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epa05718832 Interior view of a train that has been decorated with large images of Serbian Orthodox religious icons from famous monasteries in Kosovo, departing to Mitrovica, Kosovo, at the railway station in Belgrade, Serbia, 13 January 2017 (issued 15 January 2017). Serbian authorities stopped the train on the Serbian side of the border with Kosovo, alleging that Kosovan special forces were to blow up the tracks. The train had 'Kosovo is Serbain' written in different languages on its coaches.  EPA/STR SERBIA OUT

Dekoriert mit religiösen Symbolen: Ein in Russland gebauter Zug erhitzt die Gemüter zwischen Serbien und dem Kosovo. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Gefährliche Spannungen auf dem Balkan – wiederholt sich im Kosovo das «Krim-Szenario»?

Serbien plane einen Teil des Nordkosovos zu annektieren, genau so wie es Russland auf der Krim im Jahr 2014 gemacht habe, sagte der kosovarische Präsident Hashim Thaci am Montag gegenüber Reuters.



Die Stimmung zwischen Serbien und Kosovo ist in diesen Tagen sehr angespannt. Ausgelöst wurden diese am Samstag, als Serbien einen Zug in den mehrheitlich von Serben bewohnten Norden des Kosovos schicken wollte. Die Waggons waren bemalt mit nationalistischen Symbolen und dem Schriftzug «Kosovo ist Serbien». Gebaut wurde der Zug in Russland.

Der Kosovo wollte dies jedoch nicht zulassen und schickte bewaffnete Spezialeinheiten an die Grenze. Darauf entschied sich der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic dazu, den Zug kurz vor der Grenze anzuhalten. Aus Angst um die Sicherheit der Passagiere und der Besatzung, wie er selbst sagt.

Der Propaganda-Zug aus Belgrad

Serbien attackiert den Kosovo scharf

Nach dem Vorfall gingen die Serben verbal auf den Kosovo los. «Ein Massaker an Serben im Zug verhindert», titelte etwa die Belgrader Zeitung «Kurir» am Sonntag. «Thaci hat wegen des Zugs beinahe einen Krieg ausgelöst», schrieb die serbische Regierungszeitung «Novosti» am Sonntag auf der Titelseite. 

Ministerpräsident Vucic drohte: «Das ist meine letzte Warnung an die Albaner, keinen Angriff auf Serben im Kosovo zu versuchen, denn das wird Serbien nicht erlauben.» Für Serbiens Präsident Tomislav Nikolic war klar: «Der Kosovo will Krieg mit Belgrad.» 

Nach Gesprächen mit führenden Militärs drohte der serbische Präsident damit, wieder Truppen in den Kosovo zu entsenden. Nikolic, der in den 90er-Jahren einer ultra-nationalistischen Partei angehörte, sagte: 

«Wenn sie Serben umbringen, werden wir die Armee senden, wir werden alle gehen, auch ich, es wäre nicht mein erstes Mal.»

Serbia's President Tomislav Nikolic arrives for the Brdo-Brioni Process meeting, a gathering of political leaders from the Western Balkans, in Sarajevo, Bosnia and Herzegovina May 29, 2016. REUTERS/Dado Ruvic

Hält sich nicht zurück mit Kriegsrhetorik: Serbiens Präsident Tomislav Nikolic. Bild: DADO RUVIC/REUTERS

Thaci fürchtet sich vor Krim-Szenario

Am Montag legte nun der kosovarische Präsident Hashim Thaci seine Standpunkte auf den Tisch. In einem Reuters-Interview sagte er: «Serbien will mit diesem Zug, der von Russland geschenkt wurde, den Norden des Kosovos loslösen und ihn annektieren. Es ist das Krim-Modell.» Damit bezieht sich Thaci auf die ukrainische Krim-Halbinsel, welche im Jahr 2014 von Russland annektiert wurde. 

Kosovo's President Hashim Thaci gives an interview for REUTERS in his office in Kosovo's capital Pristina, January 16, 2017. REUTERS/Hazir Reka

Hashim Thaci fürchtet sich vor einem Flächenbrand auf dem Balkan.  Bild: HAZIR REKA/REUTERS

Als Reaktion auf die Drohungen Belgrads warnte Thaci zudem davor, dass jeglicher Versuch einer Annexion des Nordkosovos eine Kettenreaktion auf dem Westbalkan auslösen würde. 

Nicht anerkannt

Serbien verlor die Kontrolle über den Kosovo im Jahr 1999, als NATO-Luftangriffe Belgrad dazu zwangen, ihre Truppen abzuziehen. Weiterhin sind im Kosovo rund 5000 Soldaten der NATO stationiert, um den Frieden zu sichern. 

Around a thousand Kosovo Albanian emigrants fly Albanian flags to celebrate the declaration of independence of their province from Serbia on the Federal Palace in Bern, Switzerland, Sunday, February 17, 2008. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Kosovo-Albaner feiern im Februar 2008 ihr Unabhängigkeit: Die Schweiz war eines der ersten Länder, die diese anerkannte. Bild: KEYSTONE

Im Jahr 2008 verkündete der Kosovo seine Unabhängigkeit, die heute aber weder von Serbien noch Russland anerkannt wird. (cma)

«Es ist das Krim-Modell»: Was hältst du von Thacis Aussage?

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