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Wegen Facebook-Chat nicht ins Land gelassen – Frau Schneider, Sie sind eine Staatsfeindin der USA?

Die Deutsche Aimee Schneider wollte nach dem Abitur Verwandte in Ohio besuchen, doch am Flughafen verhörten US-Beamte sie stundenlang, nahmen sie unter Eid und setzen sie ins Flugzeug zurück nach Deutschland – warum?

Bernd Kramer 



SAN FRANCISCO - JUNE 14:  U.S. immigration inspector Jimmy Mollison stands next to a screen displaying information on a new technological service known as DataShare at San Francisco International Airport June 14, 2002 in California. DataShare is the latest tool designed to bolster security at more than 300 ports of entry across the U.S. The new system enables inspectors to see biographical information and photographs of visa holders who receive their documents at consular posts around the world.  (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Bild: Getty Images North America

Ein Artikel von

Spiegel Online

Frau Schneider, Sie sind eine Staatsfeindin der USA?
Aimee Valentina Schneider: So kam ich mir zumindest vor, auf dem Flughafen von Philadelphia. Wie eine Schwerverbrecherin. Ich wollte nur umsteigen, aber dann wurde ich bei der Passkontrolle herausgefischt, mein Gepäck wurde durchsucht, ich wurde drei Stunden lang befragt, musste unter Eid aussagen und wurde anschliessend von zwei Polizisten zum Flugzeug zurück nach Frankfurt eskortiert.

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Durfte nicht rein in die USA: Aimee Schneider.

Was ist passiert?
Ich wollte nach dem Abitur für vier Monate meine Grosscousine in Cleveland besuchen, ein bisschen reisen, mein Englisch verbessern. Der Beamte in Philadelphia hat mich bei der Passkontrolle gefragt, was ich so lange in den USA wolle. Urlaub bei Verwandten, was sonst? Dafür hatte ich schliesslich ein Besuchervisum bekommen.

Das hat die Kontrolle nicht akzeptiert?
Nein. Ich wurde in einen separaten Raum zu einer Art Verhör gebeten, das ziemlich ruppig verlief. Wir könnten doch einmal von Frau zu Frau reden, sagte die Beamtin. Sie erkenne Lügen schon von Weitem. Vier Monate Urlaub, und dann noch in Cleveland, das macht doch keiner. Als ich dann von meiner Grosscousine und ihren Kindern erzählte, wurde sie plötzlich sehr hellhörig. Ich sollte mein Handy herausrücken und ihnen die Facebook-Nachrichten zwischen meiner Grosscousine und mir zeigen. Irgendwann vor der Reise hatte ich geschrieben, dass ich auch mal auf die Kinder aufpassen könne. Warum auch nicht? Ich gehöre zur Familie. Es war nie die Rede davon, dass ich Geld dafür bekommen sollte. Am Flughafen hiess es dann, ich wollte schwarz als Au-pair in den USA arbeiten. Ich galt plötzlich als illegale Arbeitsmigrantin.

Wenn man das Vernehmungsprotokoll liest, könnte man tatsächlich den Eindruck bekommen, Sie wollten zum Arbeiten kommen. Anscheinend ging es in der Facebook-Unterhaltung auch darum, ob Sie die Kinder einer Nachbarin und Kollegin hüten und von der Schule abholen können.
Wir haben darüber gesprochen, womit ich mich beschäftigen könnte, wenn meine Cousine auf der Arbeit ist. Ich wollte eine weitere Familie kennenlernen. Dass ich Geld dafür bekommen sollte, war nie geplant. Wir hatten nur grobe Pläne gemacht. Nichts davon stand fest. Was hätte ich den Grenzbeamten da erzählen sollen? Dass ich den ganzen Tag fernsehe? Bei dieser Vernehmung stand ich total unter Druck, mir wurden die Wörter im Munde umgedreht. Ich war schon fast 24 Stunden wach, zermürbt von der fremden Sprache und der ganzen Situation.

Konnten Sie niemanden zur Unterstützung holen bei diesem Gespräch?
Nein. Ich wollte meine Eltern anrufen, durfte das Handy aber nicht benutzen. Das deutsche Konsulat zu verständigen, würde nichts bringen, sagte man mir. Mein Handy bekam ich erst im Flugzeug zurück. Vor dem Start hatte ich genau fünf Minuten Zeit, um meinen Vater anzurufen.

Was machen Sie jetzt in Deutschland?
Ich verbringe die nächsten vier Monate mit Jobben. In die USA will ich erst einmal nicht. Noch einmal muss ich das nicht erleben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • henk 06.08.2015 02:58
    Highlight Highlight Jaja, nehmt doch den amerikanischen Staat in Schutz... Ich finde es einfach nur krank was die teilweise mit den Leuten abziehen! Ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich verpasste mal meinen Flug nach Hause obwohl ich 4 Stunden vor Abflug am Airport war, da mich die werten Zollbeamten an der Kontrolle festhielten
  • Sapere Aude 06.08.2015 02:00
    Highlight Highlight Die Geschichte und Kommentare dazu zeigen, wie unterschiedlich Informationen interpretierbar sind. Die Vorverurteilung und grundsätzliche Annahme, die Frau würde unter falschen Angaben einreisen finde ich bedenklich, da die vorhandenen Informationen auf verschiedene Szenarien schliessen lässt. Die Beweislast liegt bei einem Menschen, welcher erstens der dort gesprochenen Sprache nur teilweise mächtig ist und zweitens unter Schlafmangel leidet. Die Vorhandenen Informationen, ohne Gerichtsbeschluss erworben beweisen nicht zweifelsfrei die Schuld dieser Frau. Wenn wir beweisen müssen, dass wir unschuldig sind und nicht der Ankläger das wir schuldig sind, müssen wir und ernsthaft Gedanken über unser Rechtsverständnis machen.
  • pun 05.08.2015 20:12
    Highlight Highlight Das schockierendste finde ich jetzt, wie selbstverständlich die Grenzbeamten ihre privaten Facebooknachrichten lesen.
    • chandler 06.08.2015 07:48
      Highlight Highlight Ob die Aussagen wirklich wahr sind werden wir nie herausfinden, aber ich habe so meine Zweifel... ;-) Ich kenne so viele Leute welche die USA schon besucht haben, und x tausende reisen täglich ein und wieder aus. Aber dass jemand wieder zurück ins Flugzeug gesetzt wurde, das habe ich noch nie gehört. Jedenfalls nicht von Schweizern oder Deutschen. Von nichts kommt nichts...
    • pun 06.08.2015 08:21
      Highlight Highlight Ich komme grad aus den USA und hatte gar keine Probleme an der Grenze. Dass das Zurücksenden aber gelegentlich auch für Leute aus der ersten Welt vorkommt beweist diese Story von Heidi Happy:
      http://www.musikzeitung.ch/de/resonance/rock-und-pop/2013/03/heidi-happy-darf-nicht-in-die-USA.html
    • chandler 06.08.2015 12:55
      Highlight Highlight Ok danke, hatte ich nicht mitbekommen. Aber auch hier: von nichts kommt nichts. Nicht falsch verstehen, finde solche Geschichten und dieses Verhalten auch ein Witz, aber dass die nicht ganz Dicht sind, wissen wir ja alle ;-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Teslaner 05.08.2015 20:06
    Highlight Highlight Jajaja.. Illegal arbeiten wollen, auffliegen, und dann noch ein grosses Medientamtam daraus machen.. Haben wir alle gerne!
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 05.08.2015 19:56
    Highlight Highlight Danke für das Interview. Meiner Meinung trifft da eine unebscholtene Naivität, auf die abgebrühten, hochkomplezen Einwanderungsbehörden. Dass eine Grosscousine rechtlich nicht verwandt ist und die Situation von einem Au-pair nicht unterscheidbar ist, war der guten Frau Schneider nicht klar. Das Au-pair Brdingunen strikt sind, ist auch zum Schutz der Au-pairs....
  • dracului 05.08.2015 19:30
    Highlight Highlight Die Botschaft hört ich wohl, allein fehlt mir der Glaube. Vier Monate im "Outback" Cleveland nach dem Abi ohne Ausbildungs- und Reisepläne um einfach ein wenig unentgeltlich die Kinder zu hüten? Und als nächstes geht es jetzt zum Geldverdienen in Deutschland? Eventuell ist das Einzige, was ich der USA vorwerfen könnte ihre Menschenkenntnisse.

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