International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

«Solidarisch wehren wir uns mit allen nötigen Mitteln gegen den Faschismus», schreibt Chelsea Manning unter dieses Bild. bild: instagram/xychelsea87

Keine kontert Twitter-Trolle so toll wie Chelsea Manning

Die Ex-Whistleblowerin ist 29 und gerade die unwiderstehlichste, unverkrampfteste Twitter-Ikone. 



Dies dürfte das coolste Wortgefecht der letzten Tage sein. Einer schreibt:

«You should have been shot for treason.»

«Du hättest für Verrat erschossen werden sollen.»

Die Antwort der Gegenseite lautet:

«instead i got shot for @voguemagazine»

«Stattdessen wurde ich für die ‹Vogue› abgelichtet»

Was für eine nonchalante, elegante und glamouröse Antwort! Der Beleidiger nennt sich übrigens BC II und ist ein rechter Twitter-Troll, der mit Vorliebe rassistische, sexistische und trumpistische Nachrichten des geschickt kopierten Fake-Julian-Assange-Accounts @RealAssange weitertwittert.  

Wer ihm antwortet, ist Chelsea Manning, die Transfrau also, die sieben harte Jahre in einem Männergefängnis verbracht und zweimal versucht hatte, sich das Leben zu nehmen, bevor sie von Präsident Obama begnadigt wurde. Die Whistleblowerin, die während dieser sieben Jahre ihren einstigen Männerkörper einer Geschlechtsangleichung unterzog. Jetzt ist sie in der «Vogue».

Das «Vogue»-Foto

«Ich vermute, so sieht Freiheit aus», schrieb sie unter das Foto. Und versah es wie immer mit verschwenderisch vielen Emojis.

Bild

Denn das ist Chelsea heute: Freigebig mit ihrer Freude an der Freiheit, ihren Gefühlen und ihrem Kampfgeist, der dem des Soldaten, der mit 20 Jahren in die Armee eintrat, vielleicht nicht ganz unähnlich ist. Damals, als Chelsea sich als schwuler Mann definierte, der gerne Frauenkleider trug.

epa05969163 (FILE) - A file undated photograph obtained on 24 October 2010 from bradleymanning.org shows Army Specialist Bradley Manning. The transgender US army private who later changed his name to Chelsea Manning confirmed her scheduled release was going ahead on her Twitter feed on 09 May 2017. US President Obama on 17 January 2017 commuted convicted whistleblower Chelsea Manning's remaining sentence to have her be freed on 17 May 2017.  EPA/BRADLEYMANNING.ORG / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES *** Local Caption *** 00000402410685

Da war Chelsea noch Bradley Manning und frisch verurteilt, weil er gut 750'000 militärische Geheimdokumente an WikiLeaks geliefert hatte. Bild: EPA/BRADLEYMANNING.ORG FILE

So verunsichert war sie damals, dass sie hoffte, in der Armee zu einem echten Mann zu werden. Stattdessen wurde sie endlich zu einer Frau.

Seit ihrer Freilassung am 17. Mai twittert sie täglich dutzendfach. Zunächst ist das eine euphorische Dokumentation des neu gefundenen Alltagsglücks. Emojisüchtig ist sie da noch nicht.

Inzwischen ist aus Chelsea Manning eine ebenso euphorische Aktivistin geworden. Für die Rechte der LGBTQ-Community, für Abtreibung, für ein funktionierendes Gesundheitssystem, gegen Rassismus, für den antifaschistischen Kampf. Es scheinen in ihrem grossen, twitternden Herzen restlos alle Platz zu haben, die sich gegen das derzeitige amerikanische Polit-Establishment stellen.

Trump verbannt Transmenschen aus der Armee

abspielen

Video: srf

Sie alle werden in ihren Tweets mit Herzen, rosa Einhörnern und Regenbögen bedacht. Chelsea twittert gewissermassen unentwegt Glitter auf die Massen und auch auf die Masse jener Trolle, die eine Geschlechtsangleichung als Kosmetik bezeichnen und ihren Tod wollen. Das scheint gelegentlich etwas naiv, ist aber ungeheuer effizient, da unendlich entwaffnend. Vor allem, wenn es so leichtherzig daherkommt wie der «Vogue»-Tweet.

Die «Vogue» ist übrigens seit dem ersten Tag in Freiheit an Chelsea Mannings Seite. Noch im Gefängnis schrieb sie der Redaktion lange Listen mit Farben und Schnitten, die ihr gefallen könnten. Es war eine sehr scheue, mausartige Annäherung an die Möglichkeiten weiblicher Mode. Aber die «Vogue» nahm Chelseas Wünsche ernst und stellte ihr eine erste kleine Garderobe zusammen. Und liess auch gleich noch einen goldenen Anhänger in Form eines Hashtags anfertigen.

Inzwischen hat Chelsea ihre Garderobe zunehmend in Richtung Cyberpunk verändert, der Anhänger ist geblieben. Neben ihren Emojis setzt sie jetzt auch ihr Make-up bewusst symbolisch ein. Schwarzer Lippenstift bedeutet: «Ich protestiere gegen Trump.»

Auch das mag ein wenig simpel scheinen. Aber Chelsea Manning versprüht trotz der leidvollen letzten Jahre eine derart ansteckende Freude an ihrer Bewegungsfreiheit und ihrem Recht auf Meinungsäusserung, dass Twitter dank ihr gerade richtig Sinn macht. Sie ist unwiderstehlich. Und man ist geneigt, sich tief vor ihr zu verneigen.

Israels «Miss Trans» – eine christliche Araberin :)

Das könnte dich auch interessieren:

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

37
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nameless Hero 26.08.2017 11:05
    Highlight Highlight Die Antwort ist grandios, ohne frage. Aber ihr habt wohl die Tweets von James Blunt vergessen 😂
  • ch2mesro 26.08.2017 09:20
    Highlight Highlight die vogue macht das natürlich aus altruistischen motiven und wirklichem interesse die lbgt comunity zu unterstützen........da ist kein bisschen kaklül dahinter 🤔
    • AnnaFänger 26.08.2017 10:05
      Highlight Highlight kalkül und ehrliches interesse muss sich nicht beissen
  • rodolofo 26.08.2017 07:53
    Highlight Highlight Ich teile die Begeisterung über diesen Trans-Menschen, der es geschafft hat, die von anderen, missgünstig denkenden Menschen ins Hirn gepflanzten Gedanken, welche ihn/sie in den Selbstmord getrieben hätten, auszureissen und auf den Mist der Geschichte zu werfen, wo sie verrotten, ohne weiteren Schaden anzurichten!
    Chelsea hat auf ihrem Weg vom Schein-Mann zur auch äusserlich erkennbaren Frau das getan, was wir ALLE in unserem Leben tun müssen, wenn wir UNSER Leben leben wollen (anstatt im "Falschen Film" zu sein)!
    Den Troll-Puppenspielern, die gerne an Fäden ziehen, passt das aber gar nicht.
    • Saraina 26.08.2017 08:33
      Highlight Highlight Sie hat es auch geschafft, ihr bekanntes offenkundiges Unrecht ohne Rücksicht auf eigenen Schaden bekannt zu machen. Echte Charakterstärke ist sehr selten heutzutage.

      Äusserst interessant und aufklärerisch ist auch die Kunstaktion mit DNS - Portraits von ihr.
    • silverstar 26.08.2017 19:10
      Highlight Highlight rodolofo
      Also nochmals,
      Wieso, sind Linksaussen häufig Antisemiten?
  • Dreiländereck 26.08.2017 06:28
    Highlight Highlight Die Übersetzung nimmt leider einen grossen Teil der Qualität.
    Troll und Manning schreiben beide "shot", also Schiessen. Der Troll im Sinne von erschiessen, Manning im Sinne von Foto schiessen und genau dies ist der Witz.
  • Platon 26.08.2017 04:28
    Highlight Highlight Danke Frau Meier, für ihre tollen Artikel! Normalerweise würde ich niemals den Boulevardteil irgend eines Mediums lesen, doch bei ihren Artikeln kann ich nicht widerstehen. Sie besitzen als eine der Wenigen die Empathie dazu, für die einzigartigen Menschen in dieser Welt, den nötigen Respekt zu zeigen. Weiter so!
  • Grundi72 25.08.2017 23:00
    Highlight Highlight Eine wahre Ikone unserer Zeit..

    omg... 😂
    • Henzo 26.08.2017 01:03
      Highlight Highlight Ich mag trolle. Wenn ich von einem beleidigt werde ist mir das doch egal. Internet ist nicht die reale welt und es gibt deutlich wichtigeres als sich über irgend einen död aufzuregen.
    • rodolofo 26.08.2017 07:57
      Highlight Highlight Grundi72, der Möchtegern-Puppenspieler...
      Siehst Du die Schere in meiner Hand?
      Mit der habe ich gerade die Fäden durchgeschnitten, an denen Du ziehen wolltest.
      Was willst Du jetzt machen?
      Wie ein Wutbürger herumtäubeln?
      Versuch doch mal, Dir zu überlegen, was Du sonst noch alles tun könntest, ausser Leute zu manipulieren versuchen!
      Fällt Dir denn gar nichts ein?
      Ja, dann bist Du wohl tatsächlich ein Troll...
    • peterli90 26.08.2017 08:33
      Highlight Highlight Hört doch endlich damit auf Leute "Trolle" zu nennen, die eine andere Meinung (wenn auch ironisch) vertreten.

      Für die einen hat diese Person bzw. ihr Handeln eine grosse Bedeutung, für andere nicht. Wo liegt das Problem? Es müssen nicht immer alle gleicher Meinung sein!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Spooky 25.08.2017 22:15
    Highlight Highlight Chelsea Manning ist für mich die positive Seite der USA: WHO DARES WINS und DO IT!

    Wie schon irgendwo gesagt wurde: Chelsea the Phoenix

    In unserem alten Europa wäre so eine verrückte Karriere wahrscheinlich nicht möglich.
    • The Destiny // Team Telegram 26.08.2017 03:18
      Highlight Highlight In Europa wird man führ das Vergehen von es auch nicht eingebuchtet für 20+ Jahre.
    • Saraina 26.08.2017 08:37
      Highlight Highlight Trump spaltet. Aber Chelsea Manning schafft es, mich mit Spooky zu vereinen...? Wow!
    • Spooky 26.08.2017 17:52
      Highlight Highlight @ Saraina
      Ich war ja für Hillary. Ich finde einfach diese journalistische Hetze gegen Trump doof. Und ihn mit Hitler zu vergleichen, das geht nicht. Soviel ich weiss, sagen auch die Juden, dass man Trump nicht mit den Nazis vergleichen kann.
    Weitere Antworten anzeigen
  • silverstar 25.08.2017 22:05
    Highlight Highlight Finde sie jetzt eher etwas peinlich. Auch was das Outfit anbelangt.

    Mit antrassistischen Tweets und schwarzem Lippenstift verändert man nicht die Welt. Im Gegenteil, man meldet sich eher von ihr ab.

    Macht mir eher den Eindruck einer armen verlorenen Seele.
    • Lamino 420 25.08.2017 22:18
      Highlight Highlight Ich finde es eher peinlich, sich in dieser Form über jemanden auszulassen.
    • Lord_Mort 26.08.2017 07:39
      Highlight Highlight @Silber. Sie hat die Welt bereits verändert! Und ich denke, dass das was sie durchleiden musste, wohl bei jedem die eine oder andere Spur hinterlässt. Wieso man sie dann noch auf ein wenig Lippenstift reduzieren muss, verstehe ich wie Datsyuk auch nicht.
    • häfi der Spinat 26.08.2017 09:58
      Highlight Highlight @datsyuk

      "hasserfüllte Leute wie du","Du kotzt mich an", "dummen Kommentare, absonderst", "gewohnt, primitive", "bemitleidenswert" "dumme Aussage"

      Na... findest du dich wieder?

      Es ist peinlich, sich in DIESER Form über jemanden auszulassen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Saraina 25.08.2017 22:02
    Highlight Highlight New Icon! Die Frau hat definitiv Rollenmodell-Charakter!
  • Griffin 25.08.2017 21:08
    Highlight Highlight Eine eindrucksvolle Aktivistin! Find es etwas schade, dass die Autorin Manning's antikapitalistischen Aktivismus unterschlagen hat. Es ist trotzdem noch ein schönes Portrait geworden.
    #WeGotThis
    Benutzer Bild
  • trio 25.08.2017 20:48
    Highlight Highlight Tolle Frau!

Wenn Frauen über Autoren schreiben, wie sonst nur Männer über Autorinnen schreiben

Alles fing damit an, dass sich eine Journalistin über eine Rezension im «Tages-Anzeiger» aufregte. Darin schrieb ein älterer Mann über das Buch einer sehr jungen Frau. Vor allem aber schrieb er darüber, wie er das Aussehen besagter sehr junger Frau auf dem Foto im «New Yorker» empfand. Sie sehe darauf aus «wie ein aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen».

Die Frau heisst Sally Rooney – sie ist 28 Jahre alt und eine mit Literatur-Preisen überhäufte Bestseller-Autorin aus Irland.

Aber anstatt in …

Artikel lesen
Link zum Artikel