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epa07770648 A man riding a motorbike is seen reflected in a puddle of water in Funafuti, Tuvalu, 13 August 2019. The 50th Pacific Islands Forum and Related Meetings, fostering cooperation between governments comprising 18 countries in the region, run from 13 to 16 August 2019 in Tuvalu.  EPA/MICK TSIKAS  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Ein Mann fährt durch Tuvalus Hauptstadt Funafuti. Noch wächst die Landfläche – irgendwann zwischen 2050 und 2100 werden die Atolle aber nicht mehr bewohnbar sein. Bild: EPA

Tuvalu: Was auf das tiefstgelegene Land wegen des Klimawandels zukommt



Tuvalu geht unter. Nicht heute, aber bald – da sind sich die Bewohner sicher. Die Landfläche liegt im Mittel 1,5 Meter über dem Meeresspiegel. Dieser steigt in dieser Region des Südpazifiks um 3,9 Millimeter pro Jahr. Das ist doppelt so viel wie im weltweiten Durchschnitt. Laut wissenschaftlichen Studien werden die drei Inseln und sechs Atolle spätestens 2100 unbewohnbar. Die Anzeichen deuten aber darauf hin, dass es früher sein wird.

Tuvalu

• Höchste Erhebung: 4,6 Meter.
• Fläche: 25,66 km2 (ein bisschen grösser als der Walensee).
• Einwohner: 11'192 (so viel wie in Davos).

Gab es auf der Hauptinsel Funafuti aufgrund von Überschwemmungen früher einmal pro Monat eine gesperrte Strasse, passiert das nun wöchentlich. An manchen Stellen liegen Fahrwege bereits permanent unter Wasser. Die Einwohner klagen über Stürme. Die gab es zwar schon früher, aber nicht so oft. Und stärker seien sie geworden. Die traditionelle Taro-Wurzel kann wegen der Versalzung des Bodens nur noch in Behältern angepflanzt werden.

Auf dem Papier sieht die Lage weit weniger dramatisch aus. Zwischen 1971 und 2014 wuchs die Fläche des Landes um 2,9 Prozent. Sedimentablagerungen durch die Strömung machen es möglich. Immerhin 74 Prozent der Küstenabschnitte sind davon betroffen. Wie lange dieser Effekt dem Meeresanstieg die Stirn bieten kann, ist umstritten. Ausserdem entspricht dieser Landgewinn nicht einer Vergrösserung der bewohnbaren Zone, betonte der ehemalige Premierminister Enele Sopoaga immer wieder.

epa07770645 An aerial view of Funafuti, Tuvalu, 13 August 2019. The 50th Pacific Islands Forum (PIF) and Related Meetings, fostering cooperation between governments comprising 18 countries in the region, run from 13 to 16 August 2019 in Tuvalu.  EPA/MICK TSIKAS  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Die Hauptinsel von Tuvalu: Funafuti. Bild: EPA

Zwei der neun bewohnten Inseln von Tuvalu sind bereits drauf und dran, unterzugehen. Die Landesstruktur verändert sich – auch hinsichtlich der Bevölkerung. Den knappen Platz teilen sich heute etwa 11'000 Einwohner. Bleibt die Geburtenquote aber weiter konstant, werden es 2050 20'000 sein. Eine Entwicklung, die das Problem nicht entschärft. Im Gegenteil.

Aufgrund der bereits heute sichtbaren Effekte des Klimawandels, beschäftigt man sich auf Tuvalu seit längerem mit konkreten Massnahmen. Wie schwierig es ist, diese umzusetzen, zeigen Fälle anderer Inseln. Zum Beispiel der Carteret-Inseln.

Bild

Die Carteret-Inseln nördlich der Salomonen (grüner Pfeil) und Tuvalu (rosa Pfeil) sind bereits heute vom Klimawandel betroffen. map: shutterstock.

Die Carteret-Inseln befinden sich nördlich der Salomonen und gehören zu Papua-Neuguinea. Die sieben Atolle befinden sich höchstens 1,5 Meter über Meer. Was hier passiert, sind Vorboten der Probleme, die auf Tuvalu zukommen.

Bis 2006 lebten ungefähr 2600 Einwohner auf den Carteret-Inseln. Mit Dämmen und Mangroven-Aufforstung bekämpften sie jahrelang das Meer. Bis es irgendwann nicht mehr ging. Seit 1994 holte sich das Meer 50 Prozent der Landfläche, Trinkwasserreservate werden regelmässig mit Salzwasser verunreinigt, Landflächen für den Gemüseanbau gibt es kaum mehr. Auf der Hauptinsel Han, so ist auf Wikipedia nachzulesen, soll es tatsächlich noch ein paar Palmen geben. Das Salzwasser wird auch ihnen bald den Garaus machen.

epa07774363 An aerial view of the rubbish dump used to dispose waste is seen north of Funafuti, Tuvalu, 15 August 2019. The 50th Pacific Islands Forum and Related Meetings, fostering cooperation between governments comprising 18 countries in the region, run from 13 to 16 August 2019 in Tuvalu.  EPA/MICK TSIKAS AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Tuvalus Mülldeponie. Bild: EPA

2005 erhielten die Bewohner der Carteret-Inseln als weltweit erste Menschen den Status von Klimaflüchtlingen. Das Medienecho war gross und die Ideen für Umsiedelungsprojekte zahlreich. Doch die Reporter sind abgezogen und passiert ist seither wenig. Die Regierung von Papua-Neuguinea kümmert sich kaum um die verarmte Region. Die Atollbewohner sind nach einem zehnjährigen Bürgerkrieg nicht das einzige Problem des gebeutelten Landes.

Die Einwohner der Carteret-Inseln haben deshalb die Selbsthilfegruppe Tulele Peisa gegründet und einen umfassenden Umsiedlungsplan für 1700 Atollbewohner erstellt. Doch es mangelt an Geld. Und am Willen der Regierung, die mit Korruption zu kämpfen hat. Bis im Jahr 2018 gelang es Tulele Peisa gerade mal, 14 Familien umzusiedeln. Als 2017 eine finnische Delegation die Inseln besuchte, stellte sie fest, dass trotz des schwindenden Platzes mehr Menschen denn je dort wohnen. Die Bevölkerung habe sich gar verdoppelt. Ausharren bis zum letzten Sturm.

Dieses Schicksal will man in Tuvalu umgehen. 2006 schlug der pensionierte Wissenschaftler Don Kennedy vor, die gesamte Bevölkerung auf die höher gelegene Fidschi-Insel Kioa umzusiedeln. Diese war in den 50er-Jahren komplett von Siedlern aus Tuvalu gekauft worden.

Die Infrastruktur auf Kioa entspricht allerdings nicht dem gewünschten Standard. Investitionen in Millionenhöhe müssten getätigt werden. Und wieder die Frage: Wer soll das alles bezahlen? Geht es nach dem tuvalustämmigen Kennedy, wären es die Verursacher des Klimawandels – die Industriestaaten. Doch dass China, die USA oder auch Australien den Geldbeutel öffnen, ist illusorisch. Eher ist es umgekehrt. In Tuvalu wird auch die Option geprüft, ob ein Landkauf in Australien ein Ausweg für die Bevölkerung sein könnte.

Die Fälle von Tuvalu und den Carteret-Inseln zeigen, wie schwierig es ist, Menschen koordiniert umzusiedeln. Auch wenn es nur ein paar Tausend sind. Erwartet werden in den nächsten Jahren aber nicht nur ein paar tausend Klimaflüchtlinge. Die Schätzungen dazu gehen zwar weit auseinander. Sicher ist aber: Es sind Millionen.

Sein Tempel steht nicht mehr an Land sondern im Meer

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gubbe 06.10.2019 14:58
    Highlight Highlight Da wohnt man 1m über dem Meeresspiegel und wundert sich, dass dann und wann das Land überflutet wird. Aber praktisch, der romantische Abfallhügel wird ins Meer entsorgt.
  • Wanheda 06.10.2019 00:46
    Highlight Highlight Hierzu ein Filmtipp: Thule Tuvalu. Finde den sehr sehenswert.
  • Do not lie to mE 05.10.2019 23:15
    Highlight Highlight Kein Klima-Notfall sagen 500 Wissenschaftler und senden einen eingeschriebenen Brief an den UN-Generalsekretär, in dem erklärt wird, dass es keine Klimakatastrophe gibt und die Klimapolitik so gestaltet werden sollte, dass sie dem Leben der Menschen zugutekomme. Petteri Taalas von der WMO forderte am 6. September 2019 gegenüber der finnischen Finanzzeitung The Journal kühlere Köpfe zu bewahren und meinte, er akzeptiere keine Argumente von den Klima Panikmacher, dass das Ende der Welt bevor stehe und kritisiert die Nachrichtenmedien dafür, dass sie ungerechtfertigte Angst erzeugen.
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    • Duweisches 06.10.2019 00:10
      Highlight Highlight https://www.scientists4future.org/stellungnahme/unterschriften/

      26‘800 Wissenschaftler alleine im deutschsprachigen Raum (DACH) unterzeichneten bis März 2019 eine Stellungnahme von Scientists for Future. Mittlerweile wären wohl noch genügend weitere dazu gekommen, die Lage ist genau so ernst wie es der Grossteil der Klimaforschenden beschreibt, was soll die Augenwischerei?
    • Ichiban 06.10.2019 00:42
      Highlight Highlight Taalas gilt als Mahner für rasche Maßnahmen gegen den Klimawandel. So sagte er 2018: „Ohne eine Verringerung von CO2 und anderen Treibhausgasen wird der Klimawandel zerstörerische und unumkehrbare Folgen für die Erde haben. [...] Die Chance, noch einzugreifen, ist fast vertan.“[2]
    • Ichiban 06.10.2019 00:47
      Highlight Highlight ...und noch das...https://public.wmo.int/en/media/news/statement-wmo-secretary-general-petteri-taalas
      Vielleicht sollte man mal mehr als nur ein artikel googeln bevor man etwas behauptet
    Weitere Antworten anzeigen
  • Scaros_2 05.10.2019 21:37
    Highlight Highlight Da ist das Ding kaum grösser als der Walensee - hat jedoch eine Landepiste die vermutlich 30% der Insel einnimmt.
    • LarsBoom 05.10.2019 22:17
      Highlight Highlight Die Piste ist 1524 x 45 Meter macht 68’580 Quadratmeter. Die Inselgruppe hat eine Fläche von 26’000’000 Quadratmeter. Also macht die Landebahn 0.263769230769231 Prozent der Fläche aus.
    • Grohenloh 05.10.2019 22:55
      Highlight Highlight Die Inselgruppe, ja... aber die Insel! 1/3!
    • 7immi 06.10.2019 13:08
      Highlight Highlight @scaros
      nicht alle haben den verkehrstechnischen Luxus, in der Mitte eines Kontinents zu liegen wie wir. Wie soll die Insel sonst erschlossen werden? Mal ein Bisschen nachdenken wäre nicht verkehrt...
  • Presslufthammer69 05.10.2019 21:35
    Highlight Highlight Die Malediven liegen tiefer, mit einer maximalen Erhebung von 2,3m ü. Meer.
  • Ueli der Knecht 05.10.2019 20:48
    Highlight Highlight Selbst wenn Tuvalu untergeht, wird sich deren Länderdomain .tv über Wasser halten können, weil die Domain von Verisign in Virginia betrieben wird. Wir müssen also nicht um das gebührenzwangsfinanzierte http://sf.tv fürchten. Die Verwaltung der .tv-Domain ist übrigens die Haupteinnahmequelle des Inselstaates.
    • Alphonse Graf Zwickmühle 05.10.2019 21:14
      Highlight Highlight Tut's noch weh?
    • Magd 05.10.2019 23:00
      Highlight Highlight Früher, als unter dot tv noch Warez zu finden war :)
    • Grohenloh 05.10.2019 23:03
      Highlight Highlight Interessant, Ueli.
      Leider zeigt der Kommentar auf den Kommentar, dass an sich traurige Tatsachen nur noch emotional beurteilt werden dürfen. Einfach Zusatzinfos, die nicht waaahnsinnig traurig sind, sind nicht mehr erlaubt.

      Quo wadis? Merkt ihr eigentlich, dass ihr auf eine Meinungsdiktatur zusteuert? Und ist es so schwierig zu erkennen, dass auf eine Meinungsdiktatur eine Verhaltensdiktatur folgen wird?
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