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A photo illustration shows the Uber app logo displayed on a mobile telephone, as it is held up for a posed photograph in central London, Britain August 17, 2016.    REUTERS/Neil Hall/Illustration

Je länger, desto klarer zeigt sich: Wer bei Uber investiert, braucht einen langen Schnauf. Bild: NEIL HALL/REUTERS

Die Milliarden-Vernichtungsmaschine: Uber wird erst Geld verdienen, wenn es seine Fahrer loswird

Uber verbrennt Milliarden, weil der Dienst gleichzeitig günstig und universal verfügbar sein will. Dieses Geschäftsmodell wird erst funktionieren, wenn das Unternehmen seine menschlichen Fahrer abschafft.

Stefan Schultz



Ein Artikel von

Spiegel Online

1.27 Milliarden Dollar Verlust hat Uber in vergangenen halben Jahr gemacht, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Für eine Tech-Firma ist das bedrohlich viel. Es gibt in dieser Geschäftswelt eigentlich nur ein Unternehmen, das sich solche Verluste leisten kann – und das ist Amazon. Ein längst am Markt etablierter Börsengigant, der das Prinzip des beschleunigten Wachstums durch Verluste sozusagen erfunden hat.

Bei Uber, einer wesentlich kleineren und jüngeren Firma, fragt man sich unweigerlich: Kann das gut gehen?

epa05498749 Taipei City Professional Drivers' Union officials hold placards, reading 'Uber Doesn't pay Tax', outside the prosecutor's office after filing a law suit case against Uber for tax evasion in Taipei, Taiwan, 19 August 2016. On 18 August, the Finance Ministry's National Taxation Bureau of Taipei said that Uber, a ride-hailing service, evaded tax payments in Taiwan.  EPA/RITCHIE B. TONGO

Immer wieder dieselben Bilder: Taxi-Fahrer protestieren gegen Uber, hier in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh. Bild: RITCHIE B. TONGO/EPA/KEYSTONE

Die Expertenwelt teilt sich bei dieser Frage grob in zwei Lager. Die einen sagen, dass Uber wie Amazon sei und vertrauen auf das Geschäftsmodell des Unternehmens. Die anderen sagen, Uber sei wie Kozmo.com, jener komische Lieferservice aus der Dotcom-Blase, der einem gratis Videospiele und Starbucks-Kaffee liefern wollte und Hunderte Investorenmillionen verbrannte.

Vielleicht ist Uber vor allem wie ein Kind, das immer alles sofort haben will.

Vielleicht greift beides zu kurz. Vielleicht ist Uber vor allem wie ein Kind, das immer alles sofort haben will.

Die On-Demand-Economy

Es gibt ein Marktmodell, dass in letzter Zeit immer öfter diskutiert wird. Tech-Analysten wie Brian Solis nennen es die On-Demand-Economy. Sie sehen das Zeitalter der universellen Wunscherfüllung anbrechen, die Ära der sofortigen Bedürfnisbefriedigung, eine Zeit, in der Konsumenten sich mehr und mehr wie bockige und ungeduldige Kinder gebärden.

Die On-Demand-Economy geht so: Man braucht jetzt ein Auto und drückt auf sein Smartphone (Uber, Lyft, MyTaxi, car2Go). Man braucht jetzt was zu essen und drückt auf sein Smartphone (Deliveroo, Foodora). Man will jetzt einen Zahnbürstenhalter in Form einer Darth-Vader-Maske und drückt auf sein Smartphone (Amazon).

Firmen wie Netflix können ihre Fernsehserien zu geringen Kosten allzeit verfügbar machen. Bei Autos, die einen abholen und herumfahren sollen, ist universelle Verfügbarkeit deutlich teurer. Trotzdem erwarten die Kunden von Netflix und Uber dasselbe.

Nun war Geschwindigkeit schon immer ein Wettbewerbsvorteil. Schon vor 100 Jahren gab es Restaurantbesitzer, die vorbeigehenden Gästen schnell einen Tisch aufschwatzten, ehe diese sich ins Nachbarbistro setzten. Im mobilen Internet aber hat sich dieser Wettkampf um Aufmerksamkeit massiv verstärkt.

Plakat zum Aktionstag der Zuercher Taxifahrer gegen den Dumping-Fahrdienst Uber, in Zuerich, am Dienstag, 28. Juni 2016. Die Nationale Taxiunion fordert von den Behoerden ein sofortiges, wirksames Vorgehen gegen Dumping-Uber in der ganzen Schweiz. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Swiss taxi drivers protest against Uber, in Zurich, Switzerland, on Tuesday 28 June 2016. The national taxi driver's union gathered to demand an immediate intervention against Uber. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Protest gibt's auch hierzulande immer wieder: Impression aus Zürich, Ende Juni. Bild: KEYSTONE

Schnelle, universale Verfügbarkeit ist inzwischen zum Mindeststandard geworden. Die Kunden erwarten diesen Standard inzwischen fast überall. Dieser Knopfdruck-Kapitalismus ist Ubers eigentliches Problem.

Das Netflix der Autos

Firmen wie Netflix können ihre Fernsehserien zu geringen Kosten allzeit verfügbar machen. Bei Autos, die einen abholen und herumfahren sollen, ist universelle Verfügbarkeit deutlich teurer. Trotzdem erwarten die Kunden von Netflix und Uber dasselbe. Jetzt! Sofort! Und bitte schön günstig.

Schon seit Jahren liefert sich Uber einen Preiskampf mit seinem Konkurrenten Lyft. Im Sommer 2014 waren die Fahrpreise so stark gesunken, dass die Uber-Fahrer davon nicht mehr leben konnten. Um die Fahrer trotzdem zu halten, begann Uber, ihnen in einigen Ländern einen Aufschlag auf den regulären Fahrpreis zu zahlen .

FILE - In this May 28, 2015, file photo, Uber drivers and their supporters protest in front of the offices of the Taxi and Limousine Commission in New York. In four years Uber has gone from nearly non-existent to more than 26,000 drivers, joining over 13,000 New York City taxis. (AP Photo/Seth Wenig, File)

Auch sie gehen immer wieder auf die Strasse: Uber-Fahrer und Unterstützer des Unternehmens. Bild: Seth Wenig/AP/KEYSTONE

Laut Bloomberg macht die Firma damit einen Grossteil ihrer Verluste. Dem Tech-Blog «The Information» zufolge hat Uber bereits von Januar bis Juni 2015 rund 2.72 Milliarden Dollar an seine Fahrer ausgezahlt. In der ersten Jahreshälfte 2016 dürfte es noch viel mehr gewesen sein, denn Uber vermittelt inzwischen noch viel mehr Fahrten.

So richtig dürfte Ubers Geschäftsmodell erst funktionieren, wenn die Firma keine menschlichen Fahrer mehr braucht. Die Firma experimentiert bereits mit autonomen Fahrzeugen. Doch bis diese im Einsatz sind, dürften noch Jahre vergehen.

Wer in Uber investiert, so scheint es, braucht vor allem Geduld.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alpöhy 27.08.2016 14:14
    Highlight Highlight Aber Uber ist ja so kuul ! Und sooo billig,so spare ich gaaanz viel Geld, das ich dann wieder im Ausgang liegen lassen kann, oder auf der nächsten Shoppingtour im H&M oder fliegen wir schnell für gar nichts nach Berlin um ein Weekend trendy zu sein?
    Hach, jetzt kann ich mich wieder nicht entscheiden...
  • Turi 27.08.2016 12:23
    Highlight Highlight Wenn ich meine Angestellten auch als Scheinselbständige beschäftigen würde, ohne Abgaben für Sozialversicherungen, und die Arbeitenden gar noch ihren eigenen Computer mitbringen müssen, dann könnte ich eine Menge Geld sparen.
  • Crecas 27.08.2016 10:28
    Highlight Highlight Die Konklusion ist falsch. Das Geschäftsmodell geht auf, wenn Uber alle anderen aus dem Markt verdrängt hat. Was jetzt viel kostet, wird dann kein Problem mehr sein, da man eine quasi monopolistische Stellung hat (keine Lyft, keine Taxis). So bald dies so ist, kann Uber die Preise erhöhen.
  • bobi 27.08.2016 10:24
    Highlight Highlight Uber schaut schon, dass sie über genügend politische Stärke verfügen, um auf keinen Fall Sozialabgaben etc. bezahlen zu müssen. Wer Uber Unterstützt, stärkt aus meiner Sicht Schwarzarbeit.
    Benutzer Bild
  • ströfzgi 27.08.2016 10:04
    Highlight Highlight So wie die Taxifahrer auf die Strasse gehen, werden einst Büroangestellte, Metzger, Bäcker, Detailhändler etc. auf der Strasse stehen und gegen den Einkaufstourismus protestieren. Das wird dann zu spät sein und jeden betreffen.

    Bei Taxifahrern zieht man gleichgültig die Schultern hoch - die sind ja so überteuert.

    Wenn dann mal der eigene Lohn, der mitschuldig an den hohen Schweizer Preisen ist, als überteuert beschnitten wird, gibts neben langen Gesichtern wohl nur stillen Protest. Denn gegen wen will man protestieren? Gegen sich selbst?

    Die andern sollen, ich nicht...
  • menakis 27.08.2016 03:24
    Highlight Highlight Bin nie uber gefahren, &kenne auch keinen aus meinem nahen Umfeld von dem ich wüsste, dass er es jemals nutze -._.-
    • ottonormalverbraucher 27.08.2016 15:27
      Highlight Highlight Ich habe mich in London mal verlaufen. Aber sowas von. Über App heruntergeladen und in 15 Minuten würde ich aufgegabelt und ins Hotel gebracht. Super Sache.
  • MaxHeiri 27.08.2016 01:55
    Highlight Highlight Uber momentan Verluste, weil es massiv Geld in Wachstum investiert (was bei vielen disruptiven Wachstumsunternehmen total normal ist, wenn man etwas börsenbewandert ist). Hingegen wird vernachlässigt, was es Millionen von Konsumenten als sogenannte Wohlfahrtsrente einne Gewinn gebracht hat. Sei es besserer Service im Inland wie auch eine Hilfe im Ausland, ohne das Gefühl zu haben, abgezockt worden zu sein (Sicht eines Schweizers). Uber hat Millionen von jungen Leuten, ein Transport von A nach B zu vernünftigen Preisen möglich gemacht.
  • demokrit 27.08.2016 00:45
    Highlight Highlight Tja, wenn der Traum vom autonomen Fahren Realität wird, wird Uber auf einmal sehr viele Konkurrenten haben. Wütende Fahrer, die merken, dass sie bloss Sklaven waren, für die das Ponzischema eine Weile aufgegangen ist auch. Uber wird vielleicht ein erstes Opfer des neuen feudalen Räuberkapitalismus, der bejubelten Sharing-Economy, in welcher soziale Freizeit, Beziehungen und Güter unter Vermeidung staatlicher Steuerstrukturen und ordentlichen Arbeitsverträgen marktwirtschaftlich verwertet werden.
  • Ignorans 26.08.2016 23:59
    Highlight Highlight Nicht sicher, dass netflix länger lebt als Uber... Zur Zeit geht es darum mit tiefen Preisen Marktanteile zu gewinnen. Eigentlich normal für Start Ups...
    • demokrit 27.08.2016 09:47
      Highlight Highlight Gibt es denn einen internationalen Netflix-Konkurrenten? Und Anhaltspunkte dazu, dass sich die Internationalisierung in den letzten Jahren nicht ausgezahlt hat? 2010 erzielte man laut Wiki ja hohe Erlöse. Uber hat nie welche erzielt.
  • andersen 26.08.2016 23:50
    Highlight Highlight Wer in Dänemark mit Uber fährt, wird bestraft. Ein Gerichtsurteil, der jetzt gilt.
    • Marco Rohr 27.08.2016 10:48
      Highlight Highlight Es ist eines der üblichen Muster: alles, was neu ist und eine Gefahr für bestehendes darstellt, wird erst einmal verboten. Verbote haben langfristig noch nie was gebracht. Das ist zu kurzfristig gedacht.
    • andersen 28.08.2016 06:59
      Highlight Highlight Herr Rohr

      Uber erfüllt nicht die gesetzlichen Auflagen, die Dänemark verlangt, die Gesetze gilt dort für alle, kein Ausnahme. Es war der Verkehrsminister persönlich, die der Klage eingereicht haben und die Anzeige gemacht haben.
  • Ürsu 26.08.2016 22:20
    Highlight Highlight Ich hoffe, dass Uber mal platzt.
    • bokl 27.08.2016 10:05
      Highlight Highlight @PabloEscobar
      Ich bin kein Taxifahrer und hoffe das gleiche. Uber spielt nicht fair und hat somit einen Vorteil gegen "richtigen" Taxifahrern. Das diese ruhig mal ein wenig am eigenen Service arbeiten dürften ist ein anderes Thema.
    • Marco Rohr 27.08.2016 10:48
      Highlight Highlight Meine Worte!
    • manhunt 27.08.2016 14:58
      Highlight Highlight @pablo escobar: weisst was ein taxifahrwr mit einem 100% pensum verdient? ich nutze das taxiangebot in der statd zürich bald 20 jahre. mich wollte bis heute genau einmal einer bescheissen. auch in meinem umfeld werden häufig taxidienstleistungen in anspruch genommen, schlechte erfahrungen sind die ausnahme. meist spielt das eigene verhalten eine grosse rolle, wie man vom/von der taxifahrer/In behandelt wird. und wer bei den taxipreisen, im verhältnis zu schweizer löhnen, von abzocke spricht, sollte vielleicht einmal selber, zu diesen arbeitszeiten, für ein taxifahrergehalt arbeiten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • MaskedGaijin 26.08.2016 22:08
    Highlight Highlight Uber, schon wieder so eine Firma die sich um Sozialversicherungen usw. völlig futiert. Ich brauche eigentlich nie ein Taxi, aber wenn das doch lieber das "Unfreundliche" und überteuerte Taxi am Bahnhof.
  • Ingenieur 26.08.2016 21:47
    Highlight Highlight Nimmt mich wunder, ob die Leute in anderen Berufen auch so auf die Strasse gehen werden. Denn eines ist klar, die meisten glauben ihre Jobs können nicht automatisiert werden. Ein fremder Gedanke. Genau so dachten auch die Taxifahrer, bis jetzt. Auch die nächsten, die Kassiererinnen, glauben zu Hauf, dass sie einfach andere Aufgaben erhalten werden. Aber dann wieder, wieso solle s "andere" Aufgaben geben, wenn sie bisher nicht gegen hatte für das Kassenpersonal? Das machen die Firmen im Moment, damit es geschluckt wird. Aber die branchenübergreifende Digitalisierung ist in voller Fahrt.

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