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epa05028612 Mohammed Abdeslam, brother of suspected Bataclan attacker Brahim and key suspect Salah, talks to media after he was released without charge by Belgium Police, in Molenbeek, Brussels, Belgium, 16 November 2015. At least 132 people were killed and some 350 injured in the terror attacks on 13 November, which targeted a concert venue, a sports stadium, and several restaurants and bars in Paris. Authorities believe that three coordinated teams of terrorists armed with rifles and explosive vests carried out the attacks, which the Islamic State (IS) extremist group has claimed responsibility for.  EPA/OLIVIER HOSLET

Mohamed Abdeslam beim Interview vor seiner Haustür.
Bild: OLIVIER HOSLET/EPA/KEYSTONE

Er ist der dritte der «Gebrüder Abdeslam»: Wer ist Mohamed, der Beamte aus Molenbeek?

17.11.15, 13:43


«Ich weiss nicht, warum. Ich weiss nicht wie», sagt Mohamed Abdeslam. Der junge Mann steht vor der Eingangstür seiner Wohnung im Brüsseler Stadtteil Molenbeek, bedrängt von Kameras und Mikrofonen.

Er ist der Bruder der beiden Attentäter Ibrahim und Salah Abdeslam. Die Ähnlichkeit mit dem Bild seines Bruders Salah auf dem Fahndungsfoto ist frappant.

Handout picture shows Belgian-born Abdeslam Salah seen on a call for witnesses notice released by the French Police Nationale information services on their twitter account November 15, 2015. Police have identified two more French nationals who blew themselves up in the coordinated attacks in Paris on Friday, the prosecutor said, and also put out a request for a Belgian-born man they warned was dangerous.The two men, aged 20 and 31, were suicide bombers at the Stade de France and at a bar in the 11th district. On their Twitter feed the police said they were also seeking a Belgian-born man, Abdeslam Salah in connection with the attack, describing him

Fahndungsausschreibung von Salah Abdeslam.
Bild: HANDOUT/REUTERS

Sein Bruder ist der «Staatsfeind Nummer 1»

Sein zweiter Bruder, der 31-jährige Brahim, hat sich am letzten Freitag vor einer Bar am Boulevard Voltaire in Paris in die Luft gesprengt, Salah ist auf der Flucht und gilt momentan als «Frankreichs Staatsfeind Nummer 1».

Interview mit Mohamed Abdeslam

YouTube/6Medias

Und nun steht er da, Mohamed, der dritte der «Gebrüder Abdeslam». Er wurde 36 Stunden lang von der Polizei festgehalten, er wurde befragt und steht jetzt plötzlich im weltweiten Fokus.

«Wie ihr alle wisst, bin ich von der Polizei vernommen worden, wegen der Terroranschläge in Paris. Ich bin tatsächlich der Bruder von einem der (getöteten) Attentäter. Aber ich stehe in keiner Weise mit den Attentaten in Verbindung», beginnt er seine Ausführungen.

Mohamed wirkt ruhig und überlegt

Mohamed beantwortet ruhig und überlegt die Fragen der Journalisten: «Haben Sie gar nichts bemerkt von der Radikalisierung ihrer Brüder?» Mohamed sagt, er habe nie etwas von religiösem Fanatismus bemerkt.

«Wir sind eine offene Familie. Wir hatten nie Probleme mit der Justiz.»

«Was meinen Bruder Salah betrifft – er war ein ganz normaler Junge.» Er wisse nicht, ob dieser den Mut habe, sich der Polizei zu stellen. «Aber er ist hier aufgewachsen, er hat hier studiert.»

«Nicht per Telegramm eingeladen»

Die Fragen nach seinem Aufenthalt, nach seinem Alibi vom Freitag Abend, beantwortet Mohamed schon fast mechanisch. Er scheint von seiner Anwältin Anweisungen bekommen zu haben: Er habe für den Zeitpunkt der Attentate ein Alibi. Deshalb sei er auch wieder auf freien Fuss gesetzt worden.

«Sie können sich aber vorstellen, dass ich nicht per Telegramm von der Polizei bestellt worden bin. Die Spezialeinheiten sind gekommen, um mich zu holen. Das war eine harte Erfahrung – auch, weil ich noch nie mit der Polizei zu tun hatte.»

Mohamed war am Freitag Abend in Liège

Nathalie Gallant, die Anwältin von Mohamed Abdeslam, gibt in einem Interview mit «Le Point» und BFMTV einen Einblick in das Leben ihres Mandanten:

Dieser habe eine Frau, zwei Kinder und teile überhaupt keine Ansichten des radikalen Islam. «Er will zusammen mit seinem Geschäftspartner eine Lounge-Bar in Liège eröffnen. Ich glaube nicht, dass dies in irgend einer Weise darauf hinweist, dass mein Mandant in die Attentate am Freitag Abend in Paris verwickelt ist.»

Gemäss Gallant beweisen Mohamed Abdeslams Handydaten, dass sich deiser am Freitag Abend tatsächlich in Liège aufgehalten hat.

Keine gemeinsamen Interessen

Trotzdem stellt sich die Frage, wie eng die Bindung zwischen den «Gebrüdern Abdeslam» wirklich war. Wie kann Mohamed nichts bemerkt haben von den Aktivitäten seiner Brüder? Sie lebten alle im gleichen Haus. «Es geht nicht darum, ob sie Kontakt hatten oder nicht, und wie stark dieser Kontakt war, sondern um die Tatsache, dass sie keine gemeinsamen Interessen hatten», sagt Anwältin Gallant dazu.

Mohamed stehe jeden Morgen früh auf, um seine Arbeit in der Verwaltung von Molenbeek aufzunehmen. Am Abend kehre er nach Hause zurück, sei müde. «Seine Brüder stehen erst gegen Abend auf und schlafen tagsüber. Man hat nicht immer die totale Kontrolle über alle Familienmitglieder, auch wenn man im gleichen Haus wohnt», fügt die Anwältin an.

«Er war immer gut angezogen»

Mohamed Abdeslam lebt seit mehr als 30 Jahren in Molenbeek und arbeitet auf dem Einwohneramt. Zu seinen Tätigkeiten gehören Dinge wie die Registrierung von Neuzuzügern, Adressänderungen, das Ausstellen von Identitätskarten, Arbeitsbewilligungen erteilen – halt alles, was ein Beamter auf dem Einwohnerbüro so macht.

Auch die Gemeindeverwaltung hat ihm nichts vorzuwerfen: Er sei ein angenehmer Mitarbeiter, heisst es. «Am Freitag sei er wie gewohnt auf seiner Arbeit erschienen» bestätigt seine Chefin Ann Gilles-Goris gegenüber dhnet.be.

«Er ist ruhig, aber er feiert auch gern»

Anders als seine Brüder führte Mohamed Abdeslam wohl ein sehr gewöhnliches Leben: «Er ist offen und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Er ist ruhig, aber er feiert auch ab und zu gern», sagt sein Cousin. Seine Partnerin sei «europäisch» und dem «katholischen Glauben» zugewandt. Und Mohamed sei immer gut angezogen.

Mohamed selbst hofft, bald wieder zur Arbeit gehen zu können und ein normales Leben zu führen. Nicht bei der Gemeindeverwaltung von Molenbeek vor verschlossenen Türen zu stehen.

Doch Mohamed, der Bruder von zwei Paris-Attentätern wird immer «der Bruder» bleiben. 

(egg)

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