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New Yorks Albtraum

Es ist der schlimmste Terrorschlag in New York seit 9/11: Ein Mann ist an Halloween mit einem Pick-up über einen belebten Radweg gefahren, acht Menschen kamen ums Leben. Lokalpolitiker mahnen zur Besonnenheit: «Wir bleiben unverzagt.»

Marc Pitzke, New York



Pick-up rammt in New York Passanten

Ein Artikel von

Spiegel Online

Manche hielten es erst für einen Halloween-Scherz. «Ich dachte, das sei Spass», sagte der 20-jährige Tawhid Kabir Xisan, von Reportern umringt. «Dann sah ich den Typen und seine zwei Waffen und merkte: Das ist ernst.»

Xisan, der aus Bangladesch kommt, lebt im New Yorker Stadtteil Queens, doch am Dienstagnachmittag war er in Manhattan unterwegs - und wurde zum unfreiwilligen Augenzeugen des Terrors: Ein Attentäter fuhr auf einem belebten Radweg am Hudson River mit einem Pick-up viele Menschen nieder. Acht Personen kamen ums Leben, mindestens elf weitere wurden verletzt, darunter offenbar eine Deutsche (hier lesen Sie einen Überblick über die bisher bekannten Fakten). Es ist der schlimmste Terrorschlag in der Stadt seit dem 11. September 2001.

Wie damals war es einer dieser klaren Tage, wie die New Yorker sie lieben. Doch in nur wenigen Minuten wurde er zum Tag des Terrors - und das, ob aus Zufall oder perfider Absicht, in Sichtweite der 9/11-Gedenkstätte, wo vor 16 Jahren fast 3000 Menschen starben.

Image

Bild: EPA/EPA

Es wurde ein Tag, so sagte es Gouverneur Mario Cuomo, der die Menschen in der Stadt daran erinnert, dass sie immer eine «Zielscheibe» bleiben werden für Terroristen und all jene, die New York hassen, dieses «Symbol von Freiheit und Demokratie».

Was in Manhattan passierte

Alles ging sehr schnell. Um 15.05 Uhr bog der weisse Pritschenwagen vom West Side Highway auf den Radweg ab, der mit breiten Pflanzenbanketten von der achtspurigen Uferstrasse getrennt ist. Dieser Radweg ist ein Stolz der Stadt, ein populäres Ziel für Einheimische wie Touristen, er führt um fast ganz Manhattan herum, inmitten des kilometerlangen Hudson River Parks mit Piers, Liegewiesen, Restaurants und Sportplätzen.

Das Fahrzeug trug das Logo einer Baumarktkette und war, wie an der Seite zu lesen, ab 19 Dollar zu mieten. Am Steuer sass ein Mann, dessen Namen die Behörden anfangs noch geheim hielten, um nicht einen Falschen zu nennen.

Polizeikreise identifizierten ihn jedoch schon bald darauf als Sayfullo Saipov, 29. Er wurde in Usbekistan geboren, 2010 kam er mit einer Green Card in die USA, lebe in Florida und New Jersey und habe den Wagen in New Jersey gemietet. Nach Medieninformationen sei er bereits vorher «auf dem Radarschirm» der US-Fahnder gewesen, doch es blieb unklar, weshalb.

Der 29-Jährige preschte auf Höhe der Houston Street auf den Radweg, dort, wo das West Village ins Shoppingviertel Soho übergeht. Über 1.5 Kilometer überfuhr oder rammte er Radler, Jogger, Skater, Fussgänger. Viele hörten den Wagen nicht, da er von hinten kam. Andere konnten sich retten, indem sie zur Seite sprangen.

An der Chambers Street, nach 20 Strassenblocks, stiess der Pick-up mit einem gelben Schulbus zusammen. Die Stuyvesant High School, wo der Unterricht gerade geendet hatte, liegt an dieser Stelle direkt an dem Radweg - und die Schüler strömten zu der Zeit nach draussen, viele in Halloween-Kostümen.

Der Wagen kam zum Stehen. Schräg gegenüber ragte das One World Trade Center in den knallblauen Himmel, zu seinen Füssen das 9/11-Memorial.

Der Fahrer sprang aus dem Truck, dessen Motorhaube zerschmettert war. Auf Handyvideos ist zu sehen, wie er mit zwei Waffen herumfuchtelte, die sich später als Luftpistolen entpuppten. Nach Angaben aus Polizeikreisen rief er «Allahu akbar» und lief über den Gehweg, bevor ein Polizist des nahen 1. Polizeireviers ihm in den Bauch schoss.

Rasch verbreiteten sich die Bilder: Tote unter Leichentüchern, blutende Verletzte, verbogene Fahrräder, Passanten unter Schock. Fünf Todesopfer waren nach Behördenangaben Touristen aus Argentinien, die ein Klassentreffen in New York verbracht hatten. Auch eine Frau aus Belgien starb.

Krankenwagen transportierten die Verwundeten ab, darunter zwei Kinder, die in dem Schulbus gesessen hatten, und den 29-Jährigen. Manhattans West Side wurde fast komplett gesperrt, Polizisten fluteten die Gegend, ein Bombenentschärfungskommando rückte sicherheitshalber an.

Gouverneur Cuomo, Bürgermeister Bill de Blasio, Polizeipräsident James O'Neill und der New Yorker FBI-Chef Bill Sweeney, ein altgedienter Terrorexperte, inspizierten den Tatort. Kurz darauf traten sie vor die Presse. «Dies ist ein sehr schmerzhafter Tag für unsere Stadt», sagte de Blasio. «Unsere Seele lässt sich niemals von einem Gewaltakt bewegen, von einem Terrorakt, der uns einschüchtern sollte. Wir wurden bereits früher einmal auf den Prüfstand gestellt, ganz in der Nähe der heutigen Tragödie. Wir werden darauf antworten, wie wir es immer tun. Wir bleiben unverzagt.»

Ähnlich klang das auch bei Cuomo: «Wir lassen sie nicht gewinnen. Wenn wir unser Leben ändern, gewinnen sie und wir verlieren.»

Einen Autoanschlag wie jetzt gab es in New York noch nie

Solche Worte sind hier fast zum Klischee geworden. Seit 9/11 ist New York City die bestgesicherte, am stärksten patrouillierte Metropole der USA. Die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und FBI in der Joint Terrorist Task Force (JTTF), einer 1100-köpfigen Spezialeinheit, gilt als vorbildlich.

«Doch die Herausforderung wächst dauernd», sagte New Yorks Ex-Polizeichef Bill Bratton im TV-Sender CNN. «Man kann vieles verhindern, aber nicht alles.»

Die letzten Anschläge in der Stadt ereigneten sich im September vorigen Jahres, als in Manhattan und in New Jersey mehrere Bomben 31 Menschen verletzten, der Täter bekannte sich als Qaida-Sympathisant. Ein ähnlich motivierter Terrorist zündete 2010 am Times Square eine Autobombe, die aber nicht explodierte. Einen Truck-Anschlag wie jetzt gab es in New York noch nie, den kannte man bisher nur aus Europa oder dem Nahen Osten.

Die Hintergründe des jüngsten Anschlags blieben zunächst ebenso offen wie eine mögliche Verbindung zu internationalem Terrorismus. Cuomo spricht von einem «Einzeltäter»: «Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Beweise, die eine breitere Verschwörung nahelegen.» In der Nacht meldeten mehrere US-Medien unter Berufung auf Polizeikreise, Saipov habe Notizen auf Arabisch hinterlassen, in dem er sich auf den «Islamischen Staat» (IS) berufen habe.

Präsident Donald Trump verlor keine Zeit, die noch laufenden Ermittlungen zu politisieren. «Wir dürfen nicht zulassen, dass der IS zurückkehrt und in unser Land kommt, nachdem wir ihn im Nahen Osten und anderswo besiegt haben», twitterte er schon kurz nach dem Anschlag. «Genug!»

Trumps kontroverses Einreiseverbot für mehrheitlich muslimische Staaten ist mehrmals vor Gericht gescheitert. In New York kamen solche Parolen immer schon schlecht an. Bis zu 800'000 Muslime leben in der Millionenstadt - und mehr als 1000 arbeiten als Polizisten.

Auch die traditionelle Halloween-Parade im Village fand am Dienstagabend wie geplant statt, unter starkem Polizeischutz. Cuomo und de Blasio marschierten demonstrativ mit, ohne Kostüme. Jenseits der Sixth Avenue erstrahlte das neue World Trade Center in den Nationalfarben Rot, Weiss, Blau.

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Peter (2) 01.11.2017 16:39
    Highlight Highlight Alles klar. In einem Land wo Waffen wie Süssigkeiten zu Halloween gekauft werden können, entschließt sich der Attentäter dazu, nach dem das Fahrzeug zum stehen gekommen ist, mit Luftpistole sein blutiges Werk zu vollenden.
    0 3 Melden
  • Sportfan 01.11.2017 14:07
    Highlight Highlight Es ist traurig, himmeltraurig was da passiert ist.

    Aber stellt euch nun einmal vor, dass jetzt der Präsident kommt und erklärt: "Was? Nur 8 Tote? Da habt ihr ja richtig Glück gehabt, schaut mal, was in Nizza passiert ist, das war ein realer Terroranschlag, nicht so wie hier!"

    Wer nicht weiss, was ich meine, soll mal "Nizza" durch "Costa Rica" und "Terroranschlag" durch "Sturm" ersetzen und er wird spüren, wie unglaublich nutz- und herzlos ein ganz wichtiger Mann dieser Welt ist.

    23 8 Melden
    • Stinkender Wookie 01.11.2017 14:54
      Highlight Highlight Du meinst wohl Puerto Rico und nicht Costa Rica
      14 1 Melden
    • Sportfan 01.11.2017 18:45
      Highlight Highlight Uups stimmt, Sorry und danke!
      3 1 Melden
  • Pana 01.11.2017 14:02
    Highlight Highlight Ein Terrorist mit Luftpistolen? Das klingt mMn eher nach einer Kurzschlussaktion, als ein lang vorbereiteter Terrorplan.
    15 7 Melden
  • highfish100 01.11.2017 13:59
    Highlight Highlight Nach dem Attentat in Las Vegas hiess es tagelang, es sei zu früh über Politik (Waffenverkäufe) zu sprechen.
    Hier geht es einige Stunden und Trump twittert schon wieder seine Massnahmen.

    18 4 Melden
  • RETO1 01.11.2017 12:40
    Highlight Highlight eine Einreisesperre hätte den Anschlag verhindern können, aber das will man ja nicht, lieber immer wieder viele Tote
    8 67 Melden
    • Sportfan 01.11.2017 13:53
      Highlight Highlight habe ich hier den "Ironie Off" Schalter übersehen, oder haben sie den Text nicht gelesen?

      Bin etwas fassungslos über solche Kommentare!
      29 4 Melden
    • EvilBetty 01.11.2017 13:56
      Highlight Highlight A) die Einreisesperre ist auf Trumps Mist gewachsen, der Täter aber schon vor sieben Jahren eingereist.

      B) Usbekistan ist nicht auf «der Liste». Also Niemanden mehr rein lassen?
      29 2 Melden
    • RETO1 01.11.2017 17:35
      Highlight Highlight @ was wäre so schlimm daran?
      b) Liste erweitern
      2 2 Melden
  • Randy Orton 01.11.2017 11:00
    Highlight Highlight Der erste Terroranschlag in Trumps Amtszeit? Und was war in Las Vegas?
    66 36 Melden
    • EvilBetty 01.11.2017 11:39
      Highlight Highlight Vegas war wohl eher ein Amoklauf.
      54 8 Melden
    • just sayin' 01.11.2017 13:42
      Highlight Highlight https://de.wikipedia.org/wiki/Terrorismus
      3 8 Melden
    • samy4me 01.11.2017 14:56
      Highlight Highlight &K3etsch, hast Du Links zu diesen Behauptungen mit dem zweiten Schützen in Vegas? Versteh mich nicht falsch, ich will Dir nicht unterstellen etwas falsches zu sagen, interessiert mich nur.
      4 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Watcher 01.11.2017 10:44
    Highlight Highlight Beim Überfliegen des Textes habe ich 9x das Wort "Terror" gezählt.
    Wie viele Muslimische Zivilisten wurden durch die USA getötet? Wer sind nun die Terroristen?
    36 110 Melden
    • Raembe 01.11.2017 11:55
      Highlight Highlight Krieg ist Krieg

      Terror ist Terror

      Unterschied steht bei Wikipedia
      71 13 Melden
    • Asmodeus 01.11.2017 12:37
      Highlight Highlight Terror ist der Krieg der Unterlegenen.


      Ein gutes Beispiel ist hier Star Wars.

      Das Imperium sind klar die bösen. Sie führen Kriege und Morden um ihre Agenda weiter zu treiben. Da kann man schon mal einen ganzen Planeten als Kollateralschaden nehmen wenn im universellen Spektrum dafür Frieden herrscht.

      Die Rebellen sind aus Sicht der Imperiums allerdings lediglich Terroristen die mit gezielten Anschlägen das Imperium schwächen wollen.

      Auf dem Todesstern lebten z.B. (gemäss expanded universe) ca. 1.2 Millionen Personen
      18 10 Melden
    • Asmodeus 01.11.2017 14:21
      Highlight Highlight Das Ziel eines Terroristen ist natürlich Terror, also Angst zu erzeugen.
      Sein primäres Ziel ist es nicht möglichst viele Menschen zu töten oder eine Regierung zu stoppen. Dazu fehlt ihm die Macht.

      Sein Ziel ist es Unsicherheit im System zu erzeugen, damit das System sich selbst behindert.

      Der IS ist damit erfolgreich. Unsere Rechte werden immer stärker beschnitten. Man führt Religionskriege gegen Minderheiten (Minarettverbot, Burkaverbot) und schürt den Hass dabei noch weiter.
      Dadurch werden IS und Co. stärker, da sie noch mehr Anhänger durch unsere Hilfe erhalten.
      10 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • facepalm 01.11.2017 09:53
    Highlight Highlight Heisst der Gouverneur nicht Andrew Cuomo?
    2 11 Melden
  • Asmodeus 01.11.2017 09:52
    Highlight Highlight "September 5, 2011 – Over 67 separate shootings take place in Manhattan, Queens, Brooklyn, and the Bronx during a particularly violent Labor Day weekend leaving 13 dead. One of the shootings took place just blocks from Mayor Bloomberg's residence and 8 police officers fired over 70 shots in the exchange, with two of them being injured in the shootout."
    "October 26, 2013 – Five people, including four children, are stabbed to death in an apartment in Borough Park, Brooklyn.[92]"

    So tragisch das nun klingt. Aber New York hat grössere Probleme als Terror.

    124 46 Melden
    • Watcher 01.11.2017 10:44
      Highlight Highlight Absolut
      24 17 Melden
    • scherom 01.11.2017 10:45
      Highlight Highlight weisser pritschenwagen...
      8 15 Melden
    • RETO1 01.11.2017 11:06
      Highlight Highlight was für ein Trost für die Angehörigen !!!
      alles alter Kaffee was du da bringst
      29 62 Melden
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