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Democratic presidential candidate Sen. Bernie Sanders, I-Vt., speaks during a campaign stop at the Pinkerton Academy Stockbridge Theatre, Monday, Feb. 8, 2016, in Derry, N.H. (AP Photo/John Minchillo)

Die Jungen lieben ihn: Bernie Sanders bei einem Auftritt in New Hampshire.
Bild: John Minchillo/AP/KEYSTONE

Junge Frauen verschmähen Hillary Clinton – weil «die Jungs bei Bernie sind»?

Hillary Clinton will erste US-Präsidentin werden, doch junge Frauen ziehen ihren Rivalen Bernie Sanders vor. Feministinnen nerven sich darüber und schaden ihr mit deplatzierten Sprüchen.



Hillary Clinton durchlebt schwierige Zeiten. Bis vor kurzem schien ihre Nomination als Kandidatin der Demokraten für die US-Präsidentschaft nur Formsache zu sein. Nun aber mausert sich ihr letzter Rivale Bernie Sanders zur ernsthaften Bedrohung. Die erste Vorwahl vor einer Woche im Bundesstaat Iowa verlor er nur hauchdünn. In New Hampshire in der Nacht auf Mittwoch ist der Senator aus dem Nachbarstaat Vermont gar der klare Favorit.

Besonders schockierend für Clinton: Obwohl Sanders bereits 74 Jahre alt ist und keinen Tag jünger aussieht, laufen ihm vor allem die jungen Leute scharenweise zu. In Iowa stimmten laut Nachwahlbefragungen 84 Prozent der 17- bis 29-Jährigen und 58 Prozent der 30- bis 44-Jährigen für Sanders. Für die jungen Amerikaner, die nach dem Studium wegen der exorbitanten Kosten häufig tief verschuldet sind, ist der «demokratische Sozialist» ein Garant für einen echten Wandel, im Gegensatz zur ehemaligen First Lady, Senatorin und Aussenministerin.

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Gloria Steinems kontroverse Aussage.
YouTube/CBSN

Die Tatsache, dass junge Wählerinnen einen zerknitterten alten «Knacker» der Aussicht auf die erste Frau im Weissen Haus vorziehen, sorgt bei altgedienten Kämpferinnen für die Frauenrechte für mächtigen Ärger. Die 81-jährige Autorin und Feminismus-Ikone Gloria Steinem meinte letzte Woche in einer Talkshow, Frauen würden häufig erst im Alter radikaler: «Wenn man jünger ist, fragt man sich: Wo sind die Jungs? Die Jungs sind bei Bernie», erklärte Steinem.

Die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl

Was Steinem indirekt andeutete: Junge Frauen mischen sich unter die Sanders-Fans, weil sie Typen aufreissen wollen. Die Reaktion blieb nicht aus. Eine junge New Yorkerin meinte gegenüber dem Guardian, Steinems Aussage sei «die schlimmste Form von Verallgemeinerung über Frauen meines Alters, die ich seit Jahren gehört habe». Eine Kolumnistin der «Los Angeles Times» schrieb, junge Frauen würden Sanders als idealistischen, authentischen Politiker betrachten und sicherlich bei ihm kein Date suchen: «Dafür haben sie Tinder.»

Am Sonntag entschuldigte sich Gloria Steinem auf Facebook halbherzig. Sie habe sich «versprochen». Da war längst eine weitere Kontroverse entbrannt. Tags zuvor hatte die 78-jährige Madeleine Albright, US-Aussenministerin unter Hillarys Ehemann Bill Clinton, bei einem Wahlkampfauftritt in New Hampshire nicht nur ein feuriges Plädoyer für die Kandidatin gehalten. Sie nahm auch den fehlenden weiblichen Support für Clinton aufs Korn: «Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Frauen, die einander nicht helfen.»

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Madeleine Albright droht mit der Hölle.
YouTube/sean conners

Der Aufschrei blieb auch dieses Mal nicht aus. Albright allerdings entschuldigte sich nicht. Sie verwies in einem Interview mit dem Magazin Time darauf, dass sie diesen Satz schon mehrfach verwendet habe. Tatsächlich wurde er sogar auf einem Starbucks-Kaffeebecher verewigt. Eigentlich habe er auf ältere Frauen gezielt, die jüngere nicht beim beruflichen Aufstieg unterstützen, wie sie das selber erlebt habe. «Heute ist vieles besser, dank Menschen wie Hillary und mir», meinte Albright. Dies würden die jungen Frauen zu wenig wahrhaben.

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Clinton selbst äusserte sich am Sonntag ziemlich genervt über die Feminismus-Kontroverse: «Man kann heutzutage nichts mehr sagen, ohne jemanden zu beleidigen.» An ihrem Grundproblem ändert das nichts: Obwohl sie auf die Unterstützung von Promis wie Lena Dunham und Popsternchen Katy Perry zählen kann, findet sie keinen Draht zu den jüngeren Frauen. Ihnen ist Clinton aus diversen Gründen suspekt. So wettert sie zwar wie Sanders gegen die Wall Street, lässt sich aber von Banken üppige Honorare für Reden bezahlen.

Im Clinton-Lager gibt es erste Anzeichen von Panik. Laut der Website Politico sollen Hillary und Bill mit dem Wahlkampf dermassen unzufrieden sein, dass sie nach der praktisch sicheren Niederlage in New Hampshire einen grösseren Wechsel bei Personal und Strategie planen. Tatsächlich fehlt ihrer Kampagne eine klare Linie, während Bernie Sanders unaufhörlich auf einem Thema herumreitet: Der wachsenden Ungleichheit in den USA. Damit überzeugt er die Jungen.

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40Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pun 10.02.2016 01:02
    Highlight Highlight Höhö, die Amis haben auch sich verrennende Altfeministinnen wie wir die Alice Schwarzer oder in der Schweiz Julia Onken.
    9 0 Melden
  • el lobo 09.02.2016 20:08
    Highlight Highlight Würde gesamtgesellschaftlich gesehen Sander den Frauen nicht mehr nützen mit dem bekämpfen der Ungleichheit?
    42 1 Melden
  • Kaiserin 09.02.2016 18:49
    Highlight Highlight Ich als junge Frau würde Hillary auch nicht wählen. Zu konservativ, zu bürgerlich, zu kontrolliert, zu sehr Establishment und Wall Street, zu wenig Innovation und Veränderung. Ehrlich gesagt finde ich es höchst seltsam, dass man bei den traditionellen Demokraten von "links" spricht...
    64 1 Melden
    • Tsunami90 09.02.2016 19:41
      Highlight Highlight Es gibt keine Partei links der Demokraten in den USA.
      12 1 Melden
    • FrancoL 09.02.2016 20:04
      Highlight Highlight Es ist mit dem Links so wie es die SVP in der Schweiz handhabt; Links ist links von der SVP und in den USA ist links halt gleich links neben den Republikanern. Das Schema ohne andere Färbungen ist halt für viele (zu viele) die einfachste Sichtweise. Das zeigt dass etwas mit dem Fortschritt verloren gegangen ist: die differenzierte Sichtweise.
      19 0 Melden
    • Kaiserin 09.02.2016 21:54
      Highlight Highlight 1. Es gibt leider, leider nur zwei Parteien. Ich weiss ehrlich nicht, wie eine Demokratie so funktioniert ( oder tut sie das überhaupt?)

      2. Klar, es kommt immer auf die Sichtweise an, ob links oder rechts. Aber ein wenig Differenziertheit darf schon sein...
      12 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • DerWeise 09.02.2016 18:33
    Highlight Highlight lustig, ich habe je länger je mehr das Gefühl, ihr guckt auf youtube the young turks und kopiert, was genk und co für euch jeweils aussortiert haben....
    8 10 Melden
  • Zeit_Genosse 09.02.2016 18:25
    Highlight Highlight Die Jungen sollten sich fragen ob sie eine/n demokratische/n Präsidentin wollen. Mit Sanders im Rennen gewinnen die Republikaner. Auch wenn Hillary nicht die Wunschkandidatin ist, sie ist die beste Option der Demokraten.
    5 32 Melden
    • TheRabbit 09.02.2016 21:29
      Highlight Highlight Sanders Wahlkampf:
      - Gleichmässige Verteilung Einkommen & Vermögen
      - Hôhre Steuern für Reiche
      - Gleiche Steuern für den Mittelstand
      - Billigere Studienplätze

      Finanzierung: 90% durch Kleinstspenden

      Republikaner:
      - tiefere Steuern für Reiche
      - Keine Reformen

      Finanzierung: Wallstreet & Koch Brothers

      Für was entscheiden sich wohl die Armen & die aus dem Mittelstand?
      12 2 Melden
    • peeti 09.02.2016 21:55
      Highlight Highlight Für dich gilt das gleiche wie für Rolf_Suter.
      4 0 Melden
  • Semper 09.02.2016 18:10
    Highlight Highlight Verstehe nicht, wieso alle Sanders so gut finden. Für mich kommt der ebenso wenig infrage wie Trump. Bin ich da der einzige der beide extreme (links und rechts) nicht haben will?
    6 43 Melden
    • gjonkastrioti 09.02.2016 19:42
      Highlight Highlight Es geht nicht ums Extreme. Es ist einfach so, dass viele Amerikaner mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind. Auf der einen Seite gibt es eine sehr hohe soziale Ungleichheit und viele perspektivlose Menschen, auf der anderen Seite machen sich manche Sorgen wegen den "Hispanics". Es ist logisch, dass die Menschen Politiker wählen wollen, die eine (vermeintliche) Lösung anbieten oder zumindest eine Änderung der Situation in Aussicht stellen. Hillary Clinton vertritt das Establishment und keinen politischen Wandel. Man sieht in der Schweiz, dass Beschwichtigungspolitik nicht funktioniert.
      10 0 Melden
    • Tsunami90 09.02.2016 19:43
      Highlight Highlight Sanders ist nicht extrem aus Europäischer Sicht.
      28 1 Melden
    • Semper 09.02.2016 21:00
      Highlight Highlight Immer wenn Menschen unzufrieden sind, werden sie ins extreme getrieben. Wohin das führt wissen wir glaub ich alle. Daher bin ich gegen Sanders.

      Ausserdem gibt es keine 'europäische Sicht'. Wir sind ein Kontinent und kein Land. Und aus Schweizer Sicht giltet er sehr wohl als links...
      2 12 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ginko 09.02.2016 18:02
    Highlight Highlight Danke für die Aufklärung, Frau Steinem. Hatte glatt vergessen, dass man sich politische Kandidaten nach Geschlecht aussuchen muss. Standpunkte etc. sind ja Nebensache.
    39 0 Melden
  • Hayek1902 09.02.2016 17:55
    Highlight Highlight Letztes mal Ron Paul, dieses mal Bernie Sanders. Ich finde das schön, das eher ältere Semester bei den jungen gut ankommen. So schlecht kann diese Situation ja nicht sein.
    3 2 Melden
  • lily.mcbean 09.02.2016 17:49
    Highlight Highlight Ich bin ja selber auch bizeli feministisch, und auch ich würde mal gerne eine Präsidentin im Weissen Haus sehen. Aber nicht um jeden Preis.
    Und Hilary ist nunmal nicht eine sympatiebombe, da finde ich den alten Sanders schon frischer und intressanter. Aber ja beim Wahlkampf können sie alle grosse Reden schwingen.
    26 1 Melden
  • blueberry muffin 09.02.2016 17:25
    Highlight Highlight Mal abgesehen davon das Hillary dieses Jahr auch 69 wird. Nur weil sie ihre Haare faerbt ist sie noch lange nicht viel juenger als Bernie.

    Elizabeth Warren ist der Liebling der Liberalen, Hillary mit ihrer "Status Quo" Politik und ihrer Kriegstreiberei ist passe. Die meisten ihrer Supporter, supporten sie auch nur weil sie denken das Bernie es schwerer haette in der Primary, nicht weil sie begeistert waeren von Hillary.

    Bernie Sanders mit Elizabeth Warren als VP, that's a ticket. Oder sonst halt Warren 2020 und 4 Jahre Republikanische Katastrophe dazwischen.
    53 6 Melden
    • Hoppla! 09.02.2016 22:23
      Highlight Highlight Dagegen ist Frau Warren mit 66 Jahren ja beinahe ein Teenager. ;-)
      2 0 Melden
  • Eisenhorn 09.02.2016 17:20
    Highlight Highlight Ich habe das Gefühl Clinton versucht überall zu betonen das sie eine Frau ist, und will damit wohl irgendwie Frauen anlocken. Sanders pfeift drauf und bleibt bei seinem Programm. "Ich bin eine Frau" "Ich bin weiss" oder "Ich bin schwarz" ist kein Grund irgendjemanden zu wählen oder nicht zu wählen. Ich glaube immer noch das "radikaler Feminismus" eine Laute Randgruppe ist wie das meiste Radikale. 90% der Leute (auch Frauen) wollen doch einfach nur Lösungen, egal ob sie von einem mann oder einer Frau kommen. Und da ist es egal ob sie von einer Frau oder einem Mann kommen.
    99 1 Melden
    • thedarkproject 09.02.2016 17:52
      Highlight Highlight Chapeau für diesen Kommentar. Erfrischend nüchtern. Nur ist nüchtern leider nicht immer das, was in Amerika zieht.
      18 0 Melden
    • Jürg Müller 10.02.2016 07:39
      Highlight Highlight @thedarkproject

      Nüchtern? Bei uns? Nachdem ich gestern den Club gesehen habe, bin ich mir nicht mehr soo sicher :-)

      Schöns Tägli no
      0 0 Melden
  • Bongalicius 09.02.2016 17:17
    Highlight Highlight Ich finde es bedenklich wenn ein Präsidentschaftskandidat mit seinem Geschlecht und nicht mit seinen Überzeugungen Wählerstimmen gewinnen soll. Wahrscheinlich wird es an der amerikanischen Kultur liegen, immer den nächsten Skandal und Aufschrei aufzudecken, das so eine Diskussion überhaupt geführt werden muss.

    #maythebestwin
    #defenitlynottrump
    40 2 Melden
    • Bijouxly 09.02.2016 17:37
      Highlight Highlight Guter Beitrag, doch die Hashtags machen alles kaputt. Nächstes mal ohne, dann kann mans wirklich ernst nehmen.
      14 3 Melden
    • Bongalicius 09.02.2016 21:41
      Highlight Highlight Danke für den Input. Ich werds mir für die Zukunft vornehmen.
      1 0 Melden
  • Abel Emini 09.02.2016 17:14
    Highlight Highlight Die USA braucht Hillary, Europa braucht Hillary! Wir alle brauchen Hillary!
    7 103 Melden
    • Calvin Watsn 09.02.2016 17:26
      Highlight Highlight Neee.
      54 3 Melden
    • blueberry muffin 09.02.2016 17:29
      Highlight Highlight Das stimmt. Hillary, die Frau die bis vor kurzem gegen die schwulen Ehe war, die mit dem aufloesen von Glass-Steagall Act zur groessten Wirtschaftlichen Katastrophe gefuehrt hat, die vollkommen ueberzeugt war vom Irak war, was uns ISIS einbrockte..

      Ja, tolle Frau. Da kann man auch Trump waehlen.
      60 6 Melden
    • thedarkproject 09.02.2016 17:52
      Highlight Highlight Hillary wäre schlimmer als Trump. Der einzige, der überhaupt wählbar ist, ist Sanders.
      11 3 Melden
  • TanookiStormtrooper 09.02.2016 17:14
    Highlight Highlight Das ist doch Gleichberechtigung pur! Wenn der Mann ein besseres Wahlprogramm hat, sollte das Geschlecht keine Rolle spielen. Nur eine Frau zu wählen, weil sie eine Frau ist, wäre doch komplett bescheuert. Offenbar spicht Hillary die jungen Menschen nicht so an wie Sanders, dies sollte Hillary zu denken geben.
    92 1 Melden
    • TanookiStormtrooper 09.02.2016 17:38
      Highlight Highlight Vielleicht sollte Hillary einfach das Programm von Sanders übernehmen, dann wird sie von den jungen und den "vertrockneten" Feministinnen gewählt... ;)
      9 0 Melden
  • blueberry muffin 09.02.2016 17:12
    Highlight Highlight Alter Mann kommt: Kein Problem, wer findet den Opa schon cool.

    .. Moment er will nicht gewaehlt werden weil er Cool ist sondern wegen seiner Meinung und seinen politischen Zielen? Was ist den das fuern Schmarrn. Sowas gibts in der Demokratie nicht!!
    52 2 Melden
    • thedarkproject 09.02.2016 17:54
      Highlight Highlight USA und Demokratie im gleichen Kontext zu nennen ist sowieso ein Witz ;)
      8 8 Melden

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