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Der tansanische Präsident John Pombe Magufuli sagt der Korruption in seinem Land den Kampf an.<br data-editable="remove">
Der tansanische Präsident John Pombe Magufuli sagt der Korruption in seinem Land den Kampf an.
Bild: EMMANUEL HERMAN/REUTERS

Auch Tansanias Präsident hatte gestern «kei Luscht» ... ging Müll sammeln und wird auf Twitter abgefeiert

Ueli Maurer war gestern mit seinem «kei Luscht» nicht alleine. Dasselbe sagte sich zur gleichen Zeit auch der tansanische Präsident Magufuli, strich die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag und ging Müll sammeln.
10.12.2015, 14:1010.12.2015, 14:57

Bundesrat Ueli Maurer sorgte mit seinem «kei Luscht» für den inoffiziellen Aufreger der Bundesratswahlen. Die Art und Weise, wie er SRF-Reporter Gion-Duri Vincenz abblitzen liess, wurde zum Steilpass für die Twittergemeinde. 

Der Bundesrat war jedoch nicht alleine: Auch der Präsident Tansanias hatte gestern «kei Luscht». Doch im Gegensatz zu Ueli Maurer ist John Pombe Magufuli bei der Twitter-Community ein Star. 

Doch von vorne:

Exakt 44 Jahre und einen Tag ist es her, seit sich Tansania von der britischen Kolonialmacht befreien konnte und unabhängig wurde. Deswegen hätte im ostafrikanischen Land gestern eigentlich der tansanische «Independence Day» gefeiert werden sollen.

Doch dazu kam es nicht, denn der frischgewählte Präsident John Pombe Magufuli hatte dazu «kei luscht». Er könne doch nicht feiern gehen, während seine Landsleute an Cholera litten, so Magufuli, und rief zur nationalen Kehrwoche auf. Sämtliche Festlichkeiten zum Unabhängigkeitstag wurden abgeblasen, der Präsident bewaffnete sich mit Schaufel und Besen und ging Müll sammeln.

Auf diese Dinge hat Magufuli «kei Luscht»

Bei seinem Amts-Antritt Ende Oktober sagte Magufuli der Korruption, Vetternwirtschaft und der Verschwendung von Steuergeldern durch die Eliten den Kampf an. Im Normalfall sind solche Ansagen bei Staatspräsidenten in der Sub-Sahara-Zone nichts als leere Plattitüden. Doch offenbar nicht so bei Magufuli. Der 56-Jährige lässt den schönen Worten tatsächlich auch Taten folgen. Er hatte nämlich nicht nur «kei Luscht» auf den «Independence Day» sondern auch auf viele weitere Dinge:

  • «Kei Luscht» hatte Magufuli auf ein Staatsbankett. Er liess die Sause aus dem Kalender streichen und kaufte mit dem gesparten Geld Betten für ein Spital in Daressalam, der grössten Stadt in Tansania.
  • «Kei Luscht» hatte Magufuli auf faule Verwaltungsmitglieder. An seinem ersten Arbeitstag ging er ins Finanzministerium und entliess dort jeden, der unentschuldigt nicht bei der Arbeit erschienen war.
  • «Kei Luscht» hatte Magufuli auf überteuerte Hotels. Sämtliche Besprechungen werden in Zukunft nicht mehr in irgendwelchen Konferenzräumen von Luxus-Unterkünften durchgeführt, sondern in den Büros der Regierung.
  • «Kei Luscht» hatte Magufuli auf einen korrupten Mitarbeiter, der Steuergelder in Millionenhöhe hatte verschwinden lassen und entliess ihn sofort.  
  • «Kei Luscht» hatte Magufuli auf überflüssige Staatsreisen. Sämtliche unwichtige Flüge von Regierungsvertretern ins Ausland wurden gestrichen. Business Class fliegt in Zukunft nur noch er selber, der Vize-Präsident und der Premierminister. Der Rest der Regierung muss in der Holzklasse Platz nehmen.
  • «Kei Luscht» hatte Magufuli auf Offroader. Mitglieder der Regierung müssen in Zukunft auf dicke Schlitten mit V8-Motoren verzichten und mit ganz normalen Autos zur Arbeit fahren.

Auch hier geht Magufuli mit gutem Beispiel voran: Den Heimweg nach der gestrigen Müllsammel-Aktion bestritt der Staatspräsident mit seinem Fahrrad und einem modischen Helm.

Magufuli wird zum Twitter-Star

Die Begeisterung über den neuen Präsidenten ist gross. Nicht nur in Tansania, sondern auch in den Nachbarländern. So veröffentlichte die kenianische Zeitung Narobi News kürzlich einen Artikel mit dem Namen: «Acht Dinge, die Uhuru von Magufuli lernen kann». Seht her, nicht nur watson macht Listicles :). Uhuru Kenyatta ist seit dem 9. April 2013 Präsident von Kenia. 

Doch nicht nur Kenya will von Magufuli lernen. Seine Landsleute ziehen bereits nach und schnallen den Gürtel ebenfalls enger – zumindest auf Twitter. Unter dem Hashtag #Whatwouldmagufulido trumpfen die Tansanier gross auf mit ihren Sparideen. Hier ein paar äusserst kreative Beispiele:

Nach nicht einmal zwei Monaten im Amt ist Magufuli also bereits zum Twitter-Star avanciert. Die Freude in Tansania ist gross. Doch eine Sorge bleibt. Macht Magufuli mit seiner Aufräum-Aktion derart rigoros weiter, könnte demnächst auch Weihnachten gestrichen werden. 

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