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People wave Turkish and Bosnian flags in front of an image of Turkey's president Recep Tayyip Erdogan displayed during a rally, in Sarajevo, Bosnia, on Sunday, May 20, 2018. Turkey's president arrived in the Bosnian capital to address supporters living in Europe, ahead of snap elections in his country. Turkey will vote on June 24, more than a year earlier than scheduled, in parliamentary and presidential elections, ushering in a new system of governance. (AP Photo/Amel Emric)

Tausende jubeln Erdogan in Sarajevo zu. Bild: AP/AP

Weil er nicht nach Deutschland darf: Erdogan wirbt in Sarajevo mit «osmanischer Ohrfeige»



Über drei Millionen wahlberechtigte Türken leben im Ausland. Wenn Recep Tayyip Erdogan am 24. Juni zur Präsidentschaftswahl antritt, will er sicher sein, auch deren Stimmen auf seiner Seite zu wissen. 

Doch Erdogan hat ein Problem: Deutschland, Holland und Österreich haben Wahlkampfauftritte von Regierungsvertretern verboten. Insbesondere das Verbot in Deutschland ärgert den türkischen Premierminister. Denn dort lebt mit 1,4 Millionen die grösste Gruppe wahlberechtigter Türken. 

Vor dem Verfassungsreferendum in der Türkei im vergangenen Frühjahr hatten geplante Wahlkampfauftritte in Deutschland zu einem heftigen Streit zwischen Berlin und Ankara geführt. Erdogan hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen verhinderter Auftritte «Nazi-Methoden» vorgeworfen. Die deutsche Regierung erliess daraufhin ein generelles Auftrittsverbot für ausländische Amtsträger aus Nicht-EU-Staaten, das drei Monate vor einer Wahl in deren Land gilt.

Und was macht Erdogan jetzt, da er nicht nach Deutschland darf? Er reist nach Sarajevo. Sarajevo? Richtig gehört, Sarajevo in Bosnien-Herzegowina.

Die osmanische Ohrfeige

Vor einer aus den umliegenden Ländern angereisten Masse trat er am Sonntag auf die Bühne. Türkische Fahnen wurden geschwenkt, «Allahu Akbar» und «Sultan Erdogan» gerufen. Begleitet wurde Erdogan bei seinem Auftritt in der grössten Sporthalle Sarajevos von Bakir Izetbegovic, dem muslimischen Vertreter im dreiköpfigen bosnischen Staatspräsidium.

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Video: YouTube/N1

«Seid Ihr bereit, den Terrororganisationen und ihren lokalen und ausländischen Handlangern eine osmanische Ohrfeige zu verpassen? Seid Ihr bereit, mich mit einer Rekordzahl an Stimmen in der Präsidentenwahl zu unterstützen?» Tosender Applaus. Bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen am 24. Juni gehe es um eine Entscheidung «für das nächste Jahrhundert unseres Landes», so Erdogan.

Nach Angaben der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) waren rund 10'000 Auslandtürken nach Sarajevo gereist, etwa die Hälfte davon aus Deutschland. Die UETD hatte den bislang einzigen geplanten Wahlkampfauftritt Erdogans im europäischen Ausland organisiert.

Aufruf zur Einbürgerung

Erdogan sagte: «Seid Ihr bereit, der ganzen Welt die Stärke der europäischen Türken zu demonstrieren?» Er forderte die Auslandtürken auf: «Gebt von Deutschland, Belgien, Österreich, den Niederlanden aus eine Antwort, die überall in Europa gehört werden kann.»

«Seid Ihr bereit, der ganzen Welt die Stärke der europäischen Türken zu demonstrieren?»

Erdogan rief seine Anhänger im Ausland dazu auf, dort ihren Einfluss auszudehnen. «Nehmt unbedingt die Staatsangehörigkeit der Länder an, in denen ihr lebt», sagte er. «Ich bitte Euch, dass Ihr eine aktive Rolle in den politischen Parteien in den Ländern übernehmt, in denen Ihr lebt. Ihr solltet ein Teil dieser Parlamente sein, nicht diejenigen, die ihr Land verraten.»

Streit in bosnischer Staatsführung

Doch auch in Sarajevo war nicht jeder von Erdogans Wahlkampfauftritt begeistert. Im Gegenteil: Er führte zu einem heftigen Streit in Bosnien-Herzegowina. Er habe von der Wahlveranstaltung nur aus den Medien erfahren, sagte das kroatische Mitglied im dreiköpfigen Staatspräsidium, Dragan Covic, dem Zagreber Fernsehsender HRT am Sonntag. Der Besuch füge dem in die EU strebenden kleinen Balkanland grossen strategischen Schaden zu.

«Ihm geht es um eine Demonstration für Westeuropa: Seht mal, hier auf dem Balkan kann ich sein»

Fahrudin Radoncic

Die Türkei hatte den für Sonntag geplanten Auftritt Erdogans über Izetbegovic, das muslimische Mitglied im bosnischen Staatspräsidium, organisiert. Izetbegovic, der sich als enger Freund des türkischen Präsidenten bezeichnet, hatte am Vortag die Türkei als Investor und Verbündeten gelobt.

Demgegenüber kritisierte der zweitwichtigste Muslimführer Fahrudin Radoncic im Fernsehsender N1 den Wahlkampf in Sarajevo. Erdogan gehe es um «eine Demonstration für Westeuropa: Seht mal, hier auf dem Balkan kann ich sein». (sar/sda/dpa/afp)

Erdogans wahnsinniger Präsidentschaftspalast

Der erste Coup gelang Erdogan im April 2017 (R.I.P. Elli!)

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Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • Scott 23.05.2018 13:39
    Highlight Highlight «Ich bitte Euch, dass Ihr eine aktive Rolle in den politischen Parteien in den Ländern übernehmt, in denen Ihr lebt. Ihr solltet ein Teil dieser Parlamente sein, nicht diejenigen, die ihr Land verraten.»

    Guckst Du:
    https://www.sp-bs.ch/persons/overview/sp-fraktion-im-grossen-rat-basel-stadt
  • swisskiss 21.05.2018 12:35
    Highlight Highlight Was will denn Erdogan Ohrfeige verteilen, wenn ihn Europa mit gestrecktem Arm auf Abstand hält?

    Je schlechter es der türkischen Wirtschaft geht, umso lauter schreit der Pascha vom Bosporus.

    Das mag den kleinen antaolischen Ziegenhirten beeindrucken, doch bei uns wirkt solches Verhalten lächerlich und ist die Persiflage eines Popanz.

    Es ist an den Türken das zu erkennen und ihn nicht zu wählen, denn sie leiden am meisten unter dem Grössenwahn Erdogans.

    Bei uns sollte man solchen Gestalten nicht den medialen Raum geben und noch Artikel schreiben, denn das ist dieser "Politiker" nicht wert.
  • TanookiStormtrooper 21.05.2018 11:49
    Highlight Highlight Warum hat er nicht noch: "WOLLT IHR DEN TOTALEN KRIEG?" in die Menge gerufen...?
  • Waedliman 21.05.2018 10:45
    Highlight Highlight Dieses Überheblichkeitsgebaren Erdogans bleibt bei den Türken, die ausserhalb ihres Landes leben, nicht ungehört und findet zunehmend Kopierer. Muslime seien bessere Menschen, höre ich immer wieder in Berlin, Türken sowieso. Da kommt nichts Gutes auf Europa zu, wenn diesem Kerl nicht endlich Einhalt geboten wird.
  • Paddiesli 21.05.2018 10:36
    Highlight Highlight Ganz ehrlich? Ich würde jeden Auslandtürken, der Erogan derart vergöttert, auffordern, in sein "demokratisches" Land zurückzukehren. Wer einen Diktatur will, soll sie haben.
  • Gzuz187ers 21.05.2018 10:11
    Highlight Highlight Hoffentlich bekommt er bald mal eine demokratische Ohrfeige, dieser Möchtegerndiktator
  • Herbert Anneler 21.05.2018 10:04
    Highlight Highlight Toll, dass Erdogan seine subversiven Absichten so offen legt. Wirbtauchen in Europa nun wirklich keine türkischen Sultane. Wie er sein Volk knechtet und die Menschenrechte mit Füssen tritt, sehen wir jeden Tag! Erdogan will in Europa Unruhe stiften. Dazu gehören Moscheen und Kriegsspiele mit Kindern. Seid wachsam und wehret den Anfängen! Mir scheinen Erdogan-Detektive sinnvoller als Sozialhilfe-Detektive.
  • Ridcully 21.05.2018 09:47
    Highlight Highlight was mich bei den Wählern von Erdogan am meisten erschüttert, ist wie viele es offensichtlich brauchen, dass ihnen Jemand sagt, was sie zu tun und zu denken haben. Der Wunsch nach einem starken Füher ist schlicht die Unfähigkeit mit der Freiheit umzugehen. Nietsche rotiert gerade in seinem Grab...
  • durrrr 21.05.2018 09:02
    Highlight Highlight Ich bleibe dabei: Türken, die Autokratie und Unterdrückung in ihrer Heimat unterstützen, gleichzeitig die freiheitlichen Vorteile hier geniessen und den Westen verfluchen, haben hier nichts verloren und sollen doch bitte mittel- bis langfristig wieder zurück nach Anatolien zu ihrem Sultan.
  • Majoras Maske 21.05.2018 08:50
    Highlight Highlight Wie schön es doch wäre, er würde einfach abgewählt.
  • AJACIED 21.05.2018 08:45
    Highlight Highlight Nach Bosnien wo den sonst. Habe mich überhaupt nicht gewundert das er in seiner Hauptbasis (ausserhalb der Türkei) war.
  • sherpa 21.05.2018 08:38
    Highlight Highlight "Osmanische Ohrfeige", na ja, der Diktator wird wohl bald selbst zu sehen müssen wie er und seine radikalen Mitläufer im EU-Raum geohrfeigt werden, Er hat alles verspielt, was er nur verspielen konnte, denn Hetze gegen andere wird zur Hetze gegen sich selbst
  • N. Y. P. D. 21.05.2018 07:47
    Highlight Highlight «Seid Ihr bereit, den Terrororganisationen und ihren lokalen und ausländischen Handlangern eine osmanische Ohrfeige zu verpassen ?»

    Auf deutsch :

    «Seid Ihr bereit, den Terrororganisationen und ihren lokalen und ausländischen Handlangern, der Europäischen Union, eine osmanische Ohrfeige zu verpassen ?»

    Er stellt die EU mit Terrororganisationen gleich. Merkel wirft er Nazimethoden vor.

    Da erübrigt sich jeder Kommentar.
  • Armend Shala 21.05.2018 07:24
    Highlight Highlight Und wie immer in der bisherigen Geschichte mit den Türken, Europa (Westeuropa) spielt sich als Moralkeule auf, tut dafür aber nichts und überlässt den Balkan wieder sich selber und ist dann gaaaaanz erstaunt wie der Türke plötzlich wieder einmarschiert ist und vor den Toren Wiens steht. Ein Trauerspiel, wie die Türkei und Russland das Machtvakuum, aufgrund der Abwesenheit Europas im Balkan ausnützen. Wer immer nur fordert, kann nicht gleichzeitig verlangen, dass man wieder geopolitisch herhalten muss für diese beiden Mächte, wie es jedesmal in der Südosteuropäischen Geschichte der Fall war.
    • Eksjugo 21.05.2018 08:01
      Highlight Highlight Bravo!
    • Jein 21.05.2018 08:19
      Highlight Highlight Der Westen tut nichts im Balkan? Ausser den Milliarden an Hilfsgeldern, einer jahrzehntelangen Friedensmission im Kosovo, Anreizsetzung zur Demokratisierung durch Möglichkeit von EU-Beitritt und Nato-Beitritt dann?

      Die Russen mögen Serbien für sich gewonnen haben und die Türkei mag die Muslime in einigen Ländern beinflussen zu suchen, aber zu sagen das der Westen nicht im Balkan präsent ist stimmt nun auch wieder nicht.
    • Hoppla! 21.05.2018 09:43
      Highlight Highlight Wie könnte "Europa" konkret den Balkan unterstützen?

      Ich dachte der Balkan sei nach Möglichkeit integriert in die "europäische Ländergemeinschaft", aber die Situation kenne ich zu wenig.
  • Adumdum 21.05.2018 05:32
    Highlight Highlight Das wird in Deutschland wieder genau die Reaktion hervorrufen („keine doppelte Staatsbürgerschaft!“, „die müssen sich schon entscheiden!!“) die Erdogan in die Karten spielt - schön wie sich die Nationalisten immer wieder den Ball zuspielen...
    • Waedliman 21.05.2018 10:47
      Highlight Highlight Ich glaube nicht, dass das so richtig ist, denn die Nationalisten sind zunächst einmal die Türken, die Erdogan wählen. Wer sich dagegen verwehrt, dass hier eine zweite Macht im Staat entsteht, hat das Recht in seiner Hand. Wer meint, sich über die Gesetze seines Gastlandes hinwegzuheben, muss mit Sanktionen rechnen. So ist das nun mal - und das gilt auch für Türken, egal, wo sie leben und meinen, sie müssten nun das Ruder der muslimischen Weltpolitik in die Hand nehmen.

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