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Terror-Hype und Islamophobie: Amerikas Hassprediger drehen auf – und das weckt böse Erinnerungen

Europas Terror ist für die Amerikaner weit weg. Trotzdem hetzen Demagogen wie Donald Trump immer lauter gegen Muslime und Flüchtlinge. Die historischen Parallelen sind beklemmend – doch die Parolen kommen an.

Marc Pitzke, New York



Ein Artikel von

Spiegel Online
U.S. Republican presidential candidate Donald Trump speaks to supporters at an event at the Myrtle Beach Convention Center in Myrtle Beach, South Carolina, November 24, 2015.  REUTERS/Randall Hill

Bild: RANDALL HILL/REUTERS

Donald Trump ist nicht zu bremsen. Scheinbar unangreifbar, auf jeden Fall aber unbeirrbar, versteigt sich der US-Präsidentschaftskandidat zu immer wahnwitzigeren Aussagen.

Seit den Anschlägen von Paris hetzt der US-Republikaner am liebsten gegen Muslime: «Abertausende» hätten am 11. September 2001 von New Jersey aus den Einsturz der Twin Towers «bejubelt» – ein altes, widerlegtes islamophobisches Märchen. Doch für Trump ist das egal, er legte sogar noch mehrmals nach und behauptet: «Ich habe es gesehen.»

Alle US-Muslime seien also auch jetzt per se terrorverdächtig, sie müssten registriert, überwacht, notfalls sogar gekennzeichnet werden, so der Milliardär, der seine Kandidatur mit Hasstiraden auf Latino-Einwanderer begann. Womöglich werde man auch Moscheen schliessen müssen: «Dinge, die vor einem Jahr undenkbar waren.»

Undenkbar war in Wahrheit aber solch offene Hetze gegen eine ganze Religionsgruppe – in einem von Religionsflüchtlingen gegründeten Land, das sich die Religionsfreiheit selbst in die Verfassung schrieb.

«Rassistische Lügen», empört sich die «New York Times» – vergeblich. Denn Trump spricht aus, was viele denken. Die Anschläge von Paris und Mali haben in den USA eine heftige Gegenreaktion provoziert, die Stimmung kippt, nicht nur gegen Muslime. Sondern auch gegen alle Syrien-Flüchtlinge, die über Nacht von gesichtslosen Opfern zu gesichtslosen Tätern wurden – eine Entwicklung mit düsteren historischen Parallelen.

Denn Trumps eskalierende Xenophobie, auf Blogs, Twitter und in den TV-Newssendern rund um die Uhr wiedergekäut, trifft tief in die Seele Amerikas. «Donald Trump», warnt der Sozialforscher Randy Blazak betroffen, «ist das neue Gesicht der Rechtsextremen.» Will heissen: der Weissen, die sich bedroht sehen von Andersdenkenden, Andersaussehenden.

Übergriffe auf Muslime bis zum Psychoterror

Trump steht nicht alleine. Ted Cruz und Jeb Bush wollen nur noch «christliche» Flüchtlinge zulassen. Ben Carson vergleicht syrische Migranten mit tollwütigen Hunden. 30 US-Bundesstaaten sperren sich inzwischen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. David Bowers, ein Bürgermeister aus Virginia, will sie lieber internieren – wie die 127'000 Amerikaner japanischer Herkunft nach Pearl Harbor, ein schwarzes Kapitel der US-Geschichte.

In this photo taken Sept. 16, 2015, Republican presidential candidate, Sen. Ted Cruz, R-Texas, speaks during the Republican presidential debate at the Ronald Reagan Presidential Library and Museum in Simi Valley, Calif. When it comes to climate science, two out of three Democratic presidential candidates are A students, while most of their Republican counterparts are flunking, according to a panel of scientists who reviewed candidates’ comments. (AP Photo/Mark J. Terrill)

Ted Cruz.
Bild: Mark J. Terrill/AP/KEYSTONE

Im US-Repräsentantenhaus beschlossen 242 Republikaner und 47 Demokraten jetzt, den Flüchtlingszuzug praktisch unmöglich zu machen. Dabei dauert das Verfahren jetzt schon bis zu zwei Jahre, die die Antragsteller ausser Landes verbringen müssen – eher unpraktisch für Terroristen.

Viele Medien machen munter mit. Die Newssender verdicken Terror und diffuse Furcht zur «Breaking News»-Endlosschleife. CNN-Frau Carol Costello fragte Karen Majewski, die Bürgermeisterin von Hamtramck in Michigan, dessen Stadtrat mehrheitlich aus Muslimen besteht, ob sie keine «Angst» habe. 

Wiederholt sich die Geschichte?

Doch solche Fragen reflektieren die verdrehte Befindlichkeit der Nation. In einer Umfrage der Marktforscher von Gallup sprachen sich zuletzt 60 Prozent der Amerikaner gegen die Aufnahme von syrischen Flüchtlingen aus.

Nichts Neues, kommentierte das Institut dieses Ergebnis lakonisch. In der Tat stellte Gallup schon 1939, als antisemitische Hassprediger den Äther beherrschten, eine vergleichbare Frage. Da ging es um jüdische Kinder aus dem Dritten Reich. 67 Prozent lehnten deren Aufnahme ab: «Juden sind anders», so die Mehrheit. Ihr Zuzug solle «eingeschränkt werden.»

Insgesamt liessen die USA am Ende zwar rund 130'000 Juden zu, die vor dem Holocaust flohen. Doch erst nach langem Zögern – und Tragödien wie der Odyssee der «St. Louis»: Der deutsche Dampfer irrte 1939 mit 906 jüdischen Flüchtlingen an Bord über Kuba bis zur US-Küste, wurde dort aber abgewiesen und musste nach Europa zurückkehren. Mehr als 250 Passagiere wurden dort später ermordet.

Wiederholt sich die Geschichte? Die Republikaner lehnen den Vergleich mit dem Holocaust entschieden ab, und auch Trump weigerte sich neulich, diese Frage zu beantworten. Schaden dürften ihm seine Dauertiraden sicher nicht. Im Gegenteil: Trumps Popularität bleibt ungebrochen – und seine Chancen auf die Nominierung seiner Partei wachsen immer weiter.

Die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl

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    Alle Leser-Kommentare
  • ferox77 28.11.2015 11:25
    Highlight Highlight "alle Muslime in den USA in einer gesonderten Datei erfasst werden sollten"
    Überflüssig! Auf das Niveau muslimischer Staaten im Umgang mit Andersgläubigen sollten sich die USA in der Tat nicht begeben.
  • Linus Luchs 26.11.2015 17:59
    Highlight Highlight Trump, Cruz, Carson & Co. sind übel. Aber auch die Entwicklung in der Schweiz ist alarmierend. Ein Bundesratskandidat, den die SVP nominiert hat (Gobbi), ist vor ein paar Jahren mit rassistischen Ausrufen an einem Einhockeyspiel aufgefallen, ein anderer (Aeschi) inszenierte sich im Wahlkampfvideo mit dem sexistischen K.o.-Tropfenscherz. Christoph Mörgeli postete das „Arbeitskräfte-Foto“ auf Facebook. Roger Köppel präsentierte in der Weltwoche den ungarischen Autokraten Victor Orban als „Verteidiger Europas“. Diese SVP-Politiker und die Kandidaten der US-Republikaner sind sich sehr, sehr nahe.
  • UncleHuwi 26.11.2015 17:54
    Highlight Highlight zuerst überall mit grossem Geschütz auffahren und dann den Kopf & Schwanz einziehen...God save America...noooot
  • fuegy 26.11.2015 16:28
    Highlight Highlight Sorry für das platte Beispiel aber was der Film die Welle, so bin ich mir sicher, zeigt, ist in jedem Land eine Faschistische Übernahme möglich. Ob in der Schweiz, Europa, Russland, U.S.A, es spielt keine Rolle! Ob aus religiöser, politischer oder... Überzeugung, egal wie gut gebildet die Menschen sind, es ist möglich und kann jederzeit passieren! Leider scheint unsere Welt immer mehr zu Extremen zu verkommen. Ob es nun rechts oder links oder religiös ist spielt da keine grosse Rolle. Extremismus ist immer falsch!
  • thedarkproject 26.11.2015 16:27
    Highlight Highlight Wie kann man sich hier so empört geben, liebe Watson Community? Den Trump nimmt doch kein Mensch ernst. Sprecht doch mal mit US-Bürgern. Der wird nicht über die republikanischen Vorwahlen hinauskommen. Was aber noch trauriger ist: Die restlichen Kandidaten sind nicht besser geeignet für den Job. Im ernst jetzt, Hillary als Präsidentin? Haha, nice one. Der einzige, der etwas im Kopf zu haben scheint ist Bernie Sanders. Aber der wirds wohl leider nicht werden.
    • Mafi 26.11.2015 17:48
      Highlight Highlight Hitler wurde auch nicht ernst genommen. Am anfang. 15 Jahre später passierte die Kristallnacht.
  • Nivea Duschgel 26.11.2015 15:02
    Highlight Highlight Der europäische Faschismus ist Vergangenheit, der islamische Faschismus Gegenwart und der amerikanische Faschismus die Zukunft.
    Ernüchterndes Fazit: Der Mensch lernt nicht aus der Geschichte.
    • Nivea Duschgel 26.11.2015 15:55
      Highlight Highlight Ein Hoch auf die Menschheit. Kürzungen für das Bildungsbudget sind langfristig sicher erfolgreiche Massnahmen :-)
  • Pio_Kowski 26.11.2015 14:59
    Highlight Highlight Fox "News", die Republikaner und Co. haben mit mit ihrer Hetze und Polemik ein "Monster" beschwört. Trump ist nun das Resultat davon.
  • Louie König 26.11.2015 13:47
    Highlight Highlight Aufgrund von solchen Beispielen habe ich grosse Angst davor, wenn bei uns darüber gesprochen wird, dass man bei der Bildung sparen will. Wenn ein Präsidentschaftskandidat so offen Nazirhetorik anwenden kann und auf riesigen Zuspruch trifft, dann heisst das für mich, dass ein Grossteil der Bevölkerung entweder nicht weiss, was der Holocaust ist oder die Parallelen nicht sieht, was noch erschreckender wäre. Es bestätigt mir aber auch, dass die Anti-Rassismus Strafnorm wichtig und richtig ist. Was Trump hier aber betreibt ist öffentliche Hetze und sollte bestraft werden.
  • JudgeYello 26.11.2015 13:15
    Highlight Highlight Erschreckend, aber, liebes "watson": bitte bei den Fakten bleiben beim Zitieren von CNN – ihr habt das ziemlich eigenwillig ausgeschmückt: http://mediamatters.org/video/2015/11/23/cnns-costello-asks-michigan-mayor-if-she-is-afr/207035
  • Mafi 26.11.2015 13:08
    Highlight Highlight "Alle US-Muslime seien also auch jetzt per se terrorverdächtig, sie müssten registriert, überwacht, notfalls sogar gekennzeichnet werden,..."

    Trump, bitte. Das kommt nicht gut.
    Ich will es nicht, aber es erinnert mich einfach an die Juden vor dem/ im 2. WK.

    Das Problem ist, dass diese Mentalität tief in gewissen Teilen der Bevölkerung vertreten ist. Damit ist eine Voraussetzung für eine Wahl gegeben.

    Ich kann es nicht anders ausdrücken: Wie bei Hitler vor dem 2. WK. Ein Demokratisch gewählter Extremist. Autsch.
  • lilas 26.11.2015 13:03
    Highlight Highlight so ein übler Hassprediger...Dabei ist er doch ein Einwanderer wie der grösste Teil aller Amis.. "Liberty and justice for all" sieht aber anders aus
  • zombie woof 26.11.2015 12:43
    Highlight Highlight Und das aus einem Land, das von Flüchtlingen/Immigranten aufgebaut wurde! Naja, gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.

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