freundlich-1°
DE | FR
18
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
International
Twitter

Twitter-Heldin mit Kopftuch als Antisemitin entlarvt

Twitter-Heldin mit Kopftuch und Duckface als Antisemitin entlarvt

23.05.2016, 18:2003.06.2016, 16:13

Was für eine anrührende Story: Da macht eine junge Muslima ganz entspannt «Peace-Selfies» vor einer Anti-Islam-Demo in Antwerpen, lässt so das traurige Häufchen flämischer Rechtsextremisten steinalt aussehen und avanciert prompt zur strahlenden Twitter-Heldin. 

Die mutige junge Frau kam dem Fotografen Jürgen Augusteyns vor die Kamera – und bald hypten zahllose Medien die Fotos der Selfie-Frau im Hidschab: BBC, TelegraphHet Laatste Nieuws, Huffington Post, Vice, Buzzfeed  oder Mashable France, sie alle lobten den charmanten Protest gegen dumpfbackige Islam-Feinde. 

Ein verhängnisvoller Tweet

Leider hat die Geschichte einen Haken. Zakia Belkhiri, wie die Muslima heisst, hat selber rassistischen Dreck am Stecken. Im November 2012 hatte die 22-Jährige getwittert:  

«Hitler brachte nicht alle Juden um, er liess ein paar übrig. Damit wir wissen, warum er sie tötete #fuckrs.»

Zwar säuberte Belkhiri flugs ihren Twitter- und Facebook-Account, kaum war sie zur Toleranz-Ikone avanciert. Doch sie war nicht schnell genug – Screenshots ihres antisemitischen Tweets begannen auf Twitter zu kursieren:  

Und auch ein einschlägiges Zitat aus ihrem – inzwischen gelöschten – Facebook-Account machte nun die Runde: 

«Verdammte Juden wollaah habe so einen Hass auf sie a3oedoebillah!»

Zu unguter Letzt grub noch jemand ein Posting von Belkhiri auf Ask.com aus. Dort hatte sie vor zwei Jahren die Frage «Würdest du gern Hebräisch sprechen lernen?» eher undiplomatisch mit «Fuck diese Judensprache!» beantwortet. 

«Fuck diese Judensprache!»
Bild

Alles falsch gemacht

Was folgte, war ein Lehrstück aus der beliebten Serie «Wie ich auf Social Media alles falsch mache». Die ertappte Twitter-Heldin wollte zuerst plötzlich ganz bescheiden zurück in die Anonymität («ich will nicht berühmt sein») und ersuchte die Twitter-Öffentlichkeit so flehentlich wie aussichtslos, ihre Bilder zu löschen: 

Bild

Im nächsten Schritt behauptete sie dann keck, die inkriminierten Tweets seien mit Photoshop gefälscht worden: 

«Ich habe nichts gegen Juden und diese Tweets sind nicht einmal echt?? Das ist gephotoshopt, aber wow wie traurig, alles suchen, um mich fertig zu machen.. »
«Ich habe nichts gegen Juden und diese Tweets sind nicht einmal echt?? Das ist gephotoshopt, aber wow wie traurig, alles suchen, um mich fertig zu machen.. »

Mehr zum Thema

Twitter
AbonnierenAbonnieren

Zuletzt erklärte sie, sie habe ja nur die «Zionisten» gemeint: 

«Meine Aussage vor so vielen Jahren war damals auf die Zionisten gemünzt, an alle anderen Juden meine ehrlichen Entschuldigungen! Peace and love.»
«Meine Aussage vor so vielen Jahren war damals auf die Zionisten gemünzt, an alle anderen Juden meine ehrlichen Entschuldigungen! Peace and love.»

Wer den Schaden hat ... 

Der Rest war dann, wie so oft in diesen Fällen, Schweigen: Mittlerweile ist Belkhiris Twitter-Account nicht mehr zugänglich; auch ihren Facebook- und den Ask-Account hat sie offenbar gelöscht. 

Dafür sind andere auf Twitter umso aktiver: Auf der Plattform kursieren Fotomontagen, auf denen die Selfie-Muslima mit Duckface vor Bilder von KZ-Häftlingen oder islamistischen Terroranschlägen gestellt wird. 

Die unschöne Geschichte vom Aufstieg und Fall der Twitter-Heldin Belkhiri ist auch ein Lehrstück in Medienkunde: Zahlreiche Medien berichteten über Belkhiris Selfie-Protest gegen die Demonstration des rechtsextremen Vlaams Belang, aber nur eine Handvoll von ihnen – so die BBC oder Het Laatste Nieuws  – machten sich die Mühe, auch den unschönen Ansichten der Twitter-Heldin ein paar Zeilen zu widmen. 

Umso breiter walzen dafür rechtspopulistische Blogs wie Geenstijl.nl – der als erster über Belkhiris Tweets berichtete – oder Breitbart.com die antisemitischen Tiraden der Muslima aus.  (dhr)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

18 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Gsnosn.
23.05.2016 19:22registriert Mai 2015
"Die unschöne Geschichte vom Aufstieg und Fall der Twitter-Heldin Belkhiri" Das Internet hat sie hoch gejubelt und wieder runter gejubelt.
701
Melden
Zum Kommentar
avatar
bröter
23.05.2016 20:20registriert März 2016
Die Dame ist mit ihrem Geschichtswissen auch nicht so auf der Höhe. Es stimmt zwar dass sich Hitler einst "positiv" gegenüber dem Islam geäussert hat und antisemit war. Später wären die Muslime jedoch genau so verfolgt worden wie die Juden. Wie auch immer, dieser Hass zwischen den Religionen ist einfach eine Katastrophe.
738
Melden
Zum Kommentar
avatar
bastardo
23.05.2016 21:23registriert Mai 2016
ich arbeite mit sehr vielen muslimen. die meisten ziemlich anständige typen. aber sie alle hassen die juden.
679
Melden
Zum Kommentar
18
«China und der Westen sind wie ein Paar, das Sex hat»
Ai Weiwei ist der bekannteste Oppositionelle Chinas und gleichzeitig der populärste Kunstaktivist. Ein Gespräch über den chinesischen Weg, die falschen Hoffnungen Europas – und seinen Ärger über den Allerweltsbegriff «Demokratie».

Ai Weiwei flaniert durch den lichttrunkenen Glasbau «Square», den die HSG für Ihre Studierenden als Kapitol hoch über St. Gallen errichtet hat. Er wird sich hier mit Studierenden treffen, Sammler und China-Experte Ueli Sigg hat die Einladung vermittelt. Beeindruckt scheint Weiwei nicht, er ist mit allen Wassern der Öffentlichkeit gewaschen und beherrscht gleichgültig-professionell die Distanznahme zu architektonischen Weltwundern sowie zu Fans und den Medien. Als man ihm schliesslich zum Gespräch gegenübersitzt, ist die Überraschung perfekt: Ai Weiwei reicht der Journalistin die Hand.

Zur Story