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House of Chaos – diese spektakulären Abgänge drohen Trump als nächstes

Erst Hope Hicks, jetzt Gary Cohn: Personalquerelen und Machtkämpfe lähmen Donald Trumps Regierung. Weitere spektakuläre Abgänge könnten bald folgen.

Roland Nelles, Washington



President Donald Trump walks to the Oval Office after the National Prayer Breakfast, Thursday, Feb. 8, 2018, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)

Einer nach dem Andern verlässt Trump oder wird entlassen. Bild: AP/AP

Ein Artikel von

Spiegel Online

Es war wieder einmal einer der bizarren Momente dieser Präsidentschaft. Donald Trump trat bei einem Dinner in Washington auf, er sollte eine kleine Rede halten. Doch schnell gerieten die Dinge ausser Kontrolle.

«Die Leute reden ja über die vielen personellen Abgänge im Weissen Haus», erklärte Trump laut Teilnehmern. «Ich finde das aber erfrischend, man will doch Veränderung. Ich liebe Chaos.» Und dann drehte er sich zu seiner Gattin um und schob noch einen echten Trump-Spruch hinterher: «Wer wird wohl als Nächstes gehen: Melania?»

Trump hält das für witzig. Doch vielen Amerikanern ist das Lachen über solche Sprüche längst vergangen. Das Weisse Haus, einstmals stolzes Symbol für die Macht Amerikas, gleicht unter Trump einer Regierungszentrale in Auflösung. Interne Querelen und Intrigen lähmen die Abläufe fast wieder so wie zu Beginn seiner Präsidentschaft. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass wichtige Mitarbeiter kündigen oder gekündigt werden. Immer neue Affären und Streitigkeiten sorgen für Verdruss beim Wahlvolk.

Erst musste vor zwei Wochen der Trump-Vertraute Rob Porter seinen Posten räumen, weil er seine beiden Ex-Frauen geschlagen haben soll. Dann schmiss Trumps enge Mitarbeiterin Hope Hicks überraschend hin; sie hatte vor einem Ausschuss zugegeben, manchmal für Trump Notlügen zu fabrizieren. Und nun verabschiedet sich auch noch der wichtige Wirtschaftsberater Gary Cohn.

epa06585897 Director of the National Economic Council Gary Cohn responds to a question from the news media during the White House daily briefing at the White House in Washington, DC, USA, 28 September 2017 (issued 06 March 2018). The White House top economic adviser, Gary Cohn, announced his resignation. Cohn clashed with President Trump on recent trade policies.  EPA/SHAWN THEW

Gary Cohn. Bild: EPA/EPA

Von einem geordneten Betrieb kann in dieser Regierung keine Rede mehr sein. Wäre das Weisse Haus eine Firma an der Börse, würde jeder rationale Mensch wohl spätestens jetzt alle ihre Aktien abstossen.

Der spektakuläre Abgang von Wirtschaftsberater Cohn im Zuge des Streits um Trumps geplante Strafzölle ist aktuell wohl die grösste Schlappe für den Präsidenten. Auch wenn Trump sich bemüht, den Rückzug des früheren Goldman-Sachs-Managers als ganz normalen Vorgang darzustellen, dürfte die Personalie vor allem in Amerikas Wirtschaftselite erhebliche Unruhe auslösen.

Donald Trumps Personalkarussell

Cohn galt vielen Unternehmensführern als die letzte Stimme der wirtschaftspolitischen Vernunft im Weissen Haus. Mit Macht kämpfte der Demokrat aus New York seit einem Jahr gegen die nationalistischen und protektionistischen Instinkte des Präsidenten an; für viele westliche Verbündete der USA, auch Deutschland, war er ein wichtiger Ansprechpartner in der Regierung. Cohn setzte auch einen Kontrapunkt zu anderen Beratern des Präsidenten wie Peter Navarro oder Wilbur Ross, die klar für einen protektionistischen Kurs eintreten.

Doch Cohn hat wohl schon seit einiger Zeit eine Gelegenheit zum Absprung gesucht. Zuletzt soll er mit Trump noch darüber verhandelt haben, den glücklosen Stabschef John Kelly zu ersetzen. Aber dann kam es in der vorigen Woche zum Eklat: Gegen den ausdrücklichen Rat von Cohn, der erst in letzter Minute eingeweiht wurde, verkündete Trump seine Pläne für Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Peter Navarro und Wilbur Ross waren begeistert - und Cohn musste wohl erkennen, dass der Zeitpunkt zum Rückzug für ihn gekommen war.

FILE - In this Sept. 20, 2014 file photo, uniformed Secret Service officers walk along the fence on the North side of the White House in Washington. The Secret Service is boosting security outside the White House following an embarrassing security breach in which an intruder with a knife scaled the White House fence, dashed across the lawn and made it all the way inside before agents managed to stop him.   (AP Photo/Susan Walsh, File)

Bild: AP/AP

Mit dem Abgang von Cohn, Hicks und Porter stellt sich die Frage, welche einflussreichen Figuren es im Weissen Haus überhaupt noch gibt. So ist Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zwar weiterhin da, er gilt aber als angeschlagen, nachdem ihm in der vergangenen Woche die Ansicht von streng geheimen Dokumenten verboten worden war. Auch Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster ist angeblich bei Trump in Ungnade gefallen und auf dem Absprung: Er soll sich bereits nach einem Uni-Job umgehört haben.

Immer deutlicher wird, dass der tyrannisch-patriarchalische Management-Stil von Trump vielleicht in der Immobilienwirtschaft der Achtzigerjahre funktionierte, nicht aber in der Regierungszentrale des mächtigsten Landes der Erde. Hier produziert er nur eine einzige, sehr verderbliche Ware in Masse: schlechte Nachrichten. Aber Trump geniesst es ganz offensichtlich, Intrigen anzufachen und gegenüber Mitarbeitern Gunstbeweise zu erteilen und zu entziehen. So stellt er sicher, dass sich alles nur um ihn dreht. Dabei verschärft er aber das Chaos im Weissen Haus.

Zur Strafe ins Weisse Haus

Wenn etwas schiefläuft, gibt Trump am liebsten anderen die Schuld. Selbst Stabschef John Kelly, der im vergangenen Jahr gestartet war, um im Weissen Haus für Ordnung zu sorgen, gilt inzwischen als angezählt. Trump soll mit ihm unzufrieden sein, macht ihn für das allgemeine Durcheinander verantwortlich, raunt es in Washington. Der Präsident soll laut CNN sogar seinen früheren Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci dazu angestachelt haben, in TV-Interviews über Kelly herzuziehen. Kelly selbst erklärte jüngst halb im Scherz, halb im Ernst, Gott habe ihn mit der Versetzung ins Weisse Haus wohl «bestrafen wollen».

Trump tut derweil weiter so, als sei im Weissen Haus alles in bester Ordnung. Kurz bevor der Abgang von Cary Cohn am Dienstag öffentlich wurde, twitterte er, es sei doch ganz normal, dass ständig «Leute kommen und gehen».

Im Weissen Haus gebe es kein Chaos, sondern nur «eine grossartige Energie».

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lowend 07.03.2018 10:44
    Highlight Highlight Die zivilisierte Welt wartet nur auf einen Abgang; den von Trump!
    • TanookiStormtrooper 07.03.2018 11:39
      Highlight Highlight Und dann haben wir Mike Pence...
      User Image
    • D(r)ummer 07.03.2018 14:22
      Highlight Highlight "Lieber" Trump als Pence.
      Pence glaubt ja (hoffentlich haben es ihm die NASA-Leute inzwischen ausgeredet), dass die Erde 6'000 Jahre alt ist.
      User Image
  • roger.schmid 07.03.2018 10:15
    Highlight Highlight Die Ratten verlassen das sinkende Schiff..
    • Brett-vorm-Kopf 07.03.2018 10:39
      Highlight Highlight Auch das ist ein ganz normaler Vorgang... würde Trump dazu sagen :-)
    • Tomjumper 07.03.2018 12:36
      Highlight Highlight Hauptsache die Band(GOP) spielt weiter bis zum Untergang.

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