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Dürre und die Folgen

In Kalifornien stehlen sie jetzt Wasser

Wasser ist in Industriestaaten meist reichlich vorhanden und wenig wert. Nicht so in Kalifornien: Dort hat die dramatische Dürre kriminelle Folgen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Drogen, Juwelen, schnelle Autos – üblicherweise sind es solche Luxusgüter, die in reichen Ländern Diebe anlocken. In Kalifornien aber bekommen Behörden derzeit einen Vorgeschmack darauf, was auch in anderen Regionen der USA und Europas im Zuge des Klimawandels geschehen könnte: Die seit Jahren anhaltende Dürre macht Wasser zu einem seltenen Gut, das zur illegalen Selbstbedienung einlädt.

In den vergangenen Monaten wurden diverse, teils skurrile Fälle bekannt:

Insbesondere in ländlichen Gebieten Nordkaliforniens ist illegaler Marihuana-Anbau eine der grossen Ursachen von Wasserdiebstahl. Milliarden Liter seien dafür aus nahe gelegenen Flüssen und Bächen abgezweigt worden, berichtete der TV-Sender PBS.

Der Wasserraub ist ein Symptom eines tiefergehenden Problems, das die Wasserversorgung Kaliforniens ernsthaft bedroht: Die Grundwasser-Entnahme wird nicht zentral dokumentiert, und sie ist kaum kontrollierbar.

In dem Bundesstaat gebe es fast 30'000 Besitzer von Wasserentnahme-Lizenzen, doch längst nicht alle hätten Wasserzähler installiert oder würden ihren Verbrauch vorschriftsgemäss melden, berichtete die Zeitung «The Fresno Bee». «Und der Bundesstaat hat keine Möglichkeit, selbst den Verbrauch zu messen.»

Im Zusammenspiel mit der biblischen Dürre, die den Südwesten der USA seit rund 14 Jahren im Griff hat, führt der Wildwuchs zu dramatischen Folgen: Die Grundwasserpegel sind stark gesunken, wie die Auswertung von Satellitendaten im Sommer 2014 zeigte. Die Region zehrt offenbar schon seit Jahren von ihren Reserven.

Gratis-Brauchwasser am Strassenrand

Das bekommen die Kalifornier inzwischen auch im Alltag zu spüren. So ist 17 Kommunen in Tulare Country in Zentralkalifornien schon im vergangenen Sommer das Wasser ausgegangen. Auf den Strassen von Städten wie East Porterville stehen bis heute grosse Tanks mit kostenlosem nicht-trinkbarem Wasser, damit die Bewohner von Häusern mit ausgetrockneten Brunnen ihre Duschen und Toiletten benutzen können. Freiwillige fahren mit Trucks umher und beliefern ihre Nachbarn mit Trinkwasser in Flaschen.



Auch Landwirte blicken bang in die Zukunft. Im zentralen Tal Kaliforniens wird auf einer Fläche von rund 80 mal 700 Kilometern das meiste Obst und Gemüse in den USA produziert. 80 Prozent aller Mandeln der Welt kommen aus dem Central Valley. Mehr als 40 Milliarden Dollar bringt der Verkauf der Agrarprodukte aus dem «Golden State» jährlich ein. Das gelingt schon jetzt nur mit künstlicher Bewässerung, die durch die Dürre massiv zugenommen hat – was die Grundwasserpegel weiter sinken lässt.

Besitzer ausgetrockneter Brunnen greifen deshalb gern woanders zu, auch wenn es nicht erlaubt ist. Bisher wurde das in den meisten Teilen Kaliforniens nicht oder nur sehr milde bestraft. Doch das könnte sich bald ändern. Der regionale Wasserversorger East Bay Municipal Utility District (EBMUD) etwa will laut einem Zeitungsbericht demnächst darüber beraten, Wasserdiebe härter zu bestrafen als bisher. In Fresno müssen Ersttäter mit einem Bussgeld von 500 Dollar rechnen, im Wiederholungsfall kann das Doppelte fällig werden.

Laut Jennifer Persike, Sprecherin der California Association of Water Agencies, könnte der Wasserdiebstahl im Frühling und Sommer noch ansteigen, wenn sich die Versorgungslage voraussichtlich weiter verschlechtert.

Als Reaktion auf Wasserdiebstahl trifft man bei EBMUD auch Vorsorge. Die Behörde hat kürzlich mehr als 1100 Wasserzähler, die im Lauf des vergangenen Jahres aufgebrochen wurden, mit Schlössern versehen. Zum Vergleich: 2013 waren nur 842 Zähler geknackt worden. «Wenn sich herumspricht, dass ein erhebliches Bussgeld droht», sagt EBMUD-Direktorin Marguerite Young, «werden die Leute weniger schnell Wasser klauen.»

mbe/AP

Cantareira - Wasserreservoir für 6,5 Millionen Menschen in Sao Paulo, Brasilien.

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    Alle Leser-Kommentare
  • sebjseb 25.02.2015 14:27
    Highlight Highlight Mich würde es nicht wundern, wenn die Bevölkerung in ein paar Jahren IHR Wasser mit Waffengewalt verteidigen. Die unglaubliche Macht- und Profitgier so mancher Konzerne(darunter auch ein großer Nahrungsmittelkonzern aus der Schweiz), die sogar mit behördlichem Segen das Grundwasser ausbeuten und teuer in Flaschen an das Volk verkaufen, wird früher oder später zum Aufstand führen. Pure Life? Pure stupidity!
    15 0 Melden

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