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An Syrian Democratic Forces (SDF) fighter stands near the rubble of a destroyed building, north of Raqqa city, Syria November 7, 2016. REUTERS/Rodi Said

Schlacht um das Herz des «IS»: Ein SDF-Kämpfer nördlich von Rakka. Bild: RODI SAID/REUTERS

Rakka – weshalb sich die USA ordentlich verzocken könnten

Rakka ist die Hochburg des sogenannten «Islamischen Staats» – nun rufen die «Syrischen Demokratischen Kräfte» zum Sturm. Doch der Konflikt zwischen der Türkei und den Kurden gefährdet den Vormarsch.

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Spiegel Online

Cihan Ehmed spricht nicht besonders gut Arabisch. Beim Lesen eines niedergeschriebenen Textes gerät sie mehrfach ins Stocken. Als sie spontan auf Nachfragen antworten soll, sucht sie oft mühsam nach Worten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn Arabisch ist nicht die Muttersprache der syrischen Kurdin.

Offenbar ist es dem Milizenbündnis «Syrische Demokratische Kräfte» (SDF) nicht gelungen, einen arabischen Muttersprachler zu finden, um den Start der Offensive auf Rakka, die inoffizielle Hauptstadt der Terrororganisation «Islamischer Staat» («IS»), zu verkünden. Ehmeds Sprachschwierigkeiten sind Ausdruck eines Problems für die Anti-«IS»-Koalition in Syrien: ihre Zusammensetzung.

Auf dem Papier sind die SDF ein Bündnis, in dem sich kurdische, sunnitisch-arabische, christlich-arabische und turkmenische Milizionäre zusammengeschlossen haben, um gegen den «IS» in Syrien zu kämpfen. Die USA, Grossbritannien und Frankreich unterstützen die SDF mit Waffenlieferungen und mehreren hundert Spezialkräften.

Die Türkei will keine Kurden in Rakka sehen

Doch mehr als ein Jahr nach der Gründung des Bündnisses sind in seinen Reihen noch immer kurdische Kämpfer in der Überzahl. Die Volksverteidigungseinheiten (YPG) bilden das Rückgrat der SDF. Zwar bemühen sich die USA seit Monaten, arabische Stammeskämpfer und andere «IS»-Gegner für das Militärbündnis zu gewinnen – allerdings spielen diese innerhalb der SDF allenfalls eine Nebenrolle. Die Pressekonferenz, auf der die kurdische YPG-Funktionärin Ehmed am Sonntag zum Sturm auf Rakka aufrief, ist dafür nur ein weiterer Beweis.

Für die USA und ihren Kampf gegen den «IS» ist das aus zwei Gründen ein Problem: Zum einen ist Rakka eine durch und durch arabische Stadt. Selbst wenn es gelingen sollte, den Ort am Euphrat einzunehmen und den «IS» zu vertreiben: Die meisten der 200'000 Einwohner von Rakka würden die kurdischen Eroberer wohl als Fremdherrscher betrachten, die keine gewachsene Verbindung zu den Menschen in der Stadt haben.

Zum anderen ist die Türkei über die führende Rolle der Kurden bei der Eroberung der «IS»-Hauptstadt erzürnt. Ankara betrachtet die YPG als Terrororganisation. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat mehrfach deutlich gemacht, dass seine Regierung nicht hinnehmen werde, dass die kurdischen Milizen Rakka erobern.

Die Zerschlagung des «IS» ist für Erdogan zweitrangig

Im Gegenteil: Ende Oktober kündigte Erdogan sogar an, seine Truppen wollten mit Hilfe verbündeter syrisch-arabischer Milizen Rakka im Alleingang einnehmen. Doch der Weg dahin ist weit: Derzeit stehen die türkischen Einheiten und ihre lokalen Alliierten noch immer vor der vom «IS» kontrollierten Stadt al-Bab rund 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Bis Rakka sind es von dort noch rund 200 Kilometer. Die SDF stehen hingegen mittlerweile in Ain Issa, nur knapp 50 Kilometer von der «IS»-Hauptstadt entfernt.

Die USA fürchten, dass die türkische Militäroffensive in Syrien die YPG dazu bewegen könnte, ihren Vormarsch auf Rakka sogar noch zu stoppen. Denn Erdogans vorrangiges Ziel ist es, ein zusammenhängendes kurdisches Autonomiegebiet im Norden Syriens entlang der Grenze zur Türkei zu verhindern. Die Zerschlagung des «IS» ist für Ankara nur sekundär. Die Kurden aber haben ihrerseits deutlich gemacht, dass sie für ihre Führungsrolle im Kampf gegen die Dschihadisten politisch belohnt werden wollen – mit einem quasi-unabhängigen Staat «Rojava» im Norden Syriens.

Es dürfte eine der schwierigsten aussenpolitischen Aufgaben der neuen US-Regierung werden, die gegensätzlichen Interessen der Kurden und Türken in Syrien irgendwie in Einklang zu bringen. Denn daran, dass die Eroberung Rakkas noch vor Ende von Barack Obamas Amtszeit am 20. Januar 2017 gelingt, glauben nicht einmal die kühnsten Optimisten.

Die USA handeln nach dem Prinzip Hoffnung

Die seit drei Wochen laufende Schlacht um Mossul zeigt, wie erbittert der «IS» Widerstand leistet. Und dort rücken gut ausgebildete Peschmerga, von Iran trainierte und finanzierte schiitische Milizen und die irakische Armee auf die Stadt vor. Gegen dieses Heer von mehr als 50'000 Mann nehmen sich die SDF aus wie eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die in einer Art Crashkurs für die Schlacht um Rakka trainiert wurde.

Die USA sind deshalb bemüht, die von den SDF geschürte Euphorie zu bremsen. Zunächst gehe es darum, einen Belagerungsring um die Stadt zu ziehen. «Allein diese Phase wird Monate dauern», sagte Joseph Dunford, Chef des US-Generalstabs.

Wenn dann der Sieg über den «IS» in greifbare Nähe rückt, werden sich auch genügend arabische Kämpfer den SDF anschliessen, die dann in Rakka einrücken und die Stadt nach der Befreiung kontrollieren, so das Kalkül des US-Militärs. Das klingt wie eine vage Hoffnung –  mehr nicht.

Die Tunnelmenschen vom «IS»

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • HansDampf_CH 08.11.2016 08:04
    Highlight Highlight Die größten Terroristen in der Region sind der Is und dann schon Erdogan, assad, Putin und Obama.
    • unejamardiani 08.11.2016 08:43
      Highlight Highlight Ja immer brav Obama nennen dafür gibt es immer schön Herzchen. Der grösste Terrorist in diesem Konflikt ist IS-Vater Erdogan, danach kommen alle anderen und irgendwann vielleicht einmal Obama der dazu verdammt ist immer an allem schuld zu sein. Greift er ein ist er ein Mörder etc blablabla greift er nicht ein ist er ein Angsthase der zivilisten dem Tod überlässt. Es währe schön wenn ihr euch mal für etwas entscheiden würdet. Solche konflikte lassen sich nicht mit Blumen und Tee trinken lösen so naiv könnt ihr nicht ernsthaft sein.
    • CanaBeatz 08.11.2016 09:55
      Highlight Highlight Da hast du aber noch einen player vergessen. Steht meiner meinung nach auf der terrorliste noch vor dem IS.
      Play Icon
    • D(r)ummer 08.11.2016 10:25
      Highlight Highlight Nun, laut Ben Hodges (bei Anne Will) wollten die US-Generäle um Himmels Willen nicht aus dem Irak abziehen. Da entstand nach dem Abzug das Vakuum. Darum G.W.Bush &(!) Obama, wobei natürlich auch noch andere schuld sind.
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 08.11.2016 07:14
    Highlight Highlight Wer ist denn in den Augen dieses Türkischen Régimes kein Terrorist?
    Ach ja richtig: Freund Wladimir (Putin der Schreckliche)...
    Bei einer solchen verschobenen Wahrnehmung wird es sehr schwierig werden!
    Denn aus der Perspektive Erdogans erscheinen die YPG-Kämpfer als schlimmere Gefahr als der IS!
    Alle, die heute gegen die Kurden sind, sind auch Freunde von Erdogan's AKP.
    Dabei waren die gleichen Kurden vor noch nicht allzu langer Zeit noch nützlich, als Erdogan die Kemalisten zurückdrängen konnte.
    Und jetzt ist ja Assad auch nicht mehr so schlimm, solange er den IS verschont...
    Zum Kotzen!
    • Posersalami 08.11.2016 18:12
      Highlight Highlight Putin und Erdogan sollen Kumpels sein? Niemals, das ist ein reines Zweckbündnis. Kumpels waren mal Erdogan und Assad, deren Familien waren befreundet und man hat sogar den Urlaub gemeinsam verbracht.

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