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«Ich dachte, ich werde totgeprügelt»: Opfer von US-Polizeigewalt spricht über die Attacke und seine Todesangst

Auf einem Pferd floh Francis Pusok vor der Polizei in Südkalifornien, später wurde er von mehreren Beamten verprügelt, ein TV-Sender filmte den Vorfall. Jetzt hat Pusok in einem Interview über den Angriff gesprochen.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Francis Pusok hat noch immer ein blaues Auge, als er vor die TV-Kameras tritt. Gemeinsam mit seiner Freundin sprach der 30-Jährige mit dem US-Sender KNBC, es ging um seine Rolle als Opfer von Polizeigewalt: Pusok war vor wenigen Tagen von mehreren Beamten verfolgt und verprügelt worden. Ein Fernsehsender filmte die Szenen aus einem Hubschrauber: Wie die Polizisten Pusok mit einem Elektroschocker traktierten, Dutzende Male auf ihn eintraten, ihn mit den Fäusten schlugen und mit Gummiknüppeln auf ihn einhieben.

epa04699607 An undated handout picture made available by the US San Bernardino Sheriff's Department on 11 April 2015 shows a booking photo of suspect Francis Pusok at an unknown location in California, USA. Ten California deputies have been placed on paid administrative leave on 10 April 2015 after being filmed by a TV news helicopter while beating a suspect during his arrest. Pusok, 30, a suspect atop a stolen horse led the police on a chase over San Bernardino Valley on 09 April 2015. The suspect fell from the horse in rugged hills some 90 miles east of Los Angeles after a deputy hit him with a stun gun. Pusok was then being violently punched and kicked by the deputies. San Bernardino County Sheriff John McMahon said the video 'disturbed and troubled' him as it appeared to show an excessive use of force.  EPA/SAN BERNARDINO COUNTY SHERIFF'S DEPARTMENT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Auf dem Pferd geflüchtet und von 11 Sheriffs brutal verprügelt: Francis Pusok. Bild: EPA/SAN BERNARDINO COUNTY SHERIFF'S

«Ich dachte, ich werde totgeprügelt», sagte Pusok nun in dem Interview. «Ich habe mich gefragt, wann das bloss aufhört.» Auch vier Tage nach dem Vorfall spüre er noch deutlich die Folgen. «Die Prügel haben zwar aufgehört, aber die Schmerzen nicht. Ich kann die Schmerzen immer noch fühlen.»

Die Beamten in Apple Valley, 130 Kilometer von Los Angeles entfernt, wollten ursprünglich einen Durchsuchungsbeschluss wegen Ermittlungen zu einem Identitätsraub ausführen. Doch Pusok floh vor ihnen: Erst mit einem Auto, dann mit einem gestohlenen Pferd. Nach seiner Festnahme habe er keinen Widerstand mehr geleistet, sagte er nun. Doch die Polizisten hätten weiter auf ihn eingeprügelt. «Sie haben mich an jeder denkbaren Stelle geprügelt», selbst als sie ihm schon Handschellen angelegt hätten.

Seine Familie überlege, eine Klage einzureichen, sagte Pusok. Er selbst wolle jedoch kein Geld. «Ich will bloss Frieden. Ich will in Ruhe gelassen werden und mein Leben weiterführen.»

Keine Todesstrafe für Schüsse in den Rücken

Der Fall von Pusok sorgt in den USA auch deshalb für grosse Schlagzeilen, weil die Debatte um Polizeigewalt neu aufgeflammt ist. Vor rund einer Woche tauchte ein Video auf, in dem zu sehen ist, wie der weisse Polizist Michael S. dem Schwarzen Walter Scott von hinten mehrfach in den Rücken schiesst. Der 33-jährige Polizist ist wegen Mordes angeklagt – muss aber wohl nicht mit einer Todesstrafe rechnen, wie nun bekannt wurde.

Basierend auf den Fakten, die bislang vorlägen, sei die Todesstrafe nicht gerechtfertigt, da es keine gesetzlich festgelegten «erschwerenden Umstände» gäbe, sagte Scarlett Wilson, oberste Staatsanwältin von Charleston County. Bei einer Verurteilung droht S. eine lebenslange Haftstrafe.

S. muss sich zudem in einem weiteren Fall verantworten: Wie die New York Times berichtet, hat am vergangenen Freitag auch Julius Wilson Klage gegen S., gegen die Polizeidirektion und ihren Chef, sowie gegen die Stadt North Charleston eingereicht. Demnach wurde Wilson im vergangenen August nach einer Verkehrskontrolle von drei Polizisten mit einem Elektroschocker attackiert, darunter war demnach auch S. Der Guardian zitiert aus einer Pressekonferenz mit Wilson: S. und seine Kollegen seien «schlechte, korrupte Polizisten». (aar/AP/Reuters)

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