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Enthüllungsvideos von Mafiaboss versetzen Türkei in Aufruhr

24.05.2021, 16:5024.05.2021, 16:55
Peker packt aus.
Peker packt aus.Bild: screenshot youtube

Vor dem Hintergrund der viel diskutierten Enthüllungsvideos des türkischen Mafiabosses Sedat Peker haben Anwälte Anzeige gegen den Urheber selbst und einige von ihm beschuldigte Männer erstattet. Die Videos von Peker enthielten wichtige «Geständnisse» über die Beziehungen zwischen Mafia und Staat und müssten von unabhängiger Seite untersucht werden, hiess es in einer Stellungnahme der Anwaltsvereinigung aus dem westtürkischen Izmir am Montag. Auch die Vereinigung aus Diyarbakir im Südosten der Türkei reichte eine Strafanzeige gegen Peker ein und forderte «effiziente Ermittlungen» zu ungeklärten Morden in den 90er Jahren in der Türkei.

Der flüchtige Peker sorgt seit Wochen in der Türkei mit YouTube-Videos für Aufregung, in denen er unter anderem dem amtierenden Innenminister Süleyman Soylu Verbindungen zur organisierten Kriminalität unterstellt. In seinem neuen Video vom Sonntag kamen auch einige der ungeklärten Morde zur Sprache. Peker erhebt in diesem Zusammenhang erneut Vorwürfe gegen Ex-Innenminister Mehmet Agar.

Nun unterstellte er ihm etwa, in die Morde an dem türkischen Journalisten Ugur Mumcu und dem türkisch-zypriotischen Journalisten Kutlu Adali verwickelt gewesen zu sein. Beide waren in den 90er Jahren getötet worden.

In seinem neuen Video behauptete Peker auch, ein Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Binali Yildirim und Agar seien in den internationalen Drogenschmuggel verwickelt. Binali Yildirim wies die Vorwürfe gegen seinen Sohn entschieden zurück. Beweise für die Anschuldigungen gibt es nicht. Die Videos stossen in der Türkei auf riesiges Interesse und wurden millionenfach geklickt. Die Strafanzeige der Izmirer Anwälte richtet sich namentlich gegen Peker, Soylu, Agar, dessen Sohn – ein Abgeordneter der regierenden AKP – sowie gegen den Sohn Yildirims.

Agar war 1996 in Folge des sogenannten Susurluk-Skandals als Innenminister zurückgetreten. Damals waren durch einen Verkehrsunfall nahe Susurluk in der Westtürkei Verbindungen zwischen dem rechtsextremen Untergrund und dem Staatsapparat bekannt geworden. (sda/dpa)

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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sebultikon
24.05.2021 18:29registriert August 2018
Korrupte Politiker? Kann ich mir nicht vorstellen...
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Majoras Maske
24.05.2021 18:12registriert Dezember 2016
Dass die türkische Regierung Dreck am Stecken hat ist klar. Die Demontage der türkischen Institutionen begann ja schliesslich damit, dass die türkische Staatsanwaltschaft gegen die Familie Erdogan ermittelte.
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CrispMüesli
24.05.2021 19:29registriert Dezember 2016
Was hierzulande eigentlich mal unter die Lupe genommen werden sollte von den Medien, ist der Überwachungsstaat in der Türkei. Da hängen Kameras in den Universitäten. Studierende werden belauscht auf nichtregierungskonforme Aussagen.
Wer bspw. Pädagogik studiert hat und als Lehrer*in arbeiten möchte, muss sich nach dem Studium einer "Prüfung" unterziehn, in welcher es schlicht um die Einstellung gegenüber dem Staat dreht.

Wer auch nur das Wort Atatürk in den Mund nimmt, kriegt nie eine Stelle.

Und das ist nur eim Bruchteil der ganzen Tragödie.

Der Typ ist wahnsinnig...
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