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Sarah Palin im US-Wahlkampf: Trumps Frau fürs Grobe

Sarah Palin ist wieder da: Die schrille Ex-Gouverneurin schlägt sich auf die Seite von Donald Trump. Für den Milliardär soll sie christliche Rechte mobilisieren. Nur: Kann sie das noch?

Veit Medick, Washington



U.S. Republican presidential candidate Donald Trump (R) thanks the crowd after receiving Former Alaska Gov. Sarah Palin's endorsement at a rally at Iowa State University in Ames, Iowa January 19, 2016. REUTERS/Mark Kauzlarich      TPX IMAGES OF THE DAY

Zusammen auf der Bühne: Trump und Palin.
Bild: MARK KAUZLARICH/REUTERS

Ein Artikel von

Spiegel Online

Kürzlich wurde Sarah Palin vom Sender CNN gefragt, welche Position sie in einer von Donald Trump geführten Regierung gerne besetzen würde. «Das ist eine gute Frage», erwiderte sie. «Ich denke viel über das Energieministerium nach, weil Energie ein bisschen mein Baby ist.» Die USA seien gesegnet mit Öl und Gas, hätten sich aber abhängig gemacht von ausländischen Importen. Palins Fazit: «Wenn ich dieses Ministerium führen würde, würde ich es gleich abschaffen.»

Dahinter steckte zwar wenig Logik, aber dennoch war es ein recht authentisches Statement der 52-Jährigen. Zur Politik hat die ehemalige Gouverneurin von Alaska seit jeher ein sehr eigenwilliges Verhältnis. Einst erklärte sie sich zur aussenpolitischen Expertin, weil sie Russland von ihrem Heimatstaat aus sehen könne. Sie glaubt, dass Jesus allen Amerikanern gerne Waffen verschaffen würde. Und Waterboarding hält sie weniger für eine Foltermethode als für eine angemessen Taufe von Terroristen. Der politische Kosmos der Sarah Palin ist reich an Kuriositäten.

Sie ist jetzt wieder voll da: Am Dienstag schlug sich Palin im Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber offiziell auf die Seite des Milliardärs Donald Trump. «Sie ist eine Freundin, die ich sehr respektiere», liess Trump wissen. «Das wird soooooo viel Spass machen», rief Palin.

Palins merkwürdiger Auftritt

In Iowa, wo in knapp zwei Wochen die ersten Vorwahlen stattfinden, folgte ein Auftritt, der wirkte wie Realsatire. Trump? «Er ist aus der Privatwirtschaft – kann ich ein Halleluja kriegen?» Seine Erfolge? «Er baut Sachen. Grosse Sachen. Sachen, die den Himmel berühren.» Trump als Präsident? Werde dem «Islamischen Staat» endlich «den Arsch versohlen». Und die Parteiführung der Republikaner? «Die kann nicht gerettet, sie muss attackiert werden!», rief Palin und schob als Begründung etwas nebulös hinterher: «Sie hat die politische Korrektheit wie einen Sprengstoffgürtel getragen.» Je länger sie sprach, desto mehr wirkte Trump, als frage er sich, was zur Hölle er sich da eingebrockt habe.

In voller Länge: Trump und Palin

abspielen

YouTube/Live Broadcasting 2016

Tatsächlich scheint ein bisschen rätselhaft, was Trump mit Palin eigentlich anfangen will. Sicher, die Aufmerksamkeit der Medien dürfte Trump für die kommenden 48 Stunden mal wieder monopolisiert haben. Und inhaltlich passen die beiden zweifelsohne recht gut zusammen. Beide halten nicht viel von ernsthafter Programmatik. Sie teilen die Welt fein säuberlich in Gut und Böse, begreifen Politik wie einen Action-Film, halten den Klimawandel für eine Erfindung von Hysterikern und stehen der etablierten Riege der Republikaner ähnlich feindlich gegenüber wie dem Präsidenten.

Der einzig grosse Unterschied: Trump steht mit diesem Ansatz gefühlt kurz vor einer Präsidentschaftskandidatur. Palin ist so weit ins politische Abseits abgedriftet, dass selbst Jeb Bush derzeit mehr Anhänger zu haben scheint als sie. Und das will wirklich etwas heissen.

Seit sie als Vizepräsidentschaftskandidatin an der Seite von John McCain 2008 die Wahl verlor, wurde sie von Jahr zu Jahr skurriler. Sie modelte sich zur Medienfigur. Sie schrieb ein Buch über die Frage, warum es für die USA von enormer Bedeutung sei, Jesus Christus als Teil von Weihnachten zu erhalten. Und in der Reality-TV-Show «Sarah Palin's Alaska» ging sie fischen, jagen und campen.

Kann Palin Trump irgendwie helfen? 

Als sie vor etwa einem Jahr bei einem wichtigen republikanischen Treffen in Iowa ans Rednerpult trat, hielt sie eine wirre Rede. «Sarah Palin rutscht ab in die Selbstparodie», kommentierte der konservative «National Review».

Was also will Trump mit Palin? Manche sagen, sie sei noch immer sehr gut vernetzt im rechten Teil der Partei. Vielleicht, so die These, könne sie noch ein paar Evangelikale mobilisieren, die ja so wichtig sind in Iowa. Und viele hatten sie eigentlich im Lager von Trumps derzeit stärkstem Rivalen Ted Cruz vermutet, dem Tea-Party-Liebling, dem sie einst half, in den Senat zu kommen. Für Cruz, so die Lesart einiger Beobachter in den US-Medien, könne sich der Seitenwechsel Palins als schwerer Schlag erweisen.

Mag alles sein. Aber wenn man sich Palin genauer anschaut und ihre Rede in Iowa als Blaupause nimmt für ihre Auftritte in den kommenden Wochen, so liegt ein anderer Grund dafür, dass Trump ihre Unterstützung suchte, fast näher: Neben ihr wirkt er wie ein seriöser Staatsmann.

Auch das will wirklich etwas heissen.

Dildos anstatt Waffen

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Baba 20.01.2016 13:21
    Highlight Highlight "Söihäfeli - Söideckeli", hätte hier mein längst verstorbenes Grosi wohl gemeint. Und recht hätte sie!
    Mich schüttelt's ob dieser Kombination, da zu befürchten ist, dass die Ultrarechten diesen beiden zum Erfolg verhelfen könnten...Wilder Westen reloaded 😨
  • Pupsi 20.01.2016 12:00
    Highlight Highlight eine kombination die ihres gleichen sucht.
  • zombie woof 20.01.2016 11:57
    Highlight Highlight Dieses Dream Team wird neue Tiefstpunkte setzen was das geistige, politische Niveau anbelangt. Die zwei werden uns menschliche Abgründe aufzeigen wie wir sie bis jetzt noch nicht kennen und dass das Ganze auch noch zum Amerikanischen Wahlkampf gehört, tja, was soll man da noch sagen?
  • Picker 20.01.2016 11:56
    Highlight Highlight Ja, Palin mit Trump machen mir ein wenig Angst. Damit könnte Trump mittels Ultra-Konsi- (Tea Party-) Stimmen wirkliche Chancen haben (wers nicht glaubt, sollte sich fragen, wie einer wie George W. zwei Amtszeiten/Wahlen schaffte).

    Am Ende werden die Amerikaner wohl nicht den Präsidenten bekommen, den sie dringend benötigen, aber denjenigen, den sie verdienen. Selber Schuld.
    • Tom Garret 20.01.2016 13:25
      Highlight Highlight Nein, denn die Ultra-Konsi wählen so oder so Trump. Im Gegenteil, Palin hat einen so schlechten politischen Ruf seit ihrer letzten Kandidatur als Vizepräsidentin dass sie Trump auf die Dauer mehr schaden wird.
  • m:k: 20.01.2016 11:16
    Highlight Highlight Eigentlich sollte es ja fast lustig sein, aber ich fühle mich richtig körperlich unwohl, wenn ich die beiden zusammen sehe. So viel Ignoranz gepaart mit Arroganz auf einer Bühne, ist praktisch nicht auszuhalten. Und das schlimmste ist, dass es auch noch Leute gibt die diesen zwei zujubeln.

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