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epa06996662 (FILE) - Syrian fighters and their families from the Eastern al-Qalamoun area wait near buses as part of the evacuation process, at Qalaat al-Madiq town, Hama province, Syria, 23 April 2018 (Reissued 04 September 2018). According to reports on 04 September 2018, Russian air forces allegedly bombed the rebel-held province of Idlib in northern Syria ahead of an expected major military offensive by the Syrian Army and its allies to retake the province held by various rebels groups, and is considered to be their last stronghold. Some three million people are estimated to be living in Idlib.  EPA/MOHAMMED BADRA *** Local Caption *** 54285338

Syrische Kämpfer und ihre Familien warten auf ihre Evakuierung aus Idlib. Bild: EPA/EPA

UNO warnt vor humanitären Katastrophe in Syrien – Israel bombardiert Iran-Stellungen



Vor der angekündigten Offensive auf die Rebellenhochburg Idlib in Syrien warnt die UNO vor der grössten humanitären Katastrophe im 21. Jahrhundert. Die Welt dürfe nicht «schlafwandlerisch» in diese Krise gehen, sagte UNO-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Dienstag in Berlin angesichts der geschätzten drei Millionen Zivilisten in der Provinz im Nordwesten des Bürgerkriegslandes.

UNO-Syrienvermittler Staffan de Mistura appellierte in Genf an die Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, in einem direkten Telefonat im letzten Moment eine Eskalation zu verhindern. Auf dieser Ebene könne noch ein Ausweg gefunden werden, der zumindest das Leben der Zivilisten schone.

Derweil wurde die Region laut Menschenrechtlern und Rebellen von Dutzenden russischen Luftangriffen getroffen, die eine Bodenoffensive vorbereiten sollen.

Israel greift iranische Militäreinrichtungen an

Laut der syrischen amtlichen Nachrichtenagentur Sana griffen israelische Kampfflugzeuge am Dienstag Militärstellungen im Nordwesten Syriens an. Die Angriffe hätten Militäreinrichtungen in den Provinzen Tartus und Hama gegolten. Eine Sprecherin der israelischen Armee wollte sich zu den Berichten zunächst nicht äussern.

Trails of Patriot missiles are seen in the sky in northern Israel Tuesday, July 24, 2018. Israel shot down a Syrian fighter jet it said had breached its airspace on Tuesday while advancing Syrian government forces retaking territory from rebels reached the Golan Heights frontier for the first time in seven years. The Israeli military said it monitored the advance of the Syrian Sukhoi fighter jet and shot it down with a pair of Patriot missiles after it penetrated Israeli airspace by about 2 kilometers (1.2 miles). (David Cohen/Flash90 via AP)

Erst im Juli hatte die israelische Armee einen syrischen Kampfjet abgeschossen. Bild: AP/Flash90

Die oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete in mehrere Explosionen in Masjaf und Wadi al-Ujun bei Hama und nahe der Küstenstadt Tartus. Ins Visier genommen worden seien Regionen, in denen sich iranische Militäreinrichtungen befänden.

Letztes Gebiet unter Rebellenkontrolle

Die Region Idlib im Nordwesten Syriens ist das letzte grosse Gebiet des Landes, das noch von Rebellen beherrscht wird. Dominiert werden diese von dem Al-Kaida-Ableger Haiat Tahrir al-Scham (HTS), der früheren Al-Nusra-Front. Syriens Regierung hat Truppen zusammengezogen und droht mit einem Angriff zusammen mit ihren Verbündeten Russland und Iran.

Lowcock zufolge leben in Idlib mehr als eine Million Kinder. Auf einen der oft extremistischen Kämpfer kämen rund 100 Zivilisten. Er sei in der vergangenen Woche in Damaskus gewesen und sei nach den Gesprächen höchst alarmiert. Es müsse alles unternommen werden, um eine blutige Schlacht zu verhindern. Gleichzeitig müsse es aber Vorbereitungen geben, um in diesem Falle Zivilisten helfen zu können.

Türkische Beobachterposten in Idlib

Die Türkei, die im Falle einer Eskalation Flüchtlingsströme in Richtung seiner Grenze befürchtet, brachte einem Medienbericht zufolge weiteres Kriegsgerät in die Grenzregion.

FILE - In this March 24, 2018 file photo, Turkish soldiers atop an armored personnel carrier secure the streets of the northwestern city of Afrin, Syria, during a Turkish government-organized media tour into northern Syria. Turkey is growing long-term roots in its northern Syrian enclave, nearly two years after its troops moved in, modeling the zone on its own towns and bringing in its own administrators and military, financial and security institutions. Turkey aims to keep out its nemesis, the U.S.-backed Syrian Kurdish militia known as the YPG. (AP Photo/Lefteris Pitarakis, File)

Türkische Sicherheitskräfte in Syrien. Bild: AP/AP

Acht Frachtfahrzeuge beladen mit Panzern und schweren Geschützen hätten die Grenzprovinz Kilis passiert, meldete die Zeitung «Hürriyet» am Dienstag. Idlib liegt nur etwa 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die Türkei unterhält in der Provinz Beobachtungsposten und ist Schutzmacht einer De-Eskalationszone.

Die Panzer habe das Militär auf die andere Seite der Grenze gebracht. Sie sollen laut Quellen aus Sicherheitskreisen helfen, mögliche Flüchtlingsbewegungen in Richtung Türkei aufzuhalten und mit Systemen zur Beobachtung von Flüchtlingsbewegungen ausgestattet sein, berichtete «Hürriyet» weiter.

Die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, auch in der weiter südwestlich gelegenen Grenzprovinz Hatay seien Lastwagen mit Panzern darauf angekommen. Sie sollten später in Grenzbezirke gebracht werden, um dort Befestigungen zu verstärken.

Russische Luftangriffe

Russische Kriegsflugzeuge hatten am Morgen der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge etwa 40 Luftangriffe in 20 Gebieten Idlibs geflogen. Präsidialamts-Sprecher Dmitri Peskow sprach davon, dass sich in der Provinz «das nächste Terroristennest gebildet» habe.

«Wir wissen, dass die syrischen Streitkräfte sich darauf vorbereiten, das Problem zu lösen», sagte er der Agentur Interfax zufolge. Ein Datum für die Offensive nannte er nicht. Die syrische Regierung bezeichnet alle Oppositionellen als Terroristen.

epa06894537 Smoke rises after a Russian air strike on the Syrian side of the Golan Heights in Quneitra province, as seen from the Israeli side of the border, 17 July 2018. According to reports, Syrian refugees approached the Israeli borders leaving their encampments after airstrikes by forces allied with the Syrian government intensified but were instructed to not approach the fence by Israeli soldiers. The Syrian government and its allies started a military offensive to regain control over Quneitra Governorate in south-western Syria currently under control of various rebel factions, mainly Hay'at Tahrir al-Sham (HTS).  EPA/ATEF SAFADI

Explosion nach einem russischen Luftangriff in Syrien. Bild: EPA/EPA

Trump warnt Russland und Iran

Der Westen ist aufgrund der Pläne und früheren blutigen Offensiven auf Rebellengebiete in Aleppo oder Ost-Ghuta alarmiert. US-Präsident Donald Trump warnte Russland und den Iran, im Falle einer Schlacht in die Kämpfe einzugreifen.

«Die Russen und Iraner würden einen schwerwiegenden humanitären Fehler machen, wenn sie bei dieser möglichen menschlichen Tragödie mitmachen», twitterte Trump am Montag (Ortszeit). Hunderttausende Menschen könnten bei einem Angriff des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad getötet werden. «Lasst das nicht zu!», schrieb Trump.

Am Freitag wollen Russland und der Iran als Unterstützer der Regierung und die Türkei als Schutzmacht der Opposition über den Syrien-Krieg beraten. Beobachter rechnen damit, dass sich dort das Schicksal Idlibs entscheiden könnte.

UNO-Syrienvermittler de Mistura sah am Dienstag eine gewisse Chance für eine Wiederbelebung des Friedensprozesses in dem Bürgerkriegsland. Er sprach von einem «Moment der Wahrheit», wenn er sich am 10. und 11. September mit Vertretern der Türkei, des Irans und Russlands in Genf treffe. (leo/sda/dpa/reu)

In Douma versucht man, die Spuren des Krieges zu beseitigen

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Video: srf

Syrien: Der vergessene Krieg

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    Alle Leser-Kommentare
  • P. Saulus 06.09.2018 12:34
    Highlight Highlight Es war klar, dass dieser Tag kommen wird.
    Was hat dieser Kampf noch für einen Sinn ausser sich hinter "1 Million Kinder" zu verschanzen, und darauf zu Hoffen durch eine selbst provozierte grösste humanitäre Katastrophe, weiter Mächte in den Krieg hineinzuziehen.
    Die Frage ist nun, sind wir - im Westen- dumm genug in diese Falle zu treten ?
    Wirklich humanitär wäre, wenigstens alle Zivilisten zu evakuieren, wenn nicht gar ganz die Waffen nieder zu legen.
    4 1 Melden
  • Dirk Leinher 05.09.2018 09:45
    Highlight Highlight Die grösste humanitäre Katastrophe des 21. Jahrhunderts spielt sich seit Jahren im Jemen ab. Aber dort sind ja die guten Saudi's am werkeln, das ignoriert man dann ja gerne.
    13 2 Melden
  • rodolofo 05.09.2018 08:31
    Highlight Highlight Putin hat keinen Anlass, von seiner "erfolgreichen" Strategie abzuweichen.
    Wenn weitere Millionen Flüchtlinge wegen der Russischen und Syrischen Bombardierungen (wohl wieder kombiniert mit Giftgas) als Flüchtlinge in Richtung Europa marschieren, dann wird das die Türkei und Griechenland weiter destabilisieren und in ganz Europa werden die Putin verehrenden Rechtsnationalen weiter Auftrieb erhalten, da sie die Willkommenskultur der Linken und Netten für den Ansturm der Flüchtlinge verantwortlich machen können.
    Der Treiber der Flüchtlings-Katastrophe ist zugleich ihr Nutzniesser...
    6 8 Melden
    • Dragona 05.09.2018 18:42
      Highlight Highlight Die Zivilisten kehren aber offenbar in die durch die Regierung kontrollierten Gebiete zurück. Mit dem Versöhnungszentrum hat Russland doch auch einiges erreicht. alles "Putin anzuhängen" schient mir nicht wirklich sachlich.
      8 2 Melden
  • Freddy Gügger 04.09.2018 23:34
    Highlight Highlight Hallo, die humanitäre Katastrophe herrscht schon seit Jahren in diesem Land, während der Westen und Russland Katz und Maus spielen.
    11 6 Melden
  • Ueli der Knecht 04.09.2018 23:29
    Highlight Highlight Immerhin wird langsam jedem klar, wer die Al-Qaïda- und IS-nahen Milizen¹ militärisch unterstützt: Israel und die Türkei.

    ¹) die Al-Qaïda-nahe islamistisch-sunnitische Nour al-Din al-Zenki und die IS-nahe islamistisch-salafistische Ahrar al-Sham haben sich zusammen geschlossen zur Jabhat Tahrir Suriya (JTS, Syrische Befreiungsfront).
    19 23 Melden
    • Smeyers 06.09.2018 18:09
      Highlight Highlight @Ueli, in diesem Konflikt geht es nicht um Israel. Ich glaube nicht einmal Du glaubst an deine eigene Abstruse Verschwöhrungstheorie.

      Israel das Böse ist an allem Schuld. Nein Sunniten, Schiiten und Wahabiten bringen sich gegenseitig um. Profitieren tun Russland und Iran, welche von Ihren eigenen Schandtaten ablenken.
      4 4 Melden
    • Ueli der Knecht 07.09.2018 13:25
      Highlight Highlight Smeyers: Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass Israel zahlreiche islamistische Terrorgruppen in Syrien logistisch unterstützt, nicht nur mit Bewaffnung, sondern auch finanziell und mit ihrem Nachrichtendienst.

      Doch, es geht auch um Israel.

      Warum hat es Israel nötig, (angeblich iranische) Stellungen weit weg bei Idlib anzugreifen, die gegen islamistische Terrormilizen vorgehen?

      "Israel Armed and Funded Rebel Groups":
      https://foreignpolicy.com/2018/09/06/in-secret-program-israel-armed-and-funded-rebel-groups-in-southern-syria/

      Das ist keine Verschwörungstheorie sondern Tatsache.
      4 2 Melden
    • Smeyers 07.09.2018 20:50
      Highlight Highlight Politik ist manchmal schwierig zu verstehen. Israel will keine Iraner in der Nähe seines Landes weil der Iran Israel zerstören will.

      Deinen Artikel kenne ich, gehört leider zu den Fake News. Insofern bleibts dabei leider nur Verschwörungstheorien um von der eigenen Schuld abzulenken. Israel unterstützt keine islamistischen Terrorgruppen.
      3 4 Melden

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