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AfD-Politiker zückt im Jauch-Talk die Deutschland-Fahne und sagt: «Wir importieren uns sozialen Sprengstoff»

Günther Jauch wollte wissen: «Wird der Hass gesellschaftsfähig?» Dafür war auch AfD-Mann Björn Höcke ins Studio geladen, im Gepäck hatte er eine Deutschlandflagge und rechtspopulistische Sprüche. Nun gibt's heftige Kritik: an Höcke, an Jauch, an der ARD.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Es ist per se eine gute Idee, in eine Talkshow Gäste einzuladen, bei denen man bereits im Vorfeld weiss, dass sie unterschiedliche Positionen vertreten. Das belebt die Debatte, der Zuschauer bekommt ein breites Spektrum an Argumenten geliefert und wird im Idealfall Zeuge eines spannenden Schlagabtauschs.

Im schlimmsten Fall endet es so wie die Talkshow von Günther Jauch am Sonntagabend.

«Pöbeln, hetzen, drohen – wird der Hass gesellschaftsfähig?» Unter diesem Motto wollte Jauch mit seinen vier Gästen debattieren (hier gibt es die Sendung im Video). Er hatte Justizminister Heiko Maas eingeladen, Journalistin Anja Reschke, Saarlands Innenminister Klaus Bouillon – und Björn Höcke. Er ist Gründungsmitglied der Alternative für Deutschland (AfD) in Thüringen, er ist Landessprecher der Partei, er ist Vorsitzender der Fraktion im Landtag. Seit Sonntagabend ist er auch: im Mittelpunkt einer aufgeladenen Debatte.

NUR ALS ZITAT Screenshot / Jauch

Thürungens AfD-Politiker Björn Höcke mit Flagge.
bild: ard

Gleich zu Beginn der Talkshow kündigt Höcke an, er wolle ein «kleines Bekenntnis» ablegen. Er sei aus einer «tiefen Liebe zu seinem Land» in die Politik gegangen. Und er habe nun das «zentrale Symbol unseres Landes» mitgebracht, um zu zeigen, dass die AfD die Stimme des Volkes sei. Dabei griff Höcke in die Innentasche seines Jacketts und holte eine Deutschlandflagge hervor. Sein Mitbringsel legte er über die Lehne seines Sessels, dort blieb es bis zum Ende der Sendung liegen.

Wohlgemerkt, sie wurde am Sonntagabend ausgestrahlt. Da war die Nachricht gerade ein paar Stunden alt, dass die Politikerin Henriette Reker zur neuen Oberbürgermeisterin in Köln gewählt wurde – nachdem sie von einem 44-jährigen Attentäter mit einem Messer niedergestochen und schwer verletzt worden war. Der Mann soll aus fremdenfeindlichen Motiven gehandelt und Reker für angebliche Fehler in der Einwanderungspolitik verantwortlich gemacht haben.

First aid equipment lies on the ground next to an election campaign poster of Henriette Reker in Cologne, Germany October 17, 2015. Reker, an independent candidate running for mayor of the German city of Cologne, was stabbed in the neck and severely wounded on Saturday while she was campaigning in the city, police said. Reker and an aide were both severely injured by the attacker, a 44-year-old man, police said. Three other people who came to their aid were also injured, though not severely.    REUTERS/Wolfgang Rattay

Am Samstagmorgen wurde die deutsche Politikerin Henriette Reker von einem 44-Jährigen niedergestochen. Sie liegt auf der Intensivstation.
Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Und nun sass da in Jauchs Talksendung AfD-Mann Höcke und lieferte genau die Art von Sprüchen, die man im Vorfeld hätte erwarten können – und die an einem Abend wie diesem erst recht vollkommen deplatziert wirkten. Er wolle «das Bewährte behalten», sagte er zum Beispiel. Und bezogen auf Asylbewerber in Deutschland: «Wir importieren uns sozialen Sprengstoff.» Einspieler zeigten Höcke vor Hunderten Menschen in Erfurt, wie er während einer AfD-Demonstration ins Mikrofon brüllt: «Wir sind das Volk!» und «Schön deutsch soll Erfurt bleiben».

Umso heftiger wurde Höckes Auftritt bei Günther Jauch kritisiert. Auf Twitter war der Hashtag #Jauch einer der meistdiskutierten, und die allermeisten Nachrichten richteten sich gegen Höcke, aber auch gegen Jauch und gegen die ARD.

Bärbel Bas, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, kritisierte wie viele andere die Tatsache, dass Höcke überhaupt eine so grosse Öffentlichkeit bekam:

ZDF-Journalist Dominik Rzepka fand in mehreren Tweets ebenfalls negative Worte über den Talkshow-Auftritt, allerdings konnte er dem Auftritt auch etwas Gutes abgewinnen: Höcke habe sich selbst demontiert. Zahlreiche andere Twitter-Nutzer bemängelten vor allem die Moderation von Jauch. Er habe kaum in die Diskussion eingegriffen und lediglich dabei zugesehen, wie sich seine Gäste stritten, so der allgemeine Tenor. Im Gegensatz zu Jauch bekam Reschke viel Lob auf Twitter: Sie sei die eigentliche Moderatorin des Abends gewesen.

Justizminister Maas sagte schon in der Sendung, die Äusserungen seines Sitznachbarn seien «widerlich». Nach der Sendung twitterte er:

Und natürlich gab es auf Twitter auch zahlreiche Beiträge, die sich humorvoll mit Höckes Auftritt auseinandersetzten:

Das Schlusswort in der Sendung kam übrigens von Maas. Jauch wollte die Sendung gerade beenden, da stritten sich noch einmal Reschke, Höcke und der Moderator. Maas ging dazwischen und sagte in Richtung Jauch: «Is egal, lassen Sie ihn!»

aar

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    Alle Leser-Kommentare
  • Babalu 19.10.2015 14:24
    Highlight Highlight In der Schweiz sind solche Sprüche eher sogar in der politischen Mitte anzutreffen. Wir tolerieren und unterstützen mit knapp 30% noch weitaus rechteres Gedankengut. Die ganzen europäischen Rechtsradikalen sehen die Schweiz als das gelobte Land.
  • kurt3 19.10.2015 13:12
    Highlight Highlight Ich bin gespannt , wann Lukas Reimann Björn Höcke in die Schweiz einlädt .

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