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Democratic presidential candidate Hillary Clinton, joined by, from left, Washington City Council member Jack Evans, Uprising Muffin Company owner Donnie Simpson, Washington Mayor Muriel Bowser and Del. Eleanor Holmes Norton, D-D.C., pauses during a stop at the store in Washington, Friday, June 10, 2016. (AP Photo/Alex Brandon)

Hillary Clinton beim Besuch im Muffin-Shop in Washington, bei dem sie angeblich einen Anfall hatte. Bild: Alex Brandon/AP/KEYSTONE

Kandidatin mit Dachschaden? Die Theorien über die «kranke» Hillary Clinton

Hillary Clintons Gegner haben bislang keine handfesten Beweise für angebliches Fehlverhalten vorweisen können. Deshalb werden üble Gerüchte über ihren Gesundheitszustand verbreitet.



Rudolph Giuliani war einmal ein angesehener Politiker. Heute ist der ehemalige Bürgermeister von New York ein feuriger Unterstützer des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. In dieser Rolle scheint er geradezu versessen darauf zu sein, seinen Ruf zu ruinieren.

Letzte Woche machte er sich zum Gespött, als er behauptete, vor der Amtszeit von Barack Obama habe es «keinen erfolgreichen radikal-islamischen Terroranschlag in den USA» gegeben. Hatte er tatsächlich den 11. September 2001 vergessen, an dem er zum nationalen Helden geworden war?

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Giulianis bizarre Terrorismus-Bemerkung. YouTube/ABC News

Giuliani liess sich nicht beirren. Am Sonntag watete er auf dem Fernsehsender Fox News erneut knietief durch den politischen Morast. Er beschuldigte die «Mainstream-Medien», sie würden Beweise für den schlechten Gesundheitszustand der demokratischen Kandidaten Hillary Clinton unterdrücken. Auf die Frage der Moderatorin, was er damit meine, sagte Giuliani: «Gehen Sie online, suchen Sie nach ‹Hillary Clinton Krankheit› und schauen Sie sich die Videos an.»

Healthers sind die neuen Birthers

In der rechten Medien- und Bloggerszene der USA hat sich eine wahre Obsession mit der Idee entwickelt, dass Clinton gesundheitlich nicht in der Lage ist, das Präsidentenamt zu bekleiden. Die Verfechter dieser Theorie werden bereits als «Healthers» bezeichnet, in Anlehnung an die Birther-Bewegung, die entgegen der Beweislage daran zweifelt, dass Barack Obama in den USA geboren wurde. Einer ihrer führenden Vertreter war Donald Trump. Heute behaupten die Clinton-Gegner, die Demokratin habe faktisch einen Hirnschaden.

Das Gerücht hat zumindest einen realen Hintergrund: Im Dezember 2012 hatte die damalige Aussenministerin kurz vor einer Anhörung im Kongress zum tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi eine Gehirnerschütterung erlitten. Ursache war ein Ohnmachtsanfall als Folge einer Darmgrippe. Ironischerweise warfen ihr Republikaner damals vor, sie täusche eine «diplomatische Krankheit» vor, um sich der Anhörung zu entziehen.

FILE - This Jan. 23, 2013 file photo shows then-Secretary of State Hillary Rodham Clinton testifying on Capitol Hill in Washington before the Senate Foreign Relations Committee hearing on the deadly September attack on the U.S. diplomatic mission in Benghazi, Libya, that killed Ambassador Chris Stevens and three other Americans.  To congressional Republicans,

Hillary Clinton mit Spezialbrille während der Bengasi-Anhörung. Bild: Pablo Martinez Monsivais/AP/KEYSTONE

Bei der Untersuchung wurde hinter Clintons rechtem Ohr ein Blutgerinnsel entdeckt, worauf ihr ein Blutverdünner verschrieben wurde. Einen Monat nach dem Vorfall erschien sie zur Bengasi-Anhörung. Dabei trug sie eine Spezialbrille, was erneut für Spekulationen sorgte. Kurz danach trat sie als Aussenministerin zurück. Als Abschiedsgeschenk erhielt sie einen Football-Helm.

Seither kursiert in der rechten Szene das Gerücht, Clinton habe eine dauerhafte Schädigung des Gehirns erlitten. Im aktuellen Wahlkampf kocht es so richtig hoch. Was aber ist an Rudolph Giulianis angeblichen Beweisen dran?

Das Video

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Clintons angeblicher Anfall. YouTube/mmno3 2

Es zeigt Hillary Clinton, wie sie bei einem Besuch in einem Muffin-Shop in Washington im Juni scheinbar einen Anfall erleidet. Betrachtet man den Clip, wirkt die Kandidatin eher belustigt als krank. Die AP-Korrespondentin Lisa Lerer war bei dem Besuch anwesend. Sie schreibt, von einem Anfall könne keine Rede sein. Clinton habe überrascht auf Fragen von Journalisten reagiert. Trotzdem wird das Video von der Trump-Fangemeinde fleissig geteilt.

Die Stütze

U.S. Democratic presidential candidate Hillary Clinton (in green coat, back to camera) loses her balance briefly as she arrives for a tour of SC STRONG, a home for ex-offenders and substance abusers on the grounds of the former Charleston Navy Yard in North Charleston, South Carolina February 24, 2016. REUTERS/Jonathan Ernst

Schwer krank? Nein, nur gestolpert. Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

Ebenfalls für Aufregung sorgt ein Foto, das im Februar in South Carolina aufgenommen wurde. Es zeigt eine vermeintlich schwer angeschlagene Clinton, die nur mit fremder Hilfe eine Treppe hochsteigen kann. Auch in diesem Fall ist die Auflösung simpel. Laut der Bildlegende war sie auf einer Stufe ausgerutscht und hatte kurz das Gleichgewicht verloren. Deshalb wurde sie gestützt.

Die Spritze

Ein weiteres Foto, das die «Healther»-Gemeinde umtreibt, zeigt einen von Clintons Bodyguards. In seiner Hand hält er angeblich eine Spritze mit dem Medikament Diazepam, das unter anderem gegen Anfälle hilft. Eine Sprecherin des Secret Service, der für den Personenschutz zuständig ist, teilte auf Anfrage von CNN mit, bei dem Gegenstand handle es sich um eine Taschenlampe.

Demenz im Frühstadium?

Mit derartigen «Beweisen» begnügen sich die Clinton-Hasser jedoch nicht. Über einen inzwischen gelöschten Twitter-Account wurde laut CNN ein gefälschter medizinischer Bericht verbreitet, wonach die Demokratin an Demenz im Frühstadium leide. Clintons langjährige Ärztin Lisa Bardack, deren Briefkopf für die Fälschung missbraucht worden war, betonte, die Dokumente seien «weder von mir geschrieben worden, noch basieren sie auf medizinischen Fakten».

Dennoch beackern rechte Medien wie die Website Breitbart – deren CEO von Trump gerade zum Wahlkampfleiter ernannt worden ist – die Gerüchte um die angeblich kranke Hillary Clinton munter weiter. Was nicht verwundert: Während sich Donald Trump um Kopf und Kragen redet, ist keiner von Clintons angeblichen Skandalen an ihr haften geblieben. Das gilt auch für die E-Mail-Affäre, die immer wieder hochkocht, aber bislang kein belastendes Material hervorgebracht hat.

Clinton und Trump sind verschwiegen

Trotzdem hat die Frage nach der Gesundheit von Hillary Clinton (und Donald Trump) einen seriösen Hintergrund. Die «New York Times» kritisierte am Dienstag, dass beide Kandidaten nur wenige und selektive Angaben über ihren Gesundheitszustand veröffentlicht hätten. Dies wiege umso schwerer, als es noch nie eine Präsidentschaftswahl in den USA mit zwei so alten Bewerbern der grossen Parteien gegeben habe. Clinton ist 68 und Trump 70 Jahre alt.

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

Der Republikaner betreibe allerdings eine noch grössere Heimlichtuerei als seine Kontrahentin, so die «New York Times». Dabei verzehrt Trump regelmässig Fastfood und schläft angeblich nur vier Stunden pro Nacht. Bislang hat er einzig ein relativ kurzes Statement eines Arztes für Innere Medizin veröffentlicht. Dieser behauptete, Trump werde im Falle eines Sieges «der gesündeste Mensch sein, der je ins Präsidentenamt gewählt wurde», was weit herum für Kopfschütteln sorgte.

Eigentlich sollte also Donald Trump Rechenschaft darüber ablegen, ob er fit ist für den Job im Weissen Haus. Doch Hillary Clinton wird die Gerüchte um ihren angeblich Dachschaden wohl nicht mehr los. Werden sie ihr schaden? Wohl kaum. Das Magazin «The Atlantic» verweist auf die Birther-Analogie. Nach wie vor glaube eine Mehrheit der Republikaner, Präsident Obama sei kein gebürtiger Amerikaner. Trotzdem hat er zweimal die Wahl gewonnen.

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