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Melania Trump, wife of Donald Trump, arrives  before the second presidential debate between Republi can presidential nominee Donald Trump and Democratic presidential nominee Hillary Clinton at Washington University in St. Louis, Sunday, Oct. 9, 2016.(AP Photo/Patrick Semansky)

Auf einmal steht sie im Fokus: Melania Trump. Bild: Patrick Semansky/AP/KEYSTONE

Melanias überraschender Auftritt bei CNN: Was sagen Sie, Frau Trump?

Dieser Schritt kommt überraschend: In TV-Interviews verteidigt Melania Trump ihren Mann Donald gegen Vorwürfe sexueller Belästigung. Was kann sie im Wahlkampf bewirken?

18.10.16, 05:19 18.10.16, 13:44

Patricia Dreyer



Ein Artikel von

Melania Trump spricht.

Donald Trumps Ehefrau, von der man in diesem höchst unerfreulichen Präsidentschaftswahlkampf nur sehr selten hört, hat dem Sender CNN ein Interview gegeben. Es wurde am Montagabend zur besten Sendezeit ausgestrahlt, am Dienstagmorgen folgt ein Gespräch mit Fox News. Mit grösserer medialer Wucht hätte sich die 46-Jährige kaum zu Wort melden können.

30 Minuten lang stand sie am Montag zunächst CNN-Moderator Anderson Cooper Rede und Antwort. Was sagt Melania Trump dazu, dass ihr Mann 2005 mit sexuellen Übergriffen prahlte? Was sagt sie zu den Vorwürfen mehrerer Frauen, die sich seitdem zu Wort gemeldet haben und behaupten, Donald Trump habe sie sexuell belästigt?

«Ich war überrascht», antwortet Melania Trump in ihrem markanten, kehligen Englisch auf die Frage nach dem Video. «Ich war überrascht, denn der Mann, der da spricht, ist nicht der, den ich kenne.» Trump prahlte damals, dass er Frauen ohne deren Einwilligung küssen, an die Genitalien fassen könne und keine Folgen befürchten müsse. Da er berühmt sei, könne er sich das erlauben.

«Das gehört sich nicht», sagt Melania Trump nun. Sie spricht im Interview oft so vorsichtig, als müsse sie sich an die Worte herantasten.

Gleichzeitig verharmlost sie das im Video Gesagte als «boys talk», Angeberei unter Jungs. «Jungs sind so», sagt Melania Trump, «wenn Jungs heranwachsen, dann reden sie so über Mädchen». Den Hinweis, dass «der Junge» Trump zum fraglichen Zeitpunkt 59 Jahre alt war, tut sie ab.

Der Kontrast dieser Worte zu einer gefeierten Rede Michelle Obamas, die erst vor vier Tagen die Verharmlosung sexueller Belästigung als Symptom einer schwachen und letztlich undemokratischen Gesellschaft gegeisselt hatte, könnte grösser nicht sein.

Melania Trump gibt zudem Trumps damaligem Gesprächspartner Billy Bush mindestens eine Mitschuld, der habe ihren Mann «angestachelt». Und sie sagt: «Ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt wussten, dass da ein Mikrofon eingeschaltet war» – damit versucht sie, das Gesagte in den Bereich des heimlich Erlauschten zu rücken und es als Waffe gegen Trump zu diskreditieren.

Video von Michelle Obamas Rede gegen Trump: «Es reicht!» Video: YouTube/Reflect

«Sie wollen meinem Mann schaden»

Melania Trump, im ärmellosen, beigefarbenen Wollkleid, empfing das CNN-Team im New Yorker Trump Tower, der Wahlkampfzentrale und dem privaten Wohnquartier der Trumps.

«I'm doing great», es gehe ihr wunderbar, antwortet sie auf die Frage Coopers, wie sie die Wahlschlammschlacht überstehe.

Wie ihr Mann sieht auch Melania Trump im Wahlkampf eine grosse Verschwörung am Werk. «Sie» verbreiten Lügen, «sie wollen meinem Mann schaden». Wer «sie» ist, erläutert sie nicht näher, «die Opposition», konkreter wird es nicht. Auch die Anschuldigungen der neun Frauen gegen Trump: Lügen.

Sie lobt ihren Mann mit einem Stakkato guter Eigenschaften, die er angeblich besitzt, vieles davon klingt wie auswendig gelernt («Er inspiriert jeden, das Beste zu geben»), manches unfreiwillig komisch («Bei meinem Mann sind viele, viele Frauen angestellt»).

Ob sie ein Anliegen habe, dem sie sich als First Lady besonders widmen würde, fragt der CNN-Reporter. Sie wolle sich für Kinder einsetzen, antwortet Melania Trump, und diese vor den negativen Auswirkungen sozialer Medien schützen, «Cybermobbing ist sehr gefährlich für Kinder». Das sagt ausgerechnet die Frau des für seine Twitter-Tiraden bekannten Donald Trump. Darauf angesprochen, antwortet sie nur: Ihr Mann sei erwachsen, und dann, in falschem Englisch, «er hört nicht auf meine Räte».

Seit ihrer peinlichen Rede auf dem Republikaner-Parteitag in Cleveland im Juli dieses Jahres, die in Teilen – ausgerechnet – das Plagiat einer Michelle-Obama-Rede war, hatte man kaum direkte Wortäusserungen von Melania Trump gehört.

Melania Trump sits down with CNN television host Anderson Cooper during an exclusive interview in New York, to be aired October 17, 2016. Courtesy CNN/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY.NO RESALES. NO ARCHIVE.     TPX IMAGES OF THE DAY

Melania Trump mit Anderson Cooper. Bild: HANDOUT/REUTERS

Warum tritt Melania Trump also jetzt vor die Kamera?

Donald Trump liegt in den Umfragen zurück, die wochenlange Debatte über seine Frauenfeindlichkeit hat ihm geschadet. Zuletzt brach Trump sogar mit Anführern seiner eigenen Partei, er wütet bei Wahlkampfauftritten gegen die «Lügenpresse», warnt vor «manipulierten Wahlen» und prangert die US-Demokratie als korrumpiert an. Diese Tiraden dürften Wechselwähler verunsichern. Doch genau die braucht Trump.

Melania Trumps TV-Auftritt könnte ein Versuch des Wahlkampfteams sein, der Debatte wieder eine sachlichere Richtung zu geben. Die wichtigste Frau in Donald Trumps Umfeld hat sich zum Thema Frauenfeindlichkeit geäussert, die Vorwürfe Michelle Obamas sind nicht mehr das letzte Wort in dieser Diskussion – jetzt kann, so die Hoffnung im Trump-Team, wieder etwas Normalität einkehren.

Hat Melania Trump überzeugt?

Melania Trump soll ihren Mann wieder nahbar und menschlich erscheinen lassen, sie soll Wählern signalisieren: Trump ist nicht nur der einsame Wüterich aus der Wahlkampfarena. Er ist Ehemann, Vater, auch daheim bei uns, den Trumps, wird kritisch über seine Äusserungen gesprochen - und sie werden ihm verziehen. Botschaft: War nicht schön, aber letztlich ist das alles nicht so schlimm. Viele Wähler werden diesen Auftritt wie gewünscht quittieren: mit Erleichterung.

Andere werden Melania Trump zu Recht vorhalten, dass sie die Sexismus-Vorwürfe nicht entkräftet hat – sie hat sie verharmlost. Und also genau das getan, wovor unter anderem First Lady Michelle Obama so eindringlich warnt.

Diese 33 Promis unterstützen Donald Trump

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dracului 18.10.2016 16:45
    Highlight Was immer man gesagt, einfach irgendwann einen der folgenden Neutralisierungssätze anhängen:

    - Es war nur als Witz gedacht.
    - Die Zuhörer verstehen eben keinen Humor.
    - Es war zynisch/satirisch/ironisch gemeint.
    - Es war nur banales Jungsgeschwätz.
    - Ich war damals nicht zurechnungsfähig.
    - Wir leben in einem freien Land, da darf doch jeder seine Meinung äussern.
    - Entschuldigung, das ist mir damals nur so rausgerutscht.
    - Ich wurde eben nur falsch verstanden!
    - Alle verschwören sich gegen mich.

    Mal sehen, ob man mit diesem Wahnsinnstrick Präsident der USA werden kann?
    7 3 Melden
  • BeWi 18.10.2016 14:40
    Highlight Ich weiss nur eines: Frau Trump wäre die heisseste First Lady ever! (Boys Talk...)
    11 20 Melden
  • LisaSimpson 18.10.2016 08:19
    Highlight Ich bin einfach froh, dass die USA in Ihrem Land auf die Suche nach den fähigsten Menschen für diesen Job, so zwei wunderbare Kandidaten wie Clinton und Trump gefunden hat.... Soll ich mir sorgen machen ? Keine Ahnung, Putini, Holländer, Erdo, Angy..... überall an der Politischen Weltspitze nur die aller Besten Kandidaten.... (Witz komm raus du bist umzingelt)
    84 20 Melden
    • Randy Orton 18.10.2016 10:24
      Highlight Was hat den Merkel falsch gemacht und was macht Hollande zu einem ungeeigneten Präsidenten?
      41 23 Melden
    • Randy Orton 18.10.2016 13:34
      Highlight Ein Satz über das Internet und 0815-Flüchtlingsgebrabbel. Alles ohne Angabe von Gründen. Ich wiederhole meine Frage: was hat sie in der Griechenlandkrise falsch gemacht? Was hat sie in der Flüchtlingssituation falsh gemacht? Was macht sie insgesamt zu einer inkompetenten Kanzlerin?
      17 8 Melden
    • Randy Orton 18.10.2016 17:52
      Highlight Ich stehe nicht in der Bringschuld, da ich Merkel weder als inkompetent noch als perfekt dargestellt habe. Du hast nur mit Schlagwörtern um dich geworfen anstatt Fakten zu bringen. Was hat sie in der Griechenlandkrise falsch gemacht? Was in der Flüchtlingssituation, dass sie inkompetent ist?
      Wenn man sie bewerten wollte, könnte man beispielsweise die Finanzkrise, die Deutschland sehr gut gemeistert hat, den erzwungenen Atomausstieg nach Fukushima, sinkende Arbeitslosenzahlen, der ausgeglichene Bundeshaushalt erwähnen. Deutschland erlebte unter ihr 11 äussert stabile und erfolgreiche Jahre.
      1 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Gähn on the rocks 18.10.2016 08:16
    Highlight Was, bitte schön, ist denn daran überraschend?
    Weder, dass sies macht, noch zur besten Sendezeit, noch der Zeitpunkt, noch ihre "Aussagen", usw.
    Zum Gähnen ist es.
    49 3 Melden
  • lily.mcbean 18.10.2016 07:47
    Highlight Wow, Verglichen mit Michelle Obama hat Melania Trump die Ausstrahlung eines Holzschemmels... Gott, ist diese Frau fade.
    106 19 Melden
    • TheCloud 18.10.2016 11:38
      Highlight Das macht die Eskapaden ihres Mannes nicht richtig.
      5 16 Melden
    • lily.mcbean 18.10.2016 11:56
      Highlight Und wo habe ich das in meinem Kommentar behauptet? 😂
      22 1 Melden
    • MikoGee 18.10.2016 14:51
      Highlight Naja ehrlich gesagt ist die Dame weder die hellste, noch die hübscheste Leuchte im Haus: Keine Frau mit ein wenig Selbstvertrauen und -achtung würde sonst diesen «eigene Beleidigung hier einfügen» heiraten, also was erwartet Ihr? xD
      10 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pana 18.10.2016 06:33
    Highlight «Wenn Jungs heranwachsen, dann reden sie so über Mädchen.»

    Der Junge ist 70. Kein Stress.
    114 8 Melden
    • Statler 18.10.2016 08:52
      Highlight It's never too late to have a happy childhood 😜
      65 2 Melden
    • Luisigs Totämuggerli 18.10.2016 09:33
      Highlight Bekanntlich werden Männer ja nie erwachsen, es werden nur die Spielzeuge teurer.
      Und wenn man Trump so hört und sieht, ist sogar ein 6 jähriger Rotzlöffel erwachsener und reifer.
      41 2 Melden
    • TheCloud 18.10.2016 11:41
      Highlight Luismeitli, da muss ich mich aber entschieden für Trump wehren. Es wurde schon mehrfach zweifellos nachgewiesen, dass er auf dem Stand eines Viertklässlers ist, also ca. neunjährig.
      28 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luis Cypher 18.10.2016 06:10
    Highlight Nein, Melania. Weder Jungs noch Männer sind so. Kranke, zutiefst unsichere Jungs und Männer sind so.
    185 20 Melden

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