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U.S. President Barack Obama addresses the United Nations General Assembly in the Manhattan borough of New York, U.S., September 20, 2016.  REUTERS/Mike Segar

Zeit, Bilanz zu ziehen: Barack Obama sprach zum letzten Mal vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Bild: MIKE SEGAR/REUTERS

Obamas Rede vor der UNO: Das Vermächtnis des Präsidenten

Es ist schon eine Art Abschied: Zum letzten Mal spricht Barack Obama vor der UNO. Sein grosser Auftritt ist auch ein Appell an die Welt, sich zusammenzureissen.

 Veit Medick



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen ist gemeinhin eine sehr ernste Veranstaltung, aber an diesem Dienstag gibt es einen kurzen Moment der Heiterkeit. Barack Obama steht am Podium, und der US-Präsident teilt eine Beobachtung, die er in seiner Amtszeit machte. «Viele Menschen glauben entweder, dass Washington an allen Problemen Schuld ist, oder dass Washington alle Probleme lösen muss», ruft er. «Und vielleicht glauben das auch in Washington zu viele.»

Das ist eine gute Umschreibung eines Dilemmas, in dem amerikanische Aussenpolitik seit jeher steckt, und ein passender Satz für eine Rede, die aus Obamas Sicht in vielerlei Hinsicht problematisch ist. Er spricht zum letzten Mal vor der UNO, in New York blicken bereits viele auf seine möglichen Nachfolger und pünktlich zum Ende seiner Amtszeit ist die Welt in grosser Unruhe. Für den Präsidenten ist das deshalb unangenehm, weil er sich fragen lassen muss, welchen Anteil er und seine Regierung daran eigentlich haben.

Nun sind Reden vor der UNO selten geprägt von Selbstkritik, und auch Obama macht da keine Ausnahme. Allenfalls peripher streift der US-Präsident die Tagespolitik, im Grossen und Ganzen ist es eine Rede über das Grosse und Ganze. Mehr Demokratie wagen, die Öffnung zulassen, die Vielfalt umarmen – das ist sein Appell.

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Hier siehst du einen Ausschnitt aus Obamas Rede im Original. Video: watson.ch

«Die Welt ist zu klein, als dass wir einfach eine Mauer bauen könnten, um uns vor den Folgen auf unsere Gesellschaften zu schützen», sagt er. Obama redet der Welt ins Gewissen, zum letzten Mal, wenn man so will, und es ist auch der Versuch, den versammelten Staatschefs zu signalisieren, dass Amerika alleine die globalen Probleme nicht lösen kann.

«Wir haben jetzt alle die Wahl»

Es ist ein feiner Auftritt, Obama kann solche Reden halten, in dem jeder seinen Platz und seine Funktion zu haben scheint. Sie passen zu ihm, jedenfalls hat es den Anschein. Hoffnung, Frieden, Dialog: Wer den Präsidenten reden hört, möchte selten widersprechen, aber natürlich wirken seine Auftritte auch ein wenig aus der Zeit gefallen, wenn man sie mit der Realität kontrastiert. Obama ahnt das. Er will deshalb auch die finsteren Kapitel dieser Zeit nicht verschweigen, den Vormarsch des Nationalismus, die Anziehungskraft fundamentalistischer Ideologien, die Kriege in Syrien und anderen Teilen der Erde. «Das ist das Paradox, das unsere Welt heutzutage charakterisiert», ruft er. «Wir haben jetzt alle die Wahl. Wir können den Weg nach vorne suchen, oder uns in eine gespaltene Welt zurückziehen.»

Obama, das fällt auf, gibt sich erneut als Anwalt der jüngeren Generation. Ihr Ruf nach mehr Teilhabe und Mitsprache könne nirgends mehr ignoriert werden, sagt der US-Präsident. Donald Trump erwähnt Obama nicht, aber mit jeder Silbe wird klar, wie sehr seine Präsidentschaft das komplette Gegenteil der Vorstellungen des Republikaners verkörpert. Obama dekonstruiert das Konzept des «starken Mannes», sagt, dass sämtliche Politiker, die sich als solche sähen, irgendwann vor dem Dilemma stünden, entweder ihre Bevölkerung dauerhaft unterdrücken oder aber äussere Feinde zum Sündenbock machen zu müssen. Sehr offensiv wirbt er für eine Lösung der Flüchtlingskrise und mahnt zu einer Politik der «offenen Herzen»: «Wir müssen uns vorstellen, wie es für uns und unsere Familien wäre, wenn das Unvorstellbare passiert.»

U.S. President Barack Obama and UN Secretary General Ban Ki-moon share a toast at a luncheon during the United Nations General Assembly at United Nations headquarters in New York City, U.S. September 20, 2016.  REUTERS/Lucas Jackson

Die Show stimmt: Obama gönnt sich in New York ein Schlückchen mit Ban Ki Moon.  Bild: LUCAS JACKSON/REUTERS

Obama zieht aussenpolitisch Bilanz

Verglichen mit dem Sound des amerikanischen Wahlkampfs sind diese Sätze äusserst wohltuend. Aber natürlich ist sein Auftritt auch eine elegante Lösung, seine eigene Bilanz möglichst vorteilhaft hineinweben zu können. Obama erwähnt den Ausgleich mit Kuba, den er angestossen hat. Er spricht über den Friedensvertrag in Kolumbien, in dem seine Regierung eine Rolle gespielt hat und erwähnt das Atom-Abkommen mit Iran, um zu belegen, wie viel Macht die Diplomatie haben kann. Tatsächlich hat der US-Präsident die amerikanische Aussenpolitik auf vielen Feldern verändert. Dazu gehört auch, dass Obama das Engagement der USA im Mittleren Osten zurückgefahren hat, nur ist noch längst nicht geklärt, wie weise das wirklich war.

Ein Drama nämlich wird besonders mit seiner Präsidentschaft verbunden bleiben: Der Bürgerkrieg in Syrien. Amerika, das muss sich Obama vorwerfen lassen, fehlte in dem so komplizierten Konflikt von Beginn an eine klare Strategie. Die US-Regierung ging stets von der Prämisse aus, sich nicht noch einmal so leichtfertig in einen Krieg zu begeben, wie einst im Irak, allerdings verhedderte sie sich dann in einer Mischung aus halbherzigem Engagement und diplomatischen Fehlern. Jetzt scheint der Konflikt völlig verfahren, die Aufkündigung des jüngsten Waffenstillstands und der tragische Angriff auf den UNO-Hilfskonvoi zeigen in aller Deutlichkeit, dass Obama einfach kein Fortschritt gelingen will.

Sehr konkret wird Obama beim Thema Syrien nicht. Im Hintergrund versucht sein Aussenminister, den Waffenstillstand und die militärische Abstimmung mit Russland noch irgendwie zu retten. Obama belässt es auch hier bei einem Appell an die Weltgemeinschaft. «In Syrien gibt es keinen militärischen Sieg zu gewinnen», ruft er. «Wir müssen den harten Weg der Diplomatie weiterverfolgen.»

Die besten Bilder von Barack Obama

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    Alle Leser-Kommentare
  • lilie 21.09.2016 11:20
    Highlight Highlight Ich bin ein grosser Fan von Obama. Ich wünschte mir, mehr Staatsmänner und -frauen hätten seinen Idealismus, seine Fairness, seine Menschlichkeit.

    Dass er nicht mehr erreicht hat in seinen zwei Amtszeiten, finde ich sehr schade. Trotzdem: Seine Stellung in der amerikanischen und in der Weltgeschichte wird sich erst in der Zukunft noch zeigen - und sie wird bedeutend sein, dessen bin ich sicher.

    3 5 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 22.09.2016 06:51
      Highlight Highlight Seine Menschlichkeit ist immer noch am tauchen hinter Gittern in Guantanamo. 🙄
      0 0 Melden
    • lilie 22.09.2016 10:40
      Highlight Highlight @The Destiny: Das liegt aber nicht an ihm. Ich habe ihm abgenommen, dass er Guatanamo schliessen will.
      1 0 Melden
  • Toerpe Zwerg 21.09.2016 10:33
    Highlight Highlight Wie sehr Obama fehlen wird, werden wir alle ab 2017 schmerzlich erfahren - unabhängig des Ausgangs der US Wahlen.
    3 5 Melden
  • Stachanowist 21.09.2016 00:46
    Highlight Highlight "Die Welt ist zu klein, als dass wir einfach eine Mauer bauen könnten, um uns vor den Folgen auf unsere Gesellschaften zu schützen".

    Obamas USA "schützen" sich bereits mit 930km Mauern & Zäunen an der mexikanischen Grenze. Das ist ca. 1/3 der US-Mex-Grenzlinie. Der Rest ist durch natürliche Hindernisse (Wüste) & sog. "virtual fences" gesichert, also Sensoren & Kameras der Grenzpolizei.

    Obama sollte den Abriss der 930km Grenzmauer und -zaun beantragen. Kann er sich nicht durchsetzen, muss er diese Bollwerke zumindest scharf verurteilen. Alles andere macht seine UNO-Rede zu purer Heuchlerei.
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    26 10 Melden
    • LeChef 21.09.2016 06:48
      Highlight Highlight Was ist denn so schlimm ander Mauer....?
      4 14 Melden
    • _kokolorix 21.09.2016 06:55
      Highlight Highlight Was du betreibst ist typischer Whataboutismus. Weil die USA nicht perfekt sind dürfen alle anderen sich nicht verbessern?
      Ein Antrag Obamas kann nur in einer Niederlage enden und von denen hat er bereits genug gesammelt. Obama kann all die Fehler welche G.W. Bush und vor ihm Bill Clinton gemacht haben nicht gegen ein republikanisches Parlament bereinigen
      22 6 Melden
    • LeChef 21.09.2016 08:49
      Highlight Highlight Wieso Ben? Ich sehe das Problem nicht.
      2 0 Melden
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