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Ein Pakistani mit seinem Sohn vor seinem Haus in einem Aussenbezirk von Islamabad. bild: keystone

Studie zeigt, was sich arme Leute leisten, wenn sie Geld geschenkt bekommen



«Was nützt es, armen Leuten Geld zu geben?! Sie kaufen damit eh nur Alkohol und Zigaretten!»

So lautet das gängige Urteil, wenn es um die finanzielle Unterstützung von Armen geht.

Eine neue Studie der World Bank und der Stanford University hat sich darum der Untersuchung dieses Vorurteils gewidmet. Anhand von Daten aus Afrika, Lateinamerika und Asien haben sie die Wirksamkeit von sogenannten Conditional und Unconditional Cash-Transfer-Programmen (CCT und UCT) untersucht. Das sind Wohlfahrtsprogramme vom Staat oder von Hilfswerken, bei denen Unterstützungsgelder an arme Familien ausgezahlt werden. Beim UCT ist der Verwendungszweck des Geldes nicht vorgegeben. Die CCTs werden hingegen an bestimmte Bedingungen geknüpft: Der Empfänger muss beispielsweise seine Kinder an einer öffentlichen Schule einschreiben oder gewisse Impfauflagen erfüllen.

In this April 12, 2016 photo, a boy who migrated from drought hit areas of the western Indian state of Maharashtra, carries water to his family's makeshift hut in Kukse Borivali, 85 kilometres (53 miles) north-east of Mumbai, India. Decades of groundwater abuse, populist water policies and poor monsoons have turned vast swaths of central and western India into a dust bowl, driving distressed farmers to suicide or menial day labor in the cities. (AP Photo/Rafiq Maqbool)

Ein indischer Junge trägt Wasser nach Hause, 85 Kilometer von Mumbai entfernt. Bild: AP

Kritiker solcher Sozialleistungen warnen davor, dass vor allem mit den bedingungslosen Geldtransfers nicht richtig umgegangen werde. Dass die Betroffenen sich damit einfach mit Alkohol und Zigaretten eindecken würden.

Doch die Meta-Analyse von David K. Evans und Anna Popova zeigt: Betroffene Familien lassen die Unterstützungsgelder vorrangig in die Bildung und Gesundheit ihrer Kinder fliessen.

Die beiden Studienleiter stützten sich bei ihrer Untersuchung auf 19 verschiedene Studien, die alle belegen, dass die finanziellen Zuschüsse in den untersuchten Haushalten keineswegs den Konsum von Tabak oder Alkohol erhöhen. Im Gegenteil. Es zeigte sich sogar, dass der Gesamteffekt der Geldtransfers auf den Konsum der genannten Genussmittel leicht negativ ist. 

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Ein Mädchen läuft durch eine verlassene Strasse von Agadez, Niger. bild: ap

Warum? Dafür haben Evans und Popova drei verschiedene Erklärungen:

  1. Die Geldtransfers sorgen dafür, dass die betroffenen Familien mit ihren Finanzen anders umgehen. Vor dem finanziellen Zuschuss scheinen sich Investitionen in Bildung oder Gesundheit für sie nicht zu lohnen, danach aber umso mehr. Um den Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen zu können, reduzieren die Eltern womöglich ihren Alkohol- und/oder Tabakkonsum.
  2. Der «Fliegenpapier-Effekt»: So nennen Verhaltens-Ökonomen das Phänomen, dass geschenktes Geld vom Adressaten für den dafür vorgesehenen Zweck verwendet wird – selbst wenn er nicht dazu gezwungen wird. Geldtransfers, die also nicht an genaue Bedingungen und Kontrollen geknüpft sind, sondern einfach dem «Wohle der Familie» dienen sollen, werden folglich auch wirklich dafür eingesetzt.
  3. Solche Entwicklungsgelder werden generell an Frauen ausbezahlt. Und wenn diese über die Ausgaben des Haushalts entscheidet, wird das Geld auch nachweislich öfter für gesundes Essen, den Schulbesuch der Kinder und ärztliche Untersuchungen verwendet.

(rof)

Weitere Alltagsbeobachtungen aus der Welt: Von A bis Z

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quelle: thomas schlittler
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