arbeitszimmer für dich, ein Schlafzimmer für dich und deine Frau und ein Zimmer für Allah). Damit schlägst du drei Fliegen mit einer Klappe: 1) Allah wird dir dankbar sein, 2) Du besserst mit dem Verkauf die Aussenhandelsbilanz der Türkei auf, 3) Dein Volk wird dich noch mehr lieben und sofort alle Dollars in Lira umtauschen wenn du es befiehlst.
  • Lacaduc 13.08.2018 15:41
    Highlight Highlight Wenn man das nur gewusst hätte, dass die USA die Zölle verdoppelt. Dann hätte man viel, viel Geld damit machen können. Zum Glück waren es nur Trump und seine Freunde die es wussten, und die machen sicher nichts aus solchen Informationen. Und wenn doch? Passiert nichts.
  • zombie woof 13.08.2018 14:40
    Highlight Highlight Ich als Experte empfehle: Sperrt den Erdi ein und das Problem löst sich von allein.
    • Garp 13.08.2018 18:01
      Highlight Highlight Dann mach mal!

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