International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04666788 New York City Police Officer Murphy marches in the St. Patrick's Day Parade in New York, New York, USA, 17 March 2015  EPA/PETER FOLEY

275 Polizisten sind bei «Thee Rant» angemeldet, wo es immer wieder menschenverachtend wird.  Bild: PETER FOLEY/EPA/KEYSTONE

«Sollte diesem Drittweltler den Kopf aufspalten» – New Yorker Cops lassen ihrem Rassismus im Internet freien Lauf

21.04.15, 10:49 21.04.15, 17:04


«Ghetto-Affe schlägt weisse Lehrerin» lautet der Titel eines Eintrags auf dem Forum Thee Rant. Wer den Beitrag und die vielen rassistischen Reaktionen zu der News-Story verfasst hat, weiss man nicht. Die User verstecken sich hinter Pseudonymen. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind alle aktive oder ehemalige Mitglieder des New York Police Department (NYPD).

«Thee Rant» wurde 1999 vom zurückgetretenen Cop Ed Polstein ins Leben gerufen, damals als persönliches Tagebuch, um «Dampf abzulassen». «Das ist mein Grundrecht», sagte er 2005 der New York Daily News. Heute hat das Forum 275 aktive User. Jedes neue Mitglied muss mit einer Ausweiskopie seine Zugehörigkeit zum NYPD beweisen.

Obwohl es auch gemässigte Stimmen gibt, ist der Ton rau, oftmals fremdenfeindlich und unter der Gürtellinie. Dunkelhäutige werden als «Affen» bezeichnet, auch «Wilde» ist ein Ausdruck, der immer wieder fällt. Ein User schreibt über einen Taxifahrer aus dem Nahen Osten: «Man sollte diesem Drittweltler den Kopf aufspalten.»

North Charleston police officer Michael Slager (R) is seen allegedly shooting 50-year-old Walter Scott in the back as he runs away, in this still image from video in North Charleston, South Carolina taken April 4, 2015.  Slager was charged with murder on April 7 after a video showed him shooting eight times at the back of Scott who was running away. North Charleston Mayor Keith Summey said state investigators decided to charge officer Slager, 33, with the murder of Scott after they viewed the video of the incident, which followed a traffic stop on Saturday morning. The FBI and U.S. Justice Department have begun a separate investigation. REUTERS/HANDOUT via Reuters  

ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. NO SALES. NO ARCHIVES. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.  REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE.

Ein Video zeigt, wie ein Polizist dem unbewaffneten Walter Scott in den Rücken schiesst. Bild: Reuters

Auch, was zum Fall des 50-jährigen Schwarzen Walter Scott, der von einem Polizisten kaltblütig in den Rücken geschossen wurde, geschrieben wurde, ist nicht schön zu lesen. Einer schrieb: «Ein Polizist darf doch einen flüchtigen Verbrecher erschiessen. Acht Kugeln in den Rücken. Gut geschossen, wenn ihr mich fragt.»

Zum Asthmatiker Eric Garner, der im Juli 2014 in New York nach einem illegalen Würgegriff eines Polizisten starb, schrieb ein User: «Eine bessere Schlagzeile wäre gewesen ‹widerspenstiger Fettsack bekommt, was er verdient, nachdem er sich Polizisten widersetzte›.»

Eric Garner

«I can't breathe»: Die letzten Worte von Eric Garner wurden zum Protest-Slogan gegen Polizeigewalt.

Die Chefetage kann nichts machen

Konsequenzen müssen die Cops und Ex-Cops wohl keine befürchten. Der Chefetage des New York Police Department (NYPD) sind die Hände gebunden: «Wir können die User nicht einfach so identifizieren», sagt der NYPD-Sprecher Stephen Davis zu Pro Publica

Er gibt zu, dass diese Äusserungen ein Problem sind und bezeichnet sie als «verstörend». Und fügt hinzu: «Es ist unglücklich, das all diese Aussagen unter dem Banner der freien Meinungsäusserung getan werden.»

Gemäss einer internen Regelung dürften sich NYPD-Beamte nicht in Blogs und Sozialen Medien äussern – ausser, es handelt sich um offizielle Online-Auftritte. Im Jahr 2012 wurden 17 Polizisten gemassregelt, weil sie sich auf Facebook rassistisch über eine Parade von amerikanischen Ureinwohnern geäussert hatten.

Wegen rassistischen Aussagen gefeuert

Auch in anderen Bundesstaaten wird zunehmend härter durchgegriffen. In St.Louis wurde ein Polizist entlassen, nachdem er rassistische Bemerkungen über die Ereignisse in Ferguson gepostet hatte. In San Francisco wurden acht Polizisten wegen rassistischen und homophoben SMS gefeuert.

Das NYPD steckt in einer Krise: Das zeigt sich auch in der Verachtung, die viele User von «Thee Rant» gegenüber dem New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio entgegenbringen. De Blasio gilt als Verräter, nachdem er öffentlich Demos unterstütz hat, die Polizeigewalt gegen Schwarze anprangerten. 

Polizisten gaben ihm daraufhin die eine Mitschuld an der Erschiessung zweier Polizisten. Ein Mann hatte im Dezember 2014 die Beamten Wenjian Liu und Rafael Ramos getötet – und seine Tat als Vergeltung für die Tötung unbewaffneter Schwarzer durch weisse Polizisten bezeichnet. (rey)

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • exeswiss 21.04.2015 23:55
    Highlight gerichtsbeschluss das der admin die benutzer IPs rausrücken muss, bei provider anfragen und schon hat man die wohnorte und namen der meisten. (gehe nicht davon aus das sich mehr als 10% mit proxy anmelden.)
    3 0 Melden
  • George Morel (1) 21.04.2015 17:26
    Highlight anonymous sollre die Webseite hacken und die Namen veröffentlichen!!!
    20 1 Melden
  • Kian. 21.04.2015 17:05
    Highlight als ob man die user nicht identifizieren könnte. Faule ausrede
    16 0 Melden
    • roger.schmid 21.04.2015 19:51
      Highlight Andererseits gut, dass die Öffentlichkeit sehen kann wie diese Cops wirklich denken. Sollte einigen die Augen öffnen..
      6 0 Melden

Schweizer Firmen spenden 1,7 Millionen an Trumps Partei

Tochterfirmen hiesiger Konzerne spenden bei den Zwischenwahlen für beide Parteien. Allein die Lobbygruppe der UBS hat im Wahlzyklus 2018 bis Ende September eine Million Dollar an amerikanische Politiker gespendet.

Die amerikanischen Gesetze sind eigentlich glasklar. Ausländische Personen, seien es Individuen oder Firmen, dürfen sich nicht finanziell im Wahlkampf engagieren. Wer gegen diese Auflage verstösst, gerät schnell ins Visier der Strafverfolgungsbehörden. Doch es gibt Schlupflöcher.

US-Tochtergesellschaften von ausländischen Konzernen etwa dürfen bei ihren Mitarbeitern Spenden einsammeln und an Politiker verteilen. Bedingung ist: Das Geld muss von US-Bürgern stammen. Und nur US-Bürger dürfen …

Artikel lesen