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epa04464478 (FILE) A file photo dated 10 September 2013 showing a scooter passing in front of branch of Bank of Cyprus in Nicosia, Cyprus. Bank of Cyprus was one of the banks taking part in the banking stress test of European Central Bank ECB, published on 26 October 2014 and based on 2013 figures. Bank of Cyprus Group on 26 October 2014 said Bank of Cyprus successfully passed the 2014 ECB Comprehensive Assessment following a share capital increase of €1 bn in September 2014 and further said significant pre-emptive strengthening of
the bank’s capital position ensured that the bank was well positioned for the Comprehensive Assessment. In total, 25 Eurozone banks failed a stress test intended to determine their financial stability, the European Central Bank (ECB) said Sunday, adding that 13 of those must raise 10 billion euros (12.7 billion dollars) in the next six to nine months.  EPA/KATIA CHRISTODOULOU

Die Zyprer sind der Krise davongebraust.  
Bild: KATIA CHRISTODOULOU/EPA/KEYSTONE

Wie sich Zypern aus der Krise manövrierte – und weshalb dies den Griechen nicht gelingt

Griechenland hängt immer noch am Tropf der Europartner – Zypern dagegen kann das Rettungsprogramm jetzt nach nur drei Jahren verlassen. Wie hat das Land das geschafft?

David Böcking und Giorgos Christides



Ein Artikel von

Spiegel Online

Kyriakos Mitsotakis stand zu seinen gemischten Gefühlen. «Ich verspüre Freude, dass Zypern nach drei Jahren das Rettungsprogramm verlässt», sagte der Parteichef der griechischen Konservativen Ende Februar in der zyprischen Hafenstadt Larnaka. «Aber ich verspüre auch Traurigkeit, weil Griechenland nach sechs Jahren immer noch Gefangener der Rettungsprogramme ist.»

Mitsotakis dürfte für viele Landsleute sprechen. Wenn in Zypern in diesem Monat ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket der sogenannten Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) endet, könnte der Kontrast zum Nachbarland kaum grösser sein.

Die Zyprer werden von ihren Geldgebern gelobt: «Wirtschaftswachstum und Haushaltsergebnisse übertreffen weiterhin die Erwartungen», heisst es im letzten IWF-Bericht. Auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Christopher Pissarides ist zufrieden. Der Abschluss des Programms sei eine «grosse Erfolgsgeschichte», sagte der gebürtige Zyprer «Spiegel Online». «Zypern bewegt sich auf eine solide, nachhaltige Erholung zu.»

Ganz anders Griechenland: Im vergangenen Jahr musste die griechische Regierung nach dramatischen Verhandlungen das mittlerweile dritte Rettungspaket innerhalb von sechs Jahren beantragen. Nun droht sich die Krise des Landes wieder zu verschärfen – auch wegen des Flüchtlingsstroms, über dessen Umgang ein heftiger Streit mit den EU-Partnern entbrannt ist.

Was also lief in Zypern anders oder gar besser als in Griechenland?

Das Glück der späten Rettung

Griechenland war das erste Land, das in der Eurokrise Finanzhilfen beantragen musste, Zypern dagegen das (vorerst) letzte. Aus zyprischer Sicht war das ein Vorteil. Denn die Spar- und Reformauflagen für Griechenland waren besonders hart. Das lag an der Rekordverschuldung des Landes, aber auch daran, dass die ursprünglichen Prognosen der Geldgeber sich als viel zu optimistisch erwiesen.

Bevor die Zyprer sich dagegen im März 2013 den Auflagen der Troika beugten, hatten sie lange verhandelt. Das konnten sie auch deshalb, weil ihnen zunächst Russland mit einem Kredit für 2,5 Milliarden Euro aushalf – die beiden Länder pflegen traditionell enge Beziehungen. Als schliesslich doch die Troika einsprang, hatte sie zwischenzeitlich weitere Erfahrungen mit Rettungsprogrammen für Irland und Portugal gesammelt.

«Sie haben etwas aus Griechenland gelernt», glaubt Pissarides. Das zeige vor allem das Eingeständnis des IWF, die Auswirkungen von Einsparungen zunächst unterschätzt zu haben. Im Gegensatz zu Griechenland seien die Erwartungen der Troika in Zypern zu niedrig gewesen – und entsprechend leichter zu erfüllen. Ausserdem habe es das Land «geschafft, mit sehr geringen Steuererhöhungen davonzukommen». So stiegen die Unternehmenssteuern von zehn auf 12,5 Prozent – das ist zusammen mit Irland immer noch der niedrigste Satz in der ganzen EU.

Ein Ende mit Schrecken bei den Banken

Im Zentrum von Zyperns Krise stand der Bankensektor. Die Finanzinstitute hatten ihre Bilanzen über Jahre immer weiter aufgebläht, auch mit dem Schwarzgeld russischer Investoren. Zudem investierten sie Milliarden in griechische Staatsanleihen – und wurden deshalb von der Krise des Landes mitgerissen.

Unter dem Druck der Geldgeber reagierte Zypern mit einer radikalen Lösung: Laiki, das zweitgrösste Institut des Landes, musste schliessen, seine faulen Kredite wurden in eine «Bad Bank» ausgelagert. Die Nummer eins, Bank of Cyprus, wurde zwar erhalten. Doch erstmals in der Eurokrise mussten sich Kunden an der Rettung beteiligen. Kontoguthaben oberhalb von 100'000 Euro wurden zu fast der Hälfte in Anteilscheine umgewandelt.

epa04531023 A customer withdraws money from an ATM of a Bank of Cyprus branch in Nicosia, Cyprus, 16 December 2014. The Bank of Cyprus shares begin trading ?n the Cyprus Stock Exchange and the Athens Stock Exchange today, after 21 months of suspension, marking an additional step towards the stabilisation of Cyprus` largest lender. The total issued share capital of the Bank is 892.2 million euros, divided into 8,922,377,345 ordinary shares of a nominal value of 0.10 euros. The stock price has been set at 0.24 euros. The Bank's stock listing was suspended in March 2013, following the implementation of a 10 billion euro bailout concluded between Cyprus and its international lenders (EC, ECB and IMF).  EPA/KATIA CHRISTODOULOU

Es kommt wieder Geld aus dem Automaten: Die Zyprer profitierten von den Erfahrungen der Troika.
Bild: KATIA CHRISTODOULOU/EPA/KEYSTONE

«Aus sozialer Sicht war das eine schreckliche Methode», sagt Nobelpreisträger Pissarides. «Man sollte das nirgendwo anders versuchen.» Die Zwangsabgabe habe nicht nur russische Millionäre getroffen, sondern auch viele ältere Normalbürger. Diese hätten oft ihre gesamte Altersversorgung bei der Bank geparkt, da es auf Zypern kein mit Deutschland vergleichbares Rentensystem gebe. «Ich habe selbst ein wenig Geld verloren», berichtet Pissarides. Der grösste Teil seines Vermögens sei jedoch glücklicherweise in Grossbritannien, wo er an der London School of Economics unterrichtet.

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht aber hatte der harte Schnitt klare Vorteile. Während Griechenland seine Banken bis heute wiederholt mit neuem Geld stützen musste, ist die Lage im zyprischen Bankensektor inzwischen ziemlich stabil.

Zwar sitzen die Institute laut Zentralbank immer noch zu fast 50 Prozent auf faulen Krediten. Giannis Seitanidis, Leiter des Wirtschaftsressorts bei der zyprischen Zeitung «Politis», hält diese Zahl jedoch für stark übertrieben. Viele Schuldner hätten ihre Kredite nur vorübergehend nicht bedient, weil sie die weiteren Entwicklungen abwarten wollten. Zudem werde die Zahl der faulen Kredite durch ein neues Gesetz sinken, das Zwangsversteigerungen erleichtert.

Vertrauen ist besser

Sollten wir die Auflagen der Geldgeber akzeptieren? Zwischen griechischen Politikern tobt über diese Frage bis heute eine heftige Auseinandersetzung.

Die politische Kultur von Zypern ist anders: Im Parlament von Nikosia debattierten Abgeordnete selbst hochemotionale Fragen wie die Bankenabgabe erstaunlich ruhig. «Zypern hat im Wesentlichen akzeptiert, dass ein paar Sachen in der Wirtschaft nicht in Ordnung waren», sagt Pissarides. Dann habe man das Programm «bis auf den letzten Buchstaben» umgesetzt.

«Vom ersten Tag an war die Hauptstrategie, das Programm umzusetzen und so Vertrauen bei den Kreditgebern aufzubauen», sagt auch Wirtschaftsjournalist Seitanidis. Mithilfe dieses Vertrauens habe man dann auch stellenweise Erleichterungen aushandeln können.

Bemerkenswert sei, dass alle Haushaltskürzungen noch unter dem Kommunisten Dimitris Christofias beschlossen worden – mittlerweile regiert mit Nicos Anastasiades ein Konservativer. Erleichtert worden sei das Umsteuern durch die geringe Grösse der zyprischen Wirtschaft. «Ein kleines Boot kann den Kurs leichter wechseln als ein grosses Schiff.»

Mittlerweile wächst das Vertrauen in Zypern messbar. Das Land kann sich wieder zu bezahlbaren Zinsen Geld am Kapitalmarkt leihen. Und die in der Krise eingeführten Kapitalverkehrskontrollen wurden bereits vor fast einem Jahr aufgehoben. In Griechenland dagegen gelten bis heute Einschränkungen im Zahlungsverkehr.

Pünktlich zum Ende des Hilfsprogramms mehren sich auf Zypern auch Anzeichen dafür, dass eine Wiedervereinigung zwischen dem griechisch geprägten Süden und dem türkisch besetzten Norden der Insel gelingen könnte. Dies würde «den grösstmöglichen Schub für die Wirtschaft» bedeuten, sagt Pissarides.

Noch liegt die Arbeitslosigkeit allerdings bei 15 Prozent, das Wachstum in diesem Jahr wird auf eher bescheidene 1,5 Prozent geschätzt. Unter diesen Umständen findet Journalist Seitanidis das Wort «Erfolgsgeschichte» etwas hochgegriffen, ein Vorbild aber könne seine Heimat schon sein: Für das verantwortliche Handeln von Politikern. Und vor allem dafür, «was möglich ist, wenn Steuern nicht das Hauptinstrument zur Reparatur von Haushaltsproblemen sind».

Zusammengefasst: Zypern kann nach nur drei Jahren den Rettungsschirm verlassen. Der Inselstaat erholte sich deutlich schneller von der Eurokrise als Griechenland. Das lag neben einer harten Umstrukturierung des Bankensektors und grösserem politischen Konsens auch daran, dass die Geldgeber aus Fehlern in Griechenland gelernt hatten und weniger harte Forderungen stellten.

Obwohl's in Zypern auch schön ist, hier ist die Insel nicht vertreten: Die 40 schönsten Strände der Welt

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    Alle Leser-Kommentare
  • Jol Bear 03.03.2016 19:35
    Highlight Highlight "Ein kleines Boot kann den Kurs schneller wechseln als ein grosses Schiff." Ein ganz wesentlicher Punkt. Fehlentscheidungen in grossen und riesengrossen Schiffen sind fatal, darum sind Systeme mit vielen dezentralen Einheiten mit hohem Ausmass an Autonomie sehr viel stabiler, kommen bei Problemen schneller wieder in ein Gleichgewicht, in den Naturwissenschaften (Bsp. wissenschaftliche Ökologie) x-fach nachgewiesen. In der Politik (EU, China, Sowjetunion u.v.m.) leider immer wieder missachtet, weil einige wenige meinen, alles selber besser zu wissen und letztlich am Grössenwahn scheitern.

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