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epa07125302 US President Donald J. Trump speaks to the Future Farmers of America convention at the Banker's Life Fieldhouse in Indianapolis, Indiana, USA, 27 October 2018. Trump has been criss-crossing the country holding rallies ahead of the Mid-Term elections scheduled for 06 November.  EPA/JUSTIN CASTERLINE

Trump geht trotz des Pittsburgh-Attentats weiter auf Wahlkampftour.   Bild: EPA/EPA

Nach Pittsburgh-Massaker: Kritiker sagen, warum Trump an der Gewalt mitschuldig ist



Kurz vor den Kongresswahlen zur Amtshalbzeit von Donald Trump erleben die USA eine dramatische Eskalation der politischen Gewalt. Auf die an prominente Gegner des Präsidenten adressierten Briefbomben folgt am Samstag der Anschlag auf eine Synagoge mit elf Toten.

In der finalen Wahlkampfphase rückt damit die Debatte um die Ursachen der Hassverbrechen und Trumps Verantwortung für die Verrohung des politischen Klimas weiter in den Vordergrund.

Der Präsident selbst beklagt nach dem von einem mutmasslichen Judenhasser verübten Schusswaffenüberfall auf die Lebensbaum-Synagoge in Pittsburgh die vergiftete Stimmung im Land. Für den Antisemitismus und andere Formen des Hasses dürfe es «keine Toleranz» geben.

Anschlag auf Synagoge in Pittsburgh

Kurzzeitig überlegt Trump auch, eine Wahlkampfpause einzulegen – reist dann aber doch zu einer Versammlung im Bundesstaat Illinois. Dort streicht er dann trotz seiner Ankündigung, den «Ton» zu dämpfen, die aggressive Rhetorik keineswegs komplett aus seinem Repertoire. Seine Kritiker bezeichnet er etwa als «sehr dumme Leute».

Anschlag auf Synagoge: Opfer zwischen 54 und 97 Jahre alt

Die Polizei hat neue Details zum Massaker bekannt gegeben. Die Opfer waren nach Behördenangaben zwischen 54 und 97 Jahre alt. Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um den 46-jährigen Robert Bowers aus Pittsburgh. Bowers habe in dem jüdischen Gotteshaus in Pittsburgh «Äusserungen zu einem Genozid» getätigt, sagte Scott Brady, Staatsanwalt für den Westen des Bundesstaats Pennsylvania, am Sonntag. Sein Plan sei es gewesen, «Juden zu töten».

Ausserhalb des Trump-Lagers mehren sich derweil die Stimmen, die in den Gewalttaten die Früchte eines Zorns sehen, den auch der Präsident mit seiner diffamierenden Rhetorik angeheizt hat.

Unter Trump herrsche ein Klima, «in dem die Gefühle weisser Nationalisten und anderer Hassgruppen nicht mehr unterdrückt werden», schreibt etwa Karen Tumulty, eine Kolumnistin der «Washington Post». Trump sei der «Hauptverantwortliche» für das Klima, das solche Taten hervorbringe, konstatiert auch David Rothkopf, ein Ex-Regierungsmitarbeiter unter Präsident Bill Clinton, in der israelischen Zeitung «Haaretz».

In this Oct. 27, 2018 photo, Rabbi Eli Wilansky lights a candle after a mass shooting at Tree of Life  Synagogue in Pittsburgh's Squirrel Hill neighborhood. Robert Bowers, the suspect in Saturday's mass shooting, expressed hatred of Jews during the rampage and told officers afterward that Jews were committing genocide and he wanted them all to die, according to charging documents made public Sunday. (Steph Chambers/Pittsburgh Post-Gazette via AP)

Trauer vor der Synagoge in Pittsburgh.  Bild: AP/Pittsburgh Post-Gazette

Die Motivlage bei dem am Freitag gefassten mutmasslichen Briefbomber und dem direkt nach dem Blutbad in Pittsburgh festgenommenen Mann lässt sich aber nur sehr bedingt auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

Der 56-jährige Cesar Sayoc aus Florida, der die mindestens 13 Sprengsätze unter anderen an Hillary Clinton und Ex-Präsident Barack Obama versendet haben soll, ist offenkundig ein fanatischer Trump-Fan. Er nahm an Trump-Veranstaltungen teil, schüttete in Onlinenetzwerken seinen Hass auf dessen Gegner aus und kleisterte seinen Lieferwagen mit Pro-Trump-Aufklebern zu.

Synagogen-Attentäter kein Trump-Fan

Der mutmassliche Synagogen-Attentäter Robert Bowers scheint hingegen keineswegs ein Anhänger des Präsidenten zu sein. Über die Onlineplattform «Gab» soll er nicht nur antisemitische Hetze verbreitet haben – sondern auch Kritik an Trump. Der Präsident sei von Juden «umgeben», zitiert der Sender CNN eine Anmerkung des als Bowers identifizierten Autors.

Gemeint ist damit vermutlich unter anderen die Trump-Familie. Jared Kushner, der Schwiegersohn und Berater des Präsidenten, ist orthodoxer Jude. Seine Tochter Ivanka hat den Glauben ihres Mannes angenommen.

Andererseits hat Trump aber immer wieder Signale ausgesendet, die von der rechtsextremen Szene als Ermunterung verstanden werden konnten. Dazu gehört seine Skandal-Äusserung zum rechtsextremen Aufmarsch im Sommer 2017 in Charlottesville, unter den Teilnehmern seien «sehr feine Leute» gewesen.

Verstörende Parallelen

Rosie Villano, left, and Chai Smith, both Carnegie Mellon of Oakland, hold candles during an interfaith vigil outside of Sixth Presbyterian Church, Saturday, Oct, 27, 2018, in the Squirrel Hill section of Pittsburgh. (Alexandra Wimley/Pittsburgh Post-Gazette via AP)

Bild: AP/Pittsburgh Post-Gazette

Die Statistiken zeigen jedenfalls, dass seit Trumps Amtsantritt die politisch motivierten Delikte in den USA deutlich zugenommen haben. Nach Recherchen von Hochschulforschern stieg 2017 die Zahl der «Hassverbrechen» in den grössten Städten um 12 Prozent.

Die Zahl der spezifisch antisemitischen «Vorfälle» nahm laut der US-Organisation Anti-Defamation League zwischen 2016 und 2017 sprunghaft um 57 Prozent zu. Im Fall des Synagogen-Attentäters Bowers gibt es aber Indizien, dass ihn nicht nur Hass auf Juden, sondern auch auf Immigranten antrieb.

In seinen mutmasslichen Onlinebeiträgen wird gegen die jüdische Flüchtlingshilfsorganisation Hias agitiert und ihr vorgeworfen, den derzeitigen Flüchtlingstreck aus Zentralamerika zu finanzieren. Immigranten beschimpft der Autor als «Eindringlinge, die unsere Leute töten».

Es sind verstörende Parallelen zur Rhetorik des Präsidenten, der illegal Zugewanderte pauschal als Sicherheitsbedrohung verunglimpft – und den Flüchtlingsmarsch als «Angriff auf unser Land» angeprangert hat. (sda/afp)

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • banda69 29.10.2018 20:54
    Highlight Highlight Der ehemalige Trump-Strategiechef Steve Bannon, sagt: «Blocher war Trump, bevor Trump Trump war.»

    Die Schweiz - sprich die SVP - als Wiege des weltweiten Rechtspopulismus. Eine Doku der BBC.

    Ja, wer SVP wählt, wählt Trump.
    Eine Schande ist das.

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  • Sophia 29.10.2018 13:10
    Highlight Highlight Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder für seine Taten selbst verantwortlich ist. Keine Ideologie berechtigt zu Mord und Totschlag. Dass jedoch die Ideologie der Rechten: "Ich mache, was ich will!" solche Taten begünstigt, ist evident. Daher kann diese dumme und einfallslose rechte Ideologie der Narrenfreiheit niemals Richtschnur für das Zusammenleben der Menschen sein. Wir Menschen sind alle füreinander verantwortlich, und gerade das wird Mister Trump niemals begreifen. Rechte sind eben schon aus Vernunftsgründen nicht für's Regieren geeignet. Brasilien wird es ebenso wie die USA belegen!
  • banda69 28.10.2018 22:46
    Highlight Highlight Und immer daran denken:

    Wäre Trump Schweizer, wäre er in der SVP. Und ja. Wer SVP wählt, wählt Trump. Es sind Geschwister im Geiste und Tun. Und ja. Beide schaden dem gemeinen Volk.
    • AlainG 29.10.2018 00:27
      Highlight Highlight Dieser Vergleich hinkt

      https://m.derbund.ch/articles/5576f00e87da8b55f60223bf

      Trump ist nur das Resultat eines langjährigen anschwellenden politischen Konfliktes, welcher nur die im Verbogen schlummerten Ressetiments ggü Andersdenkenden ans Tageslicht brachte. Genährt wurde diese vorallem durch die immer extremeren/radikaleren Positionierungen der starken Parteien. Leider sieht man dieses Phänomen mittlerweile praktisch überall: gemässigte Linke od Rechte werden seltener und die Wählerschaft werden emotional durch die Hervorrufung von Ängsten auf perfider Art gegeneinander aufgewiegelt.
    • swisskiss 29.10.2018 09:27
      Highlight Highlight AlainG:Wertkonservatismus ist in den USA Voraussetzng um Präsident zu werden. Die demokratische Partei der USA, ist NICHT mit sozialdemokratischen Parteien Europas vergleichbar.

      Du machst bei Trump den wesentlichen Fehler, Ursache und Wirkung auf dieselbe Stufe zu stellen, als Radikalisierung zu bewerten und daraus den Fehlschluss zu ziehen, dass eine Radikalisierung im Inhalt, nicht in der Form stattgefunden hat.

      Wenn Demokraten Trump in seiner eigenen Art kritisieren, hat die Verrohung der Sprache keinen Einfluss auf den Kern der Aussage. Form und Inhalt nicht verwechseln und gleichsetzen!
    • Richu 29.10.2018 09:56
      Highlight Highlight @banda69: Dass du ein grosser SVP Hasser bist bestätigst du immer wieder mit deinen e-mails. Deine Aussage "Wer SVP wählt, wählt Trump" ist eine grosse Lüge. Aber auch Leute die laufend Unwahrheiten verbreiten werden mit grosser Wahrscheinlichkeit eines Tages bestraft!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Linus Luchs 28.10.2018 21:09
    Highlight Highlight Gedanken und Worte bereiten Taten vor. Trumps Gedanken und Worte sind immer wieder durchdrungen von hoher Aggression und totaler Respektlosigkeit. Er heizt vorsätzlich die Stimmung an und verschiebt die Hemmschwelle immer weiter nach unten. So ist er sehr wohl der Hauptgrund, weshalb politisch motivierte Gewalttaten in den USA zunehmen. Und auch über die US-Grenze hinaus hat seine Unbeherrschtheit eine gefährliche Vorbildfunktion.
  • Vanessa_2107 28.10.2018 19:48
    Highlight Highlight Ich frage mich wieweit Robert Mercer und seine Tochter Rebeccas Einstellung gegenüber Juden ist? Als wichtiger Geldgeber und Unterstützer Trumps hat er da sicher auch einiges zu sagen.
    • swisskiss 28.10.2018 21:52
      Highlight Highlight Vanessa_2107: Mercer mit seinem Kanal Breitbart und "Ziehsohn" Bannon vermeiden tunlichst dem Antizionismus und Antisemitismus Raum zu geben, da im Umfeld Trumps mit Carl Icahn, Jared Kushner, Jason Greenblatt, Steven Mnuchin wichtige jüdische Berater sind, mit Goldman Sachs der ehemalige Arbeitgeber von mehr als einem halben Dutzend Mitarbeitern von Trump ist, sondern weil auch in den streng religiösen Kreisen der rep.Partei , die Juden und Israel , als Freunde im Geist betrachtet werden.
    • Shlomo 29.10.2018 07:05
      Highlight Highlight @swisskiss: naja, die Evangelikalen in den USA sind nicht unbedingt die Freunde der Juden bzw Israel, sie treibt einfach der Glaube an, dass benn alle Juden in Israel sind Jesus zurückkehrt.
    • Vanessa_2107 29.10.2018 08:02
      Highlight Highlight @swisskiss - danke für die Erläuterungen
    Weitere Antworten anzeigen
  • iisebahnerin 28.10.2018 17:08
    Highlight Highlight Ausser Erschütterung und blankem Entsetzen bleibt mir nur eine Feststellung: Die Saat scheint aufzugehen.....
    Wo führt das bloss hin? 😱

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