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Democratic presidential nominee Hillary Clinton waves with her vice presidential running mate Senator Tim Kaine after accepting the nomination on the fourth and final night at the Democratic National Convention in Philadelphia, Pennsylvania, U.S. July 28, 2016. REUTERS/Rick Wilking

Partystimmung bei den Demokraten.
Bild: RICK WILKING/REUTERS

Clinton geht auf Trump los, mit allem was sie hat – und plötzlich liegen ihr alle zu Füssen

Eben noch bitter zerstritten, liegen die US-Demokraten Hillary Clinton nach ihrer Parteitagsrede zu Füssen. Doch der Kampf gegen Donald Trump hat gerade erst begonnen – und ist unkalkulierbar.

Veit Medick, Marc Pitzke, philadelphia



Ein Artikel von

Spiegel Online

Da ist sie. «Ladies and gentlemen», ruft Chelsea Clinton, «meine Mutter!» Hillary Clinton erscheint, ganz in weiss. Minutenlang geniesst sie den Jubel, schreitet winkend von einer Seite der Bühne zur anderen. Die Halle ist bis unter Dach gefüllt, 20'000 Menschen brüllen, weinen, schwenken US-Sternenbanner und «Hillary»-Schilder.

Schliesslich fährt ein Rednerpodium aus dem Bühnenboden hoch. Clinton tritt dahinter und atmet tief durch.

«Amerika», ruft sie, «steht erneut am Scheideweg.»

Ein etwas unwirklicher Moment

Eben noch war Clinton bei den Delegierten umstritten, jetzt plötzlich liegen sie ihr zu Füssen. Schnell geht das im US-Wahlkampf. So schnell, dass man schwer einschätzen kann, wie ernst solche Treueschwüre wirklich gemeint sind.

Aber alle in Philadelphia scheinen in diesem Moment begriffen zu haben, worum es geht: Das Land steht vor einer harten Schlacht. Trump gefährdet das Fundament der USA. Und Clinton muss es retten.

Clintons Rede im Video:

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Video: watson.ch

Ihre Rede zum Abschluss dieses Parteitags soll die Skeptiker umgarnen, von Bernie-Sanders-Trotzköpfen bis zu unentschlossenen Moderaten. Sie soll nicht weniger, als diese 68-jährige Frau, die inzwischen länger in der amerikanischen Öffentlichkeit steht als sonst eine, neu erfinden.

«Manche Leute wissen einfach nicht, was sie von mir halten sollen», sagt sie und unterdrückt ihr typisches Kichern. «Also möchte ich es euch erklären.»

Überraschend persönlich und humorvoll

Es muss sie ermutigen, dass die Halle tobt. Dass die Protestler und Störer, wie sie es die ganze Woche gab, zwar auch diesmal weiter dazwischenrufen – doch von «Hillary! Hillary»- und «USA! USA!»-Sprechchören zum Schweigen gebracht werden.

Clinton verzieht keine Miene, sie kämpft sich eisern durch ihr Manuskript.

Es ist keine brillante Rede, wie sie Barack Obama am Vorabend gehalten hat. Es ist eine klassische Clinton-Rede: zähe Details, politische Wunschlisten, die jede Interessengruppe befriedigen – Frauen, Minderheiten, Gewerkschafter, Homosexuelle, Arbeiter, Behinderte, Soldaten, Veteranen. Clinton hakt alle demokratischen Schlüsselreize ab: Mindestlohn, Krankenversicherung, «unfaire Handelsabkommen», eine Verneigung an die Sanders-Fraktion.

«Schliesst euch uns an!», ruft sie wieder und wieder, an all die Zweifler.

Doch es ist auch eine überraschend persönliche, streckenweise sogar humorvolle Rede. Clinton erzählt von ihrer harten Kindheit, von ihrem Einsatz für Kinder und Arme, von den Lehren jener Jahre: «Niemand schafft es alleine durchs Leben

Clinton versus Trump

Protesters wearing masks of presidential candidates Hillary Clinton and Donald Trump march with a group of cannabis advocates down Broad Street toward the Wells Fargo Center on the final day of the Democratic National Convention in Philadelphia, Pennsylvania, U.S., July 28, 2016. REUTERS/Dominick Reuter

Nun ist der Kampf offiziell eröffnet.
Bild: DOMINICK REUTER/REUTERS

Die etwas pathetischen und nicht immer neuen Anekdoten zeichnen eine krasse Alternative zu ihrem Ego-Rivalen Donald Trump. Auf den geht sie los – mit allem, was sie hat.

Mit Franklin D. Roosevelts Satz, dass man nichts so sehr zu fürchten habe wie die Furcht selbst, stellt sie sich gegen den Geist von Trumps Hass-Wahlkampf.

Mit dem Hinweis, dass man im kaputten Zockerparadies Atlantic City Firmen finde, die alles verloren hätten, weil Trump seine Rechnungen nicht bezahlt habe, greift sie seine Unternehmergeschichte an.

Und sie attackiert seinen Charakter. «Hat Donald Trump das Temperament zum Oberkommandierenden?» Bei der kleinsten Provokation verliere er die Kontrolle. «Jemand, den man mit einem Tweet kitzeln kann, ist keiner, dem wir Nuklearwaffen anvertrauen können.» Das Ende des Satzes geht im begeisterten Geschrei unter.

«Nein, Donald»

Denn Clinton weiss, dass die Sicherheitspolitik ein sensibler Punkt ihres eigenen Wahlkampfs ist. Trumps Vorwurf, die Demokraten würden sich nicht für den Kampf gegen den Terrorismus interessieren, zieht bei vielen Amerikanern. Also spricht sie das auch noch an. «Donald sagt – und das ist ein echtes Zitat: ‹Ich weiss mehr über den Islamischen Staat als die Generäle.›»

Kunstpause. Dann: «Nein, Donald, das tust Du nicht.»

Sie kann das sehr einfach so sagen: Eine Stunde vor ihr hat Vier-Sterne-General John Allen Trump zur Gefahr für die nationale Sicherheit erklärt.

Doch immer wieder kommt sie zurück zu sich selbst. Denn trotz der Jahrzehnte im Rampenlicht ist kaum eine Persönlichkeit Amerikas bis heute so unbekannt und so – absichtlich – missverstanden. Machthungrig, selbstlos, biestig, liebevoll, korrupt, ehrenwert, verlogen, ehrlich, zu links, zu rechts: Clinton ist ein Zerrbild, eine Kollektion von Klischees, auf das Freunde wie Feinde ihre eigenen Träume, Ängste und Verbitterungen projizieren.

«Meine Berufsbezeichnungen sagen euch nur, was ich getan habe», ruft sie. «Aber sie sagen euch nicht, warum.»

Besser war die Stimmung nie

Das war die Hauptaufgabe dieses Parteitags: Vier Tage lang beschworen die Redner «die Hillary, die ich kenne» – eine choreografierte Image-Kur, die sie zur Mutter Teresa blank schrubbte. Vier Tage lang zog die Partei eine Show ab, mit Politikern, Priestern, Polizisten, Aktivisten, Generälen und Megastars wie Meryl Streep und Katy Perry. Es war das perfekte Abbild ihrer Karriere zwischen Arkansas, zwischen Washington und Hollywood.

Den Rest jedoch muss sie nun selbst erledigen. Die Hillary, die ich bin: «To close the deal», sagen sie in Amerika dazu. Die Sache unter Dach und Fach bringen.

Am Ende schafft sie es, zumindest hier in der Halle. Die Stimmung ist so gut wie noch nie in ihrem Wahlkampf.

Die Frage ist, ob sich das übertragen lässt auf die kommenden Wochen und Monate, auf die es ankommt. Bei den Demokraten wird der Parteitag sicher eine gewisse Ent- und Geschlossenheit bewirken, selbst Sanders hat seinen versöhnenden Teil dazu beigetragen.

Aber ob das den Rest des Landes beeindruckt, ist fraglich. Dieser Wahlkampf dürfte noch viele Wendungen nehmen, dafür wird alleine schon Trump sorgen. Und je häufiger der es schafft, die traditionellen Regeln weiterhin ausser Kraft zu setzen, desto schwieriger wird es Clinton haben.

Das wird auch sie ahnen, selbst in ihrem Moment des Triumphs.

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28
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • leclerc 29.07.2016 12:55
    Highlight Highlight Arme amis, wahl zwischen pest und cholera
    30 13 Melden
    • mein Lieber 29.07.2016 13:29
      Highlight Highlight Ich habe den exakten Wortlaut gedacht =)
      10 9 Melden
    • Zarzis 29.07.2016 16:59
      Highlight Highlight An alle die immer, sorry für dieses harte Wort, Scheiss, raus lassen. Ist doch egal wer Präsident ist, ändern tut sich ja eh nichts, sind doch alles Marionetten!
      Leider kann eine Aussage fast nicht fälscher sein, und die die sie Aussprechen, merken es nicht mal!
      Aber gehen wir mal zur Fakten Lage.
      Vor der Wahl G.W.Bush - Al Gore, haben viele das auch gesagt. Will mir jemand ernsthaft sagen das Gore auch im Irak und Afghanistan Einmarschiert wäre?
      Carter - Reagan ? Hätte Carter auch den Neolieberalen Alptraum gestartet und 9mio. Arbeitsplätze Vernichtet?
      Bush Sen. - B. Clinton echt das selbe?
      20 5 Melden
    • kliby 29.07.2016 20:38
      Highlight Highlight Zarzis, Clinton hat den Einmarsch in den Irak unter Bush unterstützt. Scheint doch dasselbe zu sein.
      8 2 Melden
  • Zeit_Genosse 29.07.2016 12:41
    Highlight Highlight Startschuss auf beiden Seiten. Jetzt wird es wieder schmutzig. Die Medien freuts. Es ist aber Sache der US-Bürger ihre/n Präsidenten/in zu wählen.
    14 1 Melden
  • Soko von Soko & Klaas 29.07.2016 10:18
    Highlight Highlight Gut zu sehen, dass so langsam aber sicher die entscheidende Phase des Präsidentschaftsrennens beginnt und politische Inhalte, und nicht mehr Egos und Persönlichkeiten, die Oberhand im Abstimmungskampf gewinnen. Trumps Schwächen in sachpolitischen Fragen werden wohl in den nächsten Monaten gnadenlos aufgedeckt werden und Hillary so den Weg zur Präsidentschaft bahnen. Das kleinere Übel wird gewinnen.
    53 17 Melden
    • PuRpLE_KusH 29.07.2016 14:51
      Highlight Highlight "Das kleinere Übel" stimmt wahrscheinlich, aber vielleicht werden wir in 10-20 Jahren herausfinden, dass Hilary das grössere Übel war.
      16 16 Melden
  • Alex_Steiner 29.07.2016 09:02
    Highlight Highlight Was für ein Titel... Niemand liegt ihr zu Füssen. Die Leute müssen sich zwischen Ihr und Trump entscheiden - mehr ist es nicht.
    76 10 Melden
    • Beobachter24 29.07.2016 12:10
      Highlight Highlight Die Medien liegen ihr zu Füssen, nicht mehr und nicht weniger.
      30 2 Melden
    • PuRpLE_KusH 29.07.2016 14:52
      Highlight Highlight Die Medien stehen auch immer links in der heutigen Zeit.
      8 35 Melden
    • Alex_Steiner 29.07.2016 15:15
      Highlight Highlight @PuRpLE_KusH: Wären sie Links hätten sie Bernie unterstützt... nicht Hillary.
      30 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Eljham 29.07.2016 08:43
    Highlight Highlight Trump oder Clinton sind Präsidenten für das gutbetuchte 1% und die Wallstreet. Die Bevölkerung kann nur verlieren.
    97 29 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 29.07.2016 09:11
      Highlight Highlight Leider kein neues Erkenntnis zum amerikanischen politbordell...
      51 4 Melden
    • Moitié-Moitié 29.07.2016 09:43
      Highlight Highlight Die sollten eher darüber abstimmen, ob man nicht drei- anstatt zweimal wiedergewählt werden kann und in vier Jahren hätten wir vielleicht eine Auswahl, wo wenigstens eine der beiden Parteien nicht komplett daneben ist!
      21 12 Melden
    • Danyboy 29.07.2016 10:14
      Highlight Highlight Eljham: War denn das jemals anders? In den USA zählt seit jeher nur Eigenverantwortung und Schutz der Oberschicht. Ich finde es seltsam, wenn man jetzt so tut als sei das mit Trump/Clinton anders.
      20 3 Melden
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