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Bild: EPA/DPA

Viertes Todesopfer bei Unwetter in Niederbayern entdeckt: «Als ob ein Staudamm gebrochen wäre»

Die Wassermassen haben in Niederbayern eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Tausende Haushalte sind ohne Strom, Hunderte Schüler sassen fest. Und es hört nicht auf zu regnen.

01.06.16, 22:08 02.06.16, 06:24


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Bei dem Hochwasser in Niederbayern ist am Mittwochabend ein viertes Todesopfer gefunden worden. Die Leiche einer Frau wurde bei Julbach an einem Bach entdeckt, wie die Polizei berichtete.

Zuvor hatten Taucher drei Tote in einem überschwemmten Haus in Simbach entdeckt. Die Toten seien in einem überschwemmten Haus entdeckt worden. Nähere Angaben etwa zum Alter und zum Geschlecht der Toten konnten die Behörden zunächst nicht machen. Fahmüller zeigte sich tief betroffen. Er sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Nach den heftigen Unwettern in Niederbayern, bei dem Flüsse und Bäche über die Ufer traten, bleibt die Lage vielerorts dramatisch. Das Hochwasser im bayerischen Landkreis Rottal-Inn hat 9000 Haushalte vom Strom abgeschnitten. Hunderte Schüler waren von ihrem Heimweg abgeschnitten, erst am Mittwochabend konnten sie nach Hause. Eine Schneise der Verwüstung zieht sich durch den Landstrich.

Immerhin: «Die Pegel gehen etwas zurück», sagt der stellvertretende Sprecher des Landratsamts, Robert Kubitschek, am Mittwochabend. Jedoch seien die Verwüstungen gross. «Brücken sind eingestürzt oder unbefahrbar. Strassen sind unterspült.»

«Von da oben ist das Wasser gekommen», berichtet ein Mann in Simbach am Inn, einer der Orte, die es besonders hart getroffen hat, und zeigt fassungslos die Strasse hinauf. «Das war, als wenn ein Staudamm gebrochen wäre.»

In Simbach rauschte eine braune Flutwelle durch den Ort Richtung Tal. Autos, Bäume, Möbel und Kleinkram – alles wurde mitgerissen. Im tiefer gelegenen Teil des Ortes sammelt sich die schmutzige Brühe. Während weiter oben schon die Aufräumarbeiten beginnen, ist weiter unten am Mittwochabend immer noch alles von den Wassermassen eingeschlossen.

Simbach am Inn. karte: google maps

So wie in Simbach sieht es auch in anderen Gemeinden im Landkreis Rottal-Inn aus. In Triftern stehen Häuser bis in den ersten Stock unter Wasser. Hubschrauber befreien Menschen, die inmitten der Wassermassen gefangen sind. Sie schweben an Sicherungsseilen mit den Helikoptern aufs Trockene. Andere warten noch in den oberen Stockwerken ihrer Häuser auf Hilfe, manche sind aufs Dach geklettert. Und es hört nicht auf zu regnen.

Vorerst kein Strom

Die Fluten verhinderten vielerorts den Zugang zu Trafostationen oder Umspannwerken, teilt der Energienetzbetreiber Bayernwerk am Mittwochabend mit. Tausende Haushalte sollten auch über Nacht ohne Stromversorgung sein.

Da es keinen detaillierten Überblick über die Hochwassersituation gebe, müsse der Strom vielfach abgeschaltet bleiben. Sicherheit habe absoluten Vorrang. «Wir schalten nur dann, wenn wir einen klaren Überblick über die lokale Lage haben», erklärte Jürgen Graml, der beim Bayernwerk den Netzbetrieb Niederbayern verantwortet. Mitarbeiter seien unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Schulen bleiben geschlossen

Mehrere Schulen bleiben am Donnerstag geschlossen. Die Abiturprüfungen an der Fachoberschule und an der Beruflichen Oberschule in Pfarrkirchen fänden aber statt, sagte Kubitschek. Schüler, die wegen der Überschwemmungen nicht zur Prüfung kommen könnten, bekämen schnell einen Nachholtermin.

Andere Schüler konnten ihre Schule lange nicht verlassen: In Simbach richteten sich die 350 Schüler sogar auf eine Übernachtung in ihrer Schule ein – die Zufahrtswege waren bis zum Abend nicht passierbar. Auch in Triftern konnten 250 eingeschlossene Kinder das Schulgebäude lange Zeit nicht verlassen.

Flutwelle in Triftern.
Bild: EPA/DPA

Passau ruft Katastrophenfall aus

Auch in Passau – rund 50 Kilometer nordöstlich der besonders hart getroffenen Gemeinden Triftern, Simbach und Tann – wurde mittlerweile der Katastrophenfall als Vorstufe zu einem möglichen Katastrophenalarm ausgerufen. Denn auch hier hört es nicht auf zu regnen.

Die Bevölkerung sei aufgerufen, auf unnötige Autofahrten zu verzichten, nach Möglichkeit im Haus zu bleiben und Kellerräume zu meiden. «Die anhaltenden Regenfälle im südlichen Landkreis und die zu erwartenden Hochwasserstände an Rott und Wolfach geben keinen Anlass, von einer Entspannung der Situation auszugehen.»

Überschwemmungen auch in NRW, Sachsen und Niedersachsen

Starkregen machte den Menschen auch in Hannover zu schaffen – die Feuerwehr musste zu mehr als hundert Einsätzen ausrücken. Auch in Leipzig standen einige Strassen unter Wasser.

In Nordrheinwestfalen steckte bei Xanten ein Regionalzug zeitweise im Schlamm auf den Gleisen fest, wie die Feuerwehr berichtete. Ebenfalls im Raum Xanten sassen Schüler auf einem Bauernhof fest, weil die Wassermassen die Zufahrtsstrassen unpassierbar gemacht hatte. «Die Schüler sind aber nicht in Gefahr. Sie sitzen trocken in einer Scheune und sind versorgt», sagte der Feuerwehrsprecher.

In Düsseldorf liefen mehrere Strassentunnel voll Wasser. Die Autobahn 46 musste dort gesperrt werden. Auch viele innerstädtische Strassen wurden überflutet.

Schäden in zweistelliger Millionenhöhe

In Niederbayern sind nach ersten Erkenntnissen Schäden in mindestens zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Bayerns Finanzminister Markus Söder versprach in einem Gespräch mit der «Passauer Neuen Presse», man werde «schnell und unbürokratisch» bei der Beseitigung der Schäden helfen.

Und wenigstens eine gute Nachricht gibt es: «Wir haben bisher kein Todesopfer zu beklagen», sagt Vizelandratsamtssprecher Kubitschek.

sun/dpa

Ähnlich die Situation in Baden-Württemberg 

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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