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Obamas Pakt mit den Kämpfern Irans: Das plant der US-Präsident im Irak

Der IS hat die Stadt Ramadi erobert – für Barack Obama ein Rückschlag. Doch seine Strategie im Irak will der US-Präsident nicht ändern. Er duldet sogar den Vormarsch von Milizen unter dem Einfluss Irans. Warum?

20.05.15, 12:46 20.05.15, 13:51

Sebastian Fischer, Washington



Ramadi: Flucht vor dem IS-Terror

Ein Artikel von

Manchmal hilft die beste Strategie nicht. Da macht die Wirklichkeit, was sie will. So ergeht es zurzeit Barack Obama: Die Eroberung der irakischen Grossstadt Ramadi von den Terrormilizen des «Islamischen Staats» (IS) bedeutet einen Rückschlag für die Anti-Terror-Allianz des US-Präsidenten, der Fall Ramadi illustriert den tiefen Graben zwischen Theorie und Wirklichkeit:

Obamas Strategie hingegen geht eigentlich so:

Nun aber ist der US-Präsident ausgerechnet auf Irans Schiiten-Milizen angewiesen. Eine Zwickmühle, der Obama nicht entgehen kann – ausser er würde eigene Bodentruppen schicken. Und das will er nicht.

Präsidentensprecher Josh Earnest müht sich, Strategie und Wirklichkeit doch noch überein zu bringen: «Rückschläge bedeuten nicht, dass man die Strategie verwirft.» Insgesamt betrachtet sei man schliesslich erfolgreich, habe etwa am Wochenende den IS-Anführer Abu Sayyaf ausgeschaltet.

Iraqi security forces defend their headquarters against attacks by Islamic State extremists in the eastern part of Ramadi in Anbar province, May 14, 2015. Islamic State militants raised their black flag over the provincial government compound in the city of Ramadi in western Iraq on Friday, a Reuters witness said. The insurgents attacked Ramadi overnight using six suicide car bombs to reach the city centre, where the Anbar governorate compound is located, police sources said. Picture taken May 14, 2015. REUTERS/Stringer

Bild: STRINGER/IRAQ/REUTERS

Und was die schiitischen Milizen angehe? Auch Sunniten würden an ihrer Seite kämpfen und stünden unter der Kontrolle der Regierung in Bagdad. Das sei entscheidend für Amerikas Luftunterstützung, so Earnest.

Fraglich jedoch, ob die Kontrolle durch Premier al-Abadi mehr ist als nur eine nominelle Kontrolle. Im Kampf gegen den IS ist Washington offenbar bereit, Kompromisse mit Blick auf die schiitischen Milizen einzugehen. Milizen übrigens, von denen einige vor wenigen Jahren auf Irans Geheiss noch gegen die US-Soldaten im Irak kämpften.

Daheim trifft Obama auf wachsende Opposition:

Was auffällt: In Amerikas erneuter Irak-Debatte stehen sich wieder jene gegenüber, die schon vor 13 Jahren über einen Waffengang im Zweistromland stritten.

Al-Nusra-Front erobert Stadt in Syrien

Obamas Lehre aus dem verfehlten Krieg von Vorgänger George W. Bush ist seine zurückhaltendere Politik heute. Man solle generell erst zielen, bevor man schiesse, sagte der Präsident kürzlich: So sei der Aufstieg des IS ein «direkter Auswuchs von al-Kaida im Irak, was wiederum ein Auswuchs unserer Invasion war».

Aber hat Obama womöglich zu lange gezielt? Hat er zu lange gezögert, etwa bei der Bewaffnung einstmals moderater syrischer Rebellen? Mag sein.

Graham, McCain und auch Präsidentschaftsanwärter Jeb Bush sehen das natürlich so. Und die IS-Schuldfrage ist für sie klar beantwortet: Obama war's. Aus ihrer Sicht hätte er die US-Truppen Ende 2011 nicht aus dem Irak abziehen dürfen. Erst das damals entstandene Vakuum habe die Dschihadisten gross gemacht.

Former Florida Gov. Jeb Bush delivers the keynote address at the Republican National Committee spring meeting Thursday, May 14, 2015, in Scottsdale, Ariz.  Bush has yet to officially declare his intentions on whether he will join the growing number of Republican candidates for the presidential election of 2016. (AP Photo/Ross D. Franklin)

Jeb Bush. Bild: Ross D. Franklin/AP/KEYSTONE

Wie brisant das Thema Irak in Amerika noch immer oder wieder ist, zeigte exemplarisch in der vergangenen Woche: Ganze vier Tage brauchte er, um klarzustellen, dass die Invasion im Jahr 2003 ein Fehler gewesen sei. Im Rückblick wohlgemerkt.

Dass dieser Krieg aber von Anfang an falsch war – das wollen Bush und Co. bis heute nicht akzeptieren. Wohl auch damit ist die Härte der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die Strategie in Syrien und im Irak zu erklären.

IS-Video aus Ramadi: Terrormiliz zeigt Geisterstadt

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 20.05.2015 14:34
    Highlight In Hollywood-Filmen, die die Wahrnehmungen in der westlichen Welt prägen, ist es einfach: man legt die Bad Guys um, Problem gelöst.
    Im Prinzip denken auch Islamisten so. Ihre Medien-Ästhetik knüpft hier an. Die bösartige Verrücktheit sitzt im Kopf und wächst dort oft unbemerkt. Das braucht aber einen Nährboden und das ist eine Ideologie. Der radikale Islam ist aber so alt wie der Islam selbst. Enthauptungen hat schon der Prophet selbst durchgeführt.
    Da der Westen mit seiner Präsenz in der islamischen Welt ständig einen Vorwand liefert für den Jihad, ist eine Lösung kaum in Sicht.
    2 0 Melden

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