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Thema Food

Ernährungs-Wende in den USA – gehört die Fettleibigkeit bald der Vergangenheit an?

Bild: shutterstock

Fast- und Industriefood gelten als typische amerikanische Zivilisationskrankheiten. Das stimmt. Es stimmt aber auch, dass die bedeutendsten Foodaktivisten für eine gesunde Ernährung ebenfalls aus den USA stammen. Dazu gehört auch die First Lady.



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In den 1970er Jahren erschien ein Buch einer damals völlig unbekannten jungen Texanerin mit dem französisch klingenden Namen Frances Moore Lappé. Sein Titel lautete «Diet for a small planet», und seine Grundthese ist schnell zusammengefasst: Essen ist eine politische Angelegenheit. Wir können die Welt verbessern, wenn wir sorgfältig darauf achten, was auf unseren Teller kommt.

Das Buch wurde ein Bestseller, die Autorin Kult. Lappé ist inzwischen über 70 Jahre alt, hat 15 weitere Bücher verfasst, 17 Ehrendoktortitel erhalten und betreibt mit ihrer Tochter Anna das Institute for Food and Development. Nach wie vor kämpft sie energisch und mit guten Argumenten für ihre Sache. «Wenn die Lebensmittel uns krank machen, wenn wir einen grossen Teil davon wegschmeissen, obwohl hunderte von Millionen Menschen hungern – dann kann das System nicht mehr weiter so funktionieren», sagt sie.

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Das erste Buch von Lappé wurde zum Bestseller. smallplanet.org

Frances moore Lappé

Frances Moore Lappé. smallplanet.org

Glacé zum Frühstück

John Robbins wurde mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund geboren. Als Sohn des grössten Glacé-Herstellers der USA hätte er ein Milliardenimperium erben können. Stattdessen zog er zusammen mit seiner Frau in eine einsame Blockhütte und begann, sich vegan zu ernähren. Er hatte dazu gute Gründe: Die Männer seiner Familie verstarben früh, meist an einem Herzinfarkt.

Robbins erkannte bald, dass die viel zu zuckerhaltige Ernährung der Grund für die vorzeitigen Todesfälle war. Er selbst hatte schon als Kind zum Frühstück Glacé vorgesetzt bekommen. Er begann, sich intensiv mit Ernährungsfragen und Politik zu beschäftigen. Seine gesammelten Weisheiten veröffentlichte er 2001 im Buch «The Food Revolution». Wie «Diet for a small planet» wurde «The Food Revolution» ein Bestseller und wie Lappé wurde Robbins ein landesweit bekannter Star.

Vom Vegi-Burger-Verkäufer zum Tier-Messias

Gene Baur war schon als Kind in Tiere vernarrt. Als Student tourte er mit einem VW-Bus mit den Grateful Dead durch die Staaten und verkaufte an deren Konzerten Vegi-Burger. Gleichzeitig setzte er sich zusammen mit seiner Freundin für die Rechte der Tiere ein und prangerte die Grausamkeit der Fleischindustrie an. Auf einem Abfallhaufen eines Viehmarktes fand er ein Schaf, das sein Besitzer bereits für tot gehalten und achtlos weggeworfen hatten. Es wurde der erste Insasse einer Tierfarm, die Bauer für gequälte oder dem Schlachthof entronnene Tiere gründete.

gene baur

Gene Baur hat ein Herz für Tiere. farmsanctuary.org

Baurs Tier-Zufluchtsstätte ist heute landesweit bekannt und beherbergt tausende von geretteten Tieren. Sie werden aufgesucht von Prominenten wie Martha Stewart und Alec Baldwin. Kinder verbringen ihre Sommerferien dort, Paare ein Wochenende. Baur hat inzwischen zwei Besteller über seine Tierschutzmission verfasst und ist Stammgast in Sendungen wie Jon Stewarts «Daily Show».

Lappé, Robbins und Baur sind Vertreter einer amerikanischen Küche, die nichts gemein hat mit bei uns verbreiteten, üblichen Klischees. Sie predigen eine vegetarische oder gar vegane Diät, prangern die Praktiken der industriellen Landwirtschaft und der Ernährungsindustrie an und preisen die Vorzüge von biologischen Kleinfarmen an.

File photo of pineapples, lemons and mangos on display in an organic supermarket in Berlin, January 31, 2013. German imports climbed to their highest level since reunification April 9, 2014, while exports fell in February, in a sign that domestic demand in Europe's largest economy is gathering pace.  REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY  - Tags: FOOD SOCIETY)

Die Zahl der Organic-Food-Supermärkte nimmt zu, jene der Fastfoodläden ab. Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

Organic Food wird mehrheitsfähig

Nicht alle Liebhaber von Organic Food verzichten auf Fleisch. Michal Pollan beispielsweise ist ein begnadeter Koch und passionierter Gärtner. Hauptamtlich ist der ehemalige Journalist des «New York Times Magazine» als Professor für Journalismus tätig. Pollan hat ebenfalls verschiedene Bücher zum Thema Ernährung verfasst. Das bekannteste trägt den Titel «The Omnivore’s Dilemma» (auch auf deutsch erschienen) und ist wahrscheinliche das gescheiteste Buch, das je über Ernährung geschrieben wurde. Wer es nicht liest, ist selber Schuld.

Gelegentlich arbeitet Pollan mit Marion Nestle zusammen. Trotz ihres Namens ist die Professorin für Ernährungswissenschaft so etwas wie die Anti-These zum Schweizer Nahrungsmittelkonzern. In Bücher wie «Food Politics» hat Nestle die dreckigen und teilweise korrupten Praktiken der Nahrungsindustrie aufgedeckt. Zusammen mit Filmemachern wie Morgan Spurlock («Super Size Me») hat sie aufgedeckt, welche üble Folgen Junk- und Conveniencefood im menschlichen Körper haben.

Organic Food ist mehrheitsfähig geworden. Der städtische Mittelstand kauft heute entweder auf dem Farmersmarkt Frischprodukte ein, oder er deckt sich im «Whole Food», einem Bio-Supermarkt ein. Urban Farming ist kein Hobby von verirrten Späthippies. In Seattle beispielsweise werden die Bewohner von der Stadtregierung angehalten, im Garten wieder Hühner und Schafe zu halten. In den schicken Teilen von Brooklyn findet man alles – nur keinen Fastfoodladen.

Der Anfang vom Ende der Fettleibigkeit?

Der neue Trend zu gesunder Nahrung ist logisch. Zu offensichtlich sind die negativen Folgen von Fast- und Industriefood geworden. Mit Salz, Zucker und Fett können zwar heute Lebensmittelingenieure auch Karton in eine schmackhafte Mahlzeit verwandeln. Doch Salz, Zucker und Fett haben gefährliche und inzwischen bekannte Nebenwirkungen: Sie machen Menschen dick und krank.

Fettleibigkeit ist die neue Volkskrankheit geworden, und die Gegenbewegung hat eingesetzt. Cola-Automaten verschwinden wieder aus den Schulkantinen, deren Köche müssen derweil den Kindern anstatt Pizza und Burger Salat und Broccoli auftischen. McDonald’s meldet rückläufige Umsätze, feuert die Topmanager und macht erste zaghafte Schritte in Richtung Bio.

WASHINGTON, DC - APRIL 15:  First lady Michelle Obama joins local student in planting vegetables in the White House kitchen garden on the south lawn April 15, 2015 in Washington, DC. This is the seventh year in a row the first lady has planted a vegetable garden on the South Lawn to initiate a national conversation around healthy eating.  (Photo by Mark Wilson/Getty Images)

Michelle Obama legt in ihrem Bio-Garten Hand an. Bild: Getty Images North America

Interessant für den Wahlkampf

Die Politik hat den neuen Zeitgeist inzwischen auch erkannt. Zum Auftakt ihres Wahlkampfes besuchte Hillary Clinton ein «Chipotle»-Lokal, die Bio-Konkurrenz zu McDonald’s. Von Erfolg zu Erfolg eilt auch Shake Shack mit dem Versprechen, das Fleisch seiner Hamburger stamme von Kühen, die artgerecht aufgezogen wurden.

Der Kampf für eine gesunde Ernährung hat inzwischen das Zentrum der Macht erreicht. Die First Lady Michelle Obama kämpft nicht nur unermüdlich für mehr Gemüse auf dem Speiseplan. Sie hat auch im Garten des Weissen Hauses eigenhändig einen Bio-Gemüsegarten angelegt. 

7 Fakten über Brain-Food – hier findet man die Schlaumacher

Grösste Bio-Vielfalt der Schweiz

1993 lancierte Coop die erste Bio-Marke des Schweizer Detailhandels. Dank des Engagements für Bio ohne Kompromisse füllten sich im Laufe der letzten 20 Jahre die Coop-Regale mit den grünen Naturaplan-Produkten. Mit diesen heute mehr als 1700 Produkten gibt es praktisch keinen Bereich mehr ohne Bio-Alternative.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kaiserin 13.07.2015 13:56
    Highlight Highlight Ich bin mir dieser Tatsache durchaus bewusst. Nur ist es mir vorgekommen, als seien diese gebildeten und einkommensstärkeren Amis noch ernährungsbewusster, als ihre Schweizer Pendants...
  • beatz 13.07.2015 09:51
    Highlight Highlight Ende der Fettleibigkeit? Freiwillig?
    Ha Ha!
    Da braucht es schon eine Kollision mit dem Mond, dass wir nicht mehr zu viel fressen (oder verhungern).
  • Macke 13.07.2015 08:58
    Highlight Highlight 1) Es wird im Artikel vollkommen ausgeblendet, dass es in erster Linie eine finanzielle Angelegenheit ist, ob eine Person sich von sogenannt gesunden Lebensmitteln ernähren kann oder nicht. Mehrere Grosspackungen Teigwaren und diverser Saucen sind einerseits billiger, andererseits einfacher zu portionieren und länger haltbar als der Brokkoli.
    2) Gibt es viele Indizien dafür, dass sozioökonomischer Hintergrund, genetische Vererbung, Stress sowie das Ernährungverhalten der Mutter eine weit größere Rolle beim Übergewicht spielen als nur die Ernährung.
    3) Die Einteilung von gesunden und ungesunden Lebensmitteln ist falsch. Es gibt per se keine gesunden und ungesunden Nahrungsmittel. Oder verursacht einmal Pommes-Essen gleich eine Krankheit und Brokkoli heilt die Krankheit? I don't think so.
    4) Gibt es keine Anzeichen dafür, dass Übergewicht eine Volkskrankheit ist: Seit den 90er-Jahren gibt in Deutschland keinen Anstieg an übergewichtigen Menschen. Studien, die einen Anstieg feststellen, vergleichen oftmals verschiedene Gruppen, so werden in Deutschland alle Altersgruppen miteinberechnet, währenddem bei anderen Ländern nur die 18-30jährigen genommen werden.
    5) Werden die effektiven Gesundheitskosten einer übergewichtigen Person berechnet, sind nur bei stark adipösen Personen die Gesundheitskosten höher als bei den restlichen Menschen. Bei Übergewicht sind sie jedoch oftmals tiefer als bei normalgewichtigen oder dünnen Menschen, da übergewichtige Menschen Krankheiten oftmals schneller und besser überstehen. Gegenteilige Annahmen rechnen jegliche Kosten, die anfallen könnten, im die Gesundheitskosten mit ein: ein bisschen hypothetischer Herzinfarkt da, ein paar hypothetische neue Gelenke hier... Diese Berechnungen kommen dann auf andere Ergebnisse als die Berechnung der effektiven Kosten.
    Also liebes Watson, übernehmt doch nicht einfach Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten.
    • Angelo C. 13.07.2015 10:51
      Highlight Highlight Ich hoffe nicht, dass dein Pseudonym Programm ist, Macke ;-)! Einiges an Quatsch geschrieben, so wie hier, wo die Deutschen doch seit den 90er Jahren gemäss dir angeblich nicht mehr an Gewicht zulegten - hier dein Zitat :

      "4) Gibt es keine Anzeichen dafür, dass Übergewicht eine Volkskrankheit ist: Seit den 90er-Jahren gibt in Deutschland keinen Anstieg an übergewichtigen Menschen. Studien, die einen Anstieg feststellen, vergleichen oftmals verschiedene Gruppen, so werden in Deutschland alle Altersgruppen miteinberechnet, währenddem bei anderen Ländern nur die 18-30jährigen genommen werden."

      Und was meint der SPIEGEL zu deinen gewagten Hypothesen :

      In Deutschland ist dem Statistischen Bundesamt zufolge jeder zweite Erwachsene übergewichtig. 1999 brachten 48 Prozent zu viel auf die Waage, 2013 waren es schon 52 Prozent. In der sogenannten Kinder- und Jugendgesundheitsstudie (KiGGS) haben Gesundheitsexperten von 2003 bis 2006 Daten zur Gesundheit von Kindern in Deutschland erhoben. Demnach galten in dem Zeitraum 15 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen als übergewichtig. Bei den 14- bis 17-Jährigen waren es sogar 17 Prozent. Der Anteil von Fettleibigkeit lag ä 6,4 und im höheren Alter bei 8,5 Prozent. In einer zweiten Welle wurden zwischen 2009 und 2012 erneut Daten erhoben und mit jenen der ersten Erhebungswelle verglichen.

      http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/uebergewicht-bei-kindern-und-jugendlichen-nimmt-weltweit-weiter-zu-a-1019140.html
    • Angelo C. 13.07.2015 11:00
      Highlight Highlight Nachtrag, hier wird dein Irrtum noch viel eindeutiger klargestellt :

      http://www.stern.de/gesundheit/adipositas--immer-mehr-deutsche-leiden-unter-starkem-uebergewicht-6190760.html
    • Philipp Löpfe 13.07.2015 11:40
      Highlight Highlight Man muss gar keine Statistiken bemühen. Es reicht, wenn man die Augen offen hat - auch in der Schweiz.
  • adritschka 13.07.2015 08:30
    Highlight Highlight Wenn es thementechnisch weiterhin so im Alternative-Hipster-Foodie-Style à la Belle Gibson bleibt, dann rechne ich damit, dass wohl bald ein Beitrag gegen genveränderte Lebensmittel oder das Impfen hier auftaucht?
    • Baba 13.07.2015 09:31
      Highlight Highlight Sind Sie etwa für gentechnisch veränderte Lebensmittel? Wenn ja, bedeutet das, Sie befürworten auch die Patentierung von Saatgut und die damit verbundene Verarmung von Bauern in Drittweltländern, da diese ihr Saatgut jedes Jahr neu kaufen müssen und nicht mehr wie früher selbst gewinnen können (nicht dürfen!)... Bis heute ist es nicht klar, wie sich GVO's langfristig auf Natur (und da gehört der Mensch halt auch dazu) auswirkten. Ich würde einen Artikel auf watson zu diesem Thema (GVO) sehr begrüssen. Gentechnisch veränderte Organismen sind nicht die Lösung für alle Probleme dieser Welt.
    • Nico Rharennon 13.07.2015 09:34
      Highlight Highlight Na das würde ich doch hoffen, hier mal einen kritischen Beitrag über den genveränderten Bullshit zu lesen, den uns die Giftmischer aufschwatzen wollen. Wer glaubt, dadurch würde sich auch nur ein einziges Problem lösen lassen, hat definitiv den Bezug zur Realität verloren!
    • adritschka 13.07.2015 10:03
      Highlight Highlight 1) Warum fürchtet man GVO's? Wegen Krebs? Dann bitte informieren, was mit der DNA von GVO's bei der Verdauung passiert. Zum Beispiel hier: https://www.facebook.com/geneticmaize/posts/1062325460453480?fref=nf

      2) GVO's können grössere Ertragsmenge liefern, was im Endeffekt den Welthunger beseitigt. (Was man im Übrigen mit den organic Superfoods, die "besser für die Gesundheit sind als jede Impfung", nicht kann).
    Weitere Antworten anzeigen
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 13.07.2015 08:11
    Highlight Highlight Bei den einseitigen Vorurteilen über die USA merkt man wie klein und spiessbürgerlich einige Schweizer sind :-P
    • 's all good, man! 13.07.2015 08:39
      Highlight Highlight Bezüglich Spiessbürgerlichkeit magst du ja recht haben, die Zahlen aber lügen auch nicht. Nur weil es einen Trend zu gesünderer Ernährung auch in den USA gibt, ist das Problem der Fettleibigkeit noch lange nicht vom Tisch (haha). Im Gegenteil: der Anteil fettleibiger Menschen sei so hoch wie noch nie, nämlich 27.7% (Quelle: http://www.nzz.ch/panorama/fettleibigkeit-in-usa-weiter-gestiegen-1.18469150).
  • Kaiserin 13.07.2015 07:53
    Highlight Highlight Auf meiner Südamerikareise begegnete ich so einigen US-Amerikanerinnen und Amerikanern und ich kann sagen, dass ich selten so ernährungsbewusste Menschen kennen gelernt habe... Nur ist es in Südamerika nicht ganz so einfach wie in Brooklyn vegan und bio zu essen.
    • Angelo C. 13.07.2015 11:59
      Highlight Highlight D00A : Die gebildeteren und besser verdienenden Schichten bewegen sich sehr wohl im Ausland, vor Allem u.v.a. auch weltweit auf allen Kreuzfahrten, wo sie gar die absolute Nr. 1 sind :

      "Nach meiner Einschätzung wird Deutschland noch in diesem Jahr zum größten europäischen Kreuzfahrtmarkt aufsteigen und weltweit Platz zwei hinter den USA einnehmen", sagte Michael Ungerer, Vorsitzender von CLIA Deutschland und Chef von Aida Cruises.
  • SVARTGARD 13.07.2015 07:41
    Highlight Highlight 🍔
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