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Amerikas Schattenkrieger jagen «IS»-Anführer

Hubschrauber, Elite-Soldaten, Spionageflugzeuge: US-Präsident Barack Obama will die Terrorfürsten des «IS» von einer Spezialeinheit ausschalten lassen. Doch die Strategie gerät in die Kritik.

Roland Nelles, Washington



Ein Artikel von

Spiegel Online
FILE - In this  June 18, 2013, file photo, U.S. Marines monitor Eager Lion multinational military maneuvers in Quweira, south of Amman, Jordan. After months of delays and vetting, the training of Syrian rebels has started in Jordan as part of a broader effort to build a force capable of fighting Islamic State extremists, U.S. officials said Thursday. Jordan is the first of four training sites to begin the instruction. The others are in Saudi Arabia, Qatar and Turkey, and Turkish officials have been saying they expect the training there to begin this month. (AP Photo/Maya Alleruzzo, File)

Suche nach den Anführern des «IS»
Bild: Maya Alleruzzo/AP/KEYSTONE

Die amerikanische Hauptstadt Washington wird am Donnerstag praktisch abgeriegelt. US-Präsident Barack Obama versammelt Staats- und Regierungschefs aus 51 Ländern zum «Nuclear Security Summit».

Offiziell geht es um die Frage, wie die Verbreitung von Atomwaffen in der Welt verhindert werden kann. Doch bei der Konferenz dürfte gleichzeitig vor allem über ein Thema geredet werden: den Kampf gegen den sogenannten «Islamischen Staat» («IS»).

Obama will den «IS» in Syrien und im Irak bis zum Ende seiner Amtszeit zum Jahreswechsel weitgehend besiegen. Sein Nachfolger (oder seine Nachfolgerin) solle sich damit nicht herumärgern müssen, lässt er verbreiten. Deshalb will Obama die Konferenz auch nutzen, um nach den Anschlägen in Brüssel einmal mehr seine Entschlossenheit im Ringen mit den Terrorfürsten zu demonstrieren.

Auf Befehl von Obama intensivieren die Amerikaner seit Wochen den Kampf gegen den «IS» in Syrien und im Irak. Neben US-Luftschlägen in Zusammenarbeit mit irakischen und kurdischen Bodentruppen, spielt dabei mehr und mehr der Einsatz von Spezialkräften eine Rolle. Die Elite-Soldaten der US-Armee sind für sogenannte «Kill-or-Capture-Einsätze» zuständig. Das heisst: Sie töten oder fangen «IS»-Kader. Ziel ist es, die Führungsstruktur des Terrornetzwerks zu zerstören oder mindestens zu schwächen.

Offiziell halten sich das Weisse Haus und das Pentagon mit Informationen über diese «Schattenkrieger» zwar zurück. Doch weil Obamas Strategie im Kampf gegen den «IS» auch in den USA immer mehr in die Kritik gerät, bemüht sich die Regierung, die Erfolge der Spezialeinheiten hervorzuheben. In Washington sickern immer mehr Details über die jüngsten Einsätze durch. US-Verteidigungsminister Ashton Carter bestätigte, die US-Spezialkräfte würden nach und nach das gesamte «IS-Kabinett eliminieren». Nummer eins auf ihrer Most-Wanted-List ist Abu Bakr al-Baghdadi, der selbsternannte Kalif.

epa04482235 (FILE) A file frame from video released by the Islamic State (IS) purportedly shows the caliph of the self-proclaimed Islamic State, Abu Bakr al-Baghdadi, giving a speech in an unknown location. News reports said on 08 November 2014 airstrikes took place by the US on a gathering of Islamic State commanders near Mosul. The strikes destroyed a convoy of 10 armed trucks, Colonel Patrick Ryder, a spokesman for Central Command, reported. But Ryder could not confirm whether Islamic State leader Abu Bakr al-Baghdadi was among those present in the convoy.  EPA/ISLAMIC STATE VIDEO / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES *** Local Caption *** 51550521

Al-Baghdadi ist im Visier der USA.
Bild: EPA/ISLAMIC STATE FILE

Die neue Spezialeinheit firmiert unter dem Titel «Expeditionary Targeting Force» und besteht aus 200 Elite-Soldaten. Sie kommen überwiegend aus der Delta Force, einer Kommando-Truppe der US-Armee, die seit mehr als 30 Jahren auf Anti-Terror-Einsätze spezialisiert ist.

Die Operationen der Kämpfer in Syrien und im Irak laufen meist in etwa so ab wie jüngst der Einsatz gegen den «Finanzminister» des «IS», Abdul al-Kaduli.

Zunächst werden die Aufenthaltsorte von «IS»-Anführern ausgekundschaftet. Etwa mit Hilfe von Satelliten, Spionen am Boden oder Aufklärungsflugzeugen wie dem britischen Spezialflieger «Sentinel», der aus 400 Meilen Entfernung Telefongespräche abhören kann.

Die Delta-Force-Soldaten sollen bereits mehrere «IS»-Leute lebend gefasst haben. Auch im Fall Kaduli war wohl zunächst eine Festnahme geplant. Der zweitwichtigste Mann des Kalifats sollte in ein irakisches Gefängnis ausgeflogen werden, um ihn zu verhören. Die Amerikaner sind vor allem auf der Suche nach Informationen über geplante Anschläge oder den Aufenthaltsort anderer Terror-Chefs.

Nachdem Aufklärer Kadulis Fahrzeugkonvoi im «IS»-Gebiet identifiziert hatten, nahm laut CNN ein Delta-Force-Kommando in Hubschraubern die Verfolgung auf. Kampfjets überwachten die Aktion, um im Falle eines stärkeren Gefechts eingreifen zu können.

Unklar ist bislang, was dann geschah: Offenbar ging jedoch etwas schief. Denn statt Kaduli mitzunehmen und zu verhören, erschossen die Spezialkräfte den Mann, seine Begleiter wurden ebenfalls getötet.

Obama und seine Berater sind davon überzeugt, dass die Spezialkräfte im Einsatz gegen den «IS» extrem wirksam sind, weil man mit den Schlägen gegen die Chefs die Organisation insgesamt schwächen könne. Tatsächlich hat der «IS» wohl Schwierigkeiten, erfahrene Kräfte wie al-Kaduli zu ersetzen.

Man müsse gegen den «IS» kämpfen, aber man müsse dabei intelligent vorgehen, meint Obama. «Wir können nicht nur einfach irgendwo hingehen und etwas in die Luft jagen, nur um dann hinterher zu Hause sagen zu können: Wir haben etwas in die Luft gejagt.»

Auch wenn die Einsätze der Spezialkräfte in den USA grundsätzlich gutgeheissen werden, gibt es zunehmend Kritik an Obamas Gesamtstrategie. Kritikern reicht die Kombination aus Luftschlägen und Spezialtruppen nicht aus. Fast alle republikanischen Präsidentschaftskandidaten haben im Wahlkampf verkündet, sie würden weit härter als Obama gegen den «IS» vorgehen. John Kasich sprach sogar davon, 30'000 US-Soldaten nach Libyen zu schicken, um dort den «IS» zu bekämpfen.

Im Senat fordern die Republikaner John McCain und Lindsey Graham, dass mehr reguläre US-Bodentruppen zusammen mit Peschmerga-Kämpfern und Irakern gegen die «IS»-Hochburgen vorgehen sollten. Die US-Armee ist mit gut 3000 Soldaten im Irak vertreten, sie übernimmt hauptsächlich Berater- und Koordinierungsfunktionen.

Obama will dagegen an seinem Kurs festhalten. Das wird er wohl auch bei dem Treffen mit den 51 Staats- und Regierungschefs am Donnerstag in Washington deutlich machen. Denn, so lautet Obamas Mantra, ein «Plan B» im Kampf gegen den «IS» sei nicht erforderlich.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • kiawase 02.05.2016 19:36
    Highlight Highlight wie so haben eigentlich hier alle solche angst vor dem is. Es sind bei uns im strassenverkehr schon tausendmal mehr leute ermordet worden durch besoffene und alte leute
    2 0 Melden
  • HansPeterMeier----Patriot. 30.03.2016 16:51
    Highlight Highlight Wieso werden nicht einfach mal drei bis vier Atomraketen(Gemeinsam mit einer Zerstörungskraft die alles im Umkreis von 100km zerstört) ins IS gebiet geworfen?! Natürlich würden dabei einige unschuldige dabei umkommen das währe aber vertretbar für unsere Sicherheit !
    6 48 Melden
    • Lord_Mort 30.03.2016 16:58
      Highlight Highlight
      User Image
      43 2 Melden
    • MeQ 30.03.2016 17:06
      Highlight Highlight Wirklich eine geniale Idee¿ Sorry aber gehts Ihnen noch gut???
      27 3 Melden
    • SwissGTO 30.03.2016 19:13
      Highlight Highlight Damit unsere Flüchtlinge überhaupt nie mehr zurück geschafft werden können?
      6 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Matrixx 30.03.2016 12:36
    Highlight Highlight Ich hoffe, dass Obama das schafft.
    Um unser aller Willen. Denn sollte Trump Präsident werden und der IS steht bis dato noch... ich glaube nicht, dass ich das erleben will.
    70 3 Melden

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