International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wahlkämpfer Bill Clinton: Der Zauber ist dahin

Bild: X90022

Sie will den Sieg gleich beim Auftakt am Montag: In Iowa holt sich Hillary Clinton Wahlkampfhilfe von Ehemann Bill. Doch die Auftritte des Ex-Präsidenten wirken merkwürdig kraftlos. Kann – oder will der 69-Jährige nicht anders?

31.01.16, 08:48 31.01.16, 09:23

Veit Medick / davenport, iowa



Ein Artikel von

Am Ende hebt Bill Clinton noch einmal den Zeigefinger und singt eine letzte kleine Ballade auf seine Frau. «Immer, wenn sie etwas anpackt», ruft er in die Halle, «macht sie es ein Stückchen besser.» Vertraut ihr. Sie hat die nötige Entschlossenheit, um Amerikas Probleme in den Griff zu kriegen: Mit dieser Botschaft will er die Leute nach Hause schicken. Nach nicht einmal zehn Minuten verschwindet er wieder von der Bühne.

Bill und Hillary Clinton Town Hall Davenport Iowa Live Stream.
YouTube/LIVE SATELLITE NEWS

Davenport, östliches Iowa, kurz vor den ersten Vorwahlen: Der Ex-Präsident ist gekommen, um seiner Ehefrau auszuhelfen. 1500 Anhänger von Hillary Clinton haben sich im «The Col Ballroom» versammelt, einer jener nostalgischen amerikanischen Festhallen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Von der Decke hängen Gardinen und Diskokugeln, an den Wänden Poster von Tex Beneke, Billy May und Harry James. Die Jazz-Stars feierten hier früher rauschende Feste. Bill Clinton lässt es eher ruhig angehen.

Clintons Auftritt in Davenport.
YouTube/mobile uploads

Mal wieder.

Seit Wochen ist der 69-Jährige im Wahlkampfeinsatz. Nevada, New Hampshire, an diesem Wochenende Iowa: Im ganzen Land ist Clinton unterwegs, um der Kampagne seiner Frau neuen Schwung zu verleihen. Das ist an sich keine schlechte Idee. Hillary Clinton kann derzeit jede Hilfe gebrauchen, denn um ein Zeichen der Stärke zu setzen, braucht sie gleich beim Auftakt den Sieg. Doch ihr Rivale Bernie Sanders will sich einfach nicht abschütteln lassen. Seit Freitag ist auch noch diese lästige Email-Affäre zurück. Und die Frage ist, ob ihr Mann wirklich jene Hilfe ist, die er sein soll. «Es wirkt, als habe er seinen Zauber verloren», schrieb zuletzt die «New York Times».

Eher Hochschullehrer als Wahlkämpfer

Das ist erstaunlich, denn eigentlich galt Bill Clinton trotz gröbster, persönlicher Fehltritte in seiner Präsidentschaft noch jedem Demokraten als willkommene Wahlkampfhilfe. Seine Popularität war bis zuletzt ungebrochen, sein Charme und seine Entschlossenheit waren auch bei den Republikanern gefürchtet. Und jetzt? Wirkt Clinton merkwürdig kraftlos. Auch sein Auftritt in Davenport ist keine Ausnahme.

Clinton spricht leise, man versteht ihn schlecht, er wirkt wie ein emeritierter Hochschullehrer, nicht wie ein Wahlkämpfer. Kein Angriff auf Sanders, nicht einmal die Republikaner kommen wirklich vor in seiner Rede. Er streift kurz die Erfolge seiner Amtszeit. Ausgeglichener Haushalt, geringe Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, es sind die Eckpfeiler seiner Präsidentschaft, jedenfalls die politischen. «Wir haben viel erreicht damals», sagt er.

Auch Hillary kommt natürlich vor. Clinton plaudert ein wenig darüber, wie sie ihn in seiner Zeit als Gouverneur von Arkansas dazu brachte, die Kinderbetreuung voranzutreiben und ihm im Weissen Haus dazu riet, das Gesundheitssystem zu reformieren. «Sie ist eine erwiesene Kämpferin für den Wandel», ruft er und die Leute klatschen artig. Aber ausgerechnet bei ihm fehlt das, was an diesem Wochenende in Iowa so ziemlich bei jeder Wahlkampfveranstaltung aufkommt: Echte Begeisterung.

Iowa im Bann des Polit-Zirkus: Das Wochenende vor den Caucuses

Schon spekulieren amerikanische Medien über Clintons Gesundheit. «Irgendetwas ist mit ihm los», mutmasste jüngst die «Washington Post» und erinnerte an die Krankengeschichte des Ex-Präsidenten. 2004 musste er sich einer schweren Herzoperation unterziehen. Und weil er sich seit ein paar Jahren ausschliesslich vegan ernährt, hat er stark abgenommen. Einige Freunde, so schrieb die «NYT», hätten ihm schon geraten, mal wieder einen ordentlichen Cheeseburger zu essen.

Den Fehler von 2008 gilt es zu vermeiden

Plausibler scheint, dass seine Zurückhaltung vor allem politische Gründe hat. Hillary Clinton selbst achtet penibel darauf, nicht als der verlängerte Arm ihres Ehemannes wahrgenommen zu werden. Sie weiss, wie schädlich das für ihre Kampagne wäre. «Er wird», sagt sie in Davenport über ihren Mann, «sicher ein guter Berater im Weissen Haus.» Soll heissen: Mehr nicht.

Die klare Rollenaufteilung hat ihre Vorgeschichte. Als sich Hillary 2008 schon einmal für die Kandidatur bewarb, führte der Ex-Präsident eine Art Parallelkampagne, um Barack Obama zu verhindern. Forsch, laut, aggressiv – so zeigte er sich damals. Als «Märchen» bezeichnete er Obamas Ablehnung des Irakkriegs. Hillary Clinton verlor und mancher Demokrat machte dafür indirekt auch den Altmeister verantwortlich. Diesen Fehler gilt es nicht noch einmal zu wiederholen.

Zur Wahrheit gehört auch, dass Clinton schwierige Wochen hinter sich hat. Donald Trump hat ihn voll mit in den Wahlkampf hineingezogen, und seine zahlreichen Affären thematisiert. Es ist ein sehr unangenehmer, aber offenbar effektiver Angriff des Republikaners. Einer Umfrage zufolge sind Clintons Beliebtheitswerte zuletzt auf unter 40 Prozent abgestürzt. Da gilt es, den Milliardär nicht noch mehr zu reizen. Zunächst einmal, jedenfalls.

Ein Fuchs ist Bill Clinton schon immer noch, keine Frage, und in einem Hauptwahlkampf könnte seine Rolle schon wieder ganz anders aussehen. Am Ende des Auftritts im «The Col Ballroom» spricht Clinton noch mit ein paar Anhängern. Ein Mann kommt auf ihn zu. Was er denn zu diesen neuen Meldungen über Hillarys Emailaffäre sage, wonach auch streng geheime Nachrichten über ihren privaten Server geflossen seien?

«Ach», antwortet er. «Das habe ich noch gar nicht gelesen.»

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

USA setzen 5 Millionen Dollar Kopfgeld auf Dschihadisten aus

Die USA haben ein millionenschweres Kopfgeld auf ein führendes Mitglied des Terrornetzwerks Al-Kaida ausgesetzt. Das State Department in Washington erklärte am Donnerstag, es biete jedem fünf Millionen Dollar, der die Behörden zu Chalid Batarfi führen oder zu seiner Festnahme beitragen könne.

Zudem verdoppelten die USA das Kopfgeld auf den mutmasslichen Emir Al-Kaidas auf der arabischen Halbinsel, Kasim al-Rimi, auf zehn Millionen Dollar.

Batarfi hatte im Januar Muslime dazu aufgerufen, als …

Artikel lesen