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US-Mexican journalist Jorge Ramos arrives arrives for the TIME 100 Gala in New York April 21, 2015.   REUTERS/Brendan McDermid

Der in Mexiko geborene Jorge Ramos hat sich als kritischer Journalist in den USA einen Namen gemacht. Bild: BRENDAN MCDERMID/REUTERS

«Donald Trump macht Rassismus in den USA wieder hoffähig»

Für viele Latinos in den USA ist Jorge Ramos ein Held. Der TV-Moderator legte sich bei einer Pressekonferenz mit dem Präsidentschaftskandidaten an, stritt mit ihm über die Einwanderer aus Mexiko. Hier erläutert Ramos, warum er den Republikaner für so gefährlich hält.

Veit Medick, Washington



Ein Artikel von

Spiegel Online

Jorge Ramos ist einiges gewohnt. Seit Jahren ist er der Starmoderator des spanischsprachigen TV-Senders Univision. Der 57-Jährige hatte sie alle vor der Kamera: Barack Obama, Bill Clinton, George W. Bush, und schon so manche Situation in seiner Karriere war brenzlig. Doch die Fehde mit Donald Trump ist auch für ihn etwas Besonderes.

Ramos ist in dieser Woche mit dem Präsidentschaftsbewerber der Republikaner massiv aneinandergeraten. Der Moderator wollte auf einer Pressekonferenz spontan eine Frage zum Einwanderungsplan Trumps stellen, doch der Milliardär schnitt ihm das Wort ab. «Geh zurück zu Univision», rief er Ramos entgegen – und liess ihn aus dem Saal werfen. Der Streit der beiden sorgt in den USA seit Tagen für Diskussionen. Im Interview mit Spiegel Online erklärt Ramos, warum Amerika aus seiner Sicht nicht mehr Amerika wäre, sollte Trump Präsident werden.

Mr Ramos, Donald Trump will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und sämtliche Einwanderer, die ohne Papiere in den USA leben, abschieben. Sie sind mit ihm deshalb massiv aneinandergeraten. Sind Sie gerade eher Aktivist als Journalist?
Ramos: Nein, ich bin und bleibe Journalist. Und ich stelle meine Fragen. Trump schlägt einen solch dramatischen Wechsel der Lebensweise hier in den USA vor, dass ich sage: Diesen Mann müssen wir herausfordern. Und er wird im Moment nicht genügend herausgefordert.

Republican presidential candidate Donald Trump spars with Univision reporter Jorge Ramos before his

Jorge Ramos (links) bietet Donald Trump die Stirn. Bild: BEN BREWER/REUTERS

«Ein gefährlicher Mann», «eine Art Diktator» – so haben Sie Trump in den vergangenen Wochen bezeichnet. Ist das nicht ein bisschen überzeichnet?
Entschuldigen Sie, aber Trump plant die grösste Massendeportation der jüngeren Geschichte. Er will elf Millionen Einwanderer ohne Papiere einfach wieder abschieben. Und zwar alle: Männer, Frauen, Kinder, Babys. Es wäre eine historische Menschenrechtsverletzung. Aber ganz abgesehen davon: Wie soll das gehen? Was würde das kosten? Und was wären die Konsequenzen? Auf keines dieser Details ist Trump bislang bereit einzugehen.

Realität dürfte sein Plan kaum werden – selbst Parteifreunde von ihm belächeln doch manchen seiner Vorschläge.
Ich belächle ihn nicht. Wenn ein Präsidentschaftskandidat eine Minderheit attackiert, ist das brandgefährlich. Er macht Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in den USA wieder hoffähig. In manchen Situationen muss man als Journalist eine ganz klare Haltung beweisen. Wenn es um Rassismus, Diskriminierung von Minderheiten oder Korruption geht, reicht Objektivität nicht mehr aus. Wenn Sie da keine Haltung beweisen, machen Sie Ihren Job als Journalist falsch.

DUBUQUE, IA - AUGUST 25:  Republican presidential candidate Donald Trump fields a question from Univision and Fusion anchor Jorge Ramos during a press conference held before his campaign event at the Grand River Center on August 25, 2015 in Dubuque, Iowa. Earlier in the press conference Trump had Ramos removed from the room when he failed to yield when Trump wanted to take a question from a different reporter. Trump leads most polls in the race for the Republican presidential nomination.  (Photo by Scott Olson/Getty Images) *** BESTPIX ***

Prompt wird er vom zornigen Multimillardär des Saales verwiesen. Bild: Getty Images North America

Viele Beobachter sagen, Trump werde niemals die republikanische Kandidatur bekommen. Inwiefern repräsentiert er mit seiner Haltung überhaupt die Partei?
Trump ist das Ergebnis republikanischer Denke. Die Ideen, die er jetzt äussert, sind alle schon mal geäussert worden in den letzten Jahren. Auch die Haltung seiner Konkurrenten unterscheidet sich von ihm so dramatisch nicht. Und von wegen, er verliere sowieso: Wir müssen ihn schon ernst nehmen. Sein Unterstützerkreis ist inzwischen riesig. Aus meiner Sicht kann er sehr wohl Kandidat und sogar Präsident werden. Amerika wäre dann aber nicht mehr das Amerika, das ich kenne.

«Anstatt alle wieder rauszuschmeissen, müssen wir Möglichkeiten finden, Einwanderer zu integrieren. Wir können sie doch schon logistisch gar nicht mehr abschieben.»

Sie kritisieren, dass er sich nicht auf Details einlässt. Aber ist nicht gerade der Grund für Trumps Popularität, dass er sich weigert, ausgeklügelte Strategien vorzulegen?
Trump ist vor allem deswegen so populär, weil er als der Anti-Politiker antritt. Und auf jede Frage gibt es nur eine Antwort – ihn selbst. Das ist natürlich sehr attraktiv für manche Leute, weil man leicht denken könnte: Der packt endlich alles an. Doch hier kommt der Journalismus ins Spiel: Wir müssen ihn auf Details festnageln. Dann entlarven wir ihn als Blender. Nehmen Sie die Grenzmauer zu Mexiko: Die würde rund 20 Milliarden Dollar kosten und wäre komplett unsinnig, da fast die Hälfte der illegalen Einwanderer ohnehin das Flugzeug nehmen. Zu solchen Statistiken sagt er einfach: Das glaube ich nicht.

Elf Millionen Einwanderer leben ohne Papiere in den USA, die Hälfte davon aus Mexiko. Auch im liberalen Lager sieht man Handlungsbedarf. Was würden Sie tun, wenn Sie in Sachen Einwanderung das Sagen hätten?
Die Lösung liegt doch seit Jahren auf der Hand: Anstatt alle wieder rauszuschmeissen, müssen wir Möglichkeiten finden, Einwanderer zu integrieren. Wir können sie doch schon logistisch gar nicht mehr abschieben. Sie brauchen eine Chance auf die Staatsbürgerschaft, einen Plan, um legal in den USA bleiben zu können. Dieser Ansatz hat unser Land gross gemacht, er gehört zu unserer DNA.

Auch in Deutschland wird derzeit heftig über ein Einwanderungssystem gestritten. Vielleicht haben Sie es mitbekommen: Zu uns kommen gerade Tausende Flüchtlinge.
Natürlich habe ich das mitbekommen. Es ist wirklich eine interessante Parallele. Für Deutschland wie für die USA gilt aus meiner Sicht: Die Grösse eines Landes bemisst sich nicht daran, wie es mit den Mächtigen umgeht. Die Grösse eines Landes bemisst sich daran, wie es mit den Machtlosen umgeht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Herr Lehmann 29.08.2015 16:14
    Highlight Highlight Das wäre als ob man um die Schweiz eine Mauer errichten würde und alle Asylanten ohne Job zurück nach Afrika schicken würde?
    2 4 Melden
    • Walter Sahli 29.08.2015 18:05
      Highlight Highlight Nein, Herr Lehmann, da haben Sie Einiges falsch verstanden, um es mal diplomatisch zu sagen. Dies entspricht zwar sicher einem feuchten SVP-Traum, aber es kommen bei Weitem nicht alle Asylbewerber ("Asylant" sagen nur respektlose Leute; auch das wieder sehr diplomatisch ausgedrückt) aus Afrika; es sind nicht alle Asylbewerber sans-papiers (das ist Französisch, Herr Lehmann...ja, eine unserer Landessprachen); die Mauerfreunde in der Schweiz sind idR. diejenigen, die nicht wollen, dass Asylbewerber arbeiten dürfen und zu guter Letzt handelt es sich bei den sog. illegalen Einwanderen aus Mexiko nicht um Asylbewerber sondern meist um Arbeitsmigranten, die sehr gerne ua. auch von Mauerfreunden zu Tiefstlöhnen angestellt werden. Sie sehen also, Herr Lehmann, Ihr Vergleich hinkt schlimmer, als ein einbeiniger Willy.
      11 3 Melden
  • Gudench Barblan 29.08.2015 12:49
    Highlight Highlight Ich weiss nicht, was mit der amerikanischen Bevölkerung los ist, aber eine solche Person würde in der Schweiz höchstens als Pausenclown gewählt!
    11 5 Melden
    • INVKR 29.08.2015 14:38
      Highlight Highlight Da bin ich mir nicht so sicher. Der unterscheidet sich in Ansichten und Auftreten gar nicht mal so sehr von gewissen SVP - Charakteren.
      5 2 Melden
  • Moelal 29.08.2015 11:51
    Highlight Highlight Es ist gut, dass dieser rassistische und sexistische Clown so Erfolg hat bei den Republikanern, damit sinken die Chancen, dass die Republikaner gewinnen - weil am Ende das Volk weniger dumm ist als Herr Trump meint.
    34 8 Melden
    • _kokolorix 29.08.2015 12:22
      Highlight Highlight So ähnlich wurde hierzulande über gewisse Initativen gedacht. Das Volk ist in erster Linie denkfaul. Einfache Lösungen, die von einem selbst nichts erfordern, sind immer verführerisch.
      37 10 Melden
    • Maria B. 29.08.2015 12:41
      Highlight Highlight Moelal : Die Reps könnten die Wahl vor allem aus dem Grund letztlich verlieren, weil Trump keinen Zweifel daran gelassen hat, dass er, falls ihn seine Partei nicht zum primären Kandidaten gegen Hillary Clinton kürt, er dann beabsichtige, als "selbständiger Einzelkandiat" am Wahlkampf teilzunehmen. Und wenn er das tatsächlich tun würde, dann schwächt er dadurch die Gewinnchancen seiner eigenen Partei, weil wohl ein gewisser Teil rechter Stimmen an ihn ginge, die dann folgerichtig für Reps verloren wären, was dementsprechend die Wahlchancen Clintons proportional erhöhen würde.
      12 0 Melden
  • Zeit_Genosse 29.08.2015 11:37
    Highlight Highlight Die zwei letzten Sätze von Jorge Ramos durch SPON aufgenommen haben es in sich.
    15 1 Melden
  • stadtzuercher 29.08.2015 11:29
    Highlight Highlight Nicht der einzige Milliardär, der in die Politik geht, gegen Minderheiten hetzt und Rassismus wieder salonfähig macht. Wir haben in der Schweiz auch so einen.
    55 14 Melden
    • Philipp 29.08.2015 12:16
      Highlight Highlight Deshalb bin ich froh, dass wir in der Schweiz ein politisches System haben, wie es ist. Eine Diktatur kann es bei uns zum Glück eigentlich nicht geben. Sonst hätte wohl der von @Stadtzürcher erwähnte Mann – ein ähnlicher Populär-Polderi wie Trump – es schon lange angestrebt.
      22 7 Melden
  • Crecas 29.08.2015 11:15
    Highlight Highlight Ich frag mich auch immer noch, was Trump genau ist - was der Plan und seine Möglichkeiten sind? Clown und Showman, der sich im gern im Rampenlicht sieht? Ernsthafter Kandidat? Sogar ernstzunehmender Kandidat? Ein möglicher Präsident?

    Ich tippe immer noch auf ein Strohfeuer der Republikaner, um die andere Kandidaten und die Partei moderat aussehen zu lassen, so dass sie eine Chance haben gegen den demokratischen Bewerber. Bei den letzten Vorwahlen musste Romney sich nämlich so extrem rechts positionieren, um intern eine Chance zu haben, um dann nachher gegen Obama plötzlich ganz andere Positionen zu vertreten. Dieses Flipflopping hat viele Stimmen gekostet.
    24 1 Melden
    • Philipp 29.08.2015 12:17
      Highlight Highlight Eine gute Überlegung!
      10 0 Melden
    • Walter Sahli 29.08.2015 14:25
      Highlight Highlight Ich fürchte auch, dass es diesen Trump nur gibt, damit J. Bush schlussendlich als valabler Kandidat dasteht. Und soll mir niemand sagen, dass J. Bush gaaanz anders sei, als sein Bruder und sein Vater.
      2 0 Melden
  • meili 29.08.2015 11:08
    Highlight Highlight Dieses Trumpeltier nervt mich langsam aber sicher.
    36 1 Melden

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