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epa05062003 A photo provided by the Atlanta Journal-Constitution shows Northbound Buford Highway Connector traffic zooming by a swastika with the likeness of Republican Presidential candidate, Donald Trump, in Atlanta, Georgia, USA, 09 December 2015. Just days after Donald Trump's call to ban Muslims from entering the United States, someone painted large swastikas featuring the Republican presidential candidate's face on at least two northeast Atlanta bridge supports. The symbol, which includes a cartoon of Trump sporting a Hitler-like mustache, was painted along the Buford Highway Connector. A second, similar image was found on a concrete bridge support on nearby Piedmont Road. Trump said in a statement released on 07 December that there should be a total and complete shutdown of Muslims entering the United States.  EPA/JOHN SPINK / AJC   EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

In Atlanta (Georgia) tauchten Plakate auf, die Trump als Hitler darstellen.
Bild: EPA/AJC

Ein «Proto-Faschist» im Hoch: Warum Donald Trump nicht zu stoppen ist

Mit dem geforderten Einreiseverbot für Muslime hat Donald Trump eine neue Eskalationsstufe gezündet. Geschadet hat es ihm nicht, der republikanische US-Präsidentschaftskandidat erreicht in den Umfragen neue Rekordwerte. Freund und Feind ist das Lachen vergangen.

12.12.15, 14:10 14.12.15, 07:53


Bis vor kurzem glaubten viele in den USA, Donald Trump sei eine Witzfigur. Zwar belegt der Immobilientycoon seit einem halben Jahr den Spitzenplatz im republikanischen Bewerberfeld für die US-Präsidentschaftswahl 2016. Ein solches Stehvermögen hatte ihm kaum jemand zugetraut. Dennoch hielt sich hartnäckig die Überzeugung, der New Yorker mit der bizarren Föhnfrisur werde es mit seinen irren Auftritten irgendwann übertreiben und von den Wählern abgestraft werden.

Wochenlang habe sie das ebenfalls gedacht, gestand Hillary Clinton, die Favoritin bei den Demokraten, am Donnerstag auf dem Fernsehsender NBC. Jetzt aber sei Trump viel zu weit gegangen: «Was er sagt, ist nicht nur schändlich und falsch – es ist gefährlich.» Seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime spiele «den Terroristen in die Hände», warnte Clinton. Sie sei «ein grossartiges Propagandawerkzeug zur Rekrutierung in Europa und den USA».

Trump verlangt das Einreiseverbot für Muslime.
YouTube/BBC News

Trump hatte am Montag die «vollständige und komplette Schliessung» der Grenzen für Muslime gefordert. Ausnahmen solle es höchstens für Diplomaten und Sportler geben, nicht aber für Touristen. Damit reagierte der Republikaner auf den Terroranschlag im kalifornischen San Bernardino. Die Reaktionen waren heftig, die republikanischen Mitbewerber verurteilten Trump genauso wie Präsident Barack Obama, der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney oder die Boxlegende Muhammad Ali, selber ein Muslim.

35 Prozent für Trump

Hat dies «The Donald» geschadet? Keineswegs. In einer neuen Umfrage von «New York Times» und CBS News sprechen sich 35 Prozent der republikanischen Wähler für das schrille Grossmaul aus, mehr als je zuvor. Der texanische Senator Ted Cruz liegt mit 16 Prozent deutlich zurück. Gleichzeitig meinen 64 Prozent aller Befragten, ein möglicher Präsident Trump erzeuge bei ihnen Besorgnis oder gar Angst. In einer anderen Umfrage von NBC und «Wall Street Journal» lehnen 57 der Befragten das Einreiseverbot für Muslime ab. Aber immerhin 25 Prozent befürworten es.

Ein Ende der Trump-Horrorshow ist nicht in Sicht. Viele Beobachter gingen davon aus, der 69-Jährige werde aus dem Präsidentschaftsrennen aussteigen, wenn sein gigantisches Ego befriedigt sei. Dies scheint noch lange nicht der Fall zu sein, Donald Trump ist vielmehr auf den Geschmack gekommen. Seine Kampagne hatte er im Juli mit einer Hetze gegen mexikanische Einwanderer begonnen. Den Tiefpunkt erreichte er, als er kürzlich behauptete, Muslime hätten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 im Bundesstaat New Jersey auf den Strassen gejubelt.

Sie wollen US-Präsident/in werden

Er habe es selber gesehen, behauptete Trump – eine brandschwarze Lüge. Niemand hat in den USA an 9/11 Freudenfeste gefeiert. Seine Fans aber nehmen ihm alles ab, sie lieben ihn gerade dafür, dass er unkorrekte Dinge ausspricht. «Im Gegensatz zu den meisten Leuten sagt er, was er denkt, und hält sich nicht zurück», sagte ein 16-jähriger Supporter der BBC. «Er ist kein Politiker, er ist einfach ein Mensch», meinte eine andere Anhängerin.

Eine Untersuchung der Universität Stanford vom September hat bestätigt, was eigentlich schon lange klar war: Trumps Fangemeinde besteht aus eher älteren Menschen mit tiefem Einkommen und Bildungsgrad. Leute aus dem unteren Mittelstand, die zutiefst frustriert sind, weil sie vom wirtschaftlichen Aufschwung so gut wie nichts bemerken. Und die dafür die Politiker in Washington verantwortlich machen. Und die «Anderen»: Einwanderer, Muslime.

Wie Le Pen und Orban

Donald Trump, der erklärte Anti-Politiker, versteht es meisterhaft, ihre Ressentiments zu bedienen. Und überschreitet dabei alle Grenzen. Nun wird in den USA ernsthaft erörtert, ob der Unternehmer und Reality-TV-Star ein Faschist sein könnte. Der CNN-Terrorismusexperte Peter Bergen kommt in seiner Analyse zum Schluss, Trump sei ein Proto-Faschist. Viele seiner Ansichten seien faschistisch, aber er propagiere keine Gewalt zu ihrer Durchsetzung.

Bergen erkennt eine interessante Parallele zwischen Trump und Marine Le Pen, Chefin des französischen Front National und Triumphatorin in der ersten Runde der Regionalwahlen. Als ähnliches Phänomen bezeichnet er den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, der Zäune gegen Flüchtlinge errichtet. Donald Trump sei «Teil einer rechtsnationalistischen Welle, die den Westen überflutet», lautet Bergens Fazit. Man könnte auch die Schweiz erwähnen.

An Gegenreaktionen in den USA fehlt es nicht. Die New Yorker Zeitung «Daily News» karikierte Donald Trump auf der Titelseite als Dschihadisten, der die Freiheitsstatue enthauptet. Die zugehörige Schlagzeile spielt auf den deutschen Pastor Martin Niemöller an, der von den Nazis ins KZ gesteckt wurde. Nach dem Krieg formulierte er ein schonungslos selbstkritisches Gedicht, in dem er sinngemäss sagte: «Als sie Kommunisten, Sozialisten, Juden holten, schwieg ich, weil ich keiner von ihnen war. Als sie mich holten, war keiner mehr da, der protestieren konnte.»

Cruz in Iowa in Führung

Die Wahrscheinlichkeit, dass Donald Trump die Nomination der Republikaner schafft (oder gar Präsident wird) bleibt gering. Er hat nicht nur die meisten Anhänger, auch die Zahl seiner erklärten Gegner ist grösser als bei seinen Kontrahenten. Als Profiteur könnte jener Ted Cruz hervorgehen, der direkt hinter ihm klassiert ist. Der kubanischstämmige Texaner ist erzkonservativ, hochintelligent und vermeidet die schlimmsten verbalen Entgleisungen.

JOHNSTON, IA - DECEMBER 04:  Republican presidential candidate Sen. Ted Cruz (R-TX) greets supporters during a campaign event at CrossRoads Shooting Sports gun shop and range on December 4, 2015 in Johnston, Iowa. A recent poll had Cruz tied for third place with Ben Carson and behind Sen. Marco Rubio (R-FL) and front runner Donald Trump in the race for the Republican presidential nomination.  (Photo by Scott Olson/Getty Images)

Ted Cruz macht Wahlkampf in Iowa.
Bild: Getty Images North America

Im Bundesstaat Iowa, wo am 1. Februar 2016 der Vorwahlzirkus beginnt, liegt er schon heute in Führung. Seit Wochen arbeitet Cruz geduldig darauf hin, die Trump-Fangemeinde in sein Lager zu locken, wenn deren Liebling nicht mehr im Rennen ist. Sein Ziel ist eine konservative Revolution in Amerika. Noch scheint es wenig wahrscheinlich, dass die Republikaner einen Rechtsaussen wie Cruz zum Kandidaten erküren werden. Kommt es aber zu weiteren islamistischen Anschlägen, könnte seine Saat aufgehen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • FrancoL 12.12.2015 20:46
    Highlight Weiter unten gelesen: ""Ich empfehle allen sich auch über Trump lieber selbst zu informieren auf Youtube (Reden, Diskussionen) und in unabhängigen Blogs etc, um der medialen Verteufelungs-Propaganda zu entgehen"". Ich habe schon vieles von Trump gelesen, ich verfolge ihn schon seit mehreren Jahren, nicht erst seit seiner Kampagne für das Weisse Haus und stelle fest, dass ich wenig bis gar nichts aus seinen Einstellungen entnehmen kann, dass nicht ein schlechtes Bild von ihm abgeben würde! Dieser Satz ist der Versuch, Leute die sich eine negative Meinung gemacht haben, als Unbelesene darzustellen.
    26 10 Melden
  • zombie woof 12.12.2015 18:21
    Highlight Die Letzten, die den Wahnsinn des Naziregimes überlebt haben, sind am Aussterben und schon geht's wieder von neuem los! Und genau das sollte uns zu denken geben! Wir, die nichts mit dem braunen Gedankengut gemeinsam haben, müssen endlich reagieren und dagegen antreten. Das fängt im Alltag an, konfrontiert diese Scharfmacher mit ihren Aussagen, macht sie lächerlich wenn Vernunft nicht mehr hilft, und weiter geht's mit den Politikern. Die müssen endlich verstehen, dass sie in der Verantwortung sind und dass zur Demokratie Sorge getragen werden muss, wenn nicht, dann sind sie fehl am Platz!
    46 9 Melden
  • Sapere Aude 12.12.2015 15:33
    Highlight Gibt zu Trump nichts zu sagen ausser:
    110 10 Melden
    • Anam.Cara 13.12.2015 01:05
      Highlight Hammer. Danke für dieses Bild...
      8 1 Melden
  • Knut Knallmann 12.12.2015 15:29
    Highlight Trump soll ruhig die GOP Vorwahlen gewinnen. Darauf würd ich mich sogar freuen - Dann kann die gute Hillary nämlich schon vorzeitig fürs Weisse Haus packen...
    22 17 Melden
    • Anam.Cara 13.12.2015 01:09
      Highlight Warum denn nicht? Als ehemalige First Lady, Senatorin und Aussenministerin ist sie wahrscheinlich die einzige lebende Frau, welche die erste Präsidentin der USA werden könnte.
      14 3 Melden
  • The Host 12.12.2015 15:06
    Highlight "Kommt es aber zu weiteren islamistischen Anschlägen, könnte seine Saat aufgehen."
    Woraus man ein Interesse an solchen Ereignissen ableiten könnte...
    45 11 Melden
    • zombie woof 12.12.2015 17:49
      Highlight Interessanter Gedanke
      8 4 Melden
  • Smart as hell 12.12.2015 14:38
    Highlight Nun, nach wie vor wird von Trump in den meisten Medien geradezu hysterisch ein Zerrbild gezeichnet. Watson ist keine Ausnahme. Die meisten Journalisten stehen links und vertreten die ideologischen Glaubenssätze, die z. B. Sarazin so schön beschrieben hat. Trump stellt diese Glaubenssätze in Frage und wird dafür dämonisiert. Ich empfehle allen sich auch über Trump lieber selbst zu informieren auf Youtube (Reden, Diskussionen) und in unabhängigen Blogs etc, um der medialen Verteufelungs-Propaganda zu entgehen.
    23 140 Melden
    • borinod 12.12.2015 15:29
      Highlight es reicht schon sich den dokumentarfilm "you have been trumbed" anzuschauen, um zu sehen was für ein (un-)mensch er ist.
      52 4 Melden
    • Knut Knallmann 12.12.2015 15:33
      Highlight Es gibt aber einen klaren Unterschied zwischen Glaubenssätze in Frage stellen und schlichter Idiotie.
      47 5 Melden
    • Tschosch 12.12.2015 15:49
      Highlight Lügt Trump nicht? Hetzt er nicht gegen Mexikaner, Muslime und Menschen mit einer Behinderung? Oder ist das alles in Ihren Augen ok?! Worin besteht die Verzerrung des Bildes?!
      54 5 Melden
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  • The fine Laird 12.12.2015 14:32
    Highlight Ach ja die Amis.
    21 15 Melden
  • koks 12.12.2015 14:22
    Highlight man braucht keine grosse geschichtskenntnisse, um eine ähnlichkeit zwischen hitlers hetze gegen die juden und der aktuellen hetze gegen muslime zu sehen. damals hiess es, die juden würden die einheimischen betrügen und übervorteilen, heute heisst es, die muslime seien terroristen.
    natürlich ist trump in den usa, aber in europa und der schweiz ist die ideologie der svp dieselbe.
    109 34 Melden
    • sevenmills 12.12.2015 14:28
      Highlight

      Und so jemand ist in der Schweiz Staatsrat und beinahe Kandidat für einen Ministerposten geworden. Und da sagt noch jemand, die SVP habe keinen braunen Touch..
      49 20 Melden
    • Sanchez 12.12.2015 14:49
      Highlight Fast alles richtig.. ABER:
      Die Muslime sind keine Terroristen, aber die Terroristen sind Muslime. Comprende?
      Das ist Fakt und hat mit der SVP gar nichts zu tun..
      30 44 Melden
    • Karl33 12.12.2015 16:07
      Highlight "zudem haben die nazis damals deutschland regiert."
      kingkong, in ungarn regiert orban bereits.
      in den usa ist trump im moment der präsidentschaftskandidat mit den besten umfragewerten. aber das ist ja alles nur tv-unterhaltung, gell.
      46 7 Melden
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