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Terror in Istanbul: Täter schoss gezielt auf Köpfe und floh im Taxi

Nach dem Attentat in einem Istanbuler Klub mit 39 Toten werden mehr Details bekannt: So wirkte der Täter laut Ermittlern wie ein erfahrener Schütze. Nach dem Massaker soll er in Ruhe seine Kleidung gewechselt haben.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Bei dem Anschlag auf den Nachtclub Reina in Istanbul wurden viele der Opfer laut einem Pressebericht durch gezielte Kopfschüsse getötet. Insgesamt habe der Attentäter mehr als 180 Schüsse abgegeben und dabei sechs Mal das Magazin gewechselt, berichtete die Zeitung «Hürriyet Daily News» am Montag unter Berufung auf Ermittler, die Videobilder des Angriffs in der Nobeldisco am Bosporus ausgewertet hatten.

Demnach traf der unbekannte Täter, der ein grünes Hemd, dunkle Hosen und schwarze Stiefel trug, mit einem Taxi aus dem Istanbuler Stadtteil Zeytinburnu ein. Wegen des dichten Verkehrs in Ortaköy, wo der Klub liegt, sei er ausgestiegen und die letzte Strecke zu Fuss gelaufen, berichtete «Hürriyet Daily News». Um 01.20 Uhr wurde er demnach dabei gefilmt, wie er einen Polizisten und einen Zivilisten vor dem Eingang mit einem Gewehr erschoss.

Die Zeitung zitierte Ermittler mit der Aussage, der Angreifer habe im Umgang mit seiner Waffe professionell gewirkt. Er sei im Reina zunächst nach oben gegangen, bevor er in das untere Stockwerk zurückkehrt sei. Laut Augenzeugen tötete er auch am Boden liegende Menschen durch Kopfschüsse. Schliesslich sei er in die Küche gegangen, wo er rund 13 Minuten geblieben sei, die Kleidung gewechselt und seinen Mantel zurückgelassen habe.

Dem Bericht zufolge entkam der Mann, der seinem Aussehen nach angeblich aus Usbekistan oder Kirgisien stammen soll, in der allgemeinen Panik nach dem Angriff unerkannt. Laut «Hürriyet Daily News» nahm er ein Taxi, stieg aber nach kurzer Strecke wieder aus, weil er dem Fahrer sagte, dass er kein Geld bei sich habe. Demnach wurden 500 Lira in der Tasche des Mantels gefunden, den er am Anschlagsort zurückliess. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

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Augenzeuge aus Istanbul: «Er hörte nicht mehr auf zu schiessen.» Video: watson.ch

Medienberichten zufolge nahm die Polizei in Istanbul am Montag acht Verdächtige fest. Sie stünden im Zusammenhang mit dem Angriff in der Silvesternacht, meldete die Nachrichtenagentur DHA.

Bei dem Anschlag in der Silvesternacht, den die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») am Montag für sich reklamierte, waren 39 Menschen getötet und 69 weitere verletzt worden. Unter den Opfern waren 27 Ausländer, die meisten aus arabischen Staaten. Auch zwei junge Männer, die in Bayern lebten und von denen einer die deutsche Staatsbürgerschaft hatte, wurden getötet.

Silvester als «unislamisch» kritisiert

Nach dem Anschlag auf das Reina hat ein Zusammenschluss aus Organisationen Strafanzeige gegen den Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet gestellt. Die von Diyanet vor dem Angriff herausgegebene Freitagspredigt habe das Volk zu Hass und Feindschaft aufgewiegelt, heisst es zur Begründung, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete. Daher sei gegen den Chef der Behörde, Mehmet Görmez, bei der Staatsanwaltschaft in Ankara Anzeige erstattet worden.

Hintergrund ist die von Diyanet herausgegebene Predigt vom 30. Dezember, die auf der Website der Religionsbehörde veröffentlicht und – wie immer freitags – in Moscheen im ganzen Land verlesen wurde. Darin wurden die Feiern zum Neujahrsfest als unislamisch kritisiert. Unter anderem hiess es: «Es ist bedenklich, dass die ersten Stunden des neuen Jahres mit zu anderen Kulturen und Welten gehörenden Neujahrsfeierlichkeiten zur Verschwendung missbraucht werden.» Es sei unziemlich für einen Gläubigen, illegitimes Benehmen und Verhalten zur Schau zu stellen. Dazu gehöre etwa ein Verhalten, das nicht mit «unseren Werten» übereinstimme.

Nach dem Anschlag hatte Görmez die Tat umgehend scharf verurteilt. Ein solches Massaker sei mit keinem muslimischen Gewissen vereinbar, hiess es in einer Mitteilung.

Anschlag auf Nachtclub in Istanbul

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    Alle Leser-Kommentare
  • Doeme 03.01.2017 00:08
    Highlight Highlight Eine etwas lapidare Frage zur Aussage der Ermittler, der Täter hätte absichtlich auf die Köpfe geschossen: worauf soll er denn sonst schiessen, wenn er so viele Menschen töten will?

    Mögen die Discobesucher in Frieden ruhen http://✌✌✌✌✌✌✌✌
    2 4 Melden
  • Alnothur 02.01.2017 21:17
    Highlight Highlight Was für eine hässliche Kaltblütigkeit... Ich möchte hoffen, dass das das letzte hässliche Aufblitzen von 2016 war, und nicht die Vorboten von 2017 :(
    13 0 Melden
  • glüngi 02.01.2017 18:25
    Highlight Highlight Solange Organisationen wie Diyanet öffentlich unruhe stiften können wird es auch keinen Frieden geben und solange es Leute gibt die dahinter stehen können noch so viele "Religion des Friedens" rufen. Blitzt mich so viel Ihr wollt. Muslime, werdet einmal wütend, geht auf die Strasse! Sagt der Welt das solche Leute nicht für das steht für was ihr stehen wollt!
    21 11 Melden
    • redeye70 03.01.2017 01:56
      Highlight Highlight Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass dieses Attentat vom IS verübt wurde. Warum trifft es liberale Türken, die vermutlich nicht einmal Erdogan wählten? Übergriffe gab es schon genug gegen westlich oriententierte Türken. Gehetzt wird auch ausgiebig, nun reichte es einem nicht mehr nur Schläge auszuteilen.
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    • Saraina 03.01.2017 06:51
      Highlight Highlight Dyanet ist keineswegs eine Organisation, die Unruhe stiften soll. Im Gegenteil, es ist die von der jeweiligen Regierung gesteuerte Stelle, welche für alle türkischen Moscheen die Freitagspredigten verfasst, um zu verhindern, dass in den Moscheen zu Unruhe und Aufstand aufgerufen wird. Dazu sind die Predigten zwar frömmlerisch, halten sich aber gezielt von radikalem Gedankengut und politischer Brisanz fern. Einzelne Imame könnten sonst die Abschaffung von Fiat Money oder der Zinswirtschaft fordern, die im Islam nicht erlaubt ist. Oder Sympathie für den IS zeigen.
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    • Saraina 03.01.2017 14:39
      Highlight Highlight Redeye, es traf vor allem Touristen. Die Mehrzahl der Toten sind Ausländer. Unter der AKP-Regierung wurde die türkische Südküste mit Hotelkomplexen zugepflastert. Die Einnahmen und Arbeitsplätze durch Touristen sind die Lebensader der Regierung. Es ist Unsinn, anzunehmen dass die Regierung oder ihr nahestehende Ämter Probleme mit Neujahrsfeiern in von Touristen besuchten Nachtclubs wollen. Aber alle Terroristen, kurdische wie islamistische, greifen die Tourismusinfrastruktur an, weil man so das Land destabilisieren kann. Und dieser Täter war kein Amokläufer, sondern agierte geplant und exakt.
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  • JasCar 02.01.2017 17:48
    Highlight Highlight Wenn er tatsächlich im Namen des IS getötet hat, müsste man doch noch seinen Ausweis finden...
    34 43 Melden
    • Atlantar 02.01.2017 18:11
      Highlight Highlight Nein nein, den findet man gewöhnlicher Weise erst dann, wenn Zweifel an der offiziellen Version auftreten oder es während der Ermittlung zu groben Fehlern seitens der ermittelnden Polizei gekommen ist.
      5 19 Melden
    • Alnothur 02.01.2017 21:16
      Highlight Highlight Ich denke, das kommt drauf an. Wenn das vom IS koordiniert wurde, wäre dies nicht einmal nötig, dann wüssten sie ja schon, wer er ist. Ein unidentifizierter Attentäter nützt dem IS mehr als einer, dessen Bild und Ausweis überall kursiert.

      Die Attentäter von Berlin, Nizza und co. haben den Ausweis ja zurückgelassen, weil es vermutlich eben nicht abgesprochen war und das die einzige Möglichkeit war, dem IS seine Identität mitzuteilen.

      So zumindest meine Theorie.
      22 0 Melden
    • AdiB 02.01.2017 21:45
      Highlight Highlight Keine angst. Die deutschen brauchten auch 3 tage. Ausser die CIA vergessen die türken darauf hinzuweissen.
      5 10 Melden
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